Die Parkinson-Krankheit, oft mit älteren Männern und den klassischen Symptomen wie Zittern assoziiert, manifestiert sich bei Frauen auf einzigartige Weise. Dies betrifft Symptome, Nebenwirkungen von Medikamenten, Überlegungen zur Schwangerschaft und den Druck, einem veralteten Krankheitsbild zu entsprechen. Obwohl die Forschungslage noch lückenhaft ist, wird zunehmend deutlich, dass die Parkinson-Krankheit Frauen anders beeinflussen kann. Dieser Artikel beleuchtet die besonderen Herausforderungen und Aspekte der Parkinson-Krankheit im Zusammenhang mit Schwangerschaft, basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen, Fallstudien und den Erfahrungen von Betroffenen.
Die Parkinson-Krankheit bei Frauen: Mehr als nur das stereotype Bild
Viele Menschen haben ein bestimmtes Bild vor Augen, wenn sie an die Parkinson-Krankheit denken: ein älterer Mann mit Zittern, der beim Gehen schlurft und eine gebeugte Haltung hat. Obwohl dies für einige Menschen mit Parkinson zutrifft, ist es wichtig zu erkennen, dass die Krankheit viele Gesichter hat. Besonders bei Frauen manifestiert sich die Parkinson-Krankheit oft anders und bringt spezifische Herausforderungen mit sich.
Annelien Oosterbaan, eine 40-jährige Mutter von vier Kindern, Versicherungsärztin und Forscherin, die selbst an Parkinson erkrankt ist, kämpft mit der Stigmatisierung und dem veralteten Bild der Parkinson-Krankheit. "Es fühlt sich an, als würde ich in den Anzug eines alten Mannes gezwungen", beschreibt sie. Ihre Erfahrungen und die anderer Frauen zeigen, dass ein dringender Bedarf an mehr Forschung und praktischen Ratschlägen zu diesem Thema besteht.
Hormonelle Einflüsse auf Parkinson-Symptome
Ein wesentlicher Unterschied zwischen Männern und Frauen mit Parkinson liegt im Einfluss von Hormonen. Viele Frauen mit Parkinson berichten von einem zyklischen Muster ihrer Symptome, das mit dem Menstruationszyklus zusammenhängt.
Zyklische Muster und Östrogenmangel
Annelien Oosterbaan bemerkte frühzeitig ein zyklisches Muster ihrer Parkinson-Symptome. Als Gynäkologin suchte sie nach Informationen in der Literatur und diskutierte das Thema mit Professor Bloem, musste jedoch feststellen, dass kaum etwas darüber bekannt war. Dies war der Ausgangspunkt für ihre Forschung zum Thema "Frauen und Parkinson".
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Die Theorie besagt, dass der Östrogenabfall nach dem Eisprung und vor der Menstruation für die Verschlechterung der Symptome verantwortlich sein könnte. Östrogen wird eine schützende Wirkung auf das Gehirn zugeschrieben. Persönlich leidet Annelien Oosterbaan in den Tagen vor ihrer Periode stärker unter Zittern und Steifheit. Die Reaktion auf Levodopa ist in dieser Zeit enttäuschend, da die Medikamente normalerweise den größten Teil des Tages für Symptomfreiheit sorgen.
Forschungsergebnisse bestätigen hormonellen Einfluss
Um den Einfluss von Hormonen zu beweisen, führte das Team von Annelien Oosterbaan eine Umfrage unter Frauen mit Parkinson in den Niederlanden durch. Die Ergebnisse bestätigen, dass viele Frauen unter einem hormonellen Einfluss auf ihre Parkinson-Symptome leiden. Die Daten bestätigen auch das zyklische Muster und die enormen Auswirkungen, die es auf das Leben der Frauen hat.
Unerfüllte Bedürfnisse von Frauen mit Parkinson
Zusammen mit zwei Kolleginnen mit Parkinson und drei Neurologen verfasste Annelien Oosterbaan im Jahr 2022 einen Artikel über die unerfüllten Bedürfnisse von Frauen mit Parkinson (I. Subramanian et al.). Dieses Papier beleuchtet die wichtigsten Probleme und Unterschiede und bietet Instrumente und Ideen zur Verbesserung der Versorgung sowie Themen für die künftige Forschung.
Schwangerschaft und Parkinson-Krankheit: Eine besondere Herausforderung
Die Frage, wie sich eine Schwangerschaft auf die Parkinson-Krankheit auswirkt, ist für viele Frauen von großer Bedeutung. Die Forschungslage ist jedoch begrenzt und liefert keine eindeutigen Antworten.
