Schmerzen nach Trigeminus-OP: Ursachen und Behandlungen

Die Trigeminusneuralgie ist eine chronische Schmerzerkrankung, die durch heftige, attackenartige Gesichtsschmerzen gekennzeichnet ist. Obwohl Operationen zur Behandlung dieser Erkrankung oft erfolgreich sind, können nach dem Eingriff weiterhin Schmerzen auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für Schmerzen nach einer Trigeminus-OP und die verschiedenen Behandlungsansätze.

Einführung in die Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie ist durch blitzartig einschießende, heftige, elektrisierende und stechende Schmerzen im Versorgungsgebiet eines oder mehrerer Trigeminusäste gekennzeichnet. Die Schmerzen dauern typischerweise nur wenige Sekunden, können aber sowohl spontan als auch durch nichtschmerzhafte Reize wie Berührung, Kauen, Sprechen, Schlucken oder Zähneputzen ausgelöst werden. Die Erkrankung tritt meist einseitig auf und betrifft häufiger Frauen als Männer. Typischerweise beginnt die Erkrankung in höherem Lebensalter (ab 50 Jahren).

Ursachen der Trigeminusneuralgie

Bei der klassischen Trigeminusneuralgie wird angenommen, dass eine Kompression des Nervus trigeminus durch ein Blutgefäß im Bereich des Hirnstamms die Ursache ist. In 80 % der Fälle handelt es sich dabei um die Arteria superior cerebelli. Andere Arterien oder Venen können ebenfalls die Ursache sein. In seltenen Fällen kann die Trigeminusneuralgie auch Folge von Tumoren, Gefäßmissbildungen oder Multipler Sklerose sein.

Es gibt verschiedene Formen der Trigeminusneuralgie:

  • Klassische Trigeminusneuralgie (Rein paroxysmal)
  • Klassische Neuralgie mit begleitendem Dauerschmerz
  • Sekundäre Trigeminusneuralgien (verursacht durch Multiple Sklerose, Raumforderungen oder andere Erkrankungen)

Ursachen für Schmerzen nach Trigeminus-OP

Auch nach einer Operation zur Behandlung der Trigeminusneuralgie können weiterhin Schmerzen auftreten. Mögliche Ursachen hierfür sind:

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  • Unvollständige Dekompression des Nervs: Wenn bei einer mikrovaskulären Dekompression (MVD) der Kontakt zwischen Nerv und Blutgefäß nicht vollständig beseitigt wird, können die Schmerzen weiterhin bestehen.
  • Nervenschädigung während der Operation: Obwohl die MVD als sichere Behandlungsmethode gilt, besteht ein geringes Risiko einer Nervenschädigung während des Eingriffs. Dies kann zu anhaltenden Schmerzen oder Sensibilitätsstörungen führen.
  • Narbenbildung: Nach einer Operation kann es zu Narbenbildung im Bereich des Nervs kommen, was ebenfalls Schmerzen verursachen kann.
  • Zentrale Sensibilisierung: Bei chronischen Schmerzen kann es zu einer zentralen Sensibilisierung kommen, bei der das Schmerzempfinden im Gehirn verstärkt wird. Dies kann dazu führen, dass auch nach erfolgreicher Beseitigung der ursprünglichen Ursache weiterhin Schmerzen wahrgenommen werden.
  • Trigeminusneuropathie: Eine schmerzhafte Schädigung des Nervus trigeminus z.B. nach einem Unfall, einer Operation oder einer Bestrahlung.
  • Bestehen einer anderen Ursache: Bei einer symptomatischen Trigeminusneuralgie kann es sein, dass die Grunderkrankung (z.B. Multiple Sklerose, Tumor) weiterhin besteht und die Schmerzen verursacht.

Behandlungsansätze bei Schmerzen nach Trigeminus-OP

Die Behandlung von Schmerzen nach einer Trigeminus-OP richtet sich nach der Ursache der Schmerzen. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können:

Medikamentöse Therapie

  • Antikonvulsiva: Medikamente wie Carbamazepin, Oxcarbazepin, Gabapentin oder Pregabalin werden häufig zur Behandlung von Trigeminusneuralgie eingesetzt. Sie können auch bei Schmerzen nach einer Operation wirksam sein.
  • Andere Schmerzmittel: In einigen Fällen können auch andere Schmerzmittel wie trizyklische Antidepressiva oder Opioide eingesetzt werden.
  • Botulinumtoxin (Botox): Die Injektion von Botulinumtoxin in den schmerzhaften Bereich ist ein neuer Therapieansatz, der vor allem bei Patient:innen nützlich sein kann, die auf andere Medikamente nicht mehr ansprechen.

Perkutane Verfahren

Bei diesen Verfahren wird ein Nervenknoten an der Schädelbasis (das sog. Ganglion Gasseri) mit einer Kanüle, die neben dem Mundwinkel eingestochen wird, aufgesucht. Anschließend versucht man mit einer gezielten Hitzeläsion (Thermokoagulation) oder Alkoholinjektion (Glyzerolinstillation) einen oder mehrere Äste des Trigeminusnerven kontrolliert zu schädigen, um die Schmerzentstehung und -weiterleitung zu unterbinden.

