Ein Schlaganfall ist ein Notfall, der durch eine plötzliche Unterbrechung der Blutzufuhr zum Gehirn verursacht wird. Es gibt zwei Haupttypen von Schlaganfällen: den ischämischen Schlaganfall, der durch eine Verstopfung eines Blutgefäßes verursacht wird, und den hämorrhagischen Schlaganfall, der durch eine Blutung im Gehirn verursacht wird. Dieser Artikel konzentriert sich auf den hämorrhagischen Schlaganfall, seine Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.
Was ist ein hämorrhagischer Schlaganfall?
Von einer „Hirnblutung“ oder einem hämorrhagischen Schlaganfall spricht man, wenn ein Gefäß im Gehirn platzt und Blut in das umliegende Gewebe austritt. Dies kann geschehen, wenn ein Gefäß direkt im Gehirngewebe reißt (intrazerebrale Blutung) oder wenn eine Gefäßaussackung (Aneurysma) im Subarachnoidalraum platzt (Subarachnoidalblutung). Der Subarachnoidalraum ist ein mit Hirnwasser gefüllter Spalt zwischen zwei schützenden Hirnhäuten, in dem wichtige Blutgefäße verlaufen.
Sowohl beim ischämischen Schlaganfall als auch bei der Hirnblutung kommt es zu einer Minderdurchblutung der dahinterliegenden Hirnareale und somit zu einer Minderversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen. Bei der Hirnblutung schädigt der Druck des austretenden Blutes das umliegende Gewebe zusätzlich. Bleibt die Sauerstoffzufuhr länger unterbrochen, sterben betroffene Gehirnzellen schließlich ab.
In Deutschland erleiden jedes Jahr rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Etwa 15 bis 20 Prozent davon sind hämorrhagische Schlaganfälle. Die Folgen können gravierend sein: Rund 700.000 Menschen in Deutschland leben mit bleibenden Behinderungen nach einem Schlaganfall.
Ursachen eines hämorrhagischen Schlaganfalls
Ein hämorrhagischer Schlaganfall kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, die zu einer Blutung im Gehirn führen. Die beiden wichtigsten Arten sind intrazerebrale Blutungen (ICB) und subarachnoidale Blutungen (SAB).
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Intrazerebrale Blutung
Intrazerebrale Blutungen stellen einen schwerwiegenden medizinischen Notfall dar, bei denen ein Blutgefäß im Gehirn reißt und Blut in das umliegende Gewebe gelangt. Dieser Zustand wird oft durch starken Bluthochdruck verursacht, da hoher Druck die Gefäßwände schwächen bzw. schädigen kann. Die Folgen einer intrazerebralen Blutung können dramatisch sein und hängen von der Größe und Lage der Blutung ab. Wenn das Blut in strategisch wichtige Gehirnregionen gelangt, kann dies zu neurologischen Symptomen wie Lähmungen, Sprachproblemen und Bewusstseinsverlust führen.
Subarachnoidale Blutung
Subarachnoidale Blutungen sind ebenfalls akute medizinische Notfälle, bei denen Blut in den Raum zwischen den Hirnhäuten gelangt. Eine der häufigsten Ursachen für subarachnoidale Blutungen ist das Platzen eines Hirnaneurysmas, einer Ausbuchtung an der Wand eines Blutgefäßes im Gehirn.
Ein Aneurysma ist eine örtlich begrenzte Erweiterung einer Arterie, die angeboren sein kann. In den meisten Fällen entsteht es jedoch in höherem Alter durch eine Schwächung der Arterienwand durch Ablagerungen. Meist verursacht ein Aneurysma gar keine Symptome - bis es plötzlich reißt.
Die Subarachnoidalblutung ist äußerst gefährlich, da das ausgetretene Blut den normalen Fluss der Hirnflüssigkeit (Liquor) beeinträchtigen und einen erhöhten Druck im Gehirn verursachen kann.
Weitere Ursachen und Risikofaktoren
Zu den Ursachen und Risikofaktoren einer Hirnblutung gehören alle Umstände, die eine Arteriosklerose (Gefäßerkrankung) indirekt begünstigen. Aufgrund der verschiedenen Arten von Gehirnblutungen gibt es neben den oben genannten Risikofaktoren auch individuelle Ursachen für jede Form einer Hirnblutung:
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- Intrazerebrale Blutung: In den meisten Fällen ist ein chronischer Bluthochdruck Ursache für diese Form der Hirnblutung. Seltenere Ursachen sind Kopfverletzungen, Hirntumore, oder Gefäßfehlbildungen wie ein Aneurysma.
- Subarachnoidalblutung: Eine Kopfverletzung ist die häufigste Ursache für diese Art der Hirnblutung. Im Unterschied dazu sind die Ursachen für eine spontane Subarachnoidalblutung ein Aneurysma, also eine Gefäßfehlbildung.
- Epiduralhämatom: Auslöser dieser Blutung im Hirn ist in der Regel ein Schädel-Hirn-Trauma. Eine häufige Ursache dafür ist z. B. ein Sturz beim Sport ohne Schutzhelm.
