Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Schüttellähmung oder Morbus Parkinson, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Sie ist durch eine Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen gekennzeichnet, die das tägliche Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Parkinson, von den Ursachen und Symptomen bis hin zu den Therapiemöglichkeiten und den Herausforderungen, mit denen Betroffene und ihre Angehörigen konfrontiert sind.
Was ist Parkinson?
Die Parkinson-Krankheit ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung in Deutschland. Es handelt sich dabei um eine chronisch fortschreitende Erkrankung des Nervensystems. In Deutschland sind etwa 500 bis 2.000 von 100.000 Personen (0,5 bis 2 Prozent) über 60 Jahren von Parkinson betroffen. Die Anzahl der Betroffenen wird in den nächsten Jahren vermutlich deutlich ansteigen, wobei der Erkrankungsgipfel zwischen dem 70. und 80. Lebensjahr liegt. Nur etwa die Hälfte der Erkrankten ist in Behandlung.
Ursachen und Entstehung von Parkinson
Die Ursache für die Entstehung des Morbus Parkinson ist ein Missverhältnis zwischen den Neurotransmittern Dopamin und Acetylcholin. Überwiegt das Acetylcholin, kann es zur Entstehung von Morbus Parkinson kommen. Für die Entstehung kommen aber auch andere Ursachen in Frage. Hierzu gehören Demenz, Medikamente wie Neuroleptika, Hirntraumen, Schlaganfälle und andere Ursachen, die zum Abbau von Nervenzellen im Gehirn führen.
Symptome von Parkinson
Die Parkinson-Krankheit ist eine „Krankheit der vielen Gesichter“. Zu den bekanntesten Symptomen gehört die Akinese, also die Bewegungsarmut. Das bedeutet eine Verlangsamung oder sogar das völlige Fehlen spontaner Willkürbewegungen. Weitere Symptome sind die erhöhte Muskelsteifigkeit, die sich insbesondere in den Extremitäten bemerkbar macht, das Zittern der Hände im Ruhezustand und die sogenannte posturale Instabilität. Hier kommt es zu einer Störung der Halte- und Stellreflexe.
Die Symptome können einzeln, aber auch in Kombination auftreten. Den motorischen Symptomen gehen in den meisten Fällen andere voraus, wie Riechstörungen, Ganzkörperschmerzen und vegetative Symptome wie Blutdruckschwankungen oder Harnblasenfunktionsstörungen. In vielen Fällen ist auch das psychische Befinden gestört.
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Depressionen, Müdigkeit und andere psychische Symptome wie Gereiztheit, Aggressivität, Enthemmtheit oder Apathie können auftreten. Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen und sogar die Entwicklung einer dementiellen Erkrankung können die Folge von Parkinson sein.
Diagnose von Parkinson
Das Parkinson-Syndrom kann auf unterschiedlichen Wegen diagnostiziert werden. Zum einen achtet der Arzt bei der Untersuchung des Patienten auf das Gangbild. Prüft, ob Zittern, Gleichgewichtsstörungen, eine vorgebeugte Körperhaltung oder der typische kleinschrittige Gang erkennbar sind. Dazu kommt eine ausführliche Befragung des Patienten (Anamnese) hinsichtlich Riech- und Schlafstörungen und, ob der Patient oder die Angehörigen psychische Verhaltensveränderungen oder Gedächtnisstörungen bemerkt haben.
Therapie von Parkinson
Steht die Diagnose fest, sollte rasch medikamentös therapiert werden. Dabei wird häufig das Arzneimittel Madopar verschrieben. Dieses wirkt auf das zentrale Nervensystem und verbessert die Muskelkontrolle, indem der Dopaminmangel ausgeglichen wird. Das Medikament sollte zu festgelegten Tageszeiten eingenommen werden. Allein die medikamentöse Therapie ist nicht ausreichend, insbesondere um die motorischen Symptome zu lindern. Daher sind andere Therapieformen wie Physiotherapie, Ergotherapie, Neuropsychologie und verschiedene Sportarten sehr hilfreich und unterstützen dabei, die Mobilität bis ins hohe Alter einigermaßen aufrechtzuerhalten. So kann die aktive Teilhabe am Leben möglichst lange erhalten werden.