  • Ballonkompression: Hierbei wird ein kleiner Ballon in das Ganglion Gasseri eingeführt und aufgeblasen, um den Nerv zu komprimieren.
  • Glycerininjektion: Bei der Glycerininjektion wird Glycerin in das Ganglion Gasseri injiziert, um den Nerv zu schädigen.
  • Thermokoagulation: Bei der Thermokoagulation wird der Nerv mit Hitze geschädigt.

Elektrostimulation

Bei der Elektrostimulation wird zunächst eine Teststimulation über eine Nadelelektrode durchgeführt. Wirkt diese, so wird über verschiedene Zugangswege eine Elektrode im Bereich des Nervenknotens (Ganglion) eingesetzt. Mit der dauerhaft implantierten Elektrode kann zum Teil eine gute Schmerzlinderung erzielt werden. Der Vorteil gegenüber den oben beschriebenen zerstörenden Techniken ist, dass die Nebenwirkungen umkehrbar (reversibel) sind.

Stereotaktische Bestrahlung (Radiochirurgie)

Bei der stereotaktischen Bestrahlung wird eine hohe Strahlendosis gezielt auf einem kleinen Bereich angewendet. Dadurch wird das bestrahlte Gewebe vernichtet. Das Verfahren ermöglicht so eine Art Operation ohne Skalpell.

Wiederholte Operation

In einigen Fällen kann eine erneute Operation erforderlich sein, um die Ursache der Schmerzen zu beseitigen. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn bei der ersten Operation eine unvollständige Dekompression des Nervs durchgeführt wurde.

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Alternative Medizin

Alternative Methoden bei der Behandlung der Trigeminusneuralgie wurden bisher nicht so gründlich untersucht wie die medikamentösen oder chirurgischen Verfahren. Deshalb gibt es auch wenig Gewissheit, welche die Wirksamkeit solcher Methoden belegt. Dennoch konnte manchen Patient:innen mit alternativen Behandlungen geholfen werden, zum Beispiel mit Akupunktur, Biofeedback, Chiropraktik, Vitaminen oder Nahrungsergänzungsstoffen.

Spezifische chirurgische Verfahren

Mikrovaskuläre Dekompression (MVD)

Die mikrovaskuläre Dekompression ist die einzige Behandlung, welche die wesentliche Ursache der klassischen Trigeminusneuralgie, den Konflikt zwischen Gefäß und Nerv, beseitigt. Bei der MVD werden der Nervus trigeminus sowie die mit ihm in Verbindung stehende Arterie über einen Hautschnitt hinter dem Ohr zugänglich gemacht. Anschließend wird die Arterie vorsichtig vom Nerv getrennt und ein Stück Kunststoff als Puffer zwischen die beiden eingebracht. Auf diese Weise wird eine weitere Reizung des Nervens durch das Blutgefäß verhindert.

Perkutane Radiofrequenzkoagulation des Ganglion trigeminale

Hier wird eine Radiofrequenzsonde über die Blutgefäße bis zum Ganglion trigeminale (einem “Knoten” des Trigeminusnerven) vorgeschoben. Für einige Sekunden erzeugt die Sonde dann Wärme, welche die Nervenzellen schädigt. Aufgrund der unterschiedlichen Beschaffenheit verschiedener Arten von Nervenfasern sind die Schmerzfasern empfindlicher als der Rest des Nerven, sodass diese selektiv zerstört werden können.

Strahlentherapie

Neuerdings gibt es auch die Möglichkeit, die Nervenfasern einmalig mittels Cyberknife zu bestrahlen, was zeitverzögert einen ähnlichen Effekt wie die Radiofrequenzkoagulation hat, ohne das der Schädel eröffnet werden muss. Die Strahlentherapie erfolgt ambulant in einer einzigen Sitzung. Innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen nach der Bestrahlung setzt die Wirkung durch Narbenbildung des Nervs ein.

Differenzialdiagnose

Es ist wichtig, andere Ursachen für Gesichtsschmerzen auszuschließen, bevor eine Trigeminusneuralgie diagnostiziert wird. Dazu gehören:

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  • Zahnschmerzen
  • Sinusitis
  • Temporomandibuläre Gelenk-Dysfunktion (CMD)
  • Atypischer Gesichtsschmerz
  • Trigeminusneuropathie

Lebensqualität und Prognose

Häufig nehmen die Symptome im Lauf des Zeit zu, Phasen einer sogenannten Spontanremission, in denen die Betroffenen symptomfrei sind, kommen aber oft vor und können länger als ein Jahr andauern. Bei den meisten Patientinnen und Patienten führt die medikamentöse Therapie zu einer ausreichenden Symptomkontrolle. Sind operative Verfahren nötig, so haben diese eine hohe Erfolgsquote.

Spezialisten für die Trigeminusneuralgie Therapie

Bei Gesichtsschmerz sollten Betroffene zunächst die hausärztliche Praxis aufsuchen. Die Hausärztin oder der Hausarzt kann eine Überweisung ausstellen. Die Diagnosestelllung und konservative Behandlung führt in der Regel eine Fachärztin oder ein Facharzt für Neurologie durch. Bei anhaltenden Schmerzen kann über eine neurochirurgische Operation oder eine Strahlentherapie nachgedacht werden. Eine radiochirurgische Trigeminus-Therapie kann nur an spezialisierten Zentren und Einrichtungen durchgeführt werden.

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