Die Schwangerschaft ist eine aufregende Zeit, in der sich werdende Eltern oft mit gut gemeinten, aber manchmal auch nervigen Ratschlägen von Großeltern konfrontiert sehen. Dieser Artikel beleuchtet die Herausforderungen, die entstehen können, wenn unterschiedliche Generationen aufeinandertreffen, und gibt Tipps, wie man liebevoll, aber bestimmt Grenzen setzen kann, um den Familienfrieden zu wahren.
Die Rolle der Großeltern: Ein Segen, aber auch eine Herausforderung
Großeltern spielen eine wertvolle Rolle im Leben von Kindern. Studien zeigen, dass sie emotionale Unterstützung bieten und als Spielgefährten fungieren können, für die Eltern oft keine Zeit haben. Sie sind oft voller Liebe und möchten helfen, wo sie können. Doch gerade in der Zeit nach der Geburt, wenn die Nerven blank liegen und die Hormonumstellung die Gemüter erhitzt, können unterschiedliche Ansichten über Erziehung und Babypflege zu Konflikten führen.
Gut gemeinte Ratschläge, die nerven
Omas werden beim Anblick von Babys oft wehmütig an ihre eigene Zeit als Mutter erinnert. Natürlich war damals fast alles anders. Sie möchten nun aber unterstützen und stehen plötzlich und ungebeten mit Rat und Tat zur Seite. Sprüche wie "Du kannst es ruhig mal schreien lassen, sonst verwöhnst Du es …" oder "Vielleicht reicht deine Milch nicht, sie sieht so wässrig aus?" sind keine Seltenheit.
Es ist wichtig zu verstehen, dass Omas es nicht böse meinen und nur wiederholen, was sie selbst einmal gelernt haben. Als frische Mutter könntest Du jedoch an die Decke gehen, wenn sich jemand in Deine Baby-Angelegenheiten einmischt. Du fühlst Dich vielleicht kritisiert und in Deiner Mütterlichkeit in Frage gestellt. Dies ist verständlich, denn die Rolle als Mutter ist für Dich ganz neu und Du fühlst Dich darin noch nicht ganz sicher. Du weißt zwar, dass Du es richtig machst, dennoch verunsichern Dich solche Anmerkungen. Die Hormonumstellung und unruhige Nächte sorgen zusätzlich dafür, dass Du gerade kein so dickes Fell hast.
Typische Konfliktfelder und Lösungsansätze
Es gibt einige typische Themen, bei denen es häufig zu Auseinandersetzungen zwischen Eltern und Großeltern kommt:
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Ernährung: Stillen vs. Flasche, Beikost
Ein großer Streitpunkt ist das Thema Ernährung. Viele Mütter haben nicht oder nur sehr kurz gestillt, denn sie haben früher nicht die notwendige Unterstützung bekommen und der Stillstart war aufgrund der äußeren Begebenheiten oft sehr schwierig. Oft wurde zudem im Krankenhaus von den Schwestern einfach zugefüttert - kein Wunder, wenn es da nicht so richtig klappen wollte mit dem Stillen.
Unsere Mütter und Schwiegermütter bekamen darüber hinaus einen genauen Plan, wann der Säugling gestillt/gefüttert werden sollte und außerhalb des strengen Zeitplans sollten sie ihr Kind nicht anlegen. Es hieß, das Baby dürfe nur alle drei bis vier Stunden angelegt werden und dann auch nur maximal 20 Minuten trinken. Sie können es kaum verstehen, dass Babys heute nach Bedarf gestillt werden und dass es völlig normal ist, wenn ein wenige Wochen altes Baby acht bis zwölf mal innerhalb von 24 Stunden gestillt wird.
Lösung: Informiere die Großeltern freundlich über die aktuellen Empfehlungen zum Stillen und zur Beikosteinführung. Erkläre, dass viel über Babys Bedürfnisse geforscht wurde und die Hebamme Dir alle wichtigen und aktuellen Informationen gegeben hat. An diese Empfehlungen willst Du Dich nun halten und weitere Fragen in der Nachsorge mit der Hebamme besprechen.
Verwöhnen: Schreien lassen vs. Körperkontakt
Nur unter deutschen Eltern ist die Angst groß, sie könnten ihr Baby verwöhnen und sich so einen kleinen Haustyrannen heranziehen. Während man früher dachte, dass Kinder mit schlechten Eigenschaften zur Welt kommen, die man ihnen austreiben muss, weiß man heute, dass Babys ihre Eltern noch gar nicht gezielt manipulieren können. Sie schreien keinesfalls um ihre Eltern zu tyrannisieren, sondern sie haben schlicht keine andere Möglichkeit um auf ihre Bedürfnisse aufmerksam zu machen.
