Meningitis und Suizidrisiko: Eine umfassende Betrachtung

Meningitis, oft als Hirnhautentzündung bezeichnet, ist eine Erkrankung, die sich innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich entwickeln kann. Sie wird meist durch Viren oder Bakterien ausgelöst und betrifft vor allem die schützenden Häute des Gehirns und Rückenmarks. Während die akute Behandlung der Meningitis im Vordergrund steht, ist es wichtig, auch die psychischen Folgen und potenziellen Risiken, wie Suizidalität, zu berücksichtigen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Meningitis und deren Zusammenhang mit psychischen Belastungen und Suizidrisiko.

Was ist Meningitis?

Meningitis ist eine Entzündung der Hirnhäute, also der Hüllen, die das Gehirn und das Rückenmark umgeben. Bakteriell verursachte Hirnhautentzündungen können schnell lebensbedrohlich werden, da sie meist auch auf das Gehirn selbst übergreifen und eine Meningoenzephalitis auslösen.

Ursachen und Übertragung

Oft sind es Bakterien, Viren und andere Krankheitserreger, die eine Hirnhautentzündung auslösen. Übertragen werden sie häufig durch Tröpfcheninfektion. An einer bakteriellen Meningitis erkrankt in Deutschland jedes Jahr weniger als eine von 100.000 Personen. Die virale Infektion ist häufiger, jährlich sind bis zu 20 von 100.000 Menschen in Deutschland betroffen. Einige Viren werden durch Insektenstiche übertragen, etwa das FSME-Virus durch einen Zeckenstich.

Welt-Meningitis-Tag

Der Welt-Meningitis-Tag am 5. Oktober soll aufklären: Was du über die Krankheit und Vorsorge von „Hirnhautentzündungen“ wissen musst. Jedes Jahr am 5. Oktober rückt der Welt-Meningitis-Tag eine Krankheit in den Fokus, die das Leben Betroffener innerhalb kürzester Zeit grundlegend verändern kann. Umso wichtiger ist es, über Meningitis aufzuklären und rechtzeitig vorzusorgen.

Wer ist besonders gefährdet?

Besonders Babys und Kleinkinder bis fünf Jahre sind gefährdet, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Doch auch Erwachsene können erkranken. Fast 10 % der Deutschen tragen den Meningokokken-Erreger ohne auftretende Symptome im Nasen-Rachen-Raum. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion, etwa beim Husten oder Niesen.

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Meningokokken-Infektion: Symptome und Folgen

Typische Symptome erinnern zunächst an eine Grippe: Fieber, Schüttelfrost und allgemeines Unwohlsein. Doch wird die Infektion nicht rechtzeitig erkannt, kann sie lebensbedrohlich werden. In zwei Dritteln der Fälle entwickelt sich eine Hirnhautentzündung. Und auch bei rechtzeitiger Behandlung kann die Erkrankung Taubheit oder Krampfanfälle zur Folge haben.

Schutz durch Impfung

Seit 2024 wird die Meningokokken-Impfung für Kinder und Säuglinge offiziell von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. Damit entfallen alle privaten Kosten, da die Krankenkassen für die Impfungen aufkommen. Zudem muss inzwischen niemand mehr in Vorkasse gehen. Die Kosten für die Impfung können direkt über die jeweilige Krankenkasse abgerechnet werden.

Für Babys und Kleinkinder kann die Krankheit besonders gefährlich werden, denn eine Hirnhautentzündung kann psychomotorische Entwicklungsstörungen verursachen oder weitere schwere Folgen haben. In jedem zehnten Fall verläuft die Krankheit tödlich.

Enzephalitis als Begleitkomplikation

Manchmal beginnt alles ganz harmlos: ein leichtes Fieber, Müdigkeit oder Kopfschmerzen, wie sie viele Menschen kennen. Doch hinter diesen Anzeichen kann sich eine Erkrankung verbergen, die rasches ärztliches Handeln erfordert - eine Entzündung im Gehirn, auch Enzephalitis genannt. Gerade weil die Beschwerden zunächst unspezifisch erscheinen, sollten die Signale des Körpers ernst genommen und rechtzeitig ärztlicher Rat eingeholt werden.

