Epilepsie bei Kromfohrländern: Ursachen, Diagnose und Management

Epilepsie ist eine chronische neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Krampfanfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch abnorme elektrische Entladungen im Gehirn. Bei Kromfohrländern, einer beliebten Hunderasse, tritt Epilepsie häufiger auf als bei anderen Rassen. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Epilepsie und Kromfohrländern, einschliesslich Ursachen, Diagnose, Management und Zuchtmassnahmen.

Einführung in die Epilepsie

Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei Hunden, wobei etwa 5 % aller Hunde betroffen sind. Die Erkrankung kann entweder genetisch bedingt sein (idiopathische Epilepsie) oder durch andere Gehirnerkrankungen (erworbene Epilepsie) verursacht werden. Krampfanfälle können sich unterschiedlich äussern, von kurzen Bewusstseinsverlusten bis hin zu schweren Krämpfen mit unkontrollierten Bewegungen.

Epilepsie beim Kromfohrländer

Beim Kromfohrländer handelt es sich meist um die angeborenen (idiopathischen) Formen der Epilepsie, weshalb die Krankheit auch als Erbkrankheit gilt. Die idiopathische Epilepsie ist durch das Fehlen einer erkennbaren Ursache gekennzeichnet, was darauf hindeutet, dass genetische Faktoren eine wichtige Rolle spielen.

Zeitpunkt des ersten Anfalls

Der erste epileptische Anfall tritt bei vielen betroffenen Kromis um den 2. - 3. Geburtstag herum auf, aber auch frühere oder spätere Erkrankungen sind möglich. Nach dem 6. Lebensjahr erkrankt jedoch kaum noch ein Kromi an erblicher Epilepsie.

Genetische Prädisposition

Da es sich bei der Epilepsie des Kromfohrländers in der Regel um eine idiopathische Form handelt, wird davon ausgegangen, dass genetische Faktoren eine wesentliche Rolle spielen. Die genauen Mechanismen sind jedoch noch nicht vollständig geklärt.

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Ursachen der Epilepsie

Die Ursachen für Epilepsie bei Kromfohrländern können vielfältig sein. Es wird zwischen idiopathischer (primärer) und symptomatischer (sekundärer) Epilepsie unterschieden:

  • Idiopathische Epilepsie: Diese Form ist erblich bedingt. Die genaue Ursache ist unbekannt, aber es wird vermutet, dass eine genetische Veranlagung vorliegt.
  • Symptomatische Epilepsie: Diese Form wird durch erkennbare Hirnveränderungen wie Narben, Tumore oder Entzündungen verursacht. Auch Stoffwechselstörungen oder Vergiftungen können eine Rolle spielen.

Diagnose der Epilepsie

Die Diagnose von Epilepsie bei Kromfohrländern umfasst in der Regel eine gründliche neurologische Untersuchung und verschiedene diagnostische Tests:

  • Anamnese: Der Tierarzt wird detaillierte Fragen zur Anfallsgeschichte des Hundes stellen, einschliesslich Häufigkeit, Dauer und Art der Anfälle.
  • Klinische Untersuchung: Eine allgemeine körperliche Untersuchung, um andere gesundheitliche Probleme auszuschliessen.
  • Neurologische Untersuchung: Beurteilung der Reflexe, des Gangs und der mentalen Funktion, um neurologische Defizite zu erkennen.
  • Blutuntersuchungen: Um Stoffwechselstörungen, Entzündungen oder andere Erkrankungen auszuschliessen, die Anfälle verursachen können.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie MRT (Magnetresonanztomographie) oder CT (Computertomographie) des Gehirns erforderlich sein, um strukturelle Anomalien oder Tumore auszuschliessen.

Es ist wichtig, dass Hundehalter nach einem Anfall sofort aufschreiben, was passiert ist. Jedes Detail, so nebensächlich es auch erscheinen mag, den ganzen Verlauf des Anfalls, was dem Anfall vorausgegangen ist, ob und welche Medikamente der Hund bekommt - alles, was dem Besitzer dazu einfällt. Besonders hilfreich ist es für den Tierarzt, wenn man so geistesgegenwärtig ist, eine Videoaufnahme von dem Anfall zu machen.

