Parkinson, oft umgangssprachlich als Schüttellähmung bezeichnet, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das Nervensystem betrifft. Obwohl der Begriff "Schüttellähmung" die Erkrankung durch das Zittern treffend beschreibt, ist Parkinson weitaus komplexer und umfasst eine Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen.
Was ist Parkinson?
Die Parkinson-Krankheit, auch Morbus Parkinson genannt, ist eine chronisch fortschreitende neurodegenerative Erkrankung des Nervensystems. Parkinson ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung nach der Alzheimer-Krankheit. Die Erkrankung tritt meist zwischen dem 50. und 79. Lebensjahr auf, kann aber in seltenen Fällen auch jüngere Menschen betreffen.
Ursachen und Risikofaktoren
In mehr als 80 Prozent der Fälle tritt die Parkinson-Krankheit ohne erkennbare Gründe auf. Nur selten werden die Anlagen für die Krankheit vererbt, manchmal ist eine Hirnhautentzündung, ein Tumor oder eine Hirnschädigung als Ursache auszumachen. In der Wissenschaft werden neben der genetischen Variante auch verstärkte Belastungen mit Umweltgiften als möglicher Auslöser diskutiert, ebenso eine Störung im Abbau von Zellmüll. Es gibt verschiedene Ursachen dafür, an Parkinson zu erkranken. Deshalb gibt es verschiedene Formen, die unterschieden werden. Beruht das Parkinson-Syndrom auf einer Strukturveränderung im Gehirn, zum Beispiel einem Hirntumor, Durchblutungsstörungen oder auch einem sogenannten Wasserkopf, spricht man von einem symptomatischen Parkinsonsyndrom. Was wir aber eigentlich unter Parkinson verstehen, ist das idiopathische Parkinsonsyndrom - die häufigste Form mit circa 90 Prozent Anteil. Idiopathisch steht dabei für unbekannte Ursache, wobei das bei Parkinson auch nicht mehr uneingeschränkt gilt.
Die Ursachen für Parkinson sind bis heute nicht vollständig verstanden, aber man nimmt an, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen könnten.
- Genetische Veranlagung: Kann das Risiko erhöhen, an Parkinson zu erkranken. Bestimmte Genmutationen wurden inzwischen mit der Erkrankung in Verbindung gebracht.
- Umweltfaktoren: Pestizide, Lösungsmittel und andere Toxine können das Risiko einer Parkinson-Erkrankung erhöhen.
- Alterungsprozesse: Da Parkinson überwiegend im höheren Lebensalter auftritt, gilt das Altern der Nervenzellen als einer der wichtigsten Risikofaktoren.
Symptome
Die Parkinson-Krankheit ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems im höheren Lebensalter. Im Laufe der Erkrankung sterben mehr und mehr Nervenzellen in der schwarzen Substanz des Gehirns ab. Dadurch kommt es zu einem Mangel des Botenstoffs Dopamin, der für die Signalübertragung zwischen den Neuronen wichtig ist. Die Folge sind Bewegungsstörungen, Muskelstarre, Zittern, sowie eine instabile Körperhaltung. Die Symptome entwickeln sich in der Regel schleichend, sodass viele Betroffene die ersten Anzeichen erst wahrnehmen, wenn die Erkrankung bereits weiter fortgeschritten ist. Sie können von Person zu Person stark variieren und in unterschiedlicher Ausprägung auftreten.
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Zu den Hauptsymptomen zählen:
- Bradykinese (Verlangsamung): Bei Betroffenen nimmt die Bewegungsfähigkeit ab. So gehen Parkinson-Patienten auffallend langsam und mit kleinen Schritten, sich drehen fällt ihnen schwer. Die Mimik wird maskenhaft, die Handschrift wird kleiner.
- Rigor (Steifheit): Typisch für Parkinson-Patienten ist eine Steifheit der Muskeln, von der häufig Nacken, Arme und Beine betroffen sind. Die Körperhaltung ist vornübergebeugt. Es fühlt sich für Betroffene an, als ob Bewegungen gegen einen Widerstand ausgeführt werden müssen. Manchmal sind Bewegungen regelrecht blockiert.
- Tremor (Zittern): Anfangs nur im Ruhezustand, später dauerhaft. Zuerst zittern die Hände, später auch die Füße. Während einer Bewegung oder im Schlaf verschwinden die Symptome.
- Posturale Instabilität (Mangelnde Stabilität der Körperhaltung): Hinter diesem Begriff verbergen sich Gleichgewichtsstörungen. Die Betroffenen gehen und stehen unsicher und können das Gleichgewicht nicht mehr halten, weshalb es zur Gefahr von Stürzen kommt.
