Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, und wenn Nerven beteiligt sind, kann die Behandlung komplexer werden. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Schmerzmittel bei Nervenschmerzen im Rücken, einschließlich verschiedener Medikamentenarten, ihrer Wirkungsweisen und potenziellen Nebenwirkungen.
Bewegung statt Schonung bei Rückenschmerzen
Bei Rückenschmerzen ist es wichtig, aktiv zu bleiben. Ruhe und Schonhaltungen können das Problem sogar verschlimmern. Gezielte Schmerzmittel können jedoch helfen, den Teufelskreis aus Schmerz und Bewegungslosigkeit zu durchbrechen, insbesondere wenn starke Schmerzen jede körperliche Aktivität verhindern. Es ist wichtig zu wissen, dass Medikamente nur die Symptome lindern und nicht die Ursache der Schmerzen beseitigen. Daher ist eine Kombination aus Schmerzmitteln und Bewegungstherapie oft am wirksamsten.
Arten von Rückenschmerzen
Es gibt zwei Hauptarten von Rückenschmerzen: unspezifische und spezifische. Unspezifische Rückenschmerzen, die häufig durch Verspannungen, Verkürzungen, Überdehnungen, Verhärtungen oder Reizungen von Muskeln, Sehnen und Bändern verursacht werden, verschwinden oft von selbst. Spezifische Rückenschmerzen sind in der Regel die Folge von bestimmten Krankheiten wie Bandscheibenvorfällen oder Skoliose.
Medikamentöse Behandlung von Rückenschmerzen
Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)
Bei unspezifischen Rückenschmerzen, insbesondere im unteren Bereich der Wirbelsäule (Kreuzschmerz), werden häufig NSAR empfohlen. Diese Medikamente, wie Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen, wirken schmerzlindernd, entzündungshemmend und fiebersenkend. Es ist wichtig, die Tages-Maximaldosierungen zu beachten und mögliche Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden und Nierenprobleme zu berücksichtigen. Bei Bedarf kann der Arzt zusätzlich ein Medikament zur Hemmung der Magensäureproduktion verschreiben.
Opioide
Opioide werden bei besonders starken Rückenschmerzen eingesetzt, die sich dumpf, drückend und ziehend anfühlen. Sie sind immer verschreibungspflichtig und wirken vor allem schmerzhemmend. Bekannte Vertreter sind Morphin, Tramadol, Oxycodon und Hydromorphon. Opioide können Nebenwirkungen wie Schwindel, Übelkeit, Müdigkeit und Verstopfung verursachen. Die Behandlung sollte regelmäßig überprüft werden, und die Anwendungshinweise des Arztes müssen genau eingehalten werden, um eine Überdosierung zu vermeiden.
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Muskelrelaxanzien
Bei verspannten Muskeln im Nacken- oder Schulterbereich können Muskelrelaxanzien helfen. Diese verschreibungspflichtigen Medikamente wirken an der Muskulatur und im zentralen Nervensystem und sollten nur kurzfristig bei starken akuten Schmerzen eingesetzt werden. Sie können Müdigkeit oder Benommenheit verursachen und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.
Antidepressiva
Bei Nervenschmerzen im Bereich der Wirbelsäule, die mit dumpfen, drückenden und ziehenden Beschwerden einhergehen und den Schlaf rauben, können Antidepressiva in niedriger Dosis zusätzlich zu anderen Schmerzmitteln eingesetzt werden. Einige sind auch zur Behandlung chronischer Schmerzen zugelassen. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Übelkeit, Mundtrockenheit und Schwindel. Regelmäßige EKG- und Laborkontrollen sind wichtig, um Wechselwirkungen auf den Herzrhythmus zu vermeiden.
Antiepileptika
Ursprünglich gegen Krampfanfälle entwickelt, helfen Antiepileptika inzwischen auch gegen Nervenschmerzen, insbesondere wenn diese einschießend und elektrisierend sind oder Kribbelgefühle verursachen. Bei unspezifischen Kreuzschmerzen kommen sie nur im Einzelfall zum Einsatz.
Salben und Pflaster
Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR gibt es auch als Salben, Wärme-Pflaster oder Gels mit kühlendem Effekt. Obwohl ihre Wirksamkeit bei chronischen Schmerzen nicht ausreichend belegt ist, empfinden viele Patienten sie als angenehm. Bei Langzeitanwendung können jedoch allergische Reaktionen der Haut auftreten.
Nervenschmerzen im Rücken
Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, entstehen durch Schädigungen, Verletzungen oder Erkrankungen von Nervenstrukturen. Typische Symptome sind eine Änderung der Hautsensibilität, Kribbeln, brennende und stechende Schmerzen. Klassische Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol sind oft nicht wirksam.
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Ursachen von Nervenschmerzen im Rücken
Nervenschmerzen im Rücken können durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, darunter:
- Mechanisch bedingte Ursachen: Bandscheibenvorfälle oder Spinalkanalstenosen können Nervenwurzeln einklemmen oder reizen.
- Infektbedingte Ursachen: Gürtelrose (Herpes Zoster) kann zu einer Schmerzentwicklung der Nervenbahnen führen.
- Stoffwechselbedingte Ursachen: Ein schlecht eingestellter oder lang bestehender Diabetes mellitus kann Nervenschäden verursachen.
