Ein Schlaganfall, oft als "Schlag" wahrgenommen, kann plötzlich Lähmungen, Gefühlsstörungen oder Sprachstörungen verursachen. Betroffene sind möglicherweise von einem Moment auf den anderen mit Behinderung und Pflegebedürftigkeit konfrontiert. Ein Schlaganfall oder eine vorübergehende Durchblutungsstörung sollte immer im Krankenhaus behandelt werden! Zertifizierte Stroke-Units stehen flächendeckend rund um die Uhr zur Verfügung. Diese spezialisierten Abteilungen für Intensivmedizin sind auf die Behandlung von Schlaganfallpatienten spezialisiert. Schnelles Handeln ist entscheidend.
Akutbehandlung bei Gefäßverschluss und Hirnblutung
Bei einem Gefäßverschluss sind insbesondere die Thrombektomie (ein Eingriff, bei dem das auslösende Blutgerinnsel bis zu 24 Stunden nach Verschluss mechanisch entfernt werden kann) und die Thrombolyse (medikamentöse Auflösung kleiner Gerinnsel) zu nennen.
Verursacht eine Hirnblutung den Schlaganfall, wird zunächst der meist erhöhte Blutdruck mit Medikamenten gesenkt. Das ausgetretene Blut drückt das Gehirngewebe zusammen und erhöht den Druck im Schädelinneren. Lässt sich die Blutung so stabilisieren, ist dies eine erfolgversprechende Therapie. Eine Sonderform stellt die Subarachnoidalblutung dar, die mit heftigsten Nackenkopfschmerzen einhergeht.
Fortschritte in Therapie und Prophylaxe
Die Möglichkeiten zur Therapie und Prophylaxe nach einem Gefäßverschluss im Gehirn oder einer Hirnblutung - beides mögliche Auslöser für einen Schlaganfall - sind besser denn je. Das Zeitfenster für eine Therapie bei Gefäßverschluss hat sich in den letzten Jahren deutlich erweitert. Zudem stehen neue Medikamente zur Verfügung, die sicherer und unkomplizierter verabreicht werden können. Neurologen und Neurochirurgen haben den wissenschaftlichen Beweis, dass Patienten, bei denen eine Hirnblutung die Ursache des Schlaganfalls darstellt, in ausgewählten Fällen von einer Operation profitieren können.
Bis vor wenigen Jahren galt bei einem Verschluss großer hirnversorgender Gefäße noch die 6-Stunden-Regel. Studien haben jetzt gezeigt, dass Patienten - abhängig von modernen Bildgebungsverfahren - sogar bis zu 24 Stunden nach dem Ereignis von der Thrombektomie profitieren. Seit Februar ist zudem in Deutschland ein neu zugelassenes Medikament auf dem Markt, das dem Patienten zur Auflösung des Blutgerinnsels als Spritze direkt verabreicht werden kann. Die bisherige Medikation musste über eine Stunde als Infusionslösung gegeben werden. Eine groß angelegte Studie aus den USA zeigt, dass Patienten mit einer intrakraniellen Blutung in den sogenannten Hirnlappen deutlich von einer minimal-invasiven Entfernung der Blutung profitieren.
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Arten von Hirnblutungen
Platzt ein Blutgefäß im Schädel, spricht man von einer Hirnblutung. Die Folge kann ein Schlaganfall sein. Man unterscheidet verschiedene Arten von Hirnblutungen:
- Intrazerebrale Blutung: Eine Einblutung im Hirngewebe, die in der Regel einen großen Bereich des Gehirns betrifft. Etwa zehn bis 15 Prozent aller Schlaganfälle werden durch eine intrazerebrale Blutung verursacht.
- Subarachnoidalblutung: Sie entsteht unterhalb der mittleren Hirnhaut, zwischen dieser und der weichen Hirnhaut im Innersten. Etwa fünf Prozent aller Schlaganfälle sind auf eine Subarachnoidalblutung zurückzuführen.
- Epiduralhämatom: Hier sammelt sich Blut auf der harten Hirnhaut, „Dura mater“ genannt. Sie liegt direkt unterhalb des Schädelknochens und bildet die äußerste der drei Hirnhäute. Sie tritt oft in Verbindung mit einem Schädelbruch auf.
- Subduralhämatom: Hier sammelt sich das Blut unterhalb der harten Hirnhaut, also zwischen der „Dura mater“ und der mittleren Hirnhaut. Sie wird ebenfalls oft durch Gewalteinwirkung von außen verursacht.
