Ein Schlaganfall kann das Leben der Betroffenen grundlegend verändern. Oftmals ist die Fähigkeit, sicher zu gehen, stark beeinträchtigt. Viele Schlaganfallpatienten wünschen sich nichts sehnlicher, als wieder selbstständig und sicher gehen zu können. Die Rehabilitation spielt dabei eine entscheidende Rolle, um verlorene Fähigkeiten wiederzuerlangen und den Alltag besser bewältigen zu können.
Die Herausforderungen nach einem Schlaganfall
Nach einem Schlaganfall müssen Betroffene oft viele alltägliche Dinge neu erlernen, darunter auch das Gehen. Besonders schwierig wird es, wenn eine Körperseite gelähmt ist (Hemiparese). Einige Patienten entwickeln zusätzlich eine Störung der Körperwahrnehmung, die sogenannte "Pusher-Symptomatik". Dabei verlagern sie unbewusst ihren Körperschwerpunkt zur gelähmten Seite hin, was zu Stürzen führen kann. Dieses Phänomen entsteht, weil die Betroffenen mit der nicht-gelähmten Körperhälfte zur gelähmten Seite hin "drücken" (pushen).
Rehabilitation: Ein многоseitiger Ansatz
Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall ist ein комплексный Prozess, der verschiedene Therapieansätze umfasst. Ziel ist es, die Selbstständigkeit der Betroffenen wiederherzustellen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Die Behandlungsziele werden gemeinsam mit den therapeutischen Fachkräften festgelegt und orientieren sich an den individuellen Bedürfnissen und Beeinträchtigungen des Patienten.
Physiotherapie und Krafttraining
Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle bei der Wiederherstellung der Gehfähigkeit. Durch gezieltes Training von Gleichgewicht, Kraft und Ausdauer können Patienten lernen, wieder sicherer zu gehen. Wer im Rollstuhl sitzt oder bettlägerig ist, kann beispielsweise üben, von einem Stuhl oder aus dem Bett aufzustehen und einige Schritte zu gehen. Auch Einschränkungen von Arm und Hand lassen sich mit Übungen mindern - zum Beispiel, indem der gelähmte Arm verstärkt benutzt wird. Dies kann auch Schulterschmerzen vorbeugen.
Aufgabenorientiertes Training (AOT)
Aufgabenorientiertes Training (AOT) ist besonders geeignet für Menschen mit grob- und feinmotorischen Störungen, wie sie beispielsweise bei einer Halbseitenlähmung auftreten können. Ziel ist es, einzelne Bewegungsabläufe zu verbessern, sowohl beim Gehen als auch bei Arm- und Handbewegungen. Das Training orientiert sich an konkreten Alltagssituationen, um das Gelernte direkt im Alltag anwenden zu können. So können Betroffene lernen, möglichst viele Alltagshandlungen selbstständig auszuführen, wie zum Beispiel eine Tasse zum Mund zu führen, sich selbstständig an- und auszuziehen oder eine Treppe zu laufen.
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Laufbandtraining
Das Laufbandtraining ist eine weitere wichtige Komponente der Gangrehabilitation. Es hilft vor allem bei der Verbesserung der Gehgeschwindigkeit und der Ausdauer. Bei Bedarf kann ein Gurtsystem eingesetzt werden, um das Körpergewicht während des Übens zu verringern. Laufbänder sind in Rehakliniken und größeren Physiotherapiepraxen zu finden.
Elektrostimulation
Die Elektrostimulation kann bei der Wiederherstellung von Bewegungsabläufen helfen, indem sie die Signalweiterleitung vom Gehirn zu den Muskeln unterstützt. Durch elektrische Impulse werden die betroffenen Muskeln angeregt, was die Bewegungskontrolle verbessern kann. Es gibt verschiedene Formen der Elektrostimulation, wie die neuromuskuläre Elektrostimulation (NMES), die EMG-getriggerte Elektrostimulation (EMG-ES) und die funktionelle Elektrostimulation (FES).
Robotergestützte Therapie
Robotergestütztes Gangtraining
Robotergestützte Assistenzsysteme zum Gangtraining haben sich als vielversprechend erwiesen, insbesondere bei Patienten mit Pusher-Symptomatik. Bei diesem Training steigen die Patienten in ein Roboter-ähnliches Gerüst aus Schienen und Schlingen, das sie ohne Krafteinsatz von außen stützt und gleichzeitig mobilisiert. Auf einem Laufband trainieren sie dann mit diesem passgenauen Assistenzsystem ihre symmetrische Körperhaltung und das Gehen. Das System ist mit einem Computer verbunden, der die jeweilige Körperhaltung erkennt und bei Bedarf sofort korrigieren kann. Studien haben gezeigt, dass Patienten, die an einem zweiwöchigen Roboter-gestützten Gangtraining teilnahmen, im Anschluss eine bessere Haltungskontrolle hatten als Patienten, die konventionell physiotherapeutisch betreut wurden.
Arm-Robot-Therapie
Die Therapie mit Unterstützung eines Roboters kann auch für Menschen mit lähmungsbedingten Bewegungsstörungen im Arm beziehungsweise der Hand sinnvoll sein. Der betroffene Arm wird oft in eine Art Roboterschiene gelegt, die die Bewegungen unterstützt. Die Roboter erkennen, welche Bewegungen der Betroffene selbst ausführen kann und an welchen Stellen sie unterstützen müssen. Insbesondere in den ersten Wochen und Monaten nach dem Schlaganfall können spezifische Bewegungen, die noch nicht selbständig ausgeführt werden können, in einer hohen Wiederholungszahl geübt werden.
