Ein Schlaganfall kann das Leben von Betroffenen und ihren Angehörigen innerhalb weniger Augenblicke verändern. Besonders die Fähigkeit zu schreiben gehört zu jenen alltäglichen Fertigkeiten, deren Verlust besonders belastend sein kann. Die Unterschrift unter einem Brief, eine Notiz für die Familie oder das Ausfüllen eines Formulars - Tätigkeiten, die vorher selbstverständlich waren, werden plötzlich zu unüberwindbaren Hürden. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wichtige rund um das Thema Schreiben lernen nach Schlaganfall.
Die Bedeutung des Schreibens und die Folgen eines Schlaganfalls
Das Schreiben ist eine hoch geschätzte Kulturtechnik, deren Wert oft erst bei Einschränkung oder Verlust schmerzlich bewusst wird. Sich im privaten Bereich handschriftlich ausdrücken zu können, macht ein gutes Stück Lebensqualität aus; viele berufliche Tätigkeiten setzen Schreibenkönnen zwingend voraus. Etwa jeder siebte, der einen Schlaganfall erleidet, ist zum Teil deutlich jünger als 50 Jahre. Dass auch schon so viele jüngere Menschen betroffen sind, hat unterschiedliche Gründe. Die Auswirkungen eines Schlaganfalles sind jedoch häufig lebensverändernd!
Nach einem Schlaganfall sind häufig verschiedene Bereiche des Gehirns betroffen, die für die komplexe Bewegungskoordination beim Schreiben verantwortlich sind. Das Schreiben ist keineswegs nur eine motorische Leistung - es erfordert das präzise Zusammenspiel von Feinmotorik, visueller Wahrnehmung, Gedächtnis und Konzentration. Viele Betroffene erleben eine Hemiparese, also eine halbseitige Lähmung oder Schwäche, die besonders die dominante Schreibhand betreffen kann. Andere kämpfen mit Aphasie, einer Sprachstörung, die auch das Schreiben beeinträchtigt. Wieder andere haben Schwierigkeiten mit der räumlichen Orientierung auf dem Papier oder können Buchstaben nicht mehr korrekt formen.
Ursachen für Schreibstörungen nach Schlaganfall
Für eine zielgerichtete Therapie beim Verlust der Schreibfähigkeit eines Schlaganfallbetroffenen ist es wichtig, sich die verschiedene möglichen Ursachen vor Auge zu führen:
- Sprachstörung bzw. Aphasie: Dabei kann ein kompletter Verlust der Schreibfähigkeit stattfinden (Agraphie) oder nur eine Störung (Dysgraphie). Bei einer Aphasie (Sprachstörung) ist die Logopädie zum Verbessern der Schreibstörung am Wichtigsten. Dabei werden an Wortfindungsstörungen, Lautverwechselungen und Sinnvertauschungen gezielt gearbeitet.
- Konzentration- und Aufmerksamkeitsstörungen: Ohne Konzentration wird das Schreiben langsam und nicht flüssig.
- Sensibilität: Unter Sensibilität versteht man nicht nur das Hautgefühl, sondern das Empfinden wie Gelenke zu einander stehen (Propriozeption). Gefühlsstörungen und Schwäche der Hand, die zur Feinmotorikvergröberung führen, sind das Fachgebiet der Ergotherapeuten/innen.
- Kraft selbst und Kraftausdauer: Eine Lähmung entsteht durch die Schädigung der Bewegungsbahnen (Pyramidenbahnen) im Gehirn.
- Kleinhirnstörungen oder Lähmungen: Durch Kleinhirnstörungen oder Lähmungen entsteht ein für das Schreiben störendes Zittern.
Neuroplastizität als Hoffnungsträger
Die gute Nachricht ist, dass das Gehirn über bemerkenswerte Fähigkeiten zur Neuroplastizität verfügt. Durch regelmäßiges, geduldiges Üben können neue neuronale Verbindungen entstehen, die beschädigte Bereiche teilweise oder sogar vollständig kompensieren.
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Grundlagen des Schreibtrainings: Schritt für Schritt zurück zur Schrift
Der Weg zurück zur Schreibfähigkeit beginnt nicht mit vollständigen Sätzen, sondern mit grundlegenden Bewegungsabläufen. Als Betreuungskraft sollten Sie verstehen, dass es sich um einen schrittweisen Prozess handelt, der Geduld und Einfühlungsvermögen erfordert.
