Hashimoto-Thyreoiditis: Ursachen von Taubheitsgefühlen und andere Symptome verstehen

Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Schilddrüse angreift. Dies kann zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse führen und deren Fähigkeit beeinträchtigen, ausreichend Schilddrüsenhormone zu produzieren. Die daraus resultierende Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen, darunter auch Taubheitsgefühle. Dieser Artikel befasst sich mit den Ursachen von Taubheitsgefühlen im Zusammenhang mit Hashimoto, beleuchtet weitere häufige Symptome und bietet Einblicke in Diagnose und Behandlung.

Ursachen von Taubheitsgefühlen bei Hashimoto

Taubheitsgefühle, auch bekannt als Parästhesien, können bei Hashimoto-Patienten auftreten und verschiedene Ursachen haben:

  • Neuropathie: Eine mögliche Ursache für Taubheitsgefühle ist die periphere Neuropathie, eine Schädigung der peripheren Nerven. Hashimoto kann in einigen Fällen zu einer Neuropathie führen, die sich durch Taubheitsgefühle, Kribbeln, Brennen oder Schmerzen in den Extremitäten äußern kann.
  • Vitaminmangel: Hashimoto kann die Aufnahme bestimmter Nährstoffe beeinträchtigen, was zu Vitaminmängeln führen kann. Insbesondere ein Mangel an Vitamin B12 kann neurologische Symptome wie Taubheitsgefühle verursachen.
  • Elektrolytstörungen: Schilddrüsenhormone spielen eine Rolle bei der Regulation des Elektrolythaushaltes. Eine Schilddrüsenunterfunktion kann zu Elektrolytstörungen wie Hypokalzämie (niedriger Kalziumspiegel) führen, die sich in Taubheitsgefühlen äußern können.
  • Karpaltunnelsyndrom: Hashimoto-Patienten haben ein erhöhtes Risiko für das Karpaltunnelsyndrom, eine Erkrankung, bei der ein Nerv im Handgelenk eingeklemmt wird. Dies kann zu Taubheitsgefühlen, Kribbeln und Schmerzen in den Händen und Fingern führen.
  • Direkte Auswirkungen auf das Nervensystem: In seltenen Fällen kann die Hashimoto-Thyreoiditis selbst das Nervensystem direkt beeinflussen und neurologische Symptome wie Taubheitsgefühle verursachen.

Es ist wichtig zu beachten, dass Taubheitsgefühle auch andere Ursachen haben können, die nicht mit Hashimoto zusammenhängen. Daher ist eine gründliche ärztliche Untersuchung erforderlich, um die genaue Ursache zu ermitteln.

Weitere Symptome von Hashimoto-Thyreoiditis

Neben Taubheitsgefühlen können bei Hashimoto-Patienten eine Reihe weiterer Symptome auftreten, die oft unspezifisch sind und sich langsam entwickeln. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Müdigkeit und Erschöpfung: Ein Gefühl von anhaltender Müdigkeit und Energiemangel ist ein häufiges Symptom.
  • Gewichtszunahme: Trotz normaler Ernährung kann es zu einer Gewichtszunahme kommen. Einige Patienten berichten, dass es nahezu unmöglich ist, abzunehmen, und dass jeder Versuch das Gewicht erhöht.
  • Kälteempfindlichkeit: Betroffene frieren leichter als andere und vertragen Kälte schlecht.
  • Verstopfung: Verdauungsprobleme wie Verstopfung können auftreten.
  • Trockene Haut und Haare: Die Haut kann trocken und schuppig werden, und die Haare können brüchig werden und ausfallen.
  • Depressive Verstimmungen: Emotionale Instabilität, depressive Tendenzen und sogar Panikattacken können auftreten. Einige Patienten berichten von einem Gefühl, wie "starr vor Angst" zu sein.
  • Konzentrationsschwierigkeiten: Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten und Wortfindungsstörungen können die Lebensqualität beeinträchtigen.
  • Muskel- und Gelenkschmerzen: Schmerzen und Steifheit in Muskeln und Gelenken sind möglich.
  • Hautbrennen: Einige Patienten berichten von einem Hautbrennen, das sich wie ein Sonnenbrand anfühlt.
  • Haarausfall: Haarausfall kann ein belastendes Symptom sein.
  • Zyklusstörungen bei Frauen: Unregelmäßige oder ausbleibende Menstruationsperioden können auftreten.
  • Heißhungerattacken: Plötzliche und starke Verlangen nach bestimmten Lebensmitteln können auftreten.
  • Vermehrtes Schwitzen: Insbesondere im Bereich des Kopfes kann es zu vermehrtem Schwitzen kommen.
  • Tinnitus: Ohrgeräusche können auftreten.
  • Geschwollene Augen: Morgens können die Augen geschwollen sein.
  • Nackenschmerzen: Schmerzen im Nackenbereich sind möglich.
  • Herzstolpern: Unregelmäßigkeiten im Herzschlag können auftreten.
  • Reizdarmsyndrom: Verdauungsbeschwerden im Zusammenhang mit dem Reizdarmsyndrom können auftreten.
  • Innere Unruhe und Zittern: Einige Patienten berichten von innerem Zittern und zitternden Händen.
  • Schwindelgefühl: Ein leichtes Schwindelgefühl kann auftreten.
  • Kräfteverlust in den Armen: Ein Gefühl von Schwäche in den Armen ist möglich.
  • Muskel- bzw. Knochenschmerzen: Schmerzen in den Fußknöcheln/Unterschenkel bei Belastung können auftreten.
  • Grippeähnliche Symptome bei Kälte: Bei Kälte kann es sich anfühlen wie Grippesymptome.
  • Trockene Schleimhäute: Besonders im Beruf können trockene Schleimhäute auftreten.
  • Geringe Belastbarkeit und Reizbarkeit: Betroffene können sich schnell überfordert und gereizt fühlen.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Patienten alle diese Symptome entwickeln und die Ausprägung der Symptome von Person zu Person variieren kann.

