Schmerztabletten bei Neuralgien: Risiken und Nebenwirkungen

Schmerzmittel sind weit verbreitet und werden oft als schnelle Lösung bei verschiedenen Arten von Schmerzen eingesetzt. Während sie bei akuten Beschwerden Erleichterung verschaffen können, birgt die Einnahme von Schmerztabletten, insbesondere bei chronischen Schmerzen wie Neuralgien, Risiken und Nebenwirkungen, die nicht unterschätzt werden sollten. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Schmerzmitteln, ihre Wirkungsweisen, potenziellen Gefahren und gibt Hinweise zum verantwortungsvollen Umgang.

Die Vielfalt der Schmerzmittel

Es gibt eine breite Palette von Schmerzmitteln, die sich in ihrer Wirkungsweise, Anwendungsgebieten und Nebenwirkungen unterscheiden. Grundsätzlich lassen sich Schmerzmittel in drei Hauptgruppen einteilen: Nicht-Opioid-Analgetika, Opioide und Co-Analgetika.

Nicht-Opioid-Analgetika

Zu den Nicht-Opioid-Analgetika gehörenSubstanzen wie Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac, Ibuprofen, Paracetamol und Metamizol. Viele dieser Medikamente sind rezeptfrei erhältlich und werden häufig bei leichten bis mäßigen Schmerzen wie Kopf-, Zahn-, Regel- oder Gliederschmerzen eingesetzt. NSAR hemmen in den Körperzellen bestimmte Enzyme, die Cyclooxygenasen (COX), und hemmen dadurch unter anderem die Bildung der Prostaglandine, also der Botenstoffe für Schmerzen und Entzündungen. Paracetamol hilft bei Kopf- Zahn, Regel- oder Gliederschmerzen, aber nicht bei Entzündungen. Metamizol wirkt nicht entzündungshemmend und abschwellend, aber krampflösend und daher besonders gut bei krampfartigen Schmerzen wie Koliken.

Risiken und Nebenwirkungen:

  • ASS: Wirkt nur sehr kurz und eignet sich daher nicht für die Therapie chronischer Schmerzen oder eine längere Einnahme, da es das Blut verdünnt und zu Blutungskomplikationen führen kann.
  • Paracetamol: Kann bei höheren Dosierungen lebertoxisch wirken und sollte bei eingeschränkter Leberfunktion vermieden werden.
  • Ibuprofen und Diclofenac: Können Nieren, Herz und Magen angreifen und sollten bei Vorerkrankungen wie Nierenfunktionsstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Magengeschwüren nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.
  • Metamizol: Kann in höherer Dosierung Nebenwirkungen auf Niere oder das Blutbild haben, daher ist eine längere Einnahme zu überwachen.

Opioide

Opioide sind stärkere Schmerzmittel, die im Gehirn und Rückenmark die Weiterleitung von Schmerzsignalen hemmen und gleichzeitig schmerzdämpfende Signale verstärken. Sie werden bei starken Schmerzen eingesetzt, beispielsweise bei Tumor-, Rücken-, Kolik-, Amputations- oder Nervenschmerzen, sowie in der Palliativmedizin, Notfall- und Intensivmedizin. Opioide unterliegen in Deutschland einer besonderen Rezeptpflicht und können ab einer gewissen Stärke nur über Betäubungsmittelrezepte verordnet werden.

Risiken und Nebenwirkungen:

  • Abhängigkeitspotenzial: Opioide können euphorisierend wirken und ein hohes psychisches Abhängigkeitspotenzial haben. Patienten nehmen das Medikament dann nicht mehr zur Schmerzlinderung, sondern zur Erzeugung positiver Empfindungen ein.
  • Toleranzentwicklung: Bei längerem Gebrauch kann sich eine Toleranz ausbilden, wodurch die Medikamente weniger gut wirken und die Dosis gesteigert werden muss, um die gleiche Wirkung zu erzielen.
  • Entzugserscheinungen: Bleibt die Einnahme aus oder erfolgt sie zu spät, können Entzugserscheinungen auftreten.
  • Weitere Nebenwirkungen: Übelkeit, Schwindel, Verstopfung, Juckreiz, Stimmungsveränderung und Schläfrigkeit sind häufige kurzfristige Begleiterscheinungen. Manche Opioide beeinträchtigen außerdem das Wahrnehmungs- und Reaktionsvermögen.

Co-Analgetika

Co-Analgetika sind Medikamente, die eigentlich keine Schmerzmittel sind, aber deren Wirkung unterstützen können. Dazu gehören bestimmte Antidepressiva (z.B. Amitriptylin, Duloxetin) und Mittel gegen Epilepsie (z.B. Carbamazepin, Gabapentin, Pregabalin). Gabapentin ist ein Antiepileptikum (Antikonvulsivum) und wird zur Behandlung von Anfallsleiden wie der Epilepsie sowie bei Nervenschmerzen (Neuropathien) angewendet. Gabapentin ist strukturell mit dem Neurotransmitter GABA (Gammaaminobuttersäure) verwandt und verhindert die unkontrollierte Erregung der Nervenzellen im Gehirn und erhöht so die Krampfschwelle.