Schritt 1: Vorbereitende Schwungübungen
Der Einstieg erfolgt idealerweise über einfache Schwungübungen, die die Grundbewegungen des Schreibens vorbereiten. Wellenlinien, Kreise und Schleifen helfen dabei, die Handmuskulatur zu kräftigen und die Bewegungsabläufe wieder zu automatisieren. Diese Übungen mögen auf den ersten Blick simpel erscheinen, doch sie bilden das Fundament für komplexere Schreibbewegungen. Es werden schnelle und flüssige Striche von links nach rechts gezogen. Dadurch wird die dynamische Bewegung des Armes in Richtung der Schreibbewegung initiiert. Kursive ll werden dann in die Bewegung gestreut.
Schritt 2: Nachspuren von Buchstaben
Nach den Schwungübungen folgt das Nachspuren von Buchstaben. Hier bewährt sich gestricheltes Papier, das den Buchstaben vorgibt und nur noch nachgefahren werden muss. Starten Sie mit einfachen Buchstaben wie „l“, „i“ oder „o“, bevor Sie zu komplexeren Formen wie „m“, „w“ oder „g“ übergehen.
Schritt 3: Eigenständiges Schreiben einzelner Buchstaben
Wenn das Nachspuren zunehmend sicherer gelingt, kann das eigenständige Schreiben einzelner Buchstaben beginnen. Nutzen Sie Karopapier oder Lineaturpapier, um die räumliche Orientierung zu erleichtern. Viele Betroffene profitieren von vergrößerten Lineaturen, da sie eine bessere Kontrolle über die Stiftführung ermöglichen. Um die Schreibschrift einzelner Buchstaben zu Üben bietet die Seite Grundschule-Arbeitsblätter das ganze Alphabet an.
Schritt 4: Silben und kurze Wörter
Der nächste Schritt führt zu Silben und kurzen Wörtern. Beginnen Sie mit Namen vertrauter Personen oder einfachen Alltagswörtern wie „Haus“, „Baum“ oder „Sonne“. Diese emotionale Verbindung zu den Wörtern erhöht die Motivation und macht das Training bedeutsamer.
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Integration des Schreibtrainings in den Alltag
Die Rehabilitation findet nicht nur in therapeutischen Sitzungen statt, sondern vor allem im täglichen Leben. Als Angehöriger oder Betreuungskraft können Sie den Therapieerfolg erheblich unterstützen, indem Sie Schlaganfall Übungen für zuhause in den Alltag integrieren.
Die richtige Umgebung und Hilfsmittel
Schaffen Sie eine angenehme Übungsumgebung mit guter Beleuchtung, einem stabilen Tisch in passender Höhe und einem bequemen Stuhl mit Armlehnen. Die Sitzposition sollte aufrecht sein, mit beiden Füßen fest auf dem Boden. Das nicht schreibende Handgelenk kann das Papier fixieren, was zusätzliche Stabilität gibt.
Die Materialauswahl spielt eine wichtige Rolle für den Erfolg. Dickere Stifte oder Stiftaufsätze erleichtern das Greifen und Halten, besonders wenn die Feinmotorik noch eingeschränkt ist. Griffverdickungen werden häufig als Hilfsmittel nach Schlaganfall verwendet. Sie geben bei Lähmung oder Feinmotorikvergröberung Unterstützung beim Halten des Stiftes. Manche Betroffene bevorzugen Filzstifte, weil sie weniger Druck erfordern als Kugelschreiber. Andere schwören auf weiche Bleistifte der Härte 2B oder 3B.
Praktische Übungen für den Alltag
Integrieren Sie das Schreibtraining in alltägliche Aktivitäten. Eine Einkaufsliste zu schreiben, auch wenn sie anfangs nur aus drei Worten besteht, gibt dem Üben einen praktischen Sinn. Geburtstagskarten an Familienmitglieder, auch wenn zunächst nur der Name geschrieben wird, stärken das Selbstwertgefühl und die soziale Verbindung.
Vergessen Sie nicht, Pausen einzuplanen. Die Hand ermüdet nach einem Schlaganfall schneller, und Übermüdung führt zu Frust und verschlechterten Ergebnissen. Lieber mehrere kurze Einheiten über den Tag verteilt als eine lange, erschöpfende Sitzung.
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Gedächtnistraining als Ergänzung zum Schreibtraining
Schreiben ist weit mehr als nur eine motorische Leistung - es erfordert komplexe kognitive Prozesse. Das Gedächtnistraining nach Schlaganfall sollte daher integraler Bestandteil der Rehabilitation sein, da es die geistigen Fähigkeiten stärkt, die für das Schreiben notwendig sind.
