Naratriptan bei Migräne: Information zu Schmerztabletten

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch starke, oft einseitige Kopfschmerzen auszeichnet. Diese Kopfschmerzen können von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein. Naratriptan ist ein Triptan, das speziell zur Behandlung von Migräneanfällen entwickelt wurde. Dieser Artikel bietet umfassende Informationen über Naratriptan-Schmerztabletten, ihre Wirkungsweise, Anwendung, mögliche Nebenwirkungen und wichtige Hinweise.

Was ist Migräne?

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine komplexe neurologische Erkrankung, von der in Deutschland etwa 8 % der Männer und 20 % der Frauen betroffen sind. Eine Migräneattacke äußert sich typischerweise durch:

  • Starke, einseitig pochende Kopfschmerzen
  • Übelkeit oder Erbrechen
  • Erhöhte Lichtempfindlichkeit
  • Lärmempfindlichkeit

Einige Migränepatienten erleben auch eine Aura, neurologische Symptome, die den Kopfschmerzen vorausgehen oder sie begleiten. Diese Symptome können visuelle Störungen wie Blitze oder Zickzacklinien, Taubheitsgefühle oder Sprachschwierigkeiten umfassen.

Naratriptan: Ein spezifisches Migränemittel

Naratriptan gehört zur Klasse der Triptane, die speziell zur Behandlung von Migräneanfällen entwickelt wurden. Im Gegensatz zu herkömmlichen Schmerzmitteln, die unspezifisch Schmerzen lindern, wirken Triptane gezielt auf die Mechanismen, die an der Entstehung von Migräne beteiligt sind.

Wirkungsweise von Naratriptan

Naratriptan wirkt als selektiver Agonist an Serotonin-Rezeptoren (5-HT1B/1D) im Gehirn. Dies bedeutet, dass es an diese Rezeptoren bindet und sie aktiviert, was zu folgenden Effekten führt:

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  • Verengung der Blutgefäße: Naratriptan bewirkt eine Verengung der erweiterten Blutgefäße in der Hirnhaut, die als eine Ursache für Migränekopfschmerzen angesehen werden.
  • Hemmung der Trigeminusnerv-Aktivität: Experimentelle Studien deuten darauf hin, dass Naratriptan die Aktivität des Trigeminusnervs hemmt, einem wichtigen Nerv, der an der Schmerzweiterleitung im Kopf beteiligt ist.
  • Blockierung der Freisetzung von Entzündungsproteinen und Schmerzimpulsen: Naratriptan kann die Freisetzung von Entzündungsproteinen und Schmerzimpulsen im Gehirn reduzieren.

Vorteile von Naratriptan

  • Gezielte Wirkung: Naratriptan wirkt gezielt im Kopf, wo die Migräne entsteht.
  • Langanhaltende Wirkung: Naratriptan kann bis zu 24 Stunden gegen wiederkehrende Kopfschmerzen wirken.
  • Gute Verträglichkeit: Im Vergleich zu anderen Triptanen gilt Naratriptan als gut verträglich.
  • Linderung von Begleiterscheinungen: Naratriptan kann auch Migräne-Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit reduzieren.

Anwendung von Naratriptan

Naratriptan sollte so früh wie möglich nach dem Einsetzen der Migränekopfschmerzen eingenommen werden. Die empfohlene Dosis für Erwachsene beträgt 2,5 mg.

Dosierung und Einnahme

  • Erwachsene (18-65 Jahre): 1 Filmtablette Naratriptan (2,5 mg) unzerkaut mit Wasser einnehmen.
  • Wiederholung der Einnahme: Bei einem erneuten Migräneanfall innerhalb von 24 Stunden kann eine weitere Filmtablette eingenommen werden. Der Abstand zwischen den Einnahmen muss mindestens 4 Stunden betragen.
  • Maximale Dosis: Die Höchstdosis beträgt 2 Filmtabletten (5 mg) innerhalb von 24 Stunden.
  • Keine Vorbeugung: Naratriptan ist nicht zur Vorbeugung von Migräne geeignet. Es wirkt nur, wenn die akute Kopfschmerzphase der Migräne begonnen hat.
  • Nahrung: Naratriptan kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.

Wann sollte Naratriptan nicht eingenommen werden?

Naratriptan sollte nicht eingenommen werden bei:

  • Allergie gegen Naratriptan oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels
  • Herzproblemen wie Verengung der Herzkranzgefäße (ischämische Herzkrankheit) oder Brustschmerzen (Angina pectoris)
  • Herzinfarkt in der Vorgeschichte
  • Hohem Bluthochdruck
  • Eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion
  • Gleichzeitiger Einnahme anderer Migränemedikamente, die Ergotamin enthalten, oder vergleichbarer Medikamente wie Methysergid oder anderer Triptane oder 5-HT1-Rezeptoragonisten
  • Bestimmten Formen von Migräne (ohne Kopfschmerz), wie: Familiäre hemiplegische Migräne, Basilaris-Migräne, Ophthalmologische Migräne
  • Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren
  • Älteren Patienten ab 65 Jahren (in der Regel)

Wann ist Vorsicht geboten?

