Ein schneller Herzschlag, medizinisch als Tachykardie bezeichnet, kann viele Ursachen haben. Während er in manchen Situationen harmlos ist, kann er in anderen Fällen ein Zeichen für eine ernsthafte Erkrankung sein. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des schnellen Herzschlags, von den Ursachen über die Diagnose bis hin zu den Behandlungsmöglichkeiten.
Was ist ein schneller Herzschlag (Tachykardie)?
Im Ruhezustand schlägt das Herz eines gesunden Erwachsenen etwa 60 bis 90 Mal pro Minute. Von Herzrasen oder Tachykardie spricht man, wenn die Herzfrequenz plötzlich auf über 100 Schläge pro Minute ansteigt, ohne dass eine körperliche Anstrengung vorliegt. Dabei können Herzfrequenzen von 140 bis 180 oder sogar darüber auftreten. Betroffene Personen spüren oft ein starkes Pulsieren in der Brust und können den Herzschlag in den Ohren wahrnehmen.
Ursachen für schnellen Herzschlag
Die Ursachen für einen beschleunigten Herzschlag sind vielfältig. Sie lassen sich grob in kardiale (vom Herzen ausgehend) und extrakardiale (nicht vom Herzen ausgehend) Ursachen unterteilen.
Kardiale Ursachen
- Herzrhythmusstörungen: Hierbei gerät das Reiz-Leitungs-System aus dem Takt, welches für die Bildung und Weiterleitung der elektrischen Impulse im Herzen verantwortlich ist. Es gibt verschiedene Arten von Herzrhythmusstörungen, wie z.B. Vorhofflimmern, Vorhofflattern, AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (AVNRT) oder AV-Reentry-Tachykardie (AVRT, bei Vorliegen einer zusätzlichen Leitungsbahn/WPW-Syndrom).
- Koronare Herzkrankheit (KHK): Verengungen der Herzkranzgefäße können zu Durchblutungsstörungen und in der Folge zu Herzrhythmusstörungen führen.
- Herzinsuffizienz (Herzschwäche): Die veränderte Anatomie des Herzens kann die Reizweiterleitung beeinträchtigen.
- Herzmuskel- und Herzklappenentzündungen: Entzündungen im Bereich des Herzens können ebenfalls zu Herzrasen führen.
- Kardiomyopathie: Eine Erweiterung der Herzkammern kann die Leistung des Herzmuskels vermindern und Rhythmusstörungen verursachen.
- WPW-Syndrom (Wolff-Parkinson-White-Syndrom): Angeborene zusätzliche Leitungsbahnen im Herzen können zu fehlerhaften Erregungen und Herzrasen führen.
- AV-Knoten-Reentry-Tachykardie: Eine veränderte oder zusätzliche Leitung im Bereich des AV-Knotens kann zu einer Kreiserregung und plötzlichem Pulsanstieg führen.
Extrakardiale Ursachen
Extrakardiale Ursachen führen in der Regel zu einer Aktivierung des sympathischen Nervensystems, was einen beschleunigenden Einfluss auf die Ruheherzfrequenz hat.
- Stress und Aufregung: In stressigen oder aufregenden Situationen schüttet der Körper Hormone aus, die das Herz dazu anregen, schneller zu schlagen.
- Koffein, Alkohol und Drogen: Koffein stimuliert das Nervensystem und kann das Herz vorübergehend beschleunigen. Auch Alkohol und Drogen können Herzrasen auslösen.
- Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose): Eine Überproduktion von Schilddrüsenhormonen kann den Stoffwechsel und damit auch das Herz beschleunigen.
- Hormonveränderungen: Beispielsweise in den Wechseljahren kann es aufgrund von hormonellen Veränderungen zu Herzrasen kommen.
- Blutarmut (Anämie): Das Herz versucht, den Sauerstoffmangel durch schnelleres Pumpen auszugleichen.
- Fieber und Infektionen: Bei Fieber oder Infekten arbeitet das Herz härter, um die Immunabwehr zu unterstützen.
- Flüssigkeitsmangel (Dehydrierung): Flüssigkeitsmangel macht das Blut dickflüssiger, wodurch das Herz mehr pumpen muss.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente wie Asthmasprays, bestimmte Psychopharmaka, bestimmte Blutdrucksenker, abschwellende Nasensprays, Schilddrüsenhormone oder Medikamente zur Behandlung von ADHS können den Puls beschleunigen.
Wann ist ein schneller Herzschlag gefährlich?
Ob ein schneller Herzschlag harmlos oder gefährlich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere von der Ursache und dem Vorliegen von Begleitsymptomen. Ein einzelner Messwert über 100 Schlägen pro Minute ist noch kein Grund zur Beunruhigung. Wenn Ihr Herz jedoch wiederholt oder über mehrere Tage hinweg in Ruhe schneller als 100 Mal pro Minute schlägt, sollten Sie dies mit Ihrem Hausarzt besprechen.