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Diagnose von Hashimoto-Thyreoiditis

Die Diagnose von Hashimoto-Thyreoiditis basiert in der Regel auf einer Kombination aus:

  • Anamnese und körperlicher Untersuchung: Der Arzt wird nach den Symptomen fragen und eine körperliche Untersuchung durchführen, um die Schilddrüse zu beurteilen.
  • Blutuntersuchungen:
    • TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon): Ein erhöhter TSH-Wert ist oft das erste Anzeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion.
    • Freies T4 (Thyroxin): Ein niedriger Wert für freies T4 bestätigt die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion.
    • Antikörper: Der Nachweis von Anti-TPO-Antikörpern (Thyreoperoxidase-Antikörper) und/oder Thyreoglobulin-Antikörpern (Tg-AK) im Blut unterstützt die Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis. Allerdings ist zu beachten, dass einige Patienten mit Hashimoto keine nachweisbaren Antikörper haben.
  • Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse: Eine Ultraschalluntersuchung kann Veränderungen in der Schilddrüse zeigen, die auf Hashimoto hindeuten, wie z.B. eine echoarme Struktur.
  • Szintigraphie: In einigen Fällen kann eine Szintigraphie der Schilddrüse durchgeführt werden, um die Funktion der Schilddrüse zu beurteilen.

Behandlung von Hashimoto-Thyreoiditis

Die Behandlung von Hashimoto-Thyreoiditis zielt darauf ab, den Mangel an Schilddrüsenhormonen auszugleichen und die Symptome zu lindern. Die Standardbehandlung besteht in der Einnahme von synthetischem L-Thyroxin (T4), einem Schilddrüsenhormon, das den Körper mit dem fehlenden Hormon versorgt.

  • L-Thyroxin-Dosierung: Die Dosierung von L-Thyroxin wird individuell angepasst, basierend auf den Blutwerten (TSH, freies T4) und den Symptomen des Patienten. Viele Patienten fühlen sich am wohlsten, wenn ihr TSH-Wert unter 1,0 liegt.
  • Regelmäßige Kontrollen: Regelmäßige Blutuntersuchungen sind erforderlich, um die Schilddrüsenhormonwerte zu überwachen und die L-Thyroxin-Dosis gegebenenfalls anzupassen.
  • Zusätzliche Therapien: In einigen Fällen kann die Einnahme von Selen oder anderen Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll sein, um die Schilddrüsenfunktion zu unterstützen. Einige Ärzte verschreiben auch Trijodthyronin (T3) in Kombination mit L-Thyroxin, um die Symptome zu verbessern.
  • Behandlung von Begleiterkrankungen: Es ist wichtig, Begleiterkrankungen wie Vitaminmängel oder Elektrolytstörungen zu behandeln, um die Symptome zu lindern.

Umgang mit spezifischen Symptomen

  • Gewichtszunahme: Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung können helfen, das Gewicht zu kontrollieren.
  • Haarausfall: Die Behandlung von Schilddrüsenhormonmangel kann den Haarausfall reduzieren. In einigen Fällen können zusätzliche Behandlungen wie Minoxidil oder spezielle Shampoos helfen.
  • Taubheitsgefühle: Die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache, wie z.B. Neuropathie oder Vitaminmangel, kann die Taubheitsgefühle lindern.

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