Ursachen und Entstehung

Enzephalitis bezeichnet eine Entzündung im Gehirn, die meist durch eine Infektion ausgelöst wird. Dabei reagiert das körpereigene Immunsystem auf Erreger wie Viren, Bakterien oder in seltenen Fällen Pilze, die das empfindliche Gewebe des Gehirns angreifen. Die Entzündung kann verschiedene Bereiche des Gehirns betreffen und führt zu einer Reizung oder Schädigung von Nervenzellen. Durch diese Entzündungsreaktion gerät die normale Funktion des Gehirns aus dem Gleichgewicht - mit möglicherweise weitreichenden Auswirkungen auf das Bewusstsein, die Wahrnehmung und die Steuerung körperlicher Abläufe.

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Die häufigste Ursache einer Enzephalitis ist eine Virusinfektion. Besonders bekannt ist der Herpes-simplex-Virus, der bei bestimmten Verläufen das Gehirn befallen kann. Auch andere Viren wie Varizella-Zoster, das für Windpocken verantwortlich ist, oder das FSME-Virus, das durch Zecken übertragen wird, gehören zu den typischen Auslösern. In seltenen Fällen können auch Bakterien, Pilze oder Parasiten eine Entzündung im Gehirn hervorrufen. Neben diesen infektiösen Auslösern kann eine Enzephalitis auch durch eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems entstehen - etwa im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen oder bestimmten Impfreaktionen. In diesen Fällen richtet sich die körpereigene Abwehr nicht gegen Erreger, sondern fälschlicherweise gegen das eigene Gehirngewebe.

Nicht immer lässt sich die genaue Ursache für Enzephalitis eindeutig bestimmen. Medizinisch wird zwischen verschiedenen Enzephalitis-Typen unterschieden - je nachdem, was die Entzündung im Gehirn auslöst:

  • Infektiöse Enzephalitis: Meist durch Viren wie Herpes-simplex, Varizella-Zoster oder FSME verursacht. Auch Bakterien oder Pilze kommen in Frage.
  • Autoimmune Enzephalitis: Hier richtet sich das Immunsystem fälschlich gegen gesundes Gehirngewebe - oft ohne nachweisbare Erreger.
  • Parainfektiöse Enzephalitis: Tritt manchmal als überschießende Immunreaktion nach Infektionen oder Impfungen auf.
  • Meningoenzephalitis: Eine Kombination aus Gehirnentzündung und Hirnhautentzündung (Meningitis), die besonders schwere Verläufe nehmen kann.

Je nach zeitlichem Zusammenhang und Ursache der Entzündung wird zwischen einer primären und einer sekundären Enzephalitis unterschieden:

  • Bei einer primären Enzephalitis greift ein Erreger - meist ein Virus - direkt das Gehirngewebe an. Klassische Beispiele sind die Herpes-simplex-Enzephalitis oder die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis). Die Infektion beginnt hier im Zentralnervensystem.
  • Die sekundäre Enzephalitis entsteht dagegen als Reaktion des Immunsystems - meist einige Tage oder Wochen nach einer Infektion oder Impfung. Dabei richtet sich die Immunantwort nicht gegen den ursprünglichen Erreger, sondern fälschlicherweise gegen gesundes Gehirngewebe. Diese Form wird auch als postinfektiöse oder autoimmune Enzephalitis bezeichnet.

Beide Formen unterscheiden sich nicht nur in der Entstehung, sondern auch in der Therapie.

Symptome und Diagnose

Die ersten Anzeichen einer Enzephalitis ähneln oft denen einer Grippe oder eines banalen Infekts: Fieber, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen zählen zu den typischen frühen Beschwerden. Im weiteren Verlauf kann es jedoch zu schwereren Symptomen kommen, die auf eine Gehirnentzündung hindeuten. Zu den häufigsten Symptomen einer Enzephalitis gehören:

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  • Anhaltendes hohes Fieber
  • Starke Kopfschmerzen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen
  • Krampfanfälle
  • Sprach- oder Gedächtnisprobleme
  • Motorische Ausfälle oder Lähmungen
  • Übelkeit und Erbrechen

Gerade weil viele dieser Beschwerden unspezifisch sind, ist es wichtig, eine mögliche Gehirnentzündung frühzeitig zu erkennen und ärztlich abklären zu lassen. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Eine Enzephalitis kann lebensbedrohlich sein - besonders dann, wenn sie nicht frühzeitig erkannt und behandelt wird. Je nach Ursache, Schwere und Verlauf der Enzephalitis können bleibende Schäden im Gehirn zurückbleiben.

