Ein Taubheitsgefühl nach einem Kopfstand kann beunruhigend sein, ist aber in vielen Fällen auf harmlose Ursachen zurückzuführen. Es ist jedoch wichtig, die Symptome richtig zu deuten und gegebenenfalls ärztlichen Rat einzuholen, um schwerwiegende Ursachen auszuschließen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für Taubheitsgefühle nach Kopfständen, gibt Hinweise zur Behandlung und wann ein Arztbesuch ratsam ist.
Ursachen für Taubheitsgefühle nach Kopfstand
Harmloses Knacken im Nacken
Manche Menschen hören beim Kopfstand oder anderen Bewegungen ein Knackgeräusch im Nacken. Leichte Knackgeräusche im Nacken sind meist harmlos und normal und können bis in den Hinterkopf ausstrahlen. Sie entstehen, wenn sich die kleinen Wirbelgelenke verschieben und dadurch ein leichter Unterdruck entsteht. Auch Verspannungen können die Ursache sein. Blockaden in der Halswirbelsäule können dazu führen, dass sich die verspannten Haltebänder im Nackenbereich dehnen und ein knackendes Geräusch verursachen. Eine ruckartige Bewegung kann ebenfalls schuld sein.
Warnsignale
Aufhorchen sollten Sie, wenn das Knacken in der HWS mit Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühlen einhergeht. In diesem Fall ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen.
Knirschen im Nacken
Knirschen im Nacken, das sich wie Sand anhört und beim Kopfdrehen auftritt, hat häufig andere Ursachen. Es deutet auf Knorpelabrieb und Gelenkverschleiß in der Halswirbelsäule hin. Eine Schädigung der Bandscheiben kann dazu führen, dass sich die Knorpelflächen abnutzen und Knochen auf Knochen reiben. Dieses sandige Geräusch beim Kopfdrehen könnte ein Hinweis darauf sein, dass Ihr Hals Bewegung braucht. Um weiteren Verschleiß zu vermeiden, ist es sinnvoll, die Halsmuskulatur mit Übungen zu kräftigen. Ein Physiotherapeut kann Ihnen Übungen zeigen, die bei Knirschen im Nacken empfehlenswert sind und der Degeneration entgegenwirken. Sorgen Sie außerdem dafür, dass Sie generell mehr Bewegung in Ihren Alltag bringen. Starres Sitzen im Büro führt früher oder später häufig zu Rücken- oder Nackenproblemen.
Atlasfehlstellung
Die Folgen einer Atlasfehlstellung können Auswirkungen auf verschiedene anatomische Strukturen haben. Eine Atlasverschiebung kann den Nervus glossopharyngeus (.IX. Hirnnerv), der das Schlucken steuert, in seiner Funktion stören, da er wie die Arteria vertebralis aus dem Foramen jugulare vom Gehirn ausgehend durch den Schädel tritt.
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Bandscheibenprobleme
Die Bandscheibe kann durch negative Druckeinwirkung, wie z.B. einseitiges schweres Heben, ihre Position verlassen und sich etwas zu einer Seite verschieben. Dies wird Protusion genannt. Hierbei kann es zu einer leichten Kompression auf Nerven kommen. Wenn der Faserring der Bandscheibe bei starker Druckbelastung aufplatzt und der Kern austritt, sprechen wir von einem Bandscheibenvorfall (Prolaps). Auch dieser führt zur Nervenkompression.
Narkosebedingte Verschiebungen
Oft klagen Patienten über Schwindel, Benommenheit oder Kopf- und Nackenschmerzen nach einer Operation. Diese Beschwerden stehen in keinem Zusammenhang zu der eigentlichen Indikation der Operation. Diese Symptome entstehen, weil der Patient bei der Narkose seine komplette Körperspannung und die Steuerung der Motorik verliert. Wenn der Kopf längere Zeit in einer ungünstigen Position liegt, kann dies zu Verschiebungen am Atlas und der Halswirbelsäule führen.
Kribbeln im Gesicht
Kribbeln im Gesicht ist meist unangenehm und eine störende subjektive Empfindung, die unterschiedliche Ursachen haben kann. Die häufigste Ursache für Kribbeln der Kopfhaut, Kribbeln im Nacken oder im Gesicht sowie für ein Taubheitsgefühl im Gesicht ist eine Schädigung der peripheren Nerven. Sie kann auch eine Spätfolge von Alkoholismus oder Diabetes sein. Betroffene empfinden Kribbeln im Gesicht wie Ameisenläufe oder das Berühren einer Brennnessel. Dieses Empfinden ist nicht nur störend, sondern sehr unangenehm, und kann das Befinden nachhaltig negativ beeinflussen. Kribbeln kann bei sanften Berührungsreizen oder auch spontan auftreten bis hin zu einem Taubheitsgefühl im Gesicht oder sogar Schmerzen im Gesicht. Manche Patient*innen beschreiben es auch als Prickeln, als Brennen, als pelziges Gefühl oder als elektrisierende Schmerzen.
