Schwindel nach Schlaganfall: Ursachen und Behandlung

Schwindel ist ein weit verbreitetes Symptom, das viele Ursachen haben kann. Er kann sich als Dreh-, Schwank- oder Benommenheitsschwindel äußern und wird oft von Begleiterscheinungen wie Gangunsicherheit, Hörproblemen oder Kopfschmerzen begleitet. Nach einem Schlaganfall kann Schwindel eine belastende Spätfolge sein, die die Lebensqualität erheblich einschränkt. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Schwindel nach einem Schlaganfall.

Was ist Schwindel?

Schwindel entsteht, wenn widersprüchliche Informationen von verschiedenen Sinnesorganen an die Gleichgewichtszentrale im Gehirn gesendet werden. Diese Sinnesorgane umfassen das Gleichgewichtsorgan im Innenohr, die Augen und die Sensoren in Gelenken, Sehnen und Muskeln. Das Gehirn ist dann nicht in der Lage, diese Informationen adäquat zu verarbeiten, was zu einem Gefühl von Instabilität und Desorientierung führt.

Ursachen von Schwindel nach Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall kann Schwindel aus verschiedenen Gründen auftreten:

  1. Schädigung des Gleichgewichtszentrums im Gehirn: Ein Schlaganfall kann direkt das Gleichgewichtszentrum im Gehirn schädigen, insbesondere im Kleinhirn oder Hirnstamm. Dies kann zu einem zentralen Schwindel führen, der oft mit anderen neurologischen Symptomen wie Sprachstörungen, Schluckbeschwerden, Koordinationsproblemen oder Doppeltsehen einhergeht.
  2. Störung der Okulomotorik: Zentrale Hirnläsionen können auch die muskulär gesteuerten Augenbewegungen und die Blickkontrolle beeinträchtigen, was zu Schwindel führen kann.
  3. Umbauprozesse im Gehirn: Nach einem Schlaganfall kommt es zu Veränderungen im betroffenen Gehirngewebe, wie Entzündungen, Schwellungen und Umbauprozesse. Diese Veränderungen können auch Funktionen der Gliazellen um die Nervenzellen beeinflussen, die deren Schutz, Nährstoffversorgung und Reparatur unterstützen.
  4. Verzögerte Wahrnehmung: Es kann auch sein, dass der Schwindel erst im Verlauf wahrgenommen wird, weil in der postakuten Phase schwerwiegendere Symptome und Funktionsstörungen vordergründig waren und die Aufmerksamkeit beanspruchten.
  5. Psychische und emotionale Belastungen: Psychische und emotionale Belastungen wie Stress, Unsicherheit, Angst oder Depressionen können das Auftreten oder die Schwere des Schwindels beeinflussen.
  6. Medikamente: Unerwünschte Nebenwirkungen von Medikamenten können zu Schwindel führen. Vor allem Beruhigungs- und Schlafmittel sowie muskelentspannende Mittel wirken dämpfend und können schwindlig machen. Auch Harntreibende Mittel (Diuretika) und Herz-Kreislauf-Medikamente zählen ebenfalls dazu.
  7. Weitere Faktoren: Zu niedrige Zuckerwerte bei Menschen mit Diabetes, Funktionsstörungen der Schilddrüse, Kurz- oder Weitsichtigkeit ohne passende Brille, Tinnitus oder Infekte können ebenfalls Schwindel auslösen.

Arten von Schwindel

Es gibt verschiedene Arten von Schwindel, die nach einem Schlaganfall auftreten können:

  • Drehschwindel: Das Gefühl, dass sich die Umgebung dreht oder man selbst sich dreht.
  • Schwankschwindel: Das Gefühl, als ob man auf einem Boot schwankt oder unsicher auf den Beinen ist.
  • Benommenheitsschwindel: Ein allgemeines Gefühl von Benommenheit, Desorientierung und Unsicherheit.

Diagnose von Schwindel nach Schlaganfall

Um die Ursache von Schwindel nach einem Schlaganfall abzuklären, ist eine umfassende neurologische Untersuchung erforderlich. Diese umfasst in der Regel:

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  1. Anamnese: Der Arzt wird sich genau nach den Schwindelsymptomen, Auslösemechanismen und Begleitsymptomen erkundigen.
  2. Klinisch-körperliche Untersuchung: Der Arzt wird die Gang- und Standsicherheit prüfen und spezifische Funktions- und Provokationstests durchführen, um die Art des Schwindels und mögliche Auslöser zu identifizieren.
  3. Zusatzuntersuchungen: Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein, wie z.B. ein Hörtest beim HNO-Arzt, ein Ultraschall der Hirnarterien, ein Elektroenzephalogramm (EEG) oder bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns.

Behandlung von Schwindel nach Schlaganfall

Die Behandlung von Schwindel nach einem Schlaganfall richtet sich nach der Ursache und den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können:

  1. Medikamentöse Behandlung: In der Akutphase können Medikamente eingesetzt werden, um Übelkeit und Erbrechen zu lindern. Bei bestimmten Formen von Schwindel, wie z.B. der vestibulären Migräne, können spezifische Medikamente zur Vorbeugung von Anfällen eingesetzt werden.
  2. Physiotherapie: Ein gezieltes Gleichgewichtstraining ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Durch spezifische Übungen können die Koordination und das Gleichgewicht verbessert werden.
  3. Ergotherapie: Ergotherapeuten können helfen, Strategien zu entwickeln, um den Alltag trotz des Schwindels besser zu bewältigen. Sie können auch Hilfsmittel empfehlen, die die Sicherheit und Stabilität erhöhen.
  4. Psychotherapie: Psychische und emotionale Belastungen können den Schwindel verstärken. Eine Psychotherapie kann helfen, Stress abzubauen, Ängste zu bewältigen und den Umgang mit dem Schwindel zu erleichtern.
  5. Vestibuläres Training: Das vestibuläre Training zielt darauf ab, das Gehirn zu trainieren, mit den veränderten Signalen umzugehen. Physiotherapeuten und Ergotherapeuten, die für vestibuläre Rehabilitationsprogramme qualifiziert sind, arbeiten daran, über sensorisches und motorisches Ansprechen das zentrale Nervensystem vereinfacht gesagt "neu zu kalibrieren", um die veränderte Informationsverarbeitung zu kompensieren.

Selbsthilfestrategien

Neben den professionellen Behandlungen gibt es auch einige Selbsthilfestrategien, die Betroffene anwenden können, um den Schwindel zu reduzieren und besser damit umzugehen:

  • Vermeidung von Auslösern: Identifizieren Sie Faktoren, die den Schwindel verstärken, und versuchen Sie, diese zu vermeiden.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, die Koordination und das Gleichgewicht zu verbessern.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und den Schwindel zu reduzieren.
  • Ausreichend Schlaf: Ausreichend Schlaf ist wichtig für die Regeneration des Gehirns und kann helfen, den Schwindel zu reduzieren.
  • Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann helfen, den Körper mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen und die allgemeine Gesundheit zu verbessern.
  • Unterstützung suchen: Sprechen Sie mit Familie, Freunden oder einer Selbsthilfegruppe über Ihre Erfahrungen und suchen Sie Unterstützung.

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