Schwermetallvergiftungen können eine Vielzahl von gesundheitlichen Problemen verursachen, darunter auch neurologische Symptome wie Taubheitsgefühle in den Beinen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Schwermetallvergiftungen, insbesondere im Zusammenhang mit neurologischen Beschwerden.
Einführung in die Schwermetallvergiftung
Eine Schwermetallvergiftung entsteht durch die übermäßige Aufnahme von Schwermetallen in den Körper. Schwermetalle sind natürliche Bestandteile der Erdkruste, können aber auch durch industrielle Prozesse, Umweltverschmutzung und bestimmte Produkte in die Umwelt gelangen. Die Aufnahme von Schwermetallen kann über verschiedene Wege erfolgen, darunter die Ernährung, das Einatmen kontaminierter Luft oder der Hautkontakt.
Ursachen von Schwermetallvergiftungen
Es gibt vielfältige Ursachen für Schwermetallvergiftungen, die sowohl beruflicher als auch umweltbedingter Natur sein können. Zu den häufigsten Ursachen zählen:
- Amalgam-Zahnfüllungen: Amalgam enthält Quecksilber, das freigesetzt und vom Körper aufgenommen werden kann.
- Industrielle Exposition: Arbeiter in bestimmten Industriezweigen, wie dem Bergbau oder der Metallverarbeitung, können hohen Konzentrationen von Schwermetallen ausgesetzt sein.
- Umweltverschmutzung: Kontaminiertes Trinkwasser, Böden und Luft können Schwermetalle enthalten. Illegale Goldsuche im Amazonasgebiet vergiftet beispielsweise Böden und Wasser mit Quecksilber.
- Bestimmte Lebensmittel: Einige Lebensmittel, wie bestimmte Fischarten, können hohe Mengen an Schwermetallen enthalten.
- Medikamente und Kosmetika: Einige Medikamente und Kosmetikprodukte können Schwermetalle enthalten.
Symptome einer Schwermetallvergiftung
Die Symptome einer Schwermetallvergiftung können vielfältig sein und hängen von der Art des Schwermetalls, der Höhe der Exposition und der individuellen Empfindlichkeit ab. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Neurologische Symptome: Taubheitsgefühl, Kribbeln, Muskelschwäche, Koordinationsprobleme, Gedächtnisverlust, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen.
- Verdauungsprobleme: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung.
- Hautprobleme: Hautausschläge, Ekzeme, Akne.
- Müdigkeit und Schwäche: Chronische Müdigkeit, Erschöpfung.
- Weitere Symptome: Schwindel, Haarausfall, Depressionen, Angstzustände, Immunschwäche.
Taubheitsgefühl in den Beinen als Symptom der Polyneuropathie
Ein häufiges Symptom einer Schwermetallvergiftung ist das Taubheitsgefühl in den Beinen, das oft im Zusammenhang mit einer Polyneuropathie auftritt.
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Polyneuropathie: Eine Erkrankung der peripheren Nerven
Der Begriff „Polyneuropathie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt „Erkrankung mehrerer Nerven“. Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung der peripheren Nerven, d.h. also nicht des Gehirns oder des Rückenmarks. Sie entsteht, indem entweder der innere Strang des Nervs oder seine Umhüllung erkranken. Nerven arbeiten wie elektrische Leitungen. Vergleicht man den Nerv mit einem Kupferkabel, so können Störungen entweder durch eine Unterbrechung der Kupferleitung in der Mitte oder der umhüllenden Isolierung entstehen. Je länger ein Nerv ist, umso eher erkrankt er an Polyneuropathie, weshalb die Erkrankung häufig an den Zehen und Füßen beginnt.