Zu einem grundlegenden Bedürfnis eines Babys gehört auch viel Körperkontakt. Ohne die Nähe zu ihrer Mutter hätten sie zu Urzeiten keinerlei Überlebenschance gehabt, das prägt Babys bis heute. Deshalb ist es total normal, wenn sie schreien, sobald sie abgelegt werden. Unsere Mütter haben gelernt, dass es für die körperliche Entwicklung sehr wichtig ist, dass Babys viel liegen und dass ihr Rücken schief wächst, wenn sie zu viel getragen werden.
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Lösung: Erkläre den Großeltern, dass Körperkontakt und das Eingehen auf die Bedürfnisse des Babys wichtig für seine Entwicklung sind. Zeige ihnen Studien, die belegen, dass Tragen dem Baby nicht schadet, sondern sogar förderlich ist.
Sauberkeitserziehung: Früher Topf vs. Reifungsprozess
Unsere Mütter und Schwiegermütter sagen häufig, dass wir viel früher trocken waren als die Enkel. Das stimmt auch - allerdings nur, weil Kinder früher ständig auf den Topf gesetzt wurden, oft schon mit einem Jahr. Trocken- und Sauberwerden ist ein Reifungsprozess, den man nicht beschleunigen kann.
Lösung: Mache den Großeltern klar, dass Trockenwerden ein Reifungsprozess ist und es keinen Sinn macht, das Kind zu drängen. Erkläre, dass internationale Studien gezeigt haben, dass Kinder im Schnitt mit 30 Monaten trocken werden, unabhängig von einer frühen Sauberkeitserziehung.
Schlafen: Bauchlage vs. Rückenlage, Familienbett vs. eigenes Zimmer
Der plötzliche Kindstod ist das Schreckgespenst aller Eltern. Experten empfehlen, dass das Kind auf dem Rücken im Schlafsack ohne Decke und Kissen schlafen sollte. Omas finden das oft wenig kuschelig, aber es ist dafür sicherer. Außerdem haben sie teilweise gelernt, dass man das Kind mehrmals in der Nacht umdrehen soll, damit es keinen unförmigen Kopf bekommt. Außerdem wird empfohlen, dass das Baby im ersten Lebensjahr im eigenen Bett im Zimmer der Eltern schläft. Viele Großeltern finden auch das immer häufiger praktizierte Familienbett befremdlich.
Lösung: Erläutere die aktuellen Empfehlungen zur Schlafumgebung, um das Risiko des plötzlichen Kindstods zu minimieren. Erkläre, dass die Rückenlage die sicherste Schlafposition ist und dass ein Familienbett viele Vorteile für Mutter und Kind hat.
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Kleidung: Warm genug vs. Überhitzung
"Ist das Kind denn warm genug angezogen?" - Diese Frage hören wohl viele Eltern von der älteren Generation. Babys haben oft eiskalte Hände und Füße. Das heißt aber nicht, dass ihnen kalt ist. Die Extremitäten können noch nicht aus eigener Kraft durchblutet werden und fühlen sich deswegen oft kalt an, obwohl die Körpertemperatur ansonsten völlig in Ordnung ist.
Lösung: Erkläre den Großeltern, dass man die Temperatur des Babys am besten im Nacken überprüft. Wenn das Kind dort weder schwitzt noch kalte Haut hat, dann ist es warm genug angezogen.
Erziehung: Klaps vs. Gewaltfreie Erziehung
Viele von uns haben als Kinder mal den Popo voll bekommen und auch Ohrfeigen waren keine Seltenheit. Unsere Eltern rechtfertigen das häufig mit dem Satz: “Ein Klaps hat noch keinem geschadet.” Heute ist das gesetzlich verboten und das ist auch gut so, denn man weiß inzwischen, dass Kinder, die Gewalt erlitten haben, später häufig selbst zu Gewalt neigen.
Lösung: Mache den Großeltern deutlich, dass körperliche Züchtigung in der heutigen Zeit nicht mehr akzeptabel ist und dass es viele andere, gewaltfreie Erziehungsmethoden gibt.
Strategien für eine gelungene Kommunikation
Um Konflikte zu vermeiden und ein harmonisches Verhältnis zu den Großeltern zu pflegen, sind folgende Strategien hilfreich:
- Das Gespräch suchen: Sprich offen und ehrlich mit den Großeltern über Deine Erwartungen und Bedenken. Wähle einen ruhigen Moment und vermeide Vorwürfe.
- Freundlich, aber bestimmt sein: Bedanke Dich für die Ratschläge, aber mache klar, dass Du Deine eigenen Entscheidungen treffen wirst. Sage freundlich aber bestimmt: „Dass hat sich in den letzten Jahren geändert.“
- Kompromissbereit sein: Versuche, einen Mittelweg zu finden, der für alle Beteiligten akzeptabel ist.
- Die positiven Aspekte hervorheben: Betone, wie sehr Du die Unterstützung und Liebe der Großeltern schätzt.
- Den Partner einbeziehen: Sprich mit Deinem Partner darüber, wie ihr gemeinsam mit den Großeltern umgehen wollt. Es ist wichtig, dass ihr beide an einem Strang zieht.