Differenzialdiagnosen

Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für Krampfanfälle auszuschliessen, bevor die Diagnose Epilepsie gestellt wird. Dazu gehören:

  • Stoffwechselstörungen: Hypoglykämie (Unterzuckerung), Lebererkrankungen, Nierenerkrankungen.
  • Vergiftungen: Aufnahme von giftigen Substanzen.
  • Infektionskrankheiten: Staupe, Toxoplasmose.
  • Herzerkrankungen: Sauerstoffmangel im Gehirn.
  • Gluten Sensitive Dyskinesie (PGSD): Bei einigen Kromfohrländern könnte es sich statt um Epilepsie auch um eine Gluten Sensitive Dyskinesie (PGSD) handeln, bei denen die Anfälle im Zusammenhang mit einer Glutenunverträglichkeit stehen.

Behandlung der Epilepsie

Die Behandlung von Epilepsie zielt darauf ab, die Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu reduzieren und die Lebensqualität des Hundes zu verbessern. Die meisten Hunde mit Epilepsie benötigen eine langfristige medikamentöse Therapie.

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Medikamentöse Therapie

Die am häufigsten verwendeten Medikamente zur Behandlung von Epilepsie bei Hunden sind:

  • Phenobarbital: Ein Barbiturat, das die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn reduziert.
  • Imepitoin: Ein Antiepileptikum, das spezifisch für Hunde entwickelt wurde.
  • Kaliumbromid: Wird oft in Kombination mit Phenobarbital eingesetzt, insbesondere wenn Phenobarbital allein nicht ausreichend wirksam ist.

Die Dosierung der Medikamente muss individuell angepasst werden, um eine optimale Anfallskontrolle zu erreichen und Nebenwirkungen zu minimieren. Regelmässige Blutuntersuchungen sind erforderlich, um den Medikamentenspiegel im Blut zu überwachen und die Leberfunktion zu überprüfen.

Management von Anfällen

Während eines Anfalls ist es wichtig, ruhig zu bleiben und den Hund vor Verletzungen zu schützen. Entfernen Sie alle Gegenstände, an denen sich der Hund stossen könnte, und sorgen Sie für eine weiche Unterlage. Versuchen Sie nicht, dem Hund etwas ins Maul zu stecken, da dies zu Verletzungen führen kann. Nach dem Anfall sollte der Hund in einer ruhigen Umgebung untergebracht werden, bis er sich vollständig erholt hat.

Ernährung und Lebensstil

Eine ausgewogene Ernährung und ein stressfreier Lebensstil können ebenfalls dazu beitragen, die Anfallskontrolle zu verbessern. Einige Tierärzte empfehlen spezielle Diäten oder Nahrungsergänzungsmittel, um die Gehirnfunktion zu unterstützen.

Alternative Therapien

In einigen Fällen können alternative Therapien wie Akupunktur oder Homöopathie in Betracht gezogen werden, um die konventionelle Behandlung zu ergänzen. Es ist jedoch wichtig, diese Therapien mit dem Tierarzt zu besprechen, um sicherzustellen, dass sie sicher und wirksam sind.

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Zuchtlenkungsmassnahmen

Die Zuchtvereine Rassezuchtverein der Kromfohrländer (RZV) und Zuchtverein ProKromfohrländer e.V. haben Zuchtlenkungsmassnahmen ergriffen, um die Verbreitung von Epilepsie bei Kromfohrländern zu reduzieren. Dazu gehört die Zuweisung eines sogenannten Epi-Wertes für jeden Hund, der auf Alter, Wurfgrösse und Epilepsie-Fällen bei Vorfahren, Nachkommen und Verwandten basiert. Züchter dürfen nur Hunde miteinander verpaaren, bei denen das Produkt der multiplizierten Werte beider Hunde einen bestimmten Wert nicht überschreitet, um das Risiko von erkrankten Welpen zu minimieren.

Prognose

Die Prognose für Hunde mit Epilepsie hängt von der Ursache der Erkrankung, der Schwere der Anfälle und der Wirksamkeit der Behandlung ab. Viele Hunde können mit Medikamenten gut eingestellt werden und ein normales, aktives Leben führen. In einigen Fällen kann es jedoch schwierig sein, die Anfälle vollständig zu kontrollieren, und die Hunde benötigen möglicherweise eine lebenslange Betreuung.

Was tun bei einem Anfall?

  • Ruhe bewahren: Panik hilft weder Ihnen noch Ihrem Hund.
  • Sicherheit: Achten Sie darauf, dass sich der Hund während des Anfalls nicht verletzen kann. Räumen Sie gefährliche Gegenstände aus dem Weg.
  • Zeit stoppen: Notieren Sie die Dauer des Anfalls. Anfälle, die länger als fünf Minuten dauern, sind ein Notfall.
  • Nicht ins Maul fassen: Während eines Anfalls besteht die Gefahr, dass der Hund unkontrolliert zubeisst.
  • Nach dem Anfall: Geben Sie dem Hund Zeit, sich zu erholen. Sprechen Sie beruhigend mit ihm und bieten Sie ihm Wasser an.
  • Tierarzt kontaktieren: Informieren Sie Ihren Tierarzt über den Anfall und besprechen Sie das weitere Vorgehen.

