Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist, die Dopamin produzieren. Dies führt zu einer Reihe von motorischen und nicht-motorischen Symptomen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Obwohl es derzeit keine Heilung für Parkinson gibt, können verschiedene Therapien und Behandlungen helfen, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sowohl Bewegung als auch spezielle Schuhe eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Parkinson-Patienten spielen können.
Die Bedeutung von Bewegung bei Parkinson
Eine aktuelle Studie zeigt, dass Ausdauersport die funktionelle und strukturelle Plastizität der für die Planung, Ausführung und Kontrolle von Bewegungen zuständigen Hirnregionen verbessert. Und wirkt so dem Abbau motorischer und kognitiver Funktionen bei Morbus Parkinson entgegen. Die Daten liefern erstmals einen Erklärungsansatz für den in füheren Studien beobachteten positiven Effekt des aeroben Trainings auf das Fortschreiten der motorischen Symptome dieser neurodegenerativen Erkrankung.
Aerobes Training verlangsamt den Abbau motorischer Fähigkeiten
Die „Park-in-Shape“-Studie aus den Niederlanden zeigte im Jahr 2019, dass regelmäßiges aerobes Training, das zu Hause auf einem Ergometer durchgeführt wird, die Verschlechterung motorischer Defizite bei Menschen mit Parkinson-Erkrankung im Frühstadium deutlich verlangsamen kann. Regelmäßiges Dehnen hatte diesen Effekt jedoch nicht. In der Zwischenzeit haben weitere Studien den positiven Effekt von regelmäßigem Ausdauertraining (= aerobes Training) auf die motorischen Parkinsonsymptome bestätigt.
Professor Lars Timmermann, Leiter des Parkinson-Zentrums am Uniklinikum Marburg, erklärt: „Wir können von einer hohen klinischen Evidenz ausgehen und raten Betroffenen, die mit der Diagnose Parkinson konfrontiert werden, daher immer zu regelmäßigem Ausdauersport.“
Wie Ausdauertraining das Gehirn beeinflusst
Bisher war unklar, auf welchen Mechanismen die positiven Auswirkungen von Ausdauertraining bei Parkinson-Patienten im Frühstadium beruhen, die die motorischen Symptome lindern und deren Fortschreiten verlangsamen können. Die niederländische Arbeitsgruppe ging dieser Frage nach und hat nun erste Ergebnisse veröffentlicht.
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Sie untersuchte, welche funktionellen und strukturellen Veränderungen das regelmäßige Ausdauertraining im kortiko-striatalen sensomotorischen Netzwerk, das im Zusammenhang mit den motorischen Parkinsonsymptomen wie Tremor oder Muskelsteifigkeit steht, herbeiführt. Außerdem untersuchten die Wissenschaftler, inwieweit sich das Training auf die Gewebsintegrität der Substantia nigra auswirkt, in der u.a. die Planung und Ausführung von Bewegungen geregelt werden, und ob der Ausdauersport die kognitive Kontrolle von Bewegungen verbessern kann.
Studienergebnisse zeigen positive Auswirkungen auf das Gehirn
Für die Studie wurden 56 Teilnehmer aus den 130 Teilnehmern der „Park-in-Shape“-Studie zufällig ausgewählt und genauer untersucht (25 aus der Ausdauersport-Gruppe, 31 aus der Stretching-Gruppe). Zu Beginn der Studie und nach sechs Monaten wurde bei jeder der 51 Personen eine funktionelle Magnetresonanztomographie durchgeführt und die Befunde mittels Voxel-basierter Morphometrie (VBM) ausgewertet, der Grad der Hirnatrophie erfasst sowie freies Wasser im hinteren Teil der Substantia nigra.