- Grenzen setzen: Es ist wichtig, Grenzen zu setzen, wo es nötig ist und dafür einzustehen, was Dir wichtig ist und Dich da auch nicht bequatschen zu lassen.
- Sich abgrenzen: Wenn die Großeltern zu aufdringlich werden, scheue Dich nicht, den Kontakt zu reduzieren.
- Professionelle Hilfe suchen: Wenn die Konflikte unüberwindbar erscheinen, kann eine Familienberatung hilfreich sein.
Wenn die Großeltern übergriffig werden: Grenzen setzen und durchsetzen
Manchmal kommt es vor, dass Großeltern die Grenzen der Eltern nicht respektieren und sich übergriffig verhalten. Das kann sich in verschiedenen Formen äußern:
- Ungefragte Ratschläge und Einmischung in die Erziehung: Die Großeltern mischen sich ständig in die Erziehung ein und geben ungefragt Ratschläge, auch wenn die Eltern das nicht wünschen.
- Ignorieren der elterlichen Regeln: Die Großeltern halten sich nicht an die Regeln der Eltern, z.B. beim Essen, Schlafen oder Fernsehen.
- Übermäßige Geschenke und Verwöhnung: Die Großeltern überschütten das Kind mit Geschenken und verwöhnen es übermäßig, was die Eltern nicht gutheißen.
- Negative Äußerungen über die Eltern: Die Großeltern äußern sich negativ über die Eltern vor dem Kind, was das Verhältnis zwischen Eltern und Kind beeinträchtigen kann.
- Entscheidungen über den Kopf der Eltern hinweg: Die Großeltern treffen wichtige Entscheidungen für das Kind, ohne die Eltern vorher zu konsultieren.
- Das Kind gegen die Eltern aufbringen: Die Großeltern versuchen, das Kind gegen die Eltern aufzubringen, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen.
In solchen Fällen ist es besonders wichtig, klare Grenzen zu setzen und diese konsequent durchzusetzen.
Beispiele für übergriffiges Verhalten und mögliche Reaktionen
- Die Großeltern richten ein komplettes Kinderzimmer ein, ohne die Eltern zu fragen: Hier sollte man freundlich, aber bestimmt sagen, dass man dies nicht möchte und dass man selbst entscheidet, was man für das Baby kauft.
- Die Großeltern wollen das Baby ständig alleine betreuen: Hier sollte man klarstellen, dass man das Baby in den ersten Wochen und Monaten nicht alleine lassen möchte und dass man sich meldet, wenn man einen Babysitter braucht.
- Die Großeltern geben dem Kind Süßigkeiten, obwohl die Eltern das nicht erlauben: Hier sollte man den Großeltern erklären, dass man Wert auf eine gesunde Ernährung legt und dass man selbst entscheidet, wann und was das Kind isst.
- Die Großeltern kritisieren die Erziehungsmethoden der Eltern: Hier sollte man den Großeltern sagen, dass man ihre Meinung respektiert, aber dass man seine eigenen Erziehungsmethoden hat und dass man sich nicht kritisieren lassen möchte.
Was tun, wenn Gespräche nicht helfen?
Wenn Gespräche nicht helfen und die Großeltern weiterhin die Grenzen der Eltern überschreiten, kann es notwendig sein, den Kontakt zu reduzieren oder sogar abzubrechen. Das ist zwar eine schwierige Entscheidung, aber manchmal der einzige Weg, um das Wohl des Kindes und den Familienfrieden zu schützen.
Die Rolle des Partners: Unterstützung und Schutz
In dieser Situation ist es wichtig, dass der Partner voll und ganz hinter Dir steht und Dich unterstützt. Er sollte Deine Ängste und Bedenken ernst nehmen und Dich vor negativen Einflüssen schützen. Es ist seine Aufgabe als Papa, Dich vor negativen Einflüssen zu schützen, vor allem bei und kurz nach der Geburt und im Wochenbett. Das ist ohnehin ein komplizierte Zeit. Du und das Baby und er sind wichtig in dem Moment, nicht die erweitere Familie. Nur Not auch Deine Hebamme bitten, das dem Papa nochmal zu sagen. Und wenn Dich die Großeltern stressen, dann ist das nichts, was er weg- oder kleinreden sollte. Es stresst Dich und macht Dir Zukunftsängste. Das ist berechtigt und muss abgestellt werden, denn Du sollst unbedingt in Ruhe ein Kind zu Welt bringen und ihr sollt unbedingt in Ruhe als neue Familie zueinander finden können.
Die eigenen Bedürfnisse nicht vergessen
Es ist wichtig, dass Du Dich in dieser Zeit nicht nur um das Baby und die Familie kümmerst, sondern auch auf Deine eigenen Bedürfnisse achtest. Sorge für ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung und Entspannung. Nimm Dir Zeit für Dich selbst und mache Dinge, die Dir Freude bereiten. Sprich mit Deinem Partner, Freunden oder einer Vertrauensperson über Deine Gefühle und Sorgen.
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