Leben mit einem epileptischen Kromfohrländer

Einem Hund mit Epilepsie ist nur mit einer medikamentösen Langzeittherapie zu helfen. Geheilt wird der Hund durch diese Medikamente nicht: Sie können nur das Auftreten bzw. die Schwere Häufigkeit und Dauer der Anfälle unterdrücken oder mindern, ohne dabei die Lebensqualität des Hundes einzuschränken. Denn darin liegt für viele Besitzer zu Anfang das Problem. Es gibt von den vielen für den Menschen erhältlichen Antiepileptika nur wenige, die als Dauertherapie für den Hund geeignet sind.

Epilepsie kann für Hundebesitzer eine Herausforderung darstellen, aber mit der richtigen Unterstützung und Behandlung können betroffene Hunde ein erfülltes Leben führen. Es ist wichtig, eng mit dem Tierarzt zusammenzuarbeiten, um einen individuellen Behandlungsplan zu entwickeln und regelmässige Kontrolluntersuchungen durchzuführen.

Fallbeispiele

Fall 1: Lenin

Lenin hat von Zeit zu Zeit Epileptische Anfälle. Der Abstand zwischen den einzelnen Anfällen liegt im Durchschnitt bei 7 - 8 Wochen, die Dauer bei ca. 1 - 2 Minuten, in denen der Hund überhaupt nicht ansprechbar ist. Was in solchen Fällen immer griffbereit ist sind Rescue-Tropfen (auch Notfalltropfen genannt), die Lenin in die Lefzen geträufelt werden, während er einen Anfall hat. Weiterhin wird ein Epilepsie-Tagebuch geführt. Mittlerweile verhält es sich bei den Anfälle auch so, dass Lenin wohl ahnt, dass irgendetwas demnächst mit ihm passiert. Jedenfalls kommt er dann immer auf seinen Besitzer zu, kuschelt sich ganz eng an die Beine und schaut einen aus grossen braunen Augen an. Meist kurz darauf beginnt dann ein Zittern, v.a. in den Hinterläufen. Dann wird mit Lenin immer zu seinem Liegeplatz gegangen (oder er wird auch dorthin getragen) und beachtet, dass sein Kopf etwas erhöht abgelegt wird. Besonders wichtig ist, dass Lenin während des Anfalles nicht alleine gelassen wird, möglichst Körperkontakt gehalten wird (Streicheln), und auf ihn eingesprochen wird. Wenn Lenin aus den Anfällen wieder auftaucht, dann macht sich das durch klare Augen bemerkbar. Nach kurzer Zeit will er dann auch gleich aufstehen, und es wird immer als erstes zum Pieseln vor die Türe gegangen.

Fall 2: Ashley

Ashley hatte mit gut 2 ½ Jahren auf einem Spaziergang ohne Vorwarnung einfach wegsackte. Der Anfall dauerte nur wenige Minuten und die Hündin setzte mit ihrem Besitzer den Spaziergang nach kurzer Erholungspause fort. Dies war der erste aber leider nicht der letzte Anfall. In den folgenden Jahren kamen und gingen die Anfälle in unregelmässigen Abständen, mit unterschiedlicher Dauer und Intensität. Niemals schäumte sie, urinierte oder bekam Tobsuchtsanfälle. Meist schaute sie einen mit riesigen Augen an, bevor sie langsam in der Hinterhand schwach wurde, zu Boden sank und dann über den Rücken verlaufend begann zu krampfen. Die Augen waren weit geöffnet, der Blick starr, Muskelzuckungen breiteten sich aus, rudernde Bewegungen der Vorder- und/oder Hinterläufe. Diese Krämpfe dauerten unterschiedlich lang, manchmal erholte sie sich ganz schnell, manchmal fiel sie in einen zweiten Krampf. Danach war sie immer für ein Leckerchen zu haben. Da Ashley nach jedem Anfall arge Probleme mit der Orientierung hatte und auch ihre Pupillen nur träge reagierten, wurden neurologische Untersuchungen gemacht. Am Ende wurde gesagt, dass Ashleys Hormonhaushalt und eine Vergiftung, die ihre Mutter Thalea während der letzten Woche der Trächtigkeit hatte, durchhaus zu einer Epilepsie führen konnten. Da die Anfälle weiterhin kamen, wurde sich zu einer Behandlung mit Luminal entschieden.

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