Unmittelbar nach dem MRT-Scan mussten die Teilnehmer eine validierte Aufgabe zur Überprüfung des okulomotorischen und kognitiven Zusammenspiels durchführen: Sie wurden gebeten, einen farbigen Punkt zu fixieren und je nach dessen Farbe eine Sakkade (= ruckartige Augenbewegung) zu oder weg von einem Zeichen im Hintergrund durchzuführen. Außerdem wurden verschiedene klinische Tests zur Bewertung der kognitiven Funktion (MOCA-Test), der motorischen Symptome und der Aufmerksamkeitsleistung durchgeführt.
Die Ergebnisse zeigten, dass Ausdauertraining zu einer stärkeren funktionellen Vernetzung zwischen vorderem und hinterem Putamen und dem sensomotorischen Kortex führt. Das Putamen ist ein Teil der grauen Substanz und für die Kontrolle von Bewegungsabläufen zuständig. Die Fehlerrate im okulomotorischen Test war in der Ausdauersportgruppe signifikant geringer, d.h. die Fähigkeit zur kognitiven Kontrolle von (ungewollten) Bewegungen höher. Darüber hinaus beschrieb das Forscherteam bei den Ausdauersporttreibenden eine stärkere funktionelle Vernetzung im rechten frontoparietalen Netzwerk, die mit der Verbesserung des Fitnessgrads korrelierte, und einen geringeren Grad der Hirnatrophie.
Ausdauersport als wichtige Behandlungsmaßnahme
„Ausdauersport hat also eine messbare Wirkung auf das Gehirn. Indem er die funktionelle und strukturelle Plastizität der für die Planung, Ausführung und Kontrolle von Bewegungen zuständigen Hirnregionen verbessert, kann er dem Abbau motorischer und kognitiver Funktionen bei Morbus Parkinson entgegenwirken“, erklärt Timmermann.
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Professor Peter Berlit, Generalsekretär der DGN, ergänzt: „Ausdauersport erweist sich als wichtige symptomatische Behandlungsmaßnahme bei Morbus Parkinson und muss Teil der medizinischen Versorgung der Betroffenen sein. Die Patientinnen sollten von den behandelnden Ärztinnen oder den Parkinson-Nurses konsequent zum Training motiviert und angeleitet werden.“
Spezielle Schuhe zur Unterstützung der Bewegung
Neben regelmäßigem Ausdauertraining können auch spezielle Schuhe eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Parkinson-Patienten spielen. Diese Schuhe sind oft so konzipiert, dass sie die Stabilität verbessern, die Muskelaktivität fördern und die sensorische Wahrnehmung verbessern.
proprio SOLE für Fußmuskeltraining
proprio SOLE sorgen für Fußmuskeltraining bei jedem Schritt. Ihre Füße sind die Basis und der Schlüssel zu einer harmonischen Bewegung. Treten Fehlstellungen und Überlastungen in den Füßen auf, kann sich dies über die Muskel- und Gliederketten auch auf fußferne Strukturen, bis hin zu Rücken und Kopf übertragen. proprio SOLE setzen durch Stimulation der Rezeptoren in den Fußmuskeln und -sehnen (Propriozeptoren) aktive Reize gegen Fehlbelastungen. Das Nervensystem verarbeitet die Reizinformationen und der Körper reagiert darauf mit einer veränderten Muskelspannung. Je nach Formgebung und Intensität im Oberflächenprofil der proprio SOLE können aktivierende oder entspannende Reize initiiert werden. Ziel ist es, die Gelenkstellung, Haltung und Bewegung in Balance zu bringen. Für einen schmerz- und beschwerdefreien Alltag. Die proprio-Einlagen werden passgenau für Ihre Beschwerden gefertigt. Aktiviert die Wadenbeinmuskeln (M. Aktiviert die Schienbeinmuskeln (M. Tibialis) und das Fußlängseewölbe.
kybun Schuh für Koordination und Kraft
Der kybun Schuh hat eine elastisch-federnde Sohle. Diese fördert die Koordination und Kraft der Füsse und des ganzen Körpers. Ausserdem kann der Träger durch die Sohle den Untergrund gut spüren, dies verleiht ihm beim Gehen Sicherheit und stimuliert die Sensibilität der Füsse. Somit werden Sensomotorik und Propriozeption des Betroffenen aktiv gefördert und trainiert.