Gedächtnisübungen zur Unterstützung des Schreibens
Gedächtnisübungen, die speziell das Schreiben unterstützen, umfassen beispielsweise das Aufschreiben von Listen aus dem Gedächtnis. Bitten Sie die betroffene Person, sich fünf Obstsorten zu merken, die Sie ihr vorlesen, und diese nach einer Minute aufzuschreiben. Diese Übung trainiert gleichzeitig das Kurzzeitgedächtnis und die Schreibfertigkeit.
Wortfindungsübungen sind ebenfalls wertvoll. Schreiben Sie einen Buchstaben auf und lassen Sie die Person möglichst viele Wörter finden, die damit beginnen. Diese Übung aktiviert das semantische Gedächtnis und fördert gleichzeitig die Schreibpraxis.
Das Vervollständigen von Sätzen oder Sprichwörtern kombiniert Gedächtnis und Schreiben auf natürliche Weise. Schreiben Sie den Anfang eines bekannten Sprichworts auf ein Blatt und lassen Sie die betroffene Person das Ende ergänzen.
Tagebuch schreiben ist eine der wertvollsten Übungen, die beide Bereiche vereint. Schon wenige Sätze täglich über erlebte Ereignisse, Gefühle oder Gedanken fördern nicht nur die Schreibfähigkeit, sondern auch die Selbstreflexion und emotionale Verarbeitung.
Hand-Auge-Koordination verbessern
Die präzise Abstimmung zwischen dem, was die Augen sehen, und dem, was die Hand ausführt, ist beim Schreiben unerlässlich. Nach einem Schlaganfall ist diese Koordination häufig gestört, was sich in unleserlicher Schrift, fehlender Zeileneinhaltung oder Schwierigkeiten beim Treffen der Linien zeigt.
Übungen zur Verbesserung der Hand-Auge-Koordination
Nachfahrübungen sind hier besonders effektiv. Zeichnen Sie einfache geometrische Formen wie Kreise, Quadrate oder Dreiecke vor und lassen Sie diese nachfahren. Steigern Sie die Komplexität allmählich mit verschlungenen Linien, Spiralen oder Labyrinthen.
Punktverbindungsübungen, wie sie auch Kinder nutzen, sind keineswegs kindisch, sondern therapeutisch wertvoll. Sie erfordern präzise visuelle Verfolgung und kontrollierte Handbewegungen. Beginnen Sie mit einfachen Mustern mit wenigen Punkten und steigern Sie schrittweise die Komplexität.
Das Kopieren von Formen und später von Buchstaben trainiert das visuelle Erfassen und die motorische Umsetzung. Schreiben Sie einen Buchstaben oder ein einfaches Wort auf und lassen Sie es in einem gewissen Abstand kopieren.
Auch Ausmalbilder für Erwachsene sind ein unterschätztes Werkzeug in der Schlaganfall-Rehabilitation. Das Ausmalen innerhalb vorgegebener Linien erfordert präzise Hand-Auge-Koordination und Konzentration. Es ist zudem entspannend und kann als angenehme Abwechslung zu den direkteren Schreibübungen dienen.
Spezielle Übungsbücher
Im Unterschied zu Schulbüchern, unterscheiden sich Schreib-Übungsbücher nach Schlaganfall dadurch, dass sie auch Hand-Augen Koordinationsübungen enthalten. Außerdem gibt es Übungsbücher, welche speziell für Schlaganfallpatienten geschrieben wurden.
Für Betreuungskräfte, Angehörige und Pflegeeinrichtungen, die nach strukturiertem Übungsmaterial suchen, ist das „2-in-1-Buch nach Schlaganfall: Umfangreiches Übungsbuch mit Schreibübungen, Gedächtnistraining und Übungen für die Hand-Auge-Koordination“ von Hendrik Reiser eine wertvolle Ressource. Das Besondere an diesem Werk ist seine durchdachte Zweiteilung. Kapitel 1 widmet sich intensiv den Schreibübungen nach Schlaganfall und bietet eine umfassende Sammlung von Übungen, die speziell dafür entwickelt wurden, die schriftlichen Fähigkeiten von Schlaganfall-Betroffenen zu fördern. Der Fokus liegt auf der Wiederherstellung der Hand-Auge-Koordination und der Schreibfertigkeiten, wobei die Übungen progressiv aufgebaut sind und von einfachen Schwungübungen bis zu komplexeren Schreibaufgaben reichen. Kapitel 2 konzentriert sich auf das Gedächtnistraining nach Schlaganfall und ist ideal für alle, die nicht nur ihre motorischen Fähigkeiten, sondern auch Gedächtnis, Konzentration und Feinmotorik verbessern möchten. Die Rätsel und Aufgaben sind interessant und abwechslungsreich gestaltet, sodass das Buch für verschiedene Altersgruppen geeignet ist. Mit einer Bewertung von 4,7 von 5 Sternen bei 16 Rezensionen hat sich das Buch in der Praxis bewährt. Es dient als wertvolles Werkzeug nicht nur für Betroffene selbst, sondern auch für Angehörige und Therapeuten, die nach strukturiertem Übungsmaterial suchen. Das Buch eignet sich hervorragend als Geschenkidee zum Geburtstag, zu Weihnachten oder auch als Aufmerksamkeit während des Krankenhausaufenthalts oder der Rehabilitation.