Leben mit Parkinson: Herausforderungen und Bewältigungsstrategien
Multimorbidität und psychische Gesundheit
Wie gehen Menschen mit einer Multimorbidität um? Und was bedeutet es, wenn zu einer psychischen Erkrankung plötzlich auch ein somatisches Leiden in den Lebensalltag tritt? Dass zwischen Körper und Seele untrennbare Zusammenhänge bestehen, ist seit langem bekannt. Dass ein Gebrechen ein anderes verdrängen und damit nahezu unbewusst von jahrelanger Pein befreien kann, weiß der Leiter der Selbsthilfeinitiative zu „Parkinson in jedem Alter“, Dennis Riehle (Konstanz), nur allzu gut. Er litt seit der frühen Pubertät an mannigfaltigen psychischen Störungen - insbesondere einer Zwangserkrankung, generalisierten Angststörung, Psychose und Depressionen - und befand sich über Jahrzehnte mit wechselndem Erfolg in psychotherapeutischer wie psychopharmakologischer Behandlung. Doch im Alter von 35 Jahren erreichte ihn zusätzlich die Diagnose der Schüttellähmung - und veränderte daraufhin auch die Durststrecke, in Sachen seelischer Gesundheit kaum vorangekommen zu sein.
Zwar hatte er bereits durch Antidepressiva der neueren Generation - sogenannte „Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) - Fortschritte erzielen können. Doch die Wucht der Parkinson-Erkrankung traf ihn derart heftig, dass sich seine psychische Symptomatik plötzlich in den Hintergrund verabschiedete. „Ja, ich erinnere mich noch sehr genau: Vor ziemlich genau 25 Jahren wurden Zwangsgedanken und Zwangshandlungen zu einem Wegbegleiter, auf den ich gut hätte verzichten können. Andersherum schien man das aber wohl nicht so zu sehen und deshalb wasche ich mir heute noch immer 30 Mal am Tag die Hände oder kontrolliere die Haustür beim Abschließen weiterhin 10 Mal. Immerhin konnte ich meinen unliebsamen Partner damit aber schon zu zwei Dritteln aus meinem Alltag verbannen, denn heute reichen mir drei Stunden täglich, in denen ich mich mit den Zwängen wohl oder übel befassen muss. Ich fragte mich: Steckt dahinter ein tatsächlicher Therapie-Erfolg? Oder ist einfach jemand Neues in mein Leben getreten, der den Zwängen ihre Position streitig macht? Auf den ersten Blick könnte man dies zumindest vermuten, denn seit ich 2020 an der neurologischen Bewegungsstörung erkrankt bin, widme ich mich insbesondere körperlichen Beschwerden. Nicht mehr die Pflastersteine zählen oder 18 Stunden täglich grübeln. Stattdessen versuche ich mich heute an gänzlich anderen Herausforderungen: Dass ich morgens sicher aus meinem Bett aufstehen kann (nicht, weil ich vielleicht depressiv wäre, sondern weil über Nacht bleierne Muskelsteifigkeit über mich hereingebrochen ist), dass ich beim Kaffeetrinken vor lauter Zittern die Tasse in der Hand behalte oder dass ich bei der Langsamkeit meiner Bewegungsabläufe nicht irgendwann stehenzubleiben drohe“, beschreibt Dennis Riehle sein Dasein heute.