Ursachen und Risikofaktoren
Zu den Ursachen und Risikofaktoren einer leichten oder schweren Hirnblutung gehören alle Umstände, die eine Arteriosklerose (Gefäßerkrankung) indirekt begünstigen. Aufgrund der verschiedenen Arten von Gehirnblutungen gibt es neben den oben genannten Risikofaktoren auch individuelle Ursachen für jede Form einer Hirnblutung:
- Intrazerebrale Blutung: In den meisten Fällen ist ein chronischer Bluthochdruck Ursache für diese Form der Hirnblutung. Seltenere Ursachen sind Kopfverletzungen, Hirntumore oder Gefäßfehlbildungen wie ein Aneurysma.
- Subarachnoidalblutung: Eine Kopfverletzung ist die häufigste Ursache für diese Art der Hirnblutung. Im Unterschied dazu sind die Ursachen für eine spontane Subarachnoidalblutung ein Aneurysma, also eine Gefäßfehlbildung.
- Epiduralhämatom: Auslöser dieser Blutung im Hirn ist in der Regel ein Schädel-Hirn-Trauma. Eine häufige Ursache dafür ist z. B. ein Sturz beim Sport ohne Schutzhelm.
- Subduralhämatom: Eine akute subdurale Blutung wird durch ein schweres Schädel-Hirn-Trauma ausgelöst z. B. durch einen Autounfall.
Symptome einer Hirnblutung
Typische Symptome sind:
- Sprach- und Sprechstörungen
- Übelkeit und Erbrechen
- Plötzlich sehr starke Kopfschmerzen
- Nackensteifheit
- Einseitig auftretende Lähmung am Körper, vor allem am Arm, Bein oder Gesicht
- Generelles Taubheitsgefühl
- Schluckstörung
- Sehstörung und vorübergehender Sehverlust auf einem Auge
- Pupillenerweiterung
- Gleichgewichts- und Koordinationsprobleme
- Schwindel mit Gangunsicherheit
- Verwirrtheit oder Benommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit oder Koma
- Krampfanfälle
Die Symptome ähneln oft denen eines typischen Schlaganfalls. Sie hängen von Ort und Ausmaß der Blutung ab und entstehen dadurch, dass das ausgetretene Blut die Hirnhaut reizt oder auf benachbarte Hirnregionen drückt.
Diagnose
Um eine Hirnblutung schnell zu erkennen und eine exakte Diagnose zu stellen, sollte sofort der Notarzt verständigt werden. Je schneller eine Blutung im Hirn behandelt wird, desto besser.
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Zur Diagnose werden folgende Untersuchungen durchgeführt:
- Neurologische Untersuchung: Überprüfung der Bewusstseinslage und der Funktion verschiedener Nerven.
- Gespräch: Erhebung der Krankengeschichte, um die Ursache der Hirnblutung zu ermitteln (Sturz, Medikamenteneinnahme, Drogenkonsum).
- Computertomografie des Kopfes (CT): Bildliche Darstellung der Blutung im Gehirn.
- Gefäßröntgen (Angiografie): Röntgendarstellung der Hirngefäße mit Kontrastmitteln.
Behandlung
Was man bei einer Hirnblutung tun kann, hängt von der Größe, Lage und dem Auslöser ab. In der Regel ist eine stationäre Behandlung in der Klinik notwendig, meistens auch auf der Intensivstation. Die Symptome und Komplikationen werden nach Bedarf versorgt. Starke Kopfschmerzen, Fieber oder Krampfanfälle werden mit Medikamenten behandelt. Besonders wichtig ist die Vorbeugung einer Hirnschwellung (Hirnödem), die zu einem gefährlichen Druckanstieg im Schädel führt.
In manchen Fällen ist eine Operation notwendig:
- Intrazerebrale Blutung: Abwägung, ob ein operativer Eingriff durchgeführt wird. In der Regel wird zusätzlich ein Katheter oder Shunt gelegt, um Nervenwasser abzuleiten und den Hirndruck zu senken.
- Subarachnoidalblutung: Handelt es sich beim Auslöser um ein Aneurysma, wird dieses operativ abgeklemmt oder durch „Coiling“ (Einbringen einer Platinspirale) verschlossen. Auch hier muss ein Shunt zum Ablassen des Nervenwassers gelegt werden.
- Subduralhämatom: Ein kleines Hämatom erfordert keinen operativen Eingriff. Eine größere Blutung muss operativ entfernt werden.
- Epiduralhämatom: Hier sollte die Blutansammlung schnellstmöglichst operativ entfernt werden, vor allem wenn es sich um ein größeres Hämatom handelt.
Folgeschäden und Rehabilitation
Eine Hirnblutung kann Folgeschäden körperlicher und geistiger Natur mit sich bringen. Einige Patientinnen und Patienten erholen sich relativ schnell vollständig, während andere Monate bis Jahre brauchen. Je nach Ausmaß der Hirnblutung gibt es auch Folgeschäden, die nicht durch eine Therapie verbessert werden können.