Aktuelle Forschungslage
Die aktuelle Literatur besteht hauptsächlich aus Fallberichten und Fallserien. Es gibt nur wenige Studien, die eine große Anzahl von Schwangerschaften umfassen, oder medizinische Leitlinien, die Frauen in dieser Situation anleiten könnten. Infolgedessen ist eine angemessene Beratung vor der Empfängnis oft schwierig, und Gesundheitsdienstleister sind unsicher, wie sie vorgehen sollen.
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Auswirkungen der Schwangerschaft auf die Parkinson-Symptome
Die wenigen vorhandenen Studien deuten darauf hin, dass sich bei etwa 50 % der Frauen die Parkinson-Symptome während der Schwangerschaft verschlechtern, während sich bei den anderen 50 % keine Veränderung feststellen lässt. Ob es sich dabei um eine dauerhafte Verschlechterung der Parkinson-Krankheit handelt oder nur um eine vorübergehende, ist jedoch nicht bekannt.
Eine retrospektive Studie deutete auf ungünstige Auswirkungen einer Schwangerschaft auf den Verlauf eines idiopathischen Parkinson-Syndroms hin. Im ersten Trimester der Schwangerschaft zeigten sich keine gravierenden Veränderungen der Parkinson-Symptomatik. Im weiteren Verlauf traten jedoch trotz schrittweiser Anhebung der L-Dopa-Dosis signifikante Verschlechterungen der Motorik und der Lebensqualität auf. Nach der Geburt kehrten die Symptome trotz weiterer Dosiserhöhungen nicht auf das Niveau vor der Schwangerschaft zurück.
Medikamenteneinnahme während der Schwangerschaft
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Medikamenteneinnahme während der Schwangerschaft. Viele Frauen machen sich Sorgen um die Auswirkungen der Parkinson-Medikamente auf das ungeborene Kind.
Levodopa
Bisher wurden etwa 80 Schwangerschaftsverläufe unter Behandlung mit Levodopa dokumentiert. Die Daten stammen aus Fallserien und Fallberichten. Aus den wissenschaftlich dokumentierten Schwangerschaftsverläufen ergeben sich keine Hinweise auf deutlich erhöhte spezifische Risiken. Spezifische fetotoxische Wirkungen beim Menschen sind nicht bekannt. Wie bei allen ZNS-aktiven Medikamenten muss bei Behandlung mit Levodopa bis zur Geburt mit Anpassungsstörungen beim Neugeborenen gerechnet werden. Wenn bei Kinderwunsch oder während der Schwangerschaft eine eindeutige Indikation für die Behandlung mit dopaminergen Substanzen besteht, ist die Behandlung mit Levodopa akzeptabel.
Stillen
Levodopa hemmt die Ausschüttung von Prolaktin und reduziert damit ggf. die Milchmenge. Unter einer moderat dosierten Kombinationstherapie mit Levodopa und Carbidopa ist Stillen bei guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt akzeptabel.
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Persönliche Erfahrungen und positive Perspektiven
Trotz der Herausforderungen ist Annelien Oosterbaan davon überzeugt, dass eine Schwangerschaft und Parkinson mit der richtigen Behandlung und Anleitung gut zusammenpassen. Ihre persönliche Erfahrung und die positiven Ergebnisse anderer Frauen bestärken sie in dieser Ansicht.
PregSpark: Ein internationales Schwangerschafts- und Parkinson-Register
Um die Wissenslücke im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Parkinson zu schließen, wurde das internationale Schwangerschafts- und Parkinson-Register www.pregspark.com ins Leben gerufen. Frauen mit Parkinson können über Fragebögen wichtige Informationen über den Verlauf ihrer Schwangerschaft in Kombination mit Parkinson weitergeben. Sie teilen sowohl die Schwangerschaftsdaten als auch alle signifikanten Veränderungen der Parkinson-Symptome und der Medikamenteneinnahme mit. Auch nach der Geburt werden Informationen zum Gesundheitszustand von Mutter und Kind erhoben.
Zukünftige Forschung und Behandlungsansätze
Annelien Oosterbaan plant, klinische Studien sowohl zum Thema des zyklischen Musters als auch zum hormonellen Einfluss auf Parkinson-Symptome bei perimenopausalen und postmenopausalen Frauen durchzuführen. Die internationale Zusammenarbeit wird erhebliche Zahlen ermöglichen. Mögliche Interventionen/Therapien, wie z.B. eine kontinuierliche orale Kontrazeption oder die Anwendung einer Hormonersatztherapie (HRT) im Vergleich zu Placebo, sollen getestet werden.