Da die Symptome einer Enzephalitis anfangs oft unspezifisch sind, sollten die Anzeichen sorgfältig ärztlich abgeklärt werden. Ziel der Diagnose einer Enzephalitis ist es, möglichst schnell zwischen einer harmlosen Infektion und einer ernsten Entzündung im Gehirn zu unterscheiden - und die zugrunde liegende Ursache zu finden. Zu Beginn steht die gründliche Befragung der Patientin oder des Patienten: Welche Beschwerden bestehen? Gab es kürzlich eine Infektion, einen Zeckenstich oder eine Impfung? Dann folgt eine körperliche Untersuchung mit neurologischem Fokus. Zur sicheren Abklärung kann die Ärztin oder der Arzt in der Regel folgende Verfahren nutzen:

  • Eine Lumbalpunktion, bei der Nervenwasser aus dem Rückenmark entnommen wird, um Entzündungszeichen und Erreger nachzuweisen
  • Bildgebende Verfahren wie Kernspintomografie (MRT), um Entzündungsherde im Gehirn sichtbar zu machen
  • Blutuntersuchungen, um Infektionen oder Autoimmunprozesse zu erkennen
  • EEG (Elektroenzephalografie), um die elektrische Aktivität im Gehirn zu überprüfen

Manchmal ist die Ursache der Gehirnentzündung nicht sofort eindeutig zu erkennen.

Therapie und Rehabilitation

Die Therapie einer Enzephalitis richtet sich in erster Linie nach der Ursache der Entzündung und dem Zustand der Patientinnen und Patienten. Liegt eine durch Viren verursachte Infektion vor - etwa durch Herpes-simplex-Viren - wird in der Regel frühzeitig eine antivirale Therapie mit Medikamenten bzw. Wirkstoffen wie Aciclovir begonnen. Wird die Erkrankung durch Bakterien ausgelöst, kommen gezielt Antibiotika zum Einsatz. Bei einer Autoimmunenzephalitis, also einer Entzündung aufgrund einer überaktiven Immunreaktion, helfen Immunsuppressiva wie Cortison oder Rituximab, das Immunsystem zu regulieren. Wie genau die medikamentöse Behandlung der Gehirnentzündung erfolgt, hängt sowohl vom Erregernachweis als auch vom Verlauf der Erkrankung ab. Zusätzlich steht die Linderung von Beschwerden im Fokus: Fieber kann gesenkt, epileptische Anfälle durch spezielle Medikamente verhindert und bei Atemproblemen eine Sauerstoffgabe notwendig werden. In schweren Fällen, etwa wenn eine Schwellung im Gehirn auftritt oder das Bewusstsein beeinträchtigt ist, erfolgt die Behandlung der Gehirnentzündung auf einer Station für Intensivmedizin.

Egal ob Viren, Bakterien oder eine Immunreaktion die Ursache für die Entzündung im Gehirn sind: Im Anschluss an die Behandlung einer Gehirnentzündung geht es für viele Patientinnen und Patienten darum, körperliche und geistige Fähigkeiten schrittweise zurückzugewinnen. Ein individuell angepasstes Rehabilitationskonzept bildet hierfür die Grundlage. Ziel ist es, die betroffenen Personen zielgerichtet darin zu unterstützen, möglichst selbstständig in ihren Alltag zurückzukehren. Bereits in der sogenannten Frührehabilitation setzen unsere Teams aus verschiedenen therapeutischen Fachbereichen an: Mit gezielter Ergotherapie lassen sich beeinträchtigte Alltagsfunktionen wieder trainieren, etwa die Koordination von Bewegungsabläufen. Sprachliche Einschränkungen werden in der Logopädie behandelt, während bei Konzentrations- oder Gedächtnisproblemen die Neuropsychologie zum Einsatz kommt.

Psychische Auswirkungen von Meningitis und Enzephalitis

Meningitis und Enzephalitis können erhebliche psychische Auswirkungen haben. Die Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute kann zu einer Vielzahl von neurologischen und psychiatrischen Symptomen führen, die das Suizidrisiko erhöhen können.

Häufige psychische Symptome

  • Depression: Eine depressive Stimmungslage, Interessensverlust und Antriebsmangel sind häufige Begleiterscheinungen nach einer Meningitis oder Enzephalitis.
  • Angstzustände: Angst und Panikattacken können auftreten, oft in Verbindung mit der Angst vor bleibenden Schäden oder einem Rückfall.
  • Kognitive Beeinträchtigungen: Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme und Schwierigkeiten bei der Problemlösung können das Selbstwertgefühl beeinträchtigen und zu Hoffnungslosigkeit führen.
  • Verhaltensänderungen: Reizbarkeit, Aggressivität und Stimmungsschwankungen können die sozialen Beziehungen belasten und zu Isolation führen.
  • Psychosen: In seltenen Fällen können psychotische Symptome wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen auftreten, die das Realitätsverständnis beeinträchtigen und das Suizidrisiko erhöhen.
  • Delir: Fluktuierende Orientierungsstörung, Verlangsamung, in einigen Fällen optische Halluzinationen sowie vegetative Dysregulationen. Hohe Mortalität ohne Behandlung!