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„Sicherlich sind die Zwänge nun an die zweite Stelle gerückt. Dabei gefällt ihnen das gar nicht. Denn wer sie kennt, weiß selbst ganz genau: Sie fordern ständige Aufmerksamkeit von uns. Wenn sie nicht mehr im Mittelpunkt stehen, rebellieren sie eigentlich. Doch ich kann davon bislang nichts feststellen. Der Parkinson hat den Zwang zurückgedrängt - und offenbar hat er sich das auch gefallen gelassen. Möglicherweise spielt dabei auch die für die Therapie des Parkinson notwendige Dopamin-Einnahme eine entscheidende Rolle. Denn seit Beginn dieser Behandlung hat sich die psychische Verfassung erheblich stabilisiert und es ist kaum mehr zu schweren Rückschlägen gekommen. „Diese Erkenntnis erstaunt ganz mich besonders, denn ich hatte immer gedacht, dass sich die Zwangsstörung nie den ersten Rang streitig machen lässt. Ob ich mit der Konstellation jetzt zufriedener bin, kann ich hierbei nicht wirklich sagen. Während der emotionale Leidensdruck bei der Zwangserkrankung deutlich höher war, plagen mich nun die Sorgen um meinen körperlichen und geistigen Verfall und es ängstigt, welch schwierigen Verlauf die Schüttellähmung in den nächsten Jahren wohl nehmen wird. Während ich bei den Zwängen trotz all ihrer Bedrohlich- und Aufdringlichkeit fast nie das Gefühl des vollständigen Kontrollverlusts über die Psyche und mich hatte, ist es jetzt anders. Wenn mich der Parkinson vor handfeste Halluzinationen stellt, mich bis zur absoluten und schmerzhaften Unbeweglichkeit schikaniert, meine Stimme schwach macht, mich nur noch in Zeitlupe voranschreiten lässt, ich mich durch ihn ständig verschlucke und keine aufrechte Sitzhaltung mehr einnehmen kann, meine Muskeln sich verdrehen und verkrampfen und ich morgens kaum noch sicher sein kann, ob ich weiß, wie ich die Kaffeemaschine bedienen und die Zahnbürste benutzen muss, frage ich mich schon, ob es dann nicht einfacher gewesen ist, Zwängen zu entgegnen, die zwar mein Denken und Handeln verändert hatten, aber mich in der Persönlichkeit und Integrität kaum antasteten. Schlussendlich wohl irgendwie eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Sie relativiert aber keinesfalls die unheimliche seelische wie auch soziale Belastung, die mit der Zwangsstörung einhergegangen war und lange geblieben ist. Als Quintessenz formuliert Riehle noch: „Ritualhaftes Denken und Handeln hat im Dasein von uns Betroffenen allzu viel Freiräume, sich dort genüsslich ausbreiten zu können. Erst, wenn wir den Zwängen ein Gegengewicht entgegenstellen und sie damit nicht mehr die erste Geige spielen lassen, sind sie doch genötigt, die Umkehr anzutreten. Denn ihr so forderndes Naturell nach dem Rampenlicht auf der Bühne unseres Alltags verträgt sich nicht damit, ihnen unsere Konzentration zu entziehen. Denn Zwänge speisen sich vor allem aus der Fokussierung, mit der wir uns ihnen zuwenden. Bauen wir uns deshalb ein Pendant zur Zwangsstörung, das in der Lage ist, sie neidisch zu machen. Entziehen wir ihr die Macht und den Einfluss, indem wir unser Bewusstsein neu kanalisieren. Was bei mir der Parkinson gewesen sein mag, das kann für Andere ein stabiles, erfüllendes Hobby oder eine Beschäftigung sein. Oder eine sinnstiftende Beziehung zu Freunden und Bekannten, Partner oder Familie. Ein ausfüllender Alltag mit viel Ablenkung und fordernden Komponenten. Glaube oder Wissenschaft, Politik oder Philosophie. Mit Themen, die uns wirklich interessieren und fesseln können.
