Hallenbad-Etikette für Schwimmer: Rücksicht und Regeln für ein angenehmes Miteinander

Ein Besuch im Hallenbad sollte für alle eine positive Erfahrung sein. Egal ob Sportschwimmer, Badegast, Anfänger oder Fortgeschrittener - durch gegenseitige Rücksichtnahme und das Einhalten einiger grundlegender Regeln kann das Schwimmen im öffentlichen Bad für jeden angenehm gestaltet werden.

Die Herausforderung im vollen Schwimmbad

Oft ist es alles andere als einfach, im voll besetzten Schwimmbad die Ruhe zu bewahren. Im Gegensatz zu Schwimmbädern in anderen Ländern, in denen die Bahnen oft durch Leinen getrennt und sogar nach Schwimmgeschwindigkeiten eingeteilt sind, herrscht in deutschen Bädern häufig ein reges Durcheinander. Dies kann schnell zu emotionalen Situationen führen.

Oberste Regel: Gegenseitige Rücksichtnahme

Gerade in vollen Schwimmbädern ist gegenseitige Rücksichtnahme das A und O. Manchmal ist es sinnvoll, einfach eine Bahn weiter zu rücken, um Konflikte zu vermeiden. Erfahrene Schwimmer wissen, dass die eingesparte Energie besser ins Training investiert werden kann. Solange sich alle an die Spielregeln halten, lässt es sich auch im vollen Bad gut trainieren.

Die richtige Bahn wählen

Schon vor dem Training sollte man seine Fähigkeiten realistisch einschätzen. Es ist ratsam, als Brustschwimmer nicht auf eine Bahn mit Kraulschwimmern zu gehen und als Profi nicht eine Bahn voller Freizeitschwimmer zu wählen. Als Faustregel gilt: Das Überholen sollte noch vor der Wende abgeschlossen sein, damit niemand behindert wird und es nicht zu Kollisionen kommt.

Verhalten beim Schwimmen

Abstand halten

Wie auf der Straße sollte man auch im Schwimmbecken Abstand zum Gegenverkehr halten. Mittig schwimmen ist nur dann in Ordnung, wenn man allein auf der Bahn ist.

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Rechtsverkehr beachten

Beim Schwimmen gilt Rechtsverkehr. Das bedeutet, man schwimmt stets rechts von der Mitte mit der Leine zur rechten Schulter. Die Mitte über dem schwarzen Balken bleibt frei, sodass sich zwei Schwimmer entgegenkommen können, ohne dass es kracht. Einzige Ausnahme von dieser Regel sind Überholmanöver.

Überholen mit Bedacht

Als äußerst unhöflich gilt es unter Schwimmern, wenn man sich kurz vor der Wende eines schneller schwimmenden noch abstößt. Besser ist es, mit einigem Abstand die Verfolgung des schnelleren Schwimmers aufzunehmen, anstatt ihn kurz vor der Wende zu behindern. Auch wenn man sein Programm nach Abgangszeiten schwimmt, sollte man an frequentierten Tagen den Start gegebenenfalls anpassen.

Beim Überholen gilt:

  • Kann man so viel beschleunigen, dass man in absehbarer Zeit vorbei geschwommen ist und nicht den Gegenverkehr blockiert?
  • Hat man genug Koordination und Platz, um zu überholen, ohne in den Bewegungsbereich des Mitschwimmers zu geraten?

Überhole mit so viel Abstand wie möglich und nötig. Wenn man selbst häufig überholt wird, sollte man überlegen, die Bahn zu wechseln.

Rückenschwimmen

Besonders wenn man Rückenschwimmen trainiert, sollte man sich am besten weit rechts halten.

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Wasserschatten vermeiden

Wer im Wasserschatten Kräfte spart, sollte darauf achten, den Vordermann oder die Vorderfrau nicht zu berühren. Hände weg von den Füßen!

Die Wende: Ein kritischer Punkt

An der Wende treffen oft unterschiedliche Interessen aufeinander: sich unterhaltende Freizeitschwimmer, nach Atem ringende Trainingsplan-Verfolger und diejenigen, die die Wende als solche nutzen möchten. Damit der Schwimmbadbesuch keine Zerreißprobe wird, sollten folgende Regeln beachtet werden:

  • Rücksicht nehmen: Mit ausreichend Abstand hintereinander schwimmen ist der Idealzustand. Ist einem der Vorausschwimmende zu langsam unterwegs, kann man überholen, aber nur, wenn gerade niemand entgegenkommt. Ansonsten gilt: sich etwas zurücknehmen und das Tempo drosseln.
  • Anpassen: Gibt es eine Bahn für Kraulschwimmer und eine für die ganz Gemütlichen? Alles ist möglich. Generelle Regeln gibt es nicht, aber jeder Badbetreiber kann für seine Einrichtung eine Haus- und Badeordnung vorgeben. Am Ende liegt es an den Schwimmmeistern, am Beckenrand für die Umsetzung der Regeln zu sorgen.
  • Wende freihalten: Kurz vor der Wende sollte man sich umsehen, um sicherzustellen, dass kein schnellerer Schwimmer naht. Man kann kurz am Rand warten, sodass er überholen kann, um ein Überholmanöver auf der Bahn zu vermeiden. Im optimalen Fall erfolgt die Wende links von der Bahnmitte, damit ein Zusammenstoßen mit den folgenden Schwimmern verhindert wird.