Risikofaktoren für Suizidalität

  • Vorerkrankungen: Personen mit vorbestehenden psychischen Erkrankungen haben ein höheres Risiko, nach einer Meningitis oder Enzephalitis suizidal zu werden.
  • Schwere der Erkrankung: Ein schwerer Verlauf mit bleibenden neurologischen Schäden kann die psychische Belastung erhöhen und das Suizidrisiko steigern.
  • Soziale Isolation: Mangelnde soziale Unterstützung und Isolation können die psychische Gesundheit zusätzlich beeinträchtigen.
  • Substanzmissbrauch: Der Konsum von Drogen und Alkohol kann die psychische Stabilität destabilisieren und das Suizidrisiko erhöhen.
  • Akute Belastungsreaktion: Eine vorübergehende psychische Reaktion auf schwere körperliche oder emotionale Belastungen kann zu einer akuten Belastungsreaktion führen.

Suizidalität: Erkennung und Intervention

Die Prüfung der Suizidalität ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Patienten nach Meningitis oder Enzephalitis.

Anzeichen erkennen

Verdacht sollte bei Vorliegen offen und wertungsfrei angesprochen werden. Jede Suizidäußerung und jeder Suizidversuch muss ernst genommen werden! Suizidalität kann anhand von Risikofaktoren und protektiven Faktoren abgeschätzt werden. Für eine abschließende und rechtssichere Einschätzung ist jedoch eine psychiatrische Vorstellung notwendig.

Hochrisiko-Faktoren

  • Verlust rationalen Denkens
  • Psychose, Agitation, lähmende Angst
  • Vorstellung des Suizids
  • Vorbereiteter oder konkreter Plan
  • Konkrete Planung des Suizids stellt eine Red-Flag dar. Relevant ist die Selbsttötungsabsicht, nicht die Art der Durchführung.

Protektive Faktoren

  • Soziale Unterstützung
  • Familiäres Umfeld, Freundeskreis (intakte Ehe mit Kindern gilt als besonders protektiv)
  • Zukunftsorientierung
  • Konkrete Planung für zukünftige Ereignisse
  • Therapeutische Anbindung
  • Offenheit für eine Therapie und Wunsch nach dieser

Vorgehen bei Suizidalität

Wichtig ist das Erkennen einer Suizidalität und das offene Ansprechen! Bei Hinweisen auf eine akute Suizidalität (stattgehabter Suizidversuch / ernsthafte Äußerung) muss von einer Eigengefährdung ausgegangen werden und eine psychiatrische Vorstellung erfolgen. Beim Ablehnen einer psychiatrischen Vorstellung muss diese nach Rücksprache mit dem/der diensthabenden Psychiater:in ggf. auch unter Zwang entsprechend der jeweiligen Landesgesetze erfolgen.

Phasenmodell der Suizidalität

  • Phase 1: „Lebensüberdrussgedanken“ bzw. passive Todeswünsche
  • Phase 2: Konkrete, aktive Suizidgedanken ohne bisherige Planungen
  • Phase 3: Aufdrängende Suizidgedanken, konkrete Planungen, Vorbereitungen

Medikamente und Suizidalität

Einige Medikamente, die zur Behandlung von Meningitis oder Enzephalitis eingesetzt werden, können potenziell Suizidgedanken fördern. Es ist wichtig, diese Risiken zu kennen und die Patienten entsprechend zu überwachen.

Betroffene Medikamentengruppen

  • Interferone: Werden eingesetzt gegen Hepatitis, Multiple Sklerose und andere Erkrankungen. Dabei traten in Studien im Vergleich zu Placebo bei den Patienten im Verumarm etwa doppelt so viele Suizid­gedanken auf.
  • Gyrasehemmer: Ofloxacin, Cipro­floxacin und Levofloxacin sind vielfältig eingesetzte Antibiotika bei Harnwegsinfekten, Lungenentzündungen, Meningitis und anderen bakteriellen Erkrankungen. Ihre ZNS-Gängigkeit zeigt sich bereits dadurch, dass Patienten häufig über Albträume während der Behandlung mit Chinolonen berichten. So sind Halluzinationen, Depressionen und Psychosen als Gruppeneffekte vielfach beschrieben.
  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI): Stehen ebenfalls im Verdacht, Suizidgedanken zu fördern. Belastbare Zahlen gibt es für Paroxetin und Venlafaxin. In Studien mit Heranwachsenden wurden unter Paroxetin dreimal mehr Suizide als in der Placebogruppe festgestellt.