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Warnzeichen, die ernst genommen werden sollten:
- Schwindel oder Benommenheit
- Atemnot, die bereits in Ruhe oder bei leichter Anstrengung auftritt
- Brustdruck oder Schmerzen im Brustkorb
- Ohnmachtsanfälle oder das Gefühl, gleich umzukippen
- Ausgeprägte Erschöpfung oder deutliche Leistungsminderung in Kombination mit hohem Puls
Notfallzeichen: Wann Sie sofort 112 rufen sollten:
- Extrem schneller Puls (über 150 Schläge pro Minute) und gleichzeitig starke, anhaltende Brustschmerzen
- Schwere Atemnot
- Bewusstseinsverlust
- Anhaltende starke Benommenheit
Diagnose von schnellem Herzschlag
Um die Ursachen von Herzrasen abzuklären, führt der Arzt in der Regel verschiedene Untersuchungen durch:
- Anamnese: Ausführliches Gespräch über die Symptome, Vorerkrankungen und eingenommenen Medikamente.
- Körperliche Untersuchung: Messung von Puls, Blutdruck und Abhören der Herztöne.
- Elektrokardiogramm (EKG): Aufzeichnung der elektrischen Aktivität des Herzens. Es gibt verschiedene Arten von EKGs:
- Ruhe-EKG
- Belastungs-EKG
- Langzeit-EKG (über 24, 48 oder 72 Stunden)
- Ereignisrekorder (zur Aufzeichnung von selten auftretenden Rhythmusstörungen)
- Echokardiografie (Herzultraschall): Bildliche Darstellung des Herzens zur Beurteilung von Struktur und Funktion.
- Blutuntersuchungen: Zur Abklärung möglicher Ursachen wie Schilddrüsenüberfunktion, Blutarmut oder Elektrolytstörungen.
- Elektrophysiologische Untersuchung (EPU): Eine spezielle Katheteruntersuchung, bei der die elektrischen Eigenschaften des Herzens genauer untersucht werden.
- Kipptischuntersuchung (Tilt-Test): Zur Diagnose von POTS (posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom).
Behandlung von schnellem Herzschlag
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des schnellen Herzschlags.
Akutmaßnahmen
- Vagale Manöver: Bei bestimmten Formen von Herzrasen können Techniken wie das Trinken von eiskaltem Wasser oder das Valsalva-Manöver (kräftiger Ausatemversuch bei Zuhalten von Nase und geschlossenem Mund) helfen, die Herzfrequenz zu senken. Diese Manöver sollten jedoch nur nach ärztlicher Anleitung durchgeführt werden.
- Medikamente: Antiarrhythmika normalisieren den Herzrhythmus, Betablocker oder Kalziumantagonisten senken die Herzfrequenz.
Langfristige Behandlung
- Medikamentöse Therapie: Je nach Ursache können verschiedene Medikamente eingesetzt werden, z.B. zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion, einer Blutarmut oder von Herzrhythmusstörungen.
- Katheterablation: Bei bestimmten Herzrhythmusstörungen kann eine Verödung (Ablation) der verantwortlichen Herzmuskelzellen durchgeführt werden.
- Herzschrittmacher: Bei bradykarden Herzrhythmusstörungen (zu langsamer Herzschlag) kann ein Herzschrittmacher eingesetzt werden.
- Implantierbarer Defibrillator (ICD): Bei lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen kann ein ICD implantiert werden, der im Notfall einen Stromstoß abgibt, um den Herzrhythmus wiederherzustellen.
Selbsthilfemaßnahmen und Prävention
- Gesunde Lebensweise: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und genügend Schlaf.
- Stressmanagement: Erlernen Sie Entspannungstechniken wie Yoga, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung.
- Vermeidung von Stimulanzien: Reduzieren Sie den Konsum von Koffein, Alkohol und Nikotin.
- Regelmäßige Pulskontrolle: Tasten Sie regelmäßig Ihren Puls, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Insbesondere ab dem 60. Lebensjahr ist dies empfehlenswert, um Hinweise auf Vorhofflimmern zu erkennen.
Spezielle Situationen
- Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft ist ein leicht erhöhter Puls normal. Bei Unwohlsein oder sehr hohen Werten sollte jedoch der Arzt informiert werden.
- Sportler: Gut trainierte Ausdauersportler haben oft einen niedrigen Ruhepuls. Ein plötzlicher Anstieg kann auf Übertraining oder einen Infekt hindeuten.
- Postinfektiöse Tachykardie oder Post-COVID: Nach Infektionen, besonders nach COVID-19, kann es zu einem erhöhten Ruhepuls kommen.
Leben in der Oberpfalz: Besondere Überlegungen
Die Region Regensburg und Straubing bietet durch ihre Lage entlang der Donau ein besonderes Klima, das sich auf das Herz-Kreislauf-System auswirken kann. Die schwül-warmen Sommermonate entlang des Flusstals können bei empfindlichen Personen zu einer Erhöhung des Ruhepulses führen. Besonders ältere Menschen oder Patienten mit Herzerkrankungen sollten bei hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen über 25°C ihre Herzfrequenz häufiger kontrollieren.
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