Sport und Bewegung
Treiben Sie, soweit es geht weiter Sport, denn durch sportliche Aktivitäten können Bewegungsabläufe geübt und die motorischen Fähigkeiten gefördert werden. Dabei sollten Sie jedoch auf Ihren Körper hören und ihn nicht durch falschen Ehrgeiz überbeanspruchen. Wichtig ist, dass es Ihnen Spaß macht. Verzichten Sie auf sturzgefährliche Sportarten wie Ski- oder Schlittschuhfahren, ebenso auf Disziplinen, die zu hohe Anforderungen an Schnellkraft und Reaktion stellen - wie zum Beispiel Tennis, Squash oder Ballsportarten wie Volley- oder Basketball.Zur Sicherheit und Motivation sollten Sie Sport nicht alleine betreiben. Optimal für Menschen mit Haltungsproblemen ist Nordic Walking, da es die rhythmische Bewegung und die Aufrichtung fördert, die gerade bei Parkinson sehr wichtig sind. Außerdem ist die Technik schnell erlernbar, kann praktisch vor der Haustür ausgeübt werden und zusammen mit Anfängern und Fortgeschrittenen trainiert werden. Fragen Sie Ihre Arztpraxis, ob und welche Sportarten für Sie in Frage kommen. Vielleicht kann er Ihnen geeignete Übungen für zu Hause zeigen. Sportvereine und Volkshochschulen, aber auch Krankenkassen haben meist ein reichhaltiges Kursangebot.
Geistige Fitness
Zu einer Verlangsamung von Gedankengängen und einer Einschränkung der Konzentrationsfähigkeit kann es im späteren Krankheitsstadium kommen. Die Intelligenz ist davon jedoch nicht betroffen. Um sich geistig fit zu halten, sind Kartenspiele und Rätselspiele oder auch Kino- und Theaterbesuche hilfreich. Sehen Sie Ihr Gehirn-Jogging nicht als Pflichtübung an, sondern als eine Herausforderung, Ihrer Erkrankung aktiv entgegenzutreten.
Schlafstörungen
Im fortgeschrittenen Verlauf der Erkrankung klagen viele Patienten über Schlafprobleme. Häufig kommt es zu Schlafstörungen, weil die Schlafposition durch die parkinsonbedingte Bewegungseinschränkung nicht mehr automatisch verändert werden kann. Gelegentlich manifestiert sich auch eine eigenständige Schlafstörung, die so genannte REM-Schlaf-Verhaltensstörung - heftige Traumphasen gepaart mit lautem Schreien und Hilferufen können die Folge sein. Manche Medikamente zur Behandlung von Parkinson können unruhige Träume im Schlaf oder Halluzinationen auslösen. Verzichten Sie nach Möglichkeit mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen auf Getränke, besonders auf harntreibende wie Kaffee, Tee und Cola. Ein Gläschen Wein ist aber durchaus erlaubt. Schaffen Sie sich eine angenehme Atmosphäre in Ihrem Schlafzimmer, damit Sie sich auf das Zubettgehen freuen. Schreiben Sie sich Gedanken, die Sie jetzt noch bewegen, auf - das kann Ihnen das Einschlafen möglicherweise erleichtern.
Reisen mit Parkinson
Kein Mensch mit Parkinson muss auf das Verreisen verzichten. Vor der Planung eines größeren Urlaubs sollten Sie jedoch mit Ihrem Arzt sprechen, damit eine ausreichende Versorgung mit allen notwendigen Medikamenten sichergestellt ist. Vorsicht ist in Ländern mit heißerem Klima geboten, da die Temperaturregulation des Körpers eingeschränkt sein kann. Schließen Sie eine Reiserücktrittsversicherung ab, falls sich Ihr gesundheitlicher Zustand zwischen Buchung und Reiseantritt in unvorhersehbarer Weise verändert. Nehmen Sie ausreichend Medikamente mit und führen Sie sie immer bei sich - beim Reisen am besten im Handgepäck. Informieren Sie sich im Reisebüro oder bei der Fluggesellschaft vorab, welche Sicherheitsbestimmungen gelten und lassen Sie sich die Notwendigkeit der Mitnahme von Ihrem Arzt bescheinigen. Informieren Sie sich vor allem bei Auslandsreisen, ob und wo Ihre Medikamente erhältlich sind. Lassen Sie sich die internationale Bezeichnung der Präparate von Ihrem Arzt geben, das erleichtert die Beschaffung. Informieren Sie sich vor Reiseantritt (z. B. bei Ihrem Reiseveranstalter), wo Sie an Ihrem Reiseziel notfalls ärztliche Hilfe bekommen können. Reisen Sie in ein Land mit Zeitverschiebung, sollten Sie Ihre Medikamenteneinnahme dort gleich beim ersten Zubettgehen auf die neue Zeit umstellen. Die meisten Fluggesellschaften bieten für Menschen, die eingeschränkt gehfähig sind, eine kostenlose Betreuung am Start- und Zielflughafen an.