Einige der Folgeschäden sind:
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- Bewegungsstörungen
- Sprachstörungen (Aphasie)
- Sprechstörung (Dysarthrie)
- Seh- oder Gedächtnisstörung
Bei der anschließenden Therapie werden gemeinsam Strategien entwickelt, um die Folgeschäden bestmöglich zu behandeln oder zu erlernen, wie man am besten mit ihnen im Alltag zurechtkommt. Grundsätzlich gilt, dass je früher eine Rehabilitation beginnt, desto größer sind die Erfolgsaussichten.
Die Frührehabilitation besteht aus drei Elementen:
- Aktivierende Pflege: Pflegekräfte üben frühzeitig Bewegungen ein, damit Patienten ihre Körperpflege und den Gang zur Toilette - zumindest teilweise - wieder selbst übernehmen können.
- Aktivierende Therapien: Physiotherapeuten unterstützen dabei, die Bewegungsfähigkeit zu erhalten oder zu verbessern. Bei der Ergotherapie werden Fähigkeiten des alltäglichen Lebens geübt. Behandlungen trainieren die geistige Leistungsfähigkeit sowie die Sprech- und Schluckfähigkeit.
- Ärztliche Therapien: Ein Monitoring-System überwacht Herz, Kreislauf und Atmung.
Prävention
Es gibt einige Faktoren, die positiv beeinflusst werden können, um einer Hirnblutung vorzubeugen. Zu diesen Risikofaktoren gehören Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Rauchen und Konsum von Alkohol oder Drogen.
Heilungschancen
Die Heilungschancen hängen von verschiedenen Faktoren ab, darunter Alter, Grunderkrankungen, Begleitverletzungen, Lokalisation und Ausdehnung der Einblutung. Eine frühzeitige Behandlung spielt eine große Rolle für die Heilungschancen und Überlebenschancen. Die Dauer der Therapie variiert und hängt vom Ausmaß der Blutung ab. Eine Reha kann stationär durchgeführt werden und zwischen vier und sechs Wochen dauern.
Ultraschall und Thrombolyse
Eine Kombinationstherapie aus Thrombolytika und Ultraschall kann ein Blutgerinnsel schneller auflösen als Gerinnsel-auflösende Medikamente allein. Bei der Beschallung der verschlossenen Arterie durch den Schädelknochen mit Ultraschall entsteht möglicherweise eine Zertrümmerung des Thrombus. Hierdurch entsteht eine größere Angriffsfläche für das Medikament, so dass der Gefäßverschluss schneller wieder eröffnet wird.
Schlaganfall erkennen: Der FAST-Test
Die Anzeichen eines Schlaganfalls sind vor allem plötzlich auftretende neurologische Krankheitszeichen wie Seh- oder Sprachstörungen, Lähmungen oder Gefühlsstörungen im Gesicht oder an den Armen und Beinen. Oft ist nur eine Körperhälfte betroffen. Der FAST-Test hilft, einen Schlaganfall zu erkennen:
- F wie „Face“ (Gesicht): Ist das Gesicht verzogen, hängt ein Mundwinkel herunter?
- A wie „Arms“ (Arme): Beide Arme sollen nach vorn ausgestreckt mit den Handflächen nach oben gleichzeitig angehoben und waagerecht gehalten werden.
- S wie „Speech“ (Sprache): Die Aussprache eines einfachen Satzes ist lallend oder verwaschen, Silben werden verwechselt, der Betroffene muss nach Wörtern suchen oder es werden falsche Buchstaben gesprochen.
- T wie „Time“ (Zeit): Tritt auch nur eines der beschriebenen Anzeichen akut auf − keine Zeit verlieren und sofort die 112 anrufen! Denn „Time ist Brain“.
Risikofaktoren minimieren
Es sind vor allem „Wohlstandserkrankungen“, die Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) sowohl an kleineren Hirngefäßen (Mikroangiopathie) als auch an größeren Gefäßen (Makroangiopathie) wie der Halsschlagader nach sich ziehen. Der wichtigste Risikofaktor ist dabei der Bluthochdruck, weil er sowohl zu Hirninfarkten als auch zu Hirnblutungen führen kann. Wenn ein Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen zusammenkommen, spricht man auch vom sogenannten metabolischen Syndrom, bei dem der Stoffwechsel z. T. erheblich gestört ist. Ausgelöst und verstärkt wird das metabolische Syndrom und somit auch das Risiko für Schlaganfälle durch Übergewicht, Bewegungsmangel und Fehlernährung. Auch Alkoholkonsum und/oder psychischer Stress erhöhen das Schlaganfallrisiko. Hinzu kommt als weiterer Schlaganfall-Risikofaktor eine bestimmte Form der Herzrhythmusstörung, die absolute Arrhythmie bei Vorhofflimmern.
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