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Neuralgien und ihre Behandlung

Neuralgien sind Nervenschmerzen, die durch eine Schädigung oder Reizung von Nerven verursacht werden. Die Schmerzen können sehr stark und quälend sein und das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Die Behandlung von Neuralgien ist oft komplex und erfordert einen individuellen Therapieansatz.

Medikamentöse Therapie

Neben den oben genannten Schmerzmittelgruppen können bei Neuralgien auch spezielle Medikamente eingesetzt werden, die gezielt auf die Nerven wirken. Dazu gehören beispielsweise:

  • Antikonvulsiva: Carbamazepin, Gabapentin und Pregabalin werden häufig zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen eingesetzt, da sie die Erregbarkeit der Nervenzellen reduzieren können.
  • Antidepressiva: Amitriptylin und Duloxetin können ebenfalls bei neuropathischen Schmerzen helfen, da sie die Schmerzwahrnehmung beeinflussen und stimmungsaufhellend wirken können.
  • Lokalanästhetika: Lidocain-Pflaster oder -Cremes können lokal aufgetragen werden, um die Schmerzen zu lindern.

Weitere Therapieansätze

Neben der medikamentösen Therapie gibt es noch weitere Ansätze zur Behandlung von Neuralgien, wie beispielsweise:

  • Physiotherapie: Kann helfen, die Muskulatur zu entspannen und die Beweglichkeit zu verbessern.
  • Psychotherapie: Kann helfen, mit den Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
  • Nervenblockaden: Können eingesetzt werden, um die Schmerzleitung zu unterbrechen.
  • Operation: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Ursache der Neuralgie zu beheben.

Arzneimittelbedingte Neuropathien

Arzneimittelbedingte Neuropathien hängen in der Regel von der Dosis und der Dauer der Verabreichung ab. Meistens, aber nicht immer, bessern sie sich nach Therapieabbruch. Der Mechanismus der Schädigung ist fast immer unbekannt. Eine Auswahl. Pathophysiologisch wird unterschieden zwischen Noxen, die primär die Nervenzelle (Motoneuron oder Spinalganglienneuron) angreifen, und solchen, die Prozesse in der Nervenfaser (Axon und Schwann-Zelle) stören. Polyneuropathien sind in Abhängigkeit vom Alter mit einer Prävalenz von circa 5-8 % bei Erwachsenen die häufigsten Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Das Auftreten steigt mit zunehmendem Alter. Diabetes mellitus ist die häufigste Ursache von Polyneuropathien in Europa und Nordamerika. Laut der nationalen Versorgungsleitlinie für Diabetes im Erwachsenenalter beträgt die Prävalenz der diabetischen Neuropathie 8-54 % bei Typ-1- beziehungsweise 13-46 % bei Typ-2-Diabetes. Daneben hat die alkoholassoziierte Polyneuropathie eine Prävalenz von 22-66 % unter chronisch Alkoholkranken (1). Die Prävalenz neuropathischer Schmerzen liegt weltweit laut Studien zwischen 7-10 % (2). Polyneuropathien treten auch aufgrund genetischer Ursachen, infolge von Vitaminmangel oder Vitaminüberdosierungen, Toxinen, immunologischen Vorgängen und als unerwünschte Wirkungen von Medikamenten auf. Hier eine Auswahl.

Statine

Die Polyneuropathie der HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren zeigt sich als Gruppeneffekt und ist in der Regel nach Absetzen der Medikation reversibel. Eine italienische Studie, die 2 040 Patienten mit diagnostizierter Polyneuropathie - mit einer Kontrollgruppe von 36 041 Patienten - unter der Medikation mit Simvastatin, Pravastatin oder Fluvastatin untersucht hat, kommt zu einem erhöhten Polyneuropathierisiko bei Statinen von 19 % (3). Auf der anderen Seite zeigte eine aktuelle kleine Fall-Kontroll-Studie aus den Niederlanden, die 333 Patienten mit axonaler Polyneuropathie mit 283 gesunden Patienten verglichen hatte, dass die Patienten mit Polyneuropathie deutlich seltener Statine eingenommen hatten (OR: 0,56; 95-%-Konfidentintervall [95-%-KI]: 0,34-0,95) (4).