Weitere Ursachen für Kribbeln im Gesicht
- Schnupfen: Bei allergischem Schnupfen oder mit Beginn eines Erkältungsschnupfens können Jucken und Kribbeln im Gesicht sowie in der Nase auftreten. Das gilt auch für den sogenannten vasomotorischen Schnupfen, der durch Stress, heiße Getränke oder Alkohol bedingt ist.
- Lippenherpes: Auch eine Herpesinfektion kann zu Kribbeln und Schmerzen im Gesicht führen. Lippenherpes kündigt sich bereits durch diese Symptome an, noch bevor die ersten Bläschen überhaupt zu sehen sind.
- Epilepsie: Es gibt verschiedene Formen von Epilepsie. Abhängig von ihrer Form kann es sich um einfach-lokale oder um komplex-lokale Anfälle handeln, die mit einer Bewusstseinseintrübung einhergehen können.
- Kontaktallergie: Beim Kribbeln im Gesicht kann es sich auch um eine Kontaktallergie handeln. Zeichen dafür sind ein Brennen, Kribbeln, Rötungen oder ein Taubheitsgefühl in Teilen des Mundes oder im gesamten Mundraum. Kontaktallergien können zum Beispiel durch Zahnpasta, Medikamente oder durch Lebensmittelfarbstoffe entstehen.
- Stress: Stress führt regelmäßig zur Verspannung von Muskeln und auch zu Nervenverspannungen, die nicht nur ein unangenehmes Gefühl, sondern auch Kribbeln im Bereich des Kopfes oder Gesichts auslösen können.
- Nährstoffmangel: Bei Kribbeln im Gesicht ist immer auch an einen Magnesiummangel zu denken, der einhergehen kann mit Muskelkrämpfen und Herz-Rhythmus-Störungen. Auch bei einem Mangel an Folsäure, Vitamin B und Eisen kann es zu einem Kribbeln im Gesicht kommen.
- Kaliumüberschuss: Ein Kaliumüberschuss im Blut kann ebenfalls zu Missempfindungen führen.
- Unfall: Infolge eines Unfalls können Nerven eingeklemmt werden. Auch eine Gehirnerschütterung kann ein Kribbeln im Kopf auslösen, das mit Orientierungsproblemen und Schwindel einhergehen kann.
- Neurologische Erkrankungen: Neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson oder eine Gürtelrose können ebenfalls ein Kribbeln an unterschiedlichen Körperstellen auslösen.
- Tumore oder hormonelle Störungen: Durchaus möglich, aber sehr selten, sind hormonelle Störungen oder Tumore, die ein Kribbeln bedingen.
Es muss nicht immer einen Grund für das Kribbeln im Gesicht geben. Möglich ist auch eine Kombination aus mehreren Ursachen.
Brain Fog
Manche Patienten beschreiben es wie ein nebliges Gefühl im Kopf, als sei der Kopf in einer Wolke, daher der Begriff "Brain Fog". Der engliche Begriff "Dizziness" beschreibt mehr den Schwindel. Oft geht es mit einer verminderten Konzentration und Wachheit einher. Wahrscheinlich handelt es sich um leichte Entzündungsprozesse im Nervensystem (Neuroinflammation) die durch viele Faktoren getriggert werden können.
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Muskelverspannungen
Krämpfe im Nackenbereich, die sich bis zur Brustwirbelsäule ziehen, können ebenfalls Taubheitsgefühle verursachen. Ein Druck im Körper, der in Arme und Beine ausstrahlt, und eine verkrampfte Nackenmuskulatur können zu Benommenheit und Konzentrationsschwierigkeiten führen.
Fehlhaltung der Wirbelsäule
Eine erhebliche Fehlhaltung der Wirbelsäule kann ebenfalls zu Taubheitsgefühlen führen.
Lagerungsschwindel
Lagerungsschwindel, auch bekannt als Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS), ist die häufigste Form von Schwindel, die durch bestimmte Kopfbewegungen ausgelöst wird. Der Lagerungsschwindel entsteht, wenn sich kleine Kalziumkristalle (die sog. Otolithen) in das Gleichgewichtsorgan im Innenohr verschieben. Diese Kristalle gelangen in die Bogengänge des Innenohrs und reagieren dort auf bestimmte Bewegungen des Kopfes. Dadurch wird ein unangemessener Reiz an das Gleichgewichtssystem gesendet, der den Schwindel auslöst. Ursachen für die Verschiebung der Kristalle können unter anderem Kopfverletzungen, Entzündungen des Innenohrs oder altersbedingte Veränderungen sein. In vielen Fällen tritt der Lagerungsschwindel aber auch spontan ohne erkennbare Ursache auf.
HWS-Syndrom
Kopfschmerzen, ein verspannter Nacken, Schmerzen in den Schultern - das sind einige der Symptome, die auf ein Halswirbelsäulensyndrom (HWS-Syndrom) hinweisen können. Das Halswirbelsäulensyndrom, kurz HWS-Syndrom, ist der Sammelbegriff für Beschwerden rund um den Nacken-, Schulter- und Armbereich. Er umfasst alle Schmerzen und Probleme, die im Bereich der Halswirbelsäule auftreten oder von dort ausgehen. In manchen Fällen kann es zudem zu einem Kribbeln in den Händen oder einem Taubheitsgefühl kommen, da im Bereich der Halswirbelsäule viele Nerven abgehen.
