Schokolade, oft als Nervennahrung und Seelentröster bezeichnet, ist mehr als nur eine Süßigkeit. Sie ist ein Kulturgut, ein Trostspender und ein kleiner Akt der Selbstfürsorge. Die Frage, ob Schokolade wirklich glücklich macht, beschäftigt viele. Dieser Artikel untersucht die wissenschaftlichen Beweise für die stimmungsaufhellende Wirkung von Schokolade, die Rolle von Dopamin und anderen Inhaltsstoffen sowie die potenziellen Nachteile des Schokoladenkonsums.
Die Glückshormone: Dopamin, Serotonin und Endorphine
Wenn wir ein Stück Schokolade genießen, passiert im Gehirn eine kleine Geschmacksexplosion. Dabei werden mehrere Glückshormone aktiviert - allen voran Dopamin, Serotonin und Endorphine. Diese Botenstoffe spielen eine entscheidende Rolle bei der Steigerung unseres Glücksempfindens.
Dopamin: Das Belohnungssystem im Gehirn
Beim Verzehr von Schokolade wird Dopamin ausgeschüttet, ein Hormon, welches das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert und dafür sorgt, dass wir uns besser fühlen. Dopamin ist nicht nur für die Lust am Essen zuständig, sondern auch für andere angenehme Erfahrungen. Ohne Dopamin, Noradrenalin und Serotonin könnte unser Gehirn keine Informationen verarbeiten. Ihr individuell unterschiedliches Zusammenspiel schafft Zufriedenheit und mentale Balance. Die Wechselwirkungen all dieser Botenstoffe, die mit PET untersucht werden können, steuern Appetit, Sättigung und bestimmen die Nahrungswahl.
Serotonin: Der Stimmungsaufheller
Schokolade enthält Tryptophan, eine Aminosäure, die im Gehirn zum Neurotransmitter Serotonin umgewandelt wird. Serotonin ist ein wichtiger Botenstoff, der für unsere Stimmung und unser Wohlbefinden verantwortlich ist. Je höher der Serotoninspiegel im Körper, desto besser fühlen wir uns. Allerdings ist der Tryptophangehalt in Schoki viel zu gering, um einen erheblichen Effekt auf unsere Stimmung haben zu können.
Endorphine: Die körpereigenen Glücklichmacher
Wenn wir Gelüsten nachgeben, setzt unser Körper spezielle Botenstoffe frei, allen voran Endorphine. Diese sind bekannt dafür, dass sie uns glücklich machen. Manche kennen das "Runners High" bei langen Läufen.
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Die Inhaltsstoffe der Schokolade und ihre Wirkung
Schokolade enthält viele Substanzen, die auf Körper und Geist wirken.
Theobromin: Der sanfte Stimulator
Ein weiterer potenzieller Glücksbringer in Schokolade ist der Inhaltsstoff Theobromin. Er wirkt stimulierend auf das Nervensystem und hat eine Art “Wachmach-Effekt” auf den Menschen. Der potenzielle Stimmungsaufheller ist vor allem in Backkakao und in dunkler Schokolade mit 90 Prozent Kakao enthalten. In Zartbitter- und Milchschokolade steckt kaum Theobromin. Allerdings ist auch das in Schokolade enthaltene aufputschende Theobromin zu gering dosiert, um zu wirken.
Koffein: Für Konzentration und Wachheit
Koffein, besonders in dunkler Schokolade enthalten, kann Konzentration und Wachheit steigern.
Phenylethylamin (PEA): Der "Verliebtheits"-Stoff
Phenylethylamin (PEA) ist ein Stoff, der im Körper auch bei Verliebtheit vorkommt. Es stimuliert das zentrale Nervensystem und steigert das Energie- und Glücksgefühl.
Flavonoide: Antioxidantien für die Gesundheit
Schokolade enthält Flavonoiden, welche sich positiv auf die Gefäßwände auswirken. Besonders hoch ist der Anteil an Flavonoiden, einer Gruppe von färbenden und schützenden Stoffen, die zu den Polyphenolen gehören. Kakaobohnen übertreffen mit dem Gehalt dieser sekundären Pflanzenstoffe sogar Äpfel und Zwiebeln. Studien zufolge können Flavonoide mit ihrer antioxidativen Wirkung die Haut vor UV-Schäden schützen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen entgegenwirken. Zudem gibt es Hinweise, dass sie die Durchblutung stärken und das Absterben von Krebszellen begünstigen. Daneben punktet dunkle Schokolade mit wertvollen Mineralien und Spurenelementen wie Eisen, Magnesium, Kalium, Phosphor und Zink.