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Amiodaron

Amiodaron, das meistverordnete Antiarrhythmikum, ist ein Benzofuran-Derivat mit einer hemmenden Wirkung auf ventrikuläre und supraventrikuläre Herzrhythmusstörungen. Seine extreme Löslichkeit im Fettgewebe bewirkt das außerordentlich hohe Verteilungsvolumen und ist auch für die lange und individuell sehr variable Halbwertszeit von 30 bis weit über 100 Tage verantwortlich. Es wird zwar den Klasse-III-Antiarrhythmika nach Vaughan Williams mit einer starken Hemmung der Kaliumkanäle zugeordnet, es besitzt aber auch eine mäßig stark hemmende Wirkung auf α-, β- (Klasse II) und muskarinerge Rezeptoren. Die Inzidenz der neurologischen Störungen scheint geringer zu sein, als man noch in den 1980er-Jahren angenommen hatte. Eine Analyse von 707 Amiodaronpatienten der Mayoklinik, die 1996-2008 durchgeführt wurde, zeigte nur bei 2 Patienten eine nachweisbare Polyneuropathie, die plausibel auf das Agens Amiodaron zurückgeführt werden konnte (5). Die Fachinformationen führen periphere sensorische Neuropathien als gelegentliche Nebenwirkungen auf. Die Polyneuropathie ist, wie auch bei Statinen, außer in Einzelfällen, reversibel. Die Therapiedauer gilt als Risikofaktor. Obwohl das Auftreten einer Polyneuropathie nicht mit einer höheren Dosis korreliert, können Dosisreduktionen Linderungen bringen (6).

Metformin

In Internetforen finden sich Angaben zum Auftreten von Polyneuropathien unter der Therapie. Es finden sich hierzu aber keine validen Studien. Die Fachinformationen machen hierzu auch keine Angaben. So sind die beobachteten Polyneuropathien ein Resultat der Grunderkrankung Diabetes mellitus.

Zytostatika

Vincaalkaloide: Vincristin zeigt eine Inzidenz von 30-40 % für periphere Neuropathien, die zudem stärker als bei Vinorelbin oder Vinblastin ausgeprägt ist. Bei etwa 50 % der Vinorelbin-Patienten zeigen sich Parästhesien. Taxane: Docetaxel hat eine Inzidenz von bis zu 50 % für CIPN, während bei Paclitaxel bis zu 95 % der Patienten unter peripheren Nervenschäden leiden. Das Auftreten verstärkt sich vor allem in der Kombination mit Platinverbindungen. Platinverbindungen: Unter der Therapie mit Oxaliplatin leiden bis zu 98 % der Patienten an einer akuten und bis zu 60 % an einer chronischen Neuropathie. Carboplatininduzierte periphere Neuropathien sind in vergleichbaren Dosen weniger häufig und milder als bei Oxaliplatin und treten nur bei bis zu 40 % der Behandelten auf. Bortezomib und Thalidomid werden zur Behandlung des multiplen Melanoms eingesetzt. CIPN tritt unter der Behandlung mit Bortezomib bei bis zu 75 % der Patienten auf, wobei bis zu 30 % der Behandelten über schwere Symptome klagen. In der Thalidomidtherapie variieren die Inzidenzzahlen zwischen 14 und 70 %. Die Kombination beider Arzneistoffe verstärkt den Effekt (7).

Antibiotika

Isoniazid in der Behandlung der Tuberkulose greift in den körpereigenen Vitamin-B6-Stoffwechsel ein. Periphere Polyneuropathie mit Parästhesien und Sensibilitätsstörungen werden als häufige unerwünschte Nebenwirkung klassifiziert. Es wird daher standardmäßig in Kombination mit Pyridoxin gegeben, um peripheren Neuropathien als Nebenwirkung der antibiotischen Therapie vorzubeugen. Es ist zu beachten, dass auch Pyridoxin in unverhältnismäßig hohen Dosierungen periphere Neuropathien hervorrufen kann (8). Des Weiteren können Ethambutol, Linezolid, Nitrofurantoin und Metronidazol periphere Neuropathien auslösen. Während diese bei Erstgenannten mit einer Inzidenz von maximal 5 % auftreten, können unter der Therapie mit Metronidazol bis zu 85 % der behandelten Patienten neurologische Symptome zeigen. Linezolidinduzierte Neuropathien können irreversibel sein (7).

Verantwortungsbewusster Umgang mit Schmerzmitteln

Um die Risiken und Nebenwirkungen von Schmerzmitteln zu minimieren, ist ein verantwortungsbewusster Umgang entscheidend:

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  • Ärztliche Beratung: Bei andauernden oder starken Schmerzen sollte immer ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Therapie zu entwickeln.
  • Dosierung beachten: Schmerzmittel sollten nur in der empfohlenen Dosierung und so kurz wie möglich eingenommen werden.
  • Beipackzettel lesen: Vor der Einnahme sollte der Beipackzettel sorgfältig gelesen werden, um sich über mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu informieren.
  • Nicht kombinieren: Die gleichzeitige Einnahme verschiedener Schmerzmittel sollte vermieden werden, da dies das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen kann.
  • Vorsicht bei Vorerkrankungen: Patienten mit Vorerkrankungen wie Nierenfunktionsstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Magengeschwüren sollten Schmerzmittel nur nach Rücksprache mit ihrem Arzt einnehmen.
  • Alternativen prüfen: Vor der Einnahme von Schmerzmitteln sollten alternative Behandlungsmethoden wie Physiotherapie, Entspannungsübungen oder pflanzliche Mittel in Betracht gezogen werden.
  • Selbstmedikation vermeiden: Eine langfristige Selbstmedikation mit Schmerzmitteln sollte vermieden werden, da dies zu einer Chronifizierung der Schmerzen und zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann.

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