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Ernährung und Verdauung
Eine Folgeerscheinung von Parkinson kann eine beeinträchtigte Darmfunktion sein. Menschen mit Parkinson leiden häufig unter Darmträgheit - zum einen aufgrund von Bewegungsmangel und geringer Flüssigkeitsaufnahme, zum anderen als Folge der Medikamenteneinnahme. Um einer Verstopfung (Fachausdruck Obstipation) entgegenzuwirken, essen Sie vermehrt ballaststoffreiche Nahrung, z. B. Vollkornprodukte, Gemüse und Kartoffeln. Achten Sie auch darauf, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen - dadurch wird ebenfalls die Verdauung angekurbelt. Ihre Devise beim Essen sollte immer sein: Mehrere kleine Mahlzeiten sind besser als wenige große!
Blasenprobleme
Parkinson-Patienten leiden häufig unter Blasenproblemen: Harndrang, besonders in der Nacht, oder Harnverhalt sind die typischen Anzeichen. Leiden Sie unter erhöhtem Harndrang, wenden Sie sich an Ihren Arzt. Sie sollten auf keinen Fall weniger trinken, in der Hoffnung, dann seltener zur Toilette gehen zu müssen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist für Ihre Körperfunktionen immens wichtig.
Sexualität und Partnerschaft
Die Libido und die Potenz können von der Erkrankung selbst oder von bestimmten Medikamenten beeinflusst werden. Setzen Sie sich nicht selbst unter Druck - es wird nicht erwartet, dass Sie sexuell immer voll leistungsfähig sind. Bedenken Sie, dass Parkinson-Symptome, z. B. Tremor, die sexuelle Beweglichkeit beeinträchtigen können. Reden Sie mit Ihrem Partner offen über Ihre Probleme und Ängste. Planen Sie Ihre Zweisamkeit möglicherweise zu einer Zeit ein, in der die Medikamente gut wirken und Sie sich fit fühlen. Falls Sie stattdessen einen vermehrten Sexualdrang verspüren - meist eine Nebenwirkung bestimmter Medikamente - sollten Sie Ihren Arzt darüber informieren.
Der Fall von Petra Seegers-Wilmsen: Glück im Unglück?
Petra Seegers-Wilmsen ist 38 Jahre alt, als sie die Diagnose Parkinson erhält. Sie sagt, dass sie riesiges Glück hat. Klingt befremdlich von einer 40-Jährigen, die vor etwa zwei Jahren die Diagnose Parkinson erhielt. Die seither Probleme beim Laufen, beim Greifen und bei der Feinmotorik entwickelt. Petra Seegers-Wilmsen spricht trotzdem von „Glück“. Wer sie auf ihrem Bauernhof direkt hinterm Deich zum alten Rheinarm bei Rees besucht, beginnt zu erahnen, was sie damit meint. Gerade im Frühling, wenn die Sonne sich im nahen Baggersee spiegelt und die Gänse schnatternd über das Marschland fliegen, liegt dieses Gefühl in der Luft. Es war im Urlaub mit ihren Eltern, als die Zeit begann, die dieses Glücksgefühl intensiv auf die Probe stellen sollte. „Du bewegst deine Hand komisch“, bekam sie von ihren Verwandten zu hören. „Vielleicht habe ich einen Nerv eingeklemmt“, war ihre damalige Reaktion. Die Beschwerden wurden intensiver und vielfältiger. „Es ist die Krankheit der vielen Gesichter.“ Ihre Armhaltung wurde auffällig, bei der Hausarbeit kam sie plötzlich an motorische Grenzen. Als sie für ihre Hochzeit die Tische vorbereitete, bemerkte sie, dass sie die Flächen „in Zeitlupe“ reinigte. „Ich wollte aber meine Trauung abwarten, bis ich zum Arzt gehe.