Symptome der Polyneuropathie
Bei den meisten Menschen beginnt die Polyneuropathie mit Reizerscheinungen im Sinne von Kribbelgefühlen, brennenden Missempfindungen bis hin zu heftigen Schmerzen und Taubheitsgefühlen an den Füßen. Häufig beschrieben wird ein Schwellungsgefühl, unangenehmer Druck, Gefühl wie auf Watte zu gehen, ein Elektrisieren oder Stechen. Meistens sind zunächst nur die Zehen und der Fußballen bds. betroffen. Im Verlauf von mehreren Monaten bis Jahren kommt es zur Ausweitung der Symptome auf die Füße und Unterschenkel mit Socken-förmiger oder Kniestrumpf-förmiger Begrenzung. Die Oberschenkel können im Verlauf einer weiteren Verschlechterung oder bei einigen Patienten auch primär betroffen sein. Auch das Temperaturempfinden leidet, so dass beispielsweise die Badewassertemperatur in der Badewanne an den Füßen nicht mehr richtig eingeschätzt werden kann. Zumeist erst im Verlauf der Erkrankung können zusätzlich die Fingerspitzen und Hände mit Handschuh-förmiger Begrenzung der Taubheitsgefühle betroffen sein. Parallel dazu kann es zunehmend zu Lähmungen, beispielsweise der Fußheber oder Zehenheber oder Fußsenker kommen, so dass Muskelschwund und Gangstörungen entstehen. Alle Symptome entstehen zumeist symmetrisch und nur seltener asymmetrisch mit Betonung auf einer Seite. Krämpfe, insbesondere nachts oder bei Belastungen, sind nicht selten. Viele Patienten klagen über kalte Füße. Auch das Lageempfinden wird zunehmend gestört, so dass die akkurate Aufrechterhaltung des Standes leidet. Dies führt zu Schwanken, Schwindel und Gangstörungen. Das Schmerzempfinden wird allmählich herabgesetzt, so dass Verletzungen am Fuß nicht oder nur zu spät wahrgenommen werden.
Ursachen der Polyneuropathie
Es gibt über 300 bekannte Ursachen von Polyneuropathie. Ca. 35 % der Polyneuropathien sind in Deutschland auf den Diabetes mellitus (Zuckererkrankung) zurückzuführen und etwa 20 % auf Alkoholkonsum. Die Ursache von etwa 1/4 aller Polyneuropathien bleibt auch nach ausführlicher Abklärung ungeklärt. Neben Diabetes und Alkohol können auch Schwermetallvergiftungen eine Polyneuropathie verursachen.
Diagnose der Polyneuropathie
Diagnostik und Therapie der Polyneuropathie fallen in das Fachgebiet des Neurologen. Am Anfang stehen eine genaue Erhebung der Vorgeschichte (Anamnese) und eine fachärztliche, klinisch-neurologische Untersuchung. Auch eine psychiatrische Untersuchung ist zur Abgrenzung notwendig. Danach erfolgt die Untersuchung der peripheren Nerven mit elektrophysiologischen Methoden. Hierbei werden überwiegend die Nervenleitgeschwindigkeit und die Reizantwortstärke der betroffenen Nerven vermessen. Begleitet wird dies durch ein EMG (Elektromyographie- elektrische Untersuchung der betroffenen Muskeln mit einer Nadel).Danach erfolgt eine laborchemische Abklärung der wichtigsten Ursachen aus dem Blut. Klärt man die wichtigsten 35-40 Ursachen ab, so beinhaltet dies ca. 80 % aller betroffenen Patienten. Bei Verdacht auf eine entzündliche Erkrankung sollte das Nervenwasser (Liquor) untersucht werden. Eine Kernspintomographie der Lendenwirbelsäule oder Halswirbelsäule ist erforderlich, wenn gleichzeitig dort eine zusätzliche Erkrankung z.B. ein enger Spinalkanal vermutet wird. Die wichtigsten genetischen Ursachen lassen sich durch genetische Untersuchungen aus dem Blut heraus abklären. Diese Untersuchungen sind jedoch teuer. Sie werden von daher nicht routinemäßig durchgeführt. Eine Untersuchung eines operativ entfernten Teils eines betroffenen Nervens (Biopsie) ist heutzutage nur in Ausnahmen notwendig.
Diagnose von Schwermetallvergiftungen
Die Diagnose einer Schwermetallvergiftung kann komplex sein, da die Symptome oft unspezifisch sind. Zu den wichtigsten diagnostischen Methoden gehören:
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- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und möglicher Expositionen gegenüber Schwermetallen.
- Körperliche Untersuchung: Beurteilung der Symptome und neurologischen Funktionen.