TIA (Transitorische Ischämische Attacke)
Eine Transitorische Ischämische Attacke zeigt sich mit typischen akuten Symptomen, die auch bei einem Schlaganfall auftreten. Dazu gehören: Gefühlsstörungen in Form von Kribbeln oder einem Taubheitsgefühl in einem Arm, einem Bein oder einer Hälfte des Körpers, Lähmungserscheinungen in einem Bein, einem Arm oder einer Körperhälfte. Bei einer TIA treten all diese Symptome nur für einen kurzen Zeitraum auf und bilden sich dann vollständig wieder zurück.
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Atlasblockade
Verschiebt er sich oder ist er blockiert, können vielfältige Beschwerden am ganzen Körper auftreten. Liegt eine Fehlstellung in diesem Bereich vor, bekommt das Gehirn fehlerhafte Informationen. Daraufhin reagiert der Körper und die Auswirkungen machen sich manchmal im ganzen Körper bemerkbar. Es kann auch sein, dass die Wirbelarterie auf der Höhe des Atlas durch eine übermäßige Bewegung gereizt wird oder dass ein erhöhter Druck auf ihr lastet. Dadurch verengt das Gefäß. In diesem Fall können Bereiche des Gehirns und des Innenohrs beeinträchtigt sein, die von dieser Arterie versorgt werden.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von Taubheitsgefühlen nach Kopfstand richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.
Konservative Behandlung
- Physiotherapie: Ein Physiotherapeut kann Übungen zeigen, die bei Verspannungen und Blockaden im Nackenbereich helfen.
- Manuelle Therapie: Diese Therapieform kann Blockaden in der Halswirbelsäule lösen und die Beweglichkeit verbessern.
- Wärmebehandlung: Wärme kann die Muskeln entspannen und Schmerzen lindern.
- Schmerzlindernde und muskelentspannende Medikamente: Bei Bedarf können Schmerzmittel und Muskelrelaxantien eingenommen werden.
- Übungen: Verschiedene Übungen können helfen, die Otolithen zurück in ihre ursprüngliche Position zu bewegen und den Lagerungsschwindel zu lindern. Wirksame Lagerungsschwindel-Übungen sind: Epley-Manöver, Brandt-Daroff-Übungen, Semont-Manöver.
- Atlaskorrektur: Bei einer diagnostizierten Fehlstellung des Atlas ist die sogenannte Atlaskorrektur eine Möglichkeit, die Beschwerden zu lindern. Dadurch soll der verschobene Wirbel wieder an seinen Platz gebracht werden.
Alternative Behandlungsmethoden
- Osteopathie: Osteopathen behandeln Funktionsstörungen des Bewegungsapparates und können bei Nackenverspannungen und Kopfschmerzen helfen.
- Chiropraktik: Chiropraktiker korrigieren Fehlstellungen der Wirbelsäule und können so Schmerzen lindern.
- Atlastherapie: Diese Therapieform zielt darauf ab, die Position des Atlaswirbels zu korrigieren.
Medikamentöse Behandlung
Je nach Krankheitsbild stehen verschiedene Medikamente für die Behandlung zur Verfügung.
Selbsthilfemaßnahmen
- Entspannung: Gegen stressbedingtes Kribbeln im Kopf und im Gesicht hilft Entspannung. Mit verschiedenen Techniken kannst du die Anspannung lösen und das Kribbeln lindern.
- Gesunder Lebensstil: Mithilfe einer ausgewogenen Ernährung erhält der Körper alle wichtigen Nährstoffe.
- Regelmäßige Bewegung: Sorgen Sie für ausreichend Bewegung, um Verspannungen vorzubeugen.
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie auf eine gute Haltung am Arbeitsplatz, um Nacken- und Rückenprobleme zu vermeiden.
- Dehnübungen: Regelmäßige Dehnübungen können helfen, den muskulär-faszialen Druck vom Atlas zu nehmen.
- Richtige Schlafposition: Achte darauf, dass dein Kissen nicht zu hoch ist, sodass auch deine Halswirbelsäule einigermaßen gerade liegt. Außerdem ist es wichtig, dass deine Matratze weder durchgelegen noch zu weich ist.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Einen Arzt sollten Sie auf jeden Fall aufsuchen, wenn:
- das Kribbeln im Gesicht, auf der Kopfhaut oder im Nacken ohne erkennbaren Grund auftritt und mit Schmerzen im Gesicht verbunden ist.
- diese Symptome anhalten, häufig wiederkehren oder sich verschlimmern.
- Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Mund, die Zähne oder das Gesicht ausstrahlen.
- es zu einem Taubheitsgefühl im Gesicht oder zu Schwellungen im Gesicht kommt.
- die Beschwerden nach einem Unfall auftreten.
- zusätzlich Symptome wie Schwindel, Sehstörungen oder Sprachstörungen auftreten.
- Sie unter einem plötzlichen Drehschwindel leiden, der durch Lageänderungen des Kopfes ausgelöst wird.
- Sie den Verdacht auf eine TIA haben.
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