“ Ihr künftiger Mann sah das anders. „Sofort!“, war seine Ansage. Es begann eine Zeit großer Unsicherheit. Zunächst wurde sie als Schlaganfall-Patientin behandelt. „In der Reha aber fiel das erste Mal das böse P-Wort“, erinnert sie sich. „Böse“, weil sie sich bei der Krankheit an ihre alte Tante erinnerte. Und dann kommt wieder ein Satz von Seegers-Wilmsen, der aufmerken lässt: „Ich hatte das Glück, dass Mister Parkinson mir nur einen Rüffel verpasst hat.“ Nur? Was kann sie der Situation Positives abgewinnen? „Ich habe meine Einstellung zum Leben ändern dürfen“, antwortet sie. Auch in der Küche wird Petra Seegers-Wilmsen mit dem Symptomen ihrer Krankheit konfrontiert, wenn ihr kleine Bewegungen kaum oder nicht mehr möglich sind. Ein Motto, das sie sehr ernst nimmt. „Ich schreibe mir quasi Wunschzettel, die ich selbst sofort einlöse.“ An einer Vorher-Nachher-Show im Fernsehen nahm sie teil, bei der es um ein neues Styling ihrer Haare ging. „Habe ich gewonnen.“ Sie ging ins Tonstudio und sang eine professionelle Aufnahme von Johannes Oerdings „Blinder Passagier“ ein. „Ein absoluter Moment für die Seele.“ Und sie nahm sich vor, ein Buch über ihren Lebensweg zu schreiben. Das ist bereits fertig. Klingt mit dem Blick auf die Krankheit wieder sehr seicht, fast locker. „Vielleicht habe ich diese Einstellung von meiner Oma geerbt“, sagt Seegers-Wilmsen. „Sie hatte im Krieg so viel Grausames erlebt und war trotzdem immer lebensfroh, positiv und hoffnungsvoll.“ Eine Ausstrahlung, die Seegers-Wilmsen tief beeindruckt hat. Sie hat noch von vielen weiteren Menschen Rückhalt, um ihre Situation zu meistern. „Meine Eltern haben mir immer beigebracht, mutig und stark mit Krisen umzugehen.“ Ihre Freunde lassen sie auch jetzt nicht im Stich. „Bei so vielen Plus-Punkten im Leben darf man auch mal eine Herausforderung von oben kriegen“, sagt Seegers-Wilmsen. Und meint damit ihr Schicksal, das sie auch als ihr „Kreuz“ bezeichnet. „Ich habe so viele Stationen in meinem Leben gehabt, die mir Zuversicht und Gottvertrauen mit auf den Weg gegeben haben.“ Natürlich im Elternhaus und in der katholischen Jugendarbeit am Niederrhein. Auch im Studium der Sozialpädagogik an der Katholischen Fachhochschule in Münster. Genauso als Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend im Bistum Münster. Und an vielen anderen Orten. 14-mal war sie schon umgezogen, bis sie mit ihrem Adoptivsohn auf den Bauernhof hinter dem Deich einheiratete. „Ich habe einen unerschütterlichen Glauben mitgebracht“, sagt Seegers-Wilmsen. „Da bin ich nie in eine Krise geraten.“ Ein Pfund, mit dem sie wuchern kann. Gerade jetzt, wo es auch mal schwere Tage gibt, wenn das Bein so „zickt“, dass das Aufstehen morgens eine Viertelstunde dauert. Oder wenn ihr die 80-jährige Schwiegermutter beim gemeinsamen Spaziergang wegläuft. Oder als sie den von ihr geführten Hofladen wieder aufgeben musste, weil ihr zuweilen jedes fünfte Ei auf den Boden fiel. So mühsam ihr manche Bewegungen manchmal fallen, so leicht und unbeschwert geht sie oft damit um. Weil sie in ihrer Situation nicht allein ist. Weil sie mit Zuversicht und Gottvertrauen damit umgeht. Weil sie hinterm Deich am Niederrhein auch ihre Seelen-Heimat gefunden hat.