- Subduralhämatom: Eine akute subdurale Blutung wird durch ein schweres Schädel-Hirn-Trauma ausgelöst z. B. durch einen Autounfall.
Indirekt gelten alle eine Arteriosklerose begünstigenden Umstände als Risikofaktoren für eine Hirnblutung. Hierzu zählen neben einem Bluthochdruck der Konsum von Nikotin und Alkohol, ein erhöhter Blutfettspiegel, eine Blutzuckerkrankheit, Bewegungsmangel und Übergewicht. Auch eine angeborene oder durch blutverdünnende Medikamente hervorgerufene Blutungsneigung kann eine Hirnblutung begünstigen. Darüber hinaus können äußere Einflüsse wie etwa ein Schädel-Hirn-Trauma aufgrund eines Unfalls eine Hirnblutung verursachen.
Viele dieser Risiken lassen sich beeinflussen - durch einen gesunden Lebensstil, eine frühzeitige Diagnostik und eine konsequente Behandlung.
Symptome eines hämorrhagischen Schlaganfalls
Die Symptome eines hämorrhagischen Schlaganfalls bzw. einer Hirnblutung können je nach Ort und Ausmaß der Blutung variieren. Sie entstehen dadurch, dass das ausgetretene Blut die Hirnhaut reizt oder auf benachbarte Hirnregionen drückt. Häufige Symptome sind:
- Plötzlicher und starker Kopfschmerz: Ein plötzlicher und intensiver Kopfschmerz, oft als "der schlimmste Kopfschmerz meines Lebens" beschrieben, ist ein alarmierendes Symptom eines hämorrhagischen Schlaganfalls.
- Übelkeit und Erbrechen: Übelkeit und Erbrechen sind weitere alarmierende Symptome eines hämorrhagischen Schlaganfalls. Wenn jemand plötzlich von Übelkeit und Erbrechen begleitet von Steifheit im Nackenbereich heimgesucht wird, sollten sofortige Maßnahmen ergriffen werden.
- Beeinträchtigtes Bewusstsein: Ein beeinträchtigtes Bewusstsein kann ein beunruhigendes und ernstes Symptom eines Schlaganfalls oder einer Hirnblutung sein. Betroffene können plötzlich Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit oder sogar ein Koma aufweisen.
- Schwäche oder Lähmung: Schwäche oder Lähmung eines Arms, Beins oder einer Gesichtshälfte sind Symptome, die sowohl bei hämorrhagischen als auch bei ischämischen Schlaganfällen auftreten können. Die Schwäche oder Lähmung tritt meist plötzlich auf - buchstäblich „wie der Schlag“ - und ist ein ernsthaftes Zeichen für eine möglicherweise lebensbedrohliche Situation.
- Sprach-, Sprech- und Sehstörungen: Sprach-, Sprech- und Sehstörungen können alarmierende Anzeichen eines Schlaganfalls bzw. einer Hirnblutung sein. Betroffene können Schwierigkeiten beim Sprechen, Verstehen von Sprache oder sogar plötzliche Sehstörungen erleben.
- Weitere Symptome: Plötzliche Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen, Schwindel, Koordinationsprobleme oder starke Kopfschmerzen können auf einen Schlaganfall hinweisen. Die Beschwerden treten zumeist schlagartig auf und betreffen oft nur eine Körperseite.
Insbesondere bei Frauen können bei einem Schlaganfall auch weniger typische Symptome auftreten. Dazu zählen Schluckauf, Übelkeit, Brustschmerzen, starke Müdigkeit, Kurzatmigkeit und ein rasender Herzschlag. Frauen berichten zudem häufiger über allgemeine Schwäche und kognitive Beeinträchtigungen wie Verwirrtheit.
Der FAST-Test
Um einen Schlaganfall schnell zu erkennen, kann der sogenannte FAST-Test angewendet werden. FAST ist ein englisches Kurzwort und steht für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit):
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- F - Face (Gesicht): Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab?
- A - Arms (Arme): Bitten Sie die Person, beide Arme vor sich auszustrecken. Die Handflächen zeigen nach oben, die Finger sollen gespreizt werden. Dann soll die betroffene Person die Augen schließen. Dreht sich eine Handfläche ein? Sinkt ein Arm ab oder wird schwächer?
- S - Speech (Sprache): Wirkt die Sprache verwaschen oder unverständlich? Kann die Person einfache Sätze korrekt wiedergeben?
- T - Time (Zeit): Warten Sie nicht! Wichtig: Selbst wenn der FAST-Test keine Auffälligkeit zeigt, sollte bei anderen plötzlich auftretenden neurologischen Symptomen wie akutem Gleichgewichtsverlust, starker Verwirrtheit oder plötzlichem Sehausfall sofort der Notruf gewählt werden.