Besondere Vorsicht ist geboten bei:

  • Frauen nach den Wechseljahren (Menopause)
  • Starken Rauchern oder Personen, die eine Nikotinersatztherapie durchführen
  • Männern über 40 Jahren
  • Risikofaktoren für Herzerkrankungen (z.B. erhöhte Fettkonzentration im Blut, Übergewicht, Diabetes mellitus)
  • Überempfindlichkeit gegen Sulfonamid-Antibiotika
  • Zu häufiger Einnahme von Naratriptan (kann zu einer Verschlimmerung der Kopfschmerzen führen)

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Naratriptan kann Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln eingehen. Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden, kürzlich andere Arzneimittel eingenommen/angewendet haben oder beabsichtigen, andere Arzneimittel einzunehmen/anzuwenden.

Besondere Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Einnahme von:

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  • Anderen Triptanen oder 5-HT1-Rezeptoragonisten
  • Ergotamin oder ähnlichen Arzneimitteln wie Methysergid
  • SSRIs (selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) oder SNRIs (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer) zur Behandlung von Depressionen
  • Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Schwangerschaft und Stillzeit

Wenn Sie schwanger sind, schwanger sein könnten oder stillen, fragen Sie vor der Einnahme von Naratriptan Ihren Arzt oder Apotheker um Rat. Es gibt begrenzte Informationen zur Sicherheit von Naratriptan während der Schwangerschaft und Stillzeit. Ihr Arzt wird entscheiden, ob die Einnahme von Naratriptan in Ihrem Fall geeignet ist.

Generell sollten Sie Ihr Baby bis 24 Stunden nach der Einnahme von Naratriptan nicht stillen. Wenn Sie während dieser Zeit Milch abpumpen, verwerfen Sie diese und geben Sie sie nicht Ihrem Säugling.

Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Sowohl durch den Migräneanfall als auch durch die Einnahme von Naratriptan kann Benommenheit auftreten. Wenn Sie hiervon betroffen sind, sollten Sie nicht Auto fahren oder Maschinen bedienen.

Mögliche Nebenwirkungen

Wie alle Arzneimittel kann Naratriptan Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.

Häufige Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen):

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  • Missempfindungen wie Kribbeln
  • Schwindel
  • Benommenheit
  • Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen
  • Wärmegefühl
  • Unwohlsein
  • Müdigkeit

Gelegentliche Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen):

  • Sehstörungen
  • Pulserniedrigung
  • Pulsbeschleunigung
  • Herzklopfen
  • Schmerzen
  • Schwere-, Druck- und Engegefühl
  • Vorübergehender Bluthochdruck

Seltene Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 1000 Behandelten betreffen):

  • In sehr seltenen Fällen sind bei Patienten nach der Einnahme von Naratriptan schwerwiegende Herzprobleme aufgetreten, ohne dass es vorher Anzeichen für eine Herzerkrankung gab.

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind.

Wichtige Hinweise

  • Naratriptan sollte nicht zur Vorbeugung von Migräne eingenommen werden.
  • Naratriptan wirkt nur, wenn die akute Kopfschmerzphase der Migräne begonnen hat.
  • Eine zu häufige Einnahme von Naratriptan kann Ihre Kopfschmerzen verschlimmern. Informieren Sie Ihren Arzt, wenn dies auf Sie zutrifft.
  • Wenn Sie nach der Einnahme von Naratriptan Schmerzen oder Engegefühl im Brustkorb fühlen, suchen Sie umgehend einen Arzt auf.
  • Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden.
  • Wenn Sie schwanger sind oder stillen, fragen Sie vor der Einnahme von Naratriptan Ihren Arzt oder Apotheker um Rat.
  • Naratriptan-ratiopharm enthält Lactose. Bitte nehmen Sie Naratriptan-ratiopharm erst nach Rücksprache mit Ihrem Arzt ein, wenn Ihnen bekannt ist, dass Sie unter einer Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern leiden.
  • Naratriptan-ratiopharm enthält Natrium. Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium pro Filmtablette, d. h. es ist nahezu „natriumfrei“.
  • Bei dauerhafter Anwendung von Schmerzmitteln können Kopfschmerzen auftreten, die durch das Schmerzmittel erzeugt werden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, um zu verhindern, dass Ihre Kopfschmerzen chronisch werden.

Alternativen zu Naratriptan

Neben Naratriptan gibt es noch andere Triptane, die zur Behandlung von Migräne eingesetzt werden können. Dazu gehören Sumatriptan, Rizatriptan, Zolmitriptan und andere. Ihr Arzt kann Ihnen helfen, das am besten geeignete Triptan für Sie auszuwählen.

In leichteren Fällen von Migräne können auch Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (ASS) Linderung verschaffen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Medikamente nicht so spezifisch gegen Migräne wirken wie Triptane und möglicherweise nicht so wirksam sind.

Zusätzlich zu Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen helfen, Migräne zu lindern. Dazu gehören:

  • Ruhe in einem abgedunkelten, ruhigen Raum
  • Kühlen der schmerzenden Kopfseite
  • Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training
  • Biofeedback zur Körperwahrnehmung lernen
  • Führen eines Migräne-Tagebuchs, um mögliche Auslöser zu identifizieren

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