Neben den motorischen Symptomen können auch nicht-motorische Symptome auftreten, wie:
- Depressionen
- Schlafstörungen
- Verstopfung
- Verschlechterter Geruchsinn
- Darmfunktionsstörungen
- Potenzprobleme
- Übermäßige Talgproduktion
- Muskel- und Gelenkschmerzen
- Kognitive Beeinträchtigungen
Diagnose
Die Parkinson Diagnose kann eine komplexe Angelegenheit sein und erfordert Erfahrung und Fachwissen seitens des behandelnden Arztes. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um eine angemessene Behandlung zu beginnen und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Die Diagnosestellung beginnt in der Regel mit einer gründlichen Anamnese, in der die Krankengeschichte aufgenommen und nach möglichen Symptomen und Veränderungen im Verhalten gefragt wird. Durch eine sorgfältige körperliche Untersuchung lassen sich typische motorische Auffälligkeiten sowie weitere Anzeichen einer Parkinson-Erkrankung erkennen. Darüber hinaus ist es wichtig, andere mögliche Ursachen für die Beschwerden auszuschließen. Im Rahmen dieser sogenannten Differentialdiagnose prüfen Ärzte, ob die Symptome möglicherweise durch andere Erkrankungen oder durch bestimmte Medikamente ausgelöst wurden. Gegebenenfalls werden zusätzliche Untersuchungen veranlasst, um eine eindeutige Abgrenzung zu ermöglichen.
Der Arzt führt eine körperliche und neurologische Untersuchung durch. Eine Kernspintomografie (MRT) oder Computertomografie (CCT) dienen dazu, andere Krankheiten, wie etwa einen Schlaganfall oder Hirntumor, auszuschließen. Mit einer Positronen-Emissons-Tomografie (PET) kann der Arzt die Verminderung der Dopamin ausschüttenden Zellen im Gehirn erkennen. Mithilfe von Medikamenten können die motorischen Störungen bei Parkinson deutlich verbessert werden. Dazu gehört Levodopa, eine Substanz, die im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird und dort den fehlenden Botenstoff ersetzt. Um seine Diagnose der Parkinson-Krankheit zu untermauern, kann der Arzt im Frühstadium mit dem Medikament einen Test durchführen: Er verabreicht seinem Patienten eine Levodopa-Dosis und prüft, ob sie wirkt. Bessern sich die Symptome in dem Versuch, verdichtet sich der Hinweis auf die Parkinson-Krankheit.
Therapie
Die Parkinson-Krankheit ist behandel- jedoch nicht heilbar. Das Wichtigste ist der Einsatz von Medikamenten, die in ihrer Dosis immer wieder angepasst werden müssen. Die Medikamente sollen die Botenstoffe im Gehirn wieder in eine Balance bringen. Levodopa wirkt meist positiv auf die Beweglichkeit, gegen die Muskelsteifheit und das Zittern. Eine andere Möglichkeit ist eine Dopaminpumpe, die über eine Sonde im Dünndarm kontinuierlich den Wirkstoff abgibt. Mit Hilfe von Dopaminagonisten wird die Wirkung des vorhandenen Dopamins verstärkt. Auch andere Medikamentengruppen können den Abbau des Botenstoffs verringern oder gezielt Symptome der Krankheit bekämpfen. Reicht die medikamentöse Therapie nicht aus, besteht die Möglichkeit einer Operation. Dabei werden am Gehirn Elektroden angebracht, die bestimmte Hirnareale gezielt stimulieren und dadurch Beschwerden lindern. Die Reizung kann beispielsweise über einen Schrittmacher dauerhaft gesteuert werden.
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Die Parkinson Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und das Fortschreiten der Erkrankung möglichst zu verlangsamen. Sie sollte individuell erfolgen und von einem Facharzt für Neurologie geleitet werden.
- Medikamentöse Therapie: Zum Einsatz kommen unter anderem Levodopa, Carbidopa, Dopamin-Agonisten, MAO-B-Hemmer und COMT-Hemmer. Art und Dosierung der Medikamente werden individuell an Symptome und Krankheitsverlauf angepasst.
- Neurochirurgische Eingriffe: In fortgeschrittenen Stadien kann die Tiefe Hirnstimulation (DBS) in Betracht gezogen werden. Dabei werden Elektroden in bestimmte Hirnareale implantiert, die über einen Impulsgeber gesteuert werden und so Symptome deutlich lindern können.
- Rehabilitation: Eine umfassende Rehabilitation kann helfen, sowohl motorische als auch nicht-motorische Symptome besser zu bewältigen. Physiotherapie, Ergotherapie, Sprach- und Schlucktherapie sowie psychologische Unterstützung können Teil der Rehabilitation sein.
Leben mit Parkinson
Die Diagnose Parkinson kann das Leben der Betroffenen und ihrer Familien erheblich verändern. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, sich Unterstützung zu suchen und aktiv an der Gestaltung des eigenen Lebens teilzunehmen.
Chris, der 2017 die Diagnose "Idiopathisches Parkinsonsyndrom" erhielt, gründete den Verein „Parkinson Pate e.V.“ und setzt sich für bessere Strukturen im Pflegesystem ein. Er betont die Bedeutung des Austauschs mit anderen Betroffenen und die Notwendigkeit, sich nicht zu sehr von der Krankheit einschränken zu lassen.
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