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Dunkle Schokolade vs. Milchschokolade
Dunkle Schokolade gilt als gesünder und wirkt durch den hohen Kakaoanteil stärker auf die Neurochemie unseres Gehirns. Schokoladen mit besonders hohem Kakaoanteil enthalten automatisch weniger Zucker. Gleichzeitig ist der Anteil an Kakao, der potenziell gesundheitsfördernde sekundäre Pflanzenstoffe enthält, höher. Gerade für die bittere Note sind einige der sekundären Pflanzenstoffe verantwortlich, die dunkle Schokolade gesund machen - vor allem sogenannte Polyphenole.
Der emotionale Faktor: Konditionierte Freude
Nicht zu unterschätzen ist auch die emotionale Komponente: Für viele von uns ist Schokolade mit schönen Kindheitserinnerungen, Festtagen oder besonderen Momenten verbunden. Schon der Duft oder das Knacken beim Abbeißen kann ein wohliges Gefühl auslösen. Man spricht hier von "konditionierter Freude" - also positiver Verknüpfung durch wiederholte schöne Erlebnisse.
Schokolade und Stressabbau
In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass dunkle Schokolade Stresshormone wie Cortisol senken kann. Das bewirkt eine Dopamin-Ausschüttung und lässt bei Stress den Stresshormonspiegel (Cortisol) wieder sinken.
Die Wissenschaft hinter „Schokolade macht glücklich“
Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen - von Neurowissenschaften bis Ernährungspsychologie - beschäftigen sich seit Jahren mit der Frage, ob Schokolade wirklich glücklich macht. Und die Ergebnisse sind eindeutig: Ja, aber mit Einschränkungen. Kurzfristige Glücksgefühle entstehen durch biochemische Prozesse im Gehirn. Langfristige Effekte hängen stark von der Konsumform ab - also Qualität, Menge und Häufigkeit. Studien zeigen, dass vor allem dunkle Schokolade positive Effekte auf Blutdruck, Stimmung und Konzentration hat. Ein wichtiger Aspekt: Der Genuss selbst ist zentral.
Die Nachteile des Schokoladenkonsums
Demgegenüber stehen auch ein paar Nachteile. Unsere Lieblingssüßigkeit enthält nun einmal jede Menge Kalorien, Zucker und gesättigte Fettsäuren. Die Kombination kann sich eher gesundheitsschädigend auswirken, wenn man es denn übertreibt. Insgesamt hat Schokolade eine hohe Energiedichte, enthält also viele Kalorien (im Durchschnitt etwas über 500 Kilokalorien pro 100 Gramm); und das gilt auch für die dunklen Sorten, in denen weniger Zucker steckt. Im Hinblick darauf, dass jede Person in Deutschland statistisch gesehen über neun Kilo Schokolade pro Jahr verzehrt, kann das ein durchaus relevanter Faktor für Übergewicht und somit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein. Ja, zu viel Zucker kann sich langfristig negativ auf das emotionale Gleichgewicht auswirken.
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Schokolade in Maßen genießen
Wer Schoki in Maßen genießt, wird selten enttäuscht. Fachleute von der Deutschen Herzstiftung empfehlen, Schokolade in Maßen zu genießen. Ob Schokolade also gesund oder ungesund ist, entscheidet einerseits der Kakao- und Zuckeranteil, andererseits die verzehrte Menge.
Schokolade und das Gehirn: Eine Lichtorgie
Was Schokolade und Zucker mit unserem Gehirn anstellen, kann mit modernen Messverfahren abgebildet werden. In der Zeit um Weihnachten, wenn viel Schokolade und Zucker gegessen wird, kommt es zu einer richtigen Lichtorgie im Gehirn. Das hängt damit zusammen, dass beide, Licht und Zucker das stimmungsaufhellendes Serotonin freisetzen. Der niedrige Serotonin-Spiegel lässt sich in der dunklen Jahreszeit gut durch Zucker erhöhen.
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