Motivation und realistische Ziele setzen
Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall ist ein Marathon, kein Sprint. Als Betreuungskraft oder Angehöriger ist es eine Ihrer wichtigsten Aufgaben, die Motivation über Wochen und Monate aufrechtzuerhalten.
Strategien zur Motivationssteigerung
Setzen Sie realistische, erreichbare Zwischenziele. Statt „Ich möchte wieder schreiben können“ ist „Ich möchte diese Woche meinen Namen leserlich schreiben“ ein konkretes, überprüfbares Ziel, das Erfolgserlebnisse ermöglicht.
Feiern Sie jeden Fortschritt, egal wie klein er erscheinen mag. Dokumentieren Sie die Fortschritte visuell. Sammeln Sie Schreibproben in regelmäßigen Abständen und heften Sie diese chronologisch ab. Nach einigen Wochen oder Monaten wird die Verbesserung sichtbar, auch wenn der tägliche Fortschritt minimal erscheint.
Variieren Sie die Übungen, um Langeweile zu vermeiden. Wechseln Sie zwischen verschiedenen Arten von Schreibübungen, Gedächtnistraining und Hand-Auge-Koordinationsaufgaben. Integrieren Sie spielerische Elemente wie Worträtsel, Kreuzworträtsel in Großdruck oder Buchstabengitter.
Respektieren Sie jedoch auch die Grenzen und die Tagesform. Manche Tage sind besser als andere, und das ist völlig normal. Zwang und Druck sind kontraproduktiv und können die Motivation nachhaltig schädigen.
Therapieansätze kombinieren
Das Schlaganfall Training sollte idealerweise verschiedene therapeutische Ansätze kombinieren. Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie arbeiten Hand in Hand, um verschiedene Aspekte der Rehabilitation abzudecken.
Die Rolle der verschiedenen Therapieformen
Die Ergotherapie konzentriert sich auf die Wiederherstellung der Alltagskompetenzen, wozu das Schreiben zentral gehört. Ergotherapeuten können individuell angepasste Hilfsmittel empfehlen, von speziellen Stiftaufsätzen bis zu schrägen Schreibunterlagen, die das Schreiben erleichtern. Ergotherapeuten/innen arbeiten an Gefühlsstörungen und Schwäche der Hand, die zur Feinmotorikvergröberung führen.
Die Logopädie ist besonders wichtig, wenn neben den motorischen auch sprachliche Schwierigkeiten bestehen. Bei Aphasie, die das Sprachverständnis und die Sprachproduktion beeinträchtigt, ist professionelle logopädische Unterstützung unerlässlich. Dabei werden an Wortfindungsstörungen, Lautverwechselungen und Sinnvertauschungen gezielt gearbeitet.
Die Physiotherapie mag auf den ersten Blick wenig mit dem Schreiben zu tun haben, spielt aber eine wichtige Rolle. Die Rumpfstabilität und die Schultermobilität beeinflussen die Feinmotorik der Hand erheblich.
Kommunizieren Sie regelmäßig mit den Therapeuten über die Fortschritte und Herausforderungen beim häuslichen Üben. Diese Rückmeldungen helfen ihnen, die Therapie optimal anzupassen.
Emotionale Unterstützung
Ein Schlaganfall ist nicht nur ein medizinisches Ereignis, sondern ein tiefgreifender Einschnitt im Leben. Der Verlust der Schreibfähigkeit kann das Selbstwertgefühl massiv beeinträchtigen und zu Gefühlen von Hilflosigkeit und Abhängigkeit führen.