Diagnose eines hämorrhagischen Schlaganfalls
Um schnell die richtige Behandlung einzuleiten, muss durch das Behandlungsteam zuerst geklärt werden, ob es sich um eine Durchblutungsstörung oder eine Hirnblutung handelt. Die Diagnose beginnt mit einer körperlichen und neurologischen Untersuchung. Dabei werden die Bewusstseinslage und die Funktion verschiedener Nerven der Patientin oder des Patienten überprüft. In einem Gespräch wird zusätzlich besprochen, wie es zu den Symptomen der Hirnblutung kam. Für die Ärztinnen und Ärzte ist es wichtig zu wissen, ob die Gehirnblutung durch einen Sturz, Medikamenteneinnahme oder z. B. den Konsum von Drogen ausgelöst wurde.
Entscheidend ist dann die Bildgebung: In der Regel wird eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes durchgeführt. Damit lässt sich erkennen, ob ein Gefäß verschlossen ist oder eine Blutung vorliegt. Bei der Diagnose einer akuten Hirnblutung wird von den behandelnden Ärztinnen und Ärzten eine neurologische Untersuchung durchgeführt. Dabei werden die Bewusstseinslage und die Funktion verschiedener Nerven der Patientin oder des Patienten überprüft. In einem Gespräch wird zusätzlich besprochen, wie es zu den Symptomen der Hirnblutung kam. Für die Ärztinnen und Ärzte ist es wichtig zu wissen, ob die Gehirnblutung durch einen Sturz, Medikamenteneinnahme oder z. B. den Konsum von Drogen ausgelöst wurde.
Ein wichtiges Verfahren zur Bildgebung bei einer Hirnblutung ist eine Computertomografie des Kopfes (CT). Damit lässt sich eine Blutung im Gehirn bildlich direkt nachweisen. Diese erscheint als „heller Fleck“ auf dem Scan des Gehirns und zeigt damit sowohl das Ausmaß der Hirnblutung als auch den Ort der Entstehung. Außerdem kann durch einen CT-Scan eine Hirnblutung von einem Schlaganfall unterschieden werden. Eine Alternative zur CT ist die Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie, MRT).
Eine weitere wichtige Untersuchung, um eine akute Hirnblutung festzustellen, ist das Gefäßröntgen (Angiografie) im Schädelbereich. Mit der Hilfe von Kontrastmitteln wird eine Röntgendarstellung der Hirngefäße erstellt. Um noch bessere Ergebnisse zu erzielen, wird dieses Verfahren oft mit einem CT oder MRT kombiniert.
Zusätzlich können Blutuntersuchungen und ein EKG erfolgen, um mögliche Ursachen wie Vorhofflimmern zu identifizieren.
Behandlung eines hämorrhagischen Schlaganfalls
Die Behandlung eines hämorrhagischen Schlaganfalls oder einer Hirnblutung erfordert eine schnelle medizinische Intervention, um das Bluten zu stoppen, den Druck im Gehirn zu reduzieren und mögliche Komplikationen zu minimieren. Die Therapieansätze können je nach Schweregrad der Blutung und individuellen Faktoren variieren. In erster Linie ist eine spezielle Station bzw. Stroke Unit für Schlaganfallpatienten geeignet, um eine optimale Behandlung und Therapie zu gewährleisten.
Die Akutbehandlung hängt unter anderem vom Ort und der Menge des ausgetretenen Blutes sowie der Ursache der Hirnblutung ab. Bei einer Blutgerinnungsstörung müssen diese ebenfalls soweit möglich behandelt werden.
Chirurgische Eingriffe
Chirurgische Eingriffe spielen nicht selten eine entscheidende Rolle in der Behandlung hämorrhagischer Schlaganfälle bzw. Hirnblutungen, insbesondere wenn die Blutung auf ein rupturiertes Aneurysma zurückzuführen ist. Diese Operationen haben das Ziel, die Hirnblutungen zu stoppen und eine zweite, oft noch schwerere Blutung zu verhindern.
Bei großen Hirnblutungen kann es durch die Volumenzunahme im durch den Knochen begrenzten Schädel zu einer lebensbedrohlichen, druckbedingten Verdrängung und Funktionsstörung des umliegenden Gehirngewebes kommen. In diesem Fall können eine operative Eröffnung des Schädelknochens (Trepanation) und ggf. eine Entfernung des Blutes zur Entlastung des Gehirns führen. Auch das Einbringen einer Sonde zur Druckmessung oder eines Schlauchs zur Ableitung von Flüssigkeit aus dem Gehirn kann notwendig sein.
Eine der häufigsten Techniken ist heute das endovaskuläre Coiling, bei dem ein dünner Draht in das Blutgefäß eingeführt wird und sich in das Aneurysma windet, um es durch nachfolgende Blutgerinnung abzudichten. Eine andere Methode ist das Anbringen von Clips an das Aneurysma. Dabei wird das Aneurysma von außen verschlossen, um zu verhindern, dass weiteres Blut in den Raum zwischen den Hirnhäuten gelangt.
Die Wahl des Verfahrens hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Größe und Lage des Aneurysmas sowie dem Zustand des Patienten. Diese Eingriffe erfordern spezialisierte Fähigkeiten und Ausrüstung und werden in Zusammenarbeit mit Neurochirurgen und interventionellen Neuroradiologen durchgeführt.
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