- Mangelerkrankungen: Ein Vitamin-B12-Mangel kann die Ummantelung der Nervenbahnen schädigen und zu Nervenschmerzen führen.
- Toxisch bedingte Nervenschmerzen: Gifte können ebenfalls Nervenschmerzen verursachen.
- Stress: Chronischer Stress kann in einigen Fällen mit Nervenschmerzen in Verbindung gebracht werden.
Symptome von Nervenschmerzen im Rücken
Neben den eigentlichen Schmerzen können auch Taubheitsgefühle, Kribbeln oder elektrische Missempfindungen auftreten. Die Schmerzen werden oft als ziehend, brennend oder stechend beschrieben und können sich entlang des betroffenen Nervs ausbreiten.
Diagnose von Nervenschmerzen im Rücken
Die Diagnose beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, gefolgt von einer körperlichen Untersuchung. Bei unklaren Ursachen oder Verdacht auf schwerwiegende Erkrankungen kann ein MRT des Rückens erforderlich sein.
Behandlung von Nervenschmerzen im Rücken
Die Behandlung zielt darauf ab, die Ursache der Schmerzen zu behandeln und die Symptome zu lindern.
- Physiotherapie: Kann helfen, die Muskeln um die beeinträchtigten Nerven zu stärken und zu entlasten.
- Medikamentöse Therapie:
- Pregabalin und Gabapentin: Diese Medikamente, die ursprünglich gegen Epilepsie entwickelt wurden, können bei Nervenschmerzen sehr wirksam sein.
- Antidepressiva: Amitriptylin und Duloxetin können ebenfalls zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Opioide: Werden nur bei sehr starken Schmerzen eingesetzt, wenn andere Medikamente nicht ausreichend wirken.
- Hausmittel: Wärme oder Kälte, entzündungshemmende Auflagen (z.B. Retterspitz) können Linderung verschaffen.
- Bewegung: Regelmäßige, gezielte Übungen können helfen, die Muskeln zu lockern und zu stärken.
- Faszienübungen: Können helfen, Verklebungen im Bindegewebe zu lösen und die Muskeln zu lockern.
Medikamente gegen Nervenschmerzen im Detail
- Gabapentin: Wirkt, indem es die Reizweiterleitung von Nervenzelle zu Nervenzelle drosselt und die Schmerzweiterleitung im Rückenmark hemmt.
- Pregabalin: Senkt die Reizempfänglichkeit der Neuronen im zentralen Nervensystem und unterdrückt die Weiterleitung von Schmerzimpulsen.
- Amitriptylin: Erhöht die Verfügbarkeit von Serotonin im Gehirn, was die Schmerzwahrnehmung reduzieren kann.
- Duloxetin: Erhöht die Verfügbarkeit von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin im Gehirn und senkt somit die Schmerzwahrnehmung.
- Lidocain: Bewirkt ein vorübergehendes Taubheitsgefühl durch die Blockade der spannungsabhängigen Natriumkanäle in den Nervenzellen der Haut.
- Capsaicin: Aktiviert die Hitze- und Schmerzrezeptoren der Haut und eliminiert geschädigte Nervenfasern.
- Tramadol: Bindet an Opioidrezeptoren und hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin, was zu einer schmerzstillenden Wirkung führt.
- Tilidin: Dockt an Opiatrezeptoren im zentralen und peripheren Nervensystem an und unterdrückt dort die Schmerzwahrnehmung.
- Medizinisches Cannabis: THC und CBD können über das Endocannabinoid System im Körper wirken und die Schmerzübertragung unterbinden, Entzündungen hemmen und die Neuroplastizität verbessern.
Rezeptfreie Mittel gegen Nervenschmerzen
- Keltican Forte: Ein diätetisches Lebensmittel reich an Vitamin B12, Folsäure und Uridinmonophosphat.
- Milgamma Protekt: Ein Arzneimittel mit dem Wirkstoff Benfotiamin.
- Homöopathische Mittel: Schmerzöle mit Lavendelöl oder Quarz oleosum D9 können den Stoffwechsel und den Wärmeorganismus anregen. Restaxil Tropfen enthalten einen einzigartigen Wirkkomplex aus 5 speziellen Arzneipflanzen, die laut Arzneimittelbild an unterschiedlichen Nervenschmerzen und deren Symptomen ansetzen und diese bekämpfen.
Krankheiten als Ursache für Rückenschmerzen
Spezifische Rückenschmerzen können durch verschiedene Krankheiten verursacht werden, darunter:
Lesen Sie auch: Welche Schmerzmittel helfen bei Nervenschmerzen?
- Bandscheibenvorfall: Eine Schädigung der Bandscheibe, die auf Nerven drücken kann.
- Skoliose: Eine Verbiegung der Wirbelsäule.
- ISG-Syndrom: Schmerzen im Iliosakralgelenk, das das Becken mit der Wirbelsäule verbindet.
- Morbus Bechterew: Eine rheumatische Krankheit, die zur Versteifung von Gelenken führt.
Was gegen Rückenschmerzen auch hilft
Ein rückenfreundlicher Alltag und die Vermeidung von Fehlhaltungen können helfen, Rückenschmerzen vorzubeugen.
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