Umgang mit Frustration und Depression
Hören Sie aktiv zu, wenn die betroffene Person über ihre Frustrationen spricht. Bagatellisieren Sie die Schwierigkeiten nicht mit gut gemeinten Phrasen wie „Das wird schon wieder“, sondern erkennen Sie an, wie herausfordernd die Situation ist.
Ermutigen Sie zur Geduld mit sich selbst. Viele Betroffene setzen sich unter enormen Druck, weil sie möglichst schnell wieder ihre alte Leistungsfähigkeit erreichen möchten. Erklären Sie, dass das Gehirn Zeit braucht, um neue Verbindungen zu knüpfen, und dass jeder in seinem eigenen Tempo Fortschritte macht.
Achten Sie auch auf Anzeichen von Depression, die nach einem Schlaganfall häufig auftreten. Anhaltende Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Schlafstörungen oder sozialer Rückzug sollten ernst genommen werden.
Spezielle Aspekte in Pflegeheimen und Senioreneinrichtungen
Für Pflegeheime und Senioreneinrichtungen stellt die Schlaganfall-Rehabilitation eine besondere Herausforderung dar, bietet aber auch die Chance, die Lebensqualität der Bewohner erheblich zu verbessern.
Organisation und Durchführung von Übungseinheiten
Richten Sie feste Übungszeiten ein, idealerweise zu Tageszeiten, zu denen die Bewohner am aufmerksamsten und leistungsfähigsten sind. Für viele ist das der Vormittag nach dem Frühstück.
Gruppenübungen können motivierend wirken und soziale Kontakte fördern. Eine kleine Gruppe von Schlaganfall-Betroffenen, die gemeinsam übt, schafft ein Gefühl von Gemeinschaft und gegenseitiger Unterstützung.
Schulen Sie Ihr Betreuungspersonal regelmäßig in den neuesten Erkenntnissen zur Schlaganfall-Rehabilitation. Das Verständnis für die neurologischen Grundlagen und die therapeutischen Prinzipien ermöglicht es ihnen, die Übungen kompetent anzuleiten und auf individuelle Schwierigkeiten einzugehen.
Dokumentieren Sie die Fortschritte systematisch in den Pflegeberichten. Dies ermöglicht es, Erfolge nachzuvollziehen, Plateaus zu erkennen und die Übungsprogramme entsprechend anzupassen.
Perspektiven und Möglichkeiten
Die Frage, wie viel Schreibfähigkeit zurückerlangt werden kann, beschäftigt alle Betroffenen und ihre Angehörigen. Die ehrliche Antwort lautet: Es ist individuell sehr unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab. Manche Betroffene erreichen wieder nahezu ihre alte Schreibfähigkeit, andere müssen sich mit dauerhaften Einschränkungen arrangieren. Wichtig ist zu verstehen, dass auch Teilverbesserungen wertvoll sind.
Zeitrahmen und alternative Schreibmethoden
Die intensivste Phase der Rehabilitation findet typischerweise in den ersten sechs Monaten nach dem Schlaganfall statt, wenn die Neuroplastizität des Gehirns am größten ist. Dennoch sind Verbesserungen auch Jahre nach dem Ereignis noch möglich, wenn kontinuierlich geübt wird.
In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, auch alternative Schreibmethoden in Betracht zu ziehen. Das Erlernen des Schreibens mit der nicht-dominanten Hand, die Nutzung von Computertastaturen oder Spracherkennungssoftware können die schriftliche Kommunikation ermöglichen, wenn die dominante Hand dauerhaft stark eingeschränkt bleibt.
Das Münchner Schreibmotoriktraining nach Prof. Mai und Kollegen
Das motorische Schreibtraining wurde ursprünglich von Prof. Norbert Mai und Dr. Christian Marquardt konzipiert und in der Vergangenheit durch weitere Kollegen/innen weiterentwickelt. Aus diesem Grund wird das Schreibtraining nach Prof. Mai und Kollegen als Münchner Schreibmotoriktraining weitergeführt. Das Konzept kann bei verschiedenen schreibmotorischen Störungen angewendet werden.
Das Besondere am Schreibtraining nach Prof. Mai und Kollegen ist, dass vorhandene Leistungen bzw. Stärken des Patienten als Potential für das Training genutzt werden. Die spezifischen Trainingseinheiten finden unter Supervision eines spezialisierten Therapeuten statt. Dadurch soll die Möglichkeit eingeschränkt werden, dass sich weitere falsche Muster oder Bewegungen etablieren können.
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