Pausen richtig gestalten

Pausen müssen sein, aber sie sollten so gestaltet werden, dass sie andere Schwimmer nicht behindern. Wenn man mittig am Kopfende seiner jeweiligen Bahn pausiert, nimmt man seinen Mitschwimmern ein Stück der Bahn. Pausen werden in der Bahnecke abgehalten und nicht in der Mitte, denn diese ist zum Wenden da. Wer nach einer Pause wieder losschwimmen will, muss darauf achten, dass genügend Platz ist und niemand zur Wende ansetzt. Wer wendet, hat immer Vorrang vor demjenigen, der starten möchte.

Hygiene und Gesundheit

Duschen vor dem Schwimmen

Viele Schwimmer verzichten darauf, obwohl das Abduschen vor dem Training eigentlich Pflicht ist. Beim Duschen wird der gröbste Schmutz von der Haut gewaschen und landet dadurch nicht im Schwimmbadwasser. Davon profitieren alle.

Badeschuhe tragen

Badeschuhe schützen vor Pilzkulturen und vor dem Ausrutschen auf dem nassen Boden.

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Bei Krankheit auf den Besuch verzichten

Wenn man sich gesundheitlich nicht wohlfühlt, sollte man lieber zu Hause bleiben. Kleine Keime können in den äußeren Gehörgang gelangen und die Symptomatik relativ schnell verstärken.

Duschen nach dem Schwimmen

Nach dem Schwimmen sollte man sich ausgiebig mit Duschgel abduschen und sich gründlich abtrocknen, vor allem zwischen den Zehen, weil sich hier gerne Fußpilz bildet.

Weitere wichtige Regeln

  • Flossen: Der Einsatz von Schwimmflossen im normalen Badebetrieb ist kritisch zu sehen. Wer damit nicht geübt ist, kann bei anderen derbe Verletzungen verursachen.
  • Tauchen: Quer unter Schwimmenden, die ihre Bahnen ziehen, hindurchzutauchen, ist nicht angebracht.
  • Startsprung: Wenn man nicht der erste Schwimmer im Becken ist, gilt es, das Eintauchen ins Wasser vorsichtig anzugehen. Der Sprung vom Startblock empfiehlt sich zumeist nicht und ist oftmals im öffentlichen Schwimmbetrieb auch nicht gestattet.
  • Fotografieren: In der Regel fühlen sich Gäste durch ungefragtes Fotografieren belästigt. Wer Selfies oder Gruppenbilder machen möchte, sollte vorher das Personal fragen oder sich vergewissern, dass keine anderen Badegäste erkennbar sind.
  • Regelverstöße: Bei Regelverstößen ist der Bademeister der richtige Ansprechpartner. Wiederholte oder grobe Regelverstöße können Konsequenzen haben - bis hin zum Platzverweis oder einem dauerhaften Hausverbot.

Verhalten auf der Liegewiese

Auch auf der Liegewiese ist Rücksichtnahme wichtig. Nicht jeder möchte laute Musik oder Sprachnachrichten mithören. Glasflaschen sind tabu, da die Verletzungsgefahr durch Scherben sehr hoch ist. Abfall gehört in den Mülleimer.

Gemeinsam für ein angenehmes Schwimmerlebnis

Alle Probleme, die trotz aller Regeln noch auftreten, lassen sich klären, indem man miteinander spricht. Koordiniert euch: Wenn ihr euch eine Bahn teilt, schwimmt in einer Art Kreisverkehr. Einer startet von einer Seite, der andere von der anderen. So müssten eure Geschwindigkeiten schon sehr verschieden sein, um euch auf absehbare Zeit in die Quere zu kommen. Bei einer 50-Meter-Bahn könnt ihr die Bahn auch mittig teilen, dann nutzt jeder nur seine 25 Meter.

Wenn alle ein paar grundsätzliche Regeln einhalten, kann das gemeinsame Schwimmen auf einer Bahn gut funktionieren! Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass das Schwimmbad ein Ort der Erholung und des Sports für alle sein soll. Durch gegenseitige Rücksichtnahme und die Einhaltung der Etikette kann jeder dazu beitragen, dass der Besuch im Hallenbad zu einem positiven Erlebnis wird.

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