Wichtiger Hinweis

Es ist wichtig zu betonen, dass die genannten Medikamente in vielen Fällen lebensrettend sein können und die Vorteile der Behandlung die potenziellen Risiken überwiegen können. Die Entscheidung über die Medikation sollte immer in Absprache mit einem Arzt getroffen werden, der die individuellen Umstände des Patienten berücksichtigt.

Therapie und Unterstützung

Die Behandlung von Suizidalität nach Meningitis oder Enzephalitis erfordert einen umfassenden Ansatz, der sowohl medizinische als auch psychotherapeutische Interventionen umfasst.

Akut-Management

  • Agitation/akute Eigen- oder Fremdgefährdung: Selbstschutz!
  • Anamnese: Überblick über die Situation und das Erleben des Pat. bekommen („Was geht denn hier gerade vor?“)
  • Konkretes Erfragen von Halluzinationen: („Hören Sie Stimmen, die zu Ihnen sprechen?“ „Sehen Sie ungewöhnliche Dinge?“) Erfragen von Wahn („Geht etwas gegen sie vor? Ist da etwas Gefährliches im Gange gegen Sie?“
  • Erfragen von Suizidalität: („Haben Sie Gedanken, sich etwas anzutun?“)
  • Körperliche Untersuchung: Hinweis auf körperliche Erkrankung, die das psychotische Krankheitsbild erklären könnte
  • Labor: inkl. BGA, Entzündung, Schilddrüse, Leber, Alkohol
  • EKG: (QTc-Zeit?)
  • cCT/-MRT: Bei jeder unklaren, erstmalig aufgetretenen Psychose
  • Benzodiazepine initial bei ausgeprägter Agitation: CAVE: Benzodiazepine bei geriatrischen Patient:innen delirfördernd! Lorazepam 1-2,5mg po. (oder falls iv. nötig z.B. Midazolam 5mg in./1,5-3mg iv.)
  • Antipsychotika: Risperidon 1-2mg po., Quetiapin 25mg po. (möglich bei M. Parkinson)

Psychotherapie

  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Hilft, negative Denkmuster zu erkennen und zu verändern.
  • Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT): Vermittelt Fertigkeiten zur Emotionsregulation und Stressbewältigung.
  • Traumatherapie: Bei traumatischen Erfahrungen im Zusammenhang mit der Erkrankung.

Soziale Unterstützung

  • Familie und Freunde: Ein unterstützendes soziales Netzwerk kann die psychische Gesundheit stärken.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen, sich weniger isoliert zu fühlen.
  • Professionelle Beratung: Psychosoziale Beratungsstellen bieten Unterstützung und Informationen.

Krisendienste und Notfallnummern

In akuten Krisensituationen ist es wichtig, schnell professionelle Hilfe zu erhalten.

Krisendienste Bayern

Die Krisendienste Bayern sind ein psychosoziales Beratungs- und Hilfeangebot für alle Menschen in Bayern. Unter der kostenlosen Rufnummer 0800 / 655 3000 erhalten Menschen in seelischen Krisen, Mitbetroffene und Angehörige qualifizierte Beratung und Unterstützung. Auch Fachstellen können sich an uns wenden. Zögern Sie nicht, rufen Sie an! Wir hören zu, klären mit Ihnen gemeinsam die Situation und zeigen Wege aus der Krise auf. Die Krisendienste Bayern sind in ganz Bayern erreichbar und beraten telefonisch in über 120 Sprachen. Die Krisendienste Bayern bieten erste Entlastung und Orientierung. In dringenden Fällen können die Krisendienste Bayern den Einsatz erfahrener Fachkräfte am Ort der Krise in die Wege leiten. Hier geht es um Entlastung und das Abwägen möglicher Gefährdungen. Wenn Sie ein persönliches Gespräch benötigen: Die Krisendienste Bayern empfehlen geeignete Hilfeangebote. Manchmal kann eine vorübergehende stationäre Behandlung der geeignete Weg sein, um eine Krise zu überwinden.

Nummer gegen Kummer

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