Kriminalitätsprävention und "Haustürgeschäfte"
Im Bereich der Kriminalitätsprävention wird Klaus Kempf über den noch funktionierenden "Enkeltrick" und sogenannte "Haustürgeschäfte" mit Beispielen und Vorbeugemaßnahmen informieren.
Freiheitsentziehende Maßnahmen und Demenz
Pflegekräfte als Gefängniswärter? Aus juristischer Sicht ist diese Grenze schnell überschritten. Demenzkranke in ihrer Wohnung einschließen, um sie vor Einbrechern und Weglauftendenz zu schützen, kann problematisch sein. Nebenwirkungen von Parkinson-Medikamenten können die Situation zusätzlich komplizieren.
Das Verschließen der Haustür bei Menschen, die demenziell erkrankt sind und zu Weglauftendenzen neigen, ist ein sensibles Thema. Es stellt eine freiheitsentziehende Maßnahme dar, die nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig ist.
Eine solche Maßnahme ist nur dann gerechtfertigt, wenn die betroffene Person an seinem "Arbeitsplatz" oder "zu Hause" erwartet wird, aus seiner Häuslichkeit und orientierungslos umherirrt und dadurch gefährdet ist. Es muss also eine konkrete Gefahr bestehen, dass die Person sich selbst oder andere gefährdet, wenn sie ihre Wohnung verlässt.
Die Entscheidung, eine Person in ihrer Wohnung einzusperren, darf nicht leichtfertig getroffen werden. Es muss sichergestellt sein, dass die Person nicht daran gehindert wird, aus der Wohnung zu entkommen, wenn eine Notsituation eintritt oder Hilfe benötigt wird. Ein Schlüssel muss beispielsweise bereitgelegt werden.
Bevor die Tür verschlossen wird, muss geprüft werden, ob es mildere Mittel gibt, um die Person am Verlassen der Wohnung zu hindern. Dazu gehört beispielsweise, die Person abzulenken oder zu beruhigen. Auch technische Hilfsmittel wie Bewegungsmelder oder Sensoren können eingesetzt werden, um ein unbemerktes Verlassen der Wohnung zu verhindern. Eine weitere Möglichkeit ist, die Tür in der gleichen Farbe wie die Wand zu streichen, um sie weniger auffällig zu machen.
Die betroffene Person muss über die geplante Maßnahme informiert und über mögliche Alternativen beraten werden. Wenn die Person einsichtsfähig ist und die Tragweite der Entscheidung versteht, kann sie dem Abschließen der Tür zustimmen. Diese Zustimmung muss jedoch freiwillig erfolgen und darf nicht durch Druck oder Zwang zustande kommen.
In jedem Fall muss sichergestellt sein, dass die Würde und die Rechte der betroffenen Person gewahrt bleiben. Die freiheitsentziehende Maßnahme darf nur so lange aufrechterhalten werden, wie sie unbedingt notwendig ist. Regelmäßige Überprüfungen sind erforderlich, um sicherzustellen, dass die Voraussetzungen für die Maßnahme weiterhin erfüllt werden.
Es muss gewährleistet sein, dass ein Notarzt die Wohnung betreten kann, wenn dies erforderlich ist. Ein Schlüssel muss beispielsweise gesichert sein.
Die Entscheidung für eine freiheitsentziehende Maßnahme sollte stets von einem Arzt oder einem Richter getroffen werden. Die Maßnahme muss schriftlich dokumentiert werden, um die eigene rechtliche Absicherung zu gewährleisten.
Wenn die betroffene Person nicht in der Lage ist, in das Verschließen der Haustür einzuwilligen, muss eine richterliche Genehmigung vorliegen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn die Person offensichtlich die Tragweite der Thematik nicht überblicken kann.
In solchen Fällen wird gegebenenfalls eine rechtliche Betreuung angeregt, um die Interessen der betroffenen Person zu wahren. Die Haustür darf nur dann verschlossen werden, wenn eine richterliche Genehmigung dafür vorliegt. Auch wenn die Haustür am Abend durch mitpflegende Angehörige verschlossen wird, ist stets die Schriftform zu wählen. Die Einwilligung muss stets schriftlich und unterschrieben vorliegen.
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