Bobath-Konzept
Das Bobath-Konzept wird zur Befundaufnahme und Behandlung von Menschen mit Störungen des Muskeltonus verwendet. Auch bei sensiblen Störungen kann die Bobath-Therapie angewendet werden. Ziel ist die Verbesserung der funktionellen Fähigkeiten, sodass der Patient wieder am täglichen Leben teilnehmen kann. Im Vordergrund stehen individuelle und alltagsbezogene therapeutische Aktivitäten, die den Patienten in seinem Tagesablauf begleiten.
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CIMT-Therapie
Die "Constraint-Induced Movement Therapy" (CIMT) ist eine Therapie, bei der ganz intensiv alles mit dem betroffenen Arm gemacht wird. Der nicht-betroffene Arm wird über mehrere Stunden täglich immobilisiert, wodurch die Betroffenen gezwungen sind, die schwächere Seite intensiv einzusetzen. Dadurch kann die spontane Nutzung des gelähmten Armes wieder gefördert werden. Wichtig ist, dass die Therapie nur dann infrage kommt, wenn keine vollständige Lähmung vorliegt und die Handfunktion teilweise noch erhalten ist.
Spiegeltherapie
Bei der Spiegeltherapie betrachtet der Patient im Spiegel die Bewegung seiner nicht gelähmten Hand. Durch den Blick in den Spiegel sieht diese Bewegung so aus als würde sich seine gelähmte Hand ganz normal bewegen.
Medikamentöse Unterstützung
Obwohl Medikamente bei den unteren Extremitäten interessanterweise nur wenig zu helfen scheinen, können sie in einigen Fällen dennoch eine unterstützende Rolle spielen.
Der Faktor Zeit und Intensität
Ein intensives Üben ist eine wesentliche Voraussetzung, um wieder laufen zu lernen. Die ständige Wiederholung ist das Wichtigste. Es ist wichtig, das, was man erreichen möchte, hochfrequent zu üben. Die Intensität und diese hohe Wiederholungsrate können durch konventionelle Therapie kaum erreicht werden.
Insbesondere in der frühen Phase nach dem Schlaganfall wird empfohlen, dass eine zusätzliche spezifische Armrehabilitation für mindestens 30 Minuten jeden Werktag erfolgt. In der späten Krankheitsphase können spezifische Maßnahmen der Armrehabilitation empfehlenswert sein, wie zum Beispiel 90-270 Minuten pro Woche ein strukturiertes, sich wiederholendes Training.
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Technische Hilfsmittel und Geräte
Neben den klassischen Therapieansätzen gibt es eine Reihe von technischen Hilfsmitteln und Geräten, die die Rehabilitation unterstützen können:
- Laufband: Wie bereits erwähnt, ist das Laufband ein wichtiges Gerät zur Verbesserung der Gehgeschwindigkeit und Ausdauer.
- Sprunggelenksorthesen: Diese helfen Betroffenen mit einer Fußheberschwäche, die als Folge des Schlaganfalls entstehen kann. Die Orthese korrigiert die Fehlstellung des Fußes und ermöglicht dadurch ein besseres Abrollen.
- Endeffektor-Modelle und Exoskelett-Modelle: Diese Roboter bzw. elektromechanischen Geräte helfen Betroffenen, wieder gehen zu lernen, indem sie entweder die Füße auf beweglichen Platten führen (Endeffektor-Modelle) oder die Hüft- und Kniegelenke durch Elektromotoren unterstützen (Exoskelett-Modelle).
- MoreGait: Dieses Therapiegerät ermöglicht ein sicheres und eigenständiges Lauftraining in sitzender oder halb-liegender Position. Es stimuliert die Fußsohle und unterstützt die Gelenkbewegung durch künstliche Muskeln.
Die Rolle des interdisziplinären Teams
Wichtig ist, dass die Behandlung in einem fachübergreifenden Team aus der Neurologie, der physikalischen Medizin und der Physiotherapie erfolgt. Auch Logopäden, Ergotherapeuten, Neuropsychologen und Pflegekräfte spielen eine wichtige Rolle im Rehabilitationsprozess.
Rehabilitation zu Hause
Um die in der Klinik erzielten Erfolge zu festigen und weiter zu verbessern, ist es wichtig, auch zu Hause regelmäßig zu trainieren. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten:
- Ambulante Rehabilitation: Dabei finden die Therapiestunden in Einrichtungen statt, die nur für die Behandlungstermine besucht werden.
- Rehasport: Sportvereine bieten Rehasport an, an dem auch Menschen nach einem Schlaganfall teilnehmen können.
- Eigentraining: In der Reha werden Übungen erlernt, die danach zu Hause eigenständig durchgeführt werden können.
Forschung und Weiterentwicklung
Die Forschung im Bereich der Gangrehabilitation entwickelt sich stetig weiter. Ein wichtiger Schritt war die Veröffentlichung der Leitlinie "Rehabilitation der Mobilität nach Schlaganfall". Zukünftig gilt es, noch besser zu differenzieren, welche Methoden bei einzelnen Patienten eingesetzt werden. Auch die Elektrostimulation hat noch deutlich mehr Potenzial.
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