- Laboruntersuchungen: Blut-, Urin-, Haar- und Fingernagelanalysen zur Bestimmung der Schwermetallkonzentration im Körper. Ein Provokationstest mit Chelatbildnern kann ebenfalls durchgeführt werden, um eingelagerte Schwermetalle freizusetzen und nachzuweisen.
- Weitere Untersuchungen: Messung der Leber- und Nierenwerte, Bestimmung von Entgiftungsenzymen.
Behandlung von Schwermetallvergiftungen
Die Behandlung einer Schwermetallvergiftung zielt darauf ab, die weitere Exposition zu vermeiden, die Schwermetalle aus dem Körper zu entfernen und die Symptome zu lindern. Zu den wichtigsten Behandlungsansätzen gehören:
- Vermeidung weiterer Exposition: Identifizierung und Beseitigung der Quelle der Schwermetallbelastung.
- Chelat-Therapie: Einsatz von Chelatbildnern, die Schwermetalle binden und über die Nieren ausscheiden.
- Ernährungsumstellung: Ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung zur Unterstützung der körpereigenen Entgiftungsfunktion.
- Symptomatische Behandlung: Medikamente zur Linderung von Schmerzen, Übelkeit, Depressionen und anderen Symptomen. Bei Polyneuropathie können beispielsweise Medikamente zur Behandlung von Krampfleiden oder Depressionen hilfreich sein. Auch die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) kann zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Physiotherapie: Spezifische Physiotherapie zur Behandlung von Lähmungen, Muskelschwund, Gleichgewichtsstörungen und Gangstörungen.
- Neural-Akupunktur: Kann zur Behandlung von Missempfindungen und Schmerzen eingesetzt werden.
- Weitere Therapien: Infusionstherapie.
Behandlung der Polyneuropathie
Das primäre Ziel der Behandlung ist die Ausschaltung der Ursache der Polyneuropathie. Die bedeutet z.B. einen Diabetes mellitus optimal mit Medikamenten einzustellen. Medikamente, die eine Polyneuropathie verursachen, müssen abgesetzt oder ausgetauscht werden, insofern sie nicht aus anderem Grund unabdingbar notwendig sind. Eine toxische Exposition, beispielsweise durch Schwermetalle oder Umweltgifte, muss beendet werden. Ist Alkohol die Ursache der Polyneuropathie, so muss vollständige, lebenslange Abstinenz eingehalten werden. Auch kleinere Mengen Alkohol können eine Verschlechterung herbeiführen oder eine Ausheilung verhindern, da das Nervensystem bereits vorgeschädigt ist. Alkoholabstinenz ist immer eine Voraussetzung für eine Verbesserung oder Ausheilung der Symptomatik. Liegt eine entzündliche Ursache der Polyneuropathie vor, so können Cortison-Infusionen, Plasmapherese (umgangssprachlich - Blutwäsche) oder die Gabe von Immunglobulinen zu einer Linderung oder gar Ausheilung führen. Die Notwendigkeit der Anwendung dieser Medikamente oder Verfahren zu beurteilen ist Sache des neurologischen Experten. Missempfindungen und Schmerzen können überdies mit einer Neural-Akupunktur behandelt werden. Lähmungen und Muskelschwund, Gleichgewichtsstörungen und Gangstörungen können mit einer spezifischen Physiotherapie behandelt werden. Diese kann gegebenenfalls um elektrische oder magneto-elektrische Stimulationverfahren ergänzt werden.
Prävention von Schwermetallvergiftungen
Um das Risiko einer Schwermetallvergiftung zu minimieren, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:
- Vermeidung von Amalgam-Zahnfüllungen: Alternativen wie Keramik oder Kunststoff verwenden.
- Sichere Arbeitspraktiken: Bei beruflicher Exposition Schutzmaßnahmen ergreifen.
- Kontrolle der Trinkwasserqualität: Regelmäßige Tests auf Schwermetalle durchführen.
- Ausgewogene Ernährung: Verzehr von Lebensmitteln aus unbelasteten Quellen.
- Vorsicht bei Kosmetika und Medikamenten: Produkte ohne Schwermetalle bevorzugen.
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