Einige Patienten berichten von positiven Erfahrungen mit dem kybun Schuh:
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- Weniger Steifheit und mehr Lebensfreude
- Reduzierung von Spastiken
- Verbesserung der Beweglichkeit
Es wird vermutet, dass die Stimulation über Propriozeption und von den unteren Extremitäten her eine Stimulation des Hirngewebes stattfindet und gewisse Interaktionen, die unterbrochen waren, plötzlich wieder öffnet.
Wichtiger Hinweis
Hören Sie auf Ihren Körper, wie fühlen Sie sich? Tut der Schuh oder die Matte Ihnen gut? Bei grosser Unsicherheit im kybun Schuh empfehlen wir zuerst die kybun Matte. Versuchen Sie den Schuh/ die Matte in den Alltag zu integrieren.
VR-basierte Diagnostik und Therapie
Eine weitere vielversprechende Entwicklung ist die VR-basierte Diagnostik und Therapie. Ein Forschungsteam aus dem Ruhrgebiet hat in einem 3-Jahres-Projekt einen »virtuellen Arm- und Handtest mithilfe von maschinellem Lernen bei neurologischen Bewegungsstörungen«, kurz VAFES, entwickelt. Die neuartige VR-Applikation kombiniert medizinische Tests, Bewegungsparametern und Biosignalee ebenso wie Elemente bekannter neurologischer Assessments und wurde bereits als Prototyp auf der STEAM-Plattform veröffentlicht. Im Folgeprojekt wird eine VR-basierte Klinikanwendung zur Therapie des Schmerzphänomens entwickelt.
Die Entwicklung einer standardisierter Testumgebung setzt bestehende medizinische Tests und Assessments in Virtual Reality (VR) um und kombiniert diese mit der Erfassung objektiver Bewegungsparameter und ausgewählter Biosignale. Auf diese Weise wird es erstmals möglich, eine sehr komplexe Diagnostik und Therapiesteuerung von neurologischen Erkrankungen mit Hand- und Armfunktionsstörungen zu realisieren, die durch den Einsatz von modernen MachineLearning und Deep Learning-Algorithmen auch bislang noch nicht auswertbare Klassifikationen und Muster zu detektieren. Die Sensorik basiert auf konventioneller VR-Hardware, die App-Daten werden sicher gespeichert und abgelegt.
Innerhalb des Projektes wurde zustätzlich eine Laborversion des VAFES-Tests mit erweiterter Bewegungssensorik und einem Sensor-Handschuh sowie der synchronen Erfassung von EEG- und EMG-Biosignalen realisiert.
Die zur synchronen Aufnahme entwickelte Software-Lösung enthält eine integrierte Machine LearningAnalyse, die bereits in der Lage ist, aus den EEG-Daten präzise Bewegungen der Hand vorherzusagen. Weiterhin erfolgte im Rahmen der Laborversuche eine umfassende Analyse der Bewegungstrajektorien der oberen Extremität und deren Modellierung in 3D, um für die weitergehenden Bewegungsklassifikationen und die Erkennung pathologischer Muster eine Grundlage zu haben. Ebenso wurden detaillierte Analysen durchgeführt, um aus den EEG-Signalen Muster zur Fehlerverarbeitung im Gehirn zu identifizieren, d.h. die Erkennung sog. Error-Potenziale als neuronale Korrelate, die beim Bemerken oder sogar beim Beobachten eines Fehlers ausgelöst werden.
Eine Pipeline für die Modellierung von 3D-Avataren, die die VR-Immersion der Patienten während der Nutzung des Tests bzw. Spiels erhöht, sowie ein theoretisches Konzept zur Tremorkompensation durch antagonistische Stimulation wurden ebenfalls schon initiert und soll nach den Laborversuchen die Therapieoptionen bei Parkinson erweitern.