Schwindel, Vollrausch, Muskelzucken: Ursachen und Behandlung

Alkohol ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet, birgt jedoch erhebliche Risiken für Körper und Psyche. Neben den bekannten Folgen wie Leberschäden und einem geschwächten Immunsystem kann übermäßiger Alkoholkonsum auch zu neurologischen Symptomen wie Schwindel und Muskelzucken führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen dieser Symptome, insbesondere im Zusammenhang mit Alkoholismus und Entzugserscheinungen, und gibt einen Überblick über Behandlungsansätze.

Alkohol als Zell- und Nervengift

Alkohol ist ein Zell- und Nervengift, das trotz seiner gesellschaftlichen Akzeptanz zahlreiche negative Folgen für den Körper und die Psyche hat. Depressive Verstimmungen, Angstsymptome, schwere Leberschäden und ein geschwächtes Immunsystem sind nur einige der möglichen Konsequenzen.

Tremor: Ursachen und Formen

Hinter dem Begriff Tremor verbirgt sich das umgangssprachlich bekannte Muskelzittern. Es entsteht durch rhythmische, wiederholte Zusammenziehungen gegensätzlich wirkender Muskelgruppen. Während ein Tremor in manchen Situationen wie Kälte oder Angst natürlich ist, kann er auch ein Symptom verschiedener Erkrankungen sein.

Tremor und Alkoholismus

Das Händezittern wird oft automatisch mit Alkoholismus in Verbindung gebracht. Diese Annahme greift jedoch zu kurz, da es verschiedene pathologische Formen des Tremors gibt. Ärzte berücksichtigen daher verschiedene Informationen zur Diagnose, wie betroffene Körperpartien, Situationen des Auftretens sowie Stärke und Frequenz des Zitterns. Grundsätzlich sollte jedes Zittern in Händen, Lippen oder Augenlidern ernst genommen werden.

Arten von Zittern im Zusammenhang mit Alkohol

Es gibt verschiedene Arten von Zittern, die im Zusammenhang mit Alkohol auftreten können. Ein harmloses, sporadisches Zittern kann nach einer durchzechten Nacht auftreten. Bei Alkoholabhängigkeit kann das Zittern jedoch auch eine Entzugserscheinung sein, die sich nur durch weiteren Alkoholkonsum bessert. Dies führt oft dazu, dass Betroffene bereits morgens Alkohol konsumieren, um das Zittern zu unterdrücken.

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei eingeklemmtem Nerv im Nacken

Ruhe-, Halte- und Intentionstremor

Bei Alkoholkranken treten häufig Ruhe-, Halte- oder Intentionstremore auf. Der Ruhetremor tritt im Ruhezustand auf und ist bei bewegungslosen Händen sichtbar. Betroffene versuchen oft, ihn zu verbergen. Der Haltetremor macht sich bemerkbar, wenn versucht wird, einen Gegenstand festzuhalten oder zu bewegen, wie beispielsweise eine Kaffeetasse. Der Intentionstremor tritt vor allem in Bewegung auf, wodurch Ziele bei Halte- oder Greifpositionen nicht genau getroffen werden. Insbesondere Ruhe- und Haltetremor sind typisch für übermäßigen Alkoholkonsum.

Betroffene Körperteile

Ein erhöhter oder chronischer Alkoholkonsum kann unwillkürliche Muskelkontraktionen in sämtlichen Körperteilen auslösen. Bei schweren Alkoholvergiftungen oder Delirium tremens können zudem krampfartige Zustände auftreten, die lebensbedrohlich sein können. Leichtere Intoxikationen oder Entzugserscheinungen äußern sich meist in Fingern und Händen, können sich aber auch auf Zunge, Augenlider oder Kopf ausweiten.

Tremor als ständiger Begleiter

Süchtige, die regelmäßig größere Mengen Alkohol konsumieren, erleben das Zittern oft als ständigen Begleiter. In der Anfangsphase der Abhängigkeit verschwindet das Zittern zwar nach Alkoholkonsum, kehrt aber im fortgeschrittenen Verlauf immer wieder zurück und kann nur durch einen Alkoholentzug und dauerhafte Abstinenz beendet werden.

Langzeitfolgen des Alkoholkonsums

Der langfristige und schädliche Gebrauch von Alkohol rächt sich in der Regel. Es können psychische Störungen, Hirnschäden, Magen-Darm-Störungen, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Schlaflosigkeit und Übergewicht auftreten.

Ursachen des alkoholbedingten Tremors

Die genauen Ursachen für alkoholbedingte Muskelkontraktionen sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt Hinweise darauf, dass riskanter Alkoholkonsum zu Schädigungen in den Gehirnstrukturen führt, die für die Störung verantwortlich sind.

Lesen Sie auch: Warnsignale für leichten Schlaganfall und Schwindel

Was hilft gegen das Zittern?

Gegen das Zittern und andere Symptome einer Alkoholvergiftung helfen vor allem Erholung und Schlaf. Ausreichend Flüssigkeit, Rauchverzicht, Ruhe und ausgewogene Ernährung aktivieren die Selbstheilungskräfte. Der Alkoholabbau wird dadurch jedoch nicht beschleunigt. Diese Maßnahmen sind keine eigentliche Behandlung von Alkoholschäden, sondern unterstützen den Körper lediglich bei der Regeneration.

Alkoholentzug als Therapie

Bei regelmäßigem, hohem Alkoholkonsum besteht die Wahrscheinlichkeit, einen Alkoholismus entwickelt zu haben. In diesem Fall bleibt der Tremor bestehen, solange der Konsum fortgesetzt wird. Oft bildet sich der Tremor erst nach einem umfassenden Alkoholentzug zurück. Bei alkoholbedingtem Kleinhirnschwund besteht ein erhöhtes Risiko für ein dauerhaftes Zittern. Neben dem Alkoholverzicht sind die Zufuhr von Vitamin B1, eine ausgewogene Ernährung und Physiotherapie wichtig.

Entgiftung und Entwöhnung in der Klinik

Aufgrund von Kontrollverlust und Suchtdruck ist es für Betroffene oft unmöglich, allein vom Alkohol loszukommen. Eine Entgiftung mit anschließender Entwöhnung in einer Alkoholentzugsklinik ist empfehlenswert. Die Therapie kann über öffentliche Kostenträger erfolgen, wobei die Entgiftung in einem Krankenhaus/Psychiatrie und die Entwöhnung in einer Klinik für Suchtrehabilitation stattfindet.

Alkoholische Kleinhirndegeneration (AKD)

Breitbeiniges Gehen, Torkeln und Gleichgewichtsstörungen können bei Alkoholabhängigen auch im nüchternen Zustand auftreten. In diesem Fall liegt meist eine alkoholische Kleinhirndegeneration (AKD) vor, die sich als Folgeerkrankung schädlichen Alkoholgebrauchs entwickeln kann. Je früher Betroffene aufhören zu trinken, desto größer ist die Chance auf Besserung. Bei chronischem Alkoholmissbrauch kann das Kleinhirn jedoch dauerhaft schrumpfen.

Ursachen des Kleinhirnschwunds

Mehrere Faktoren können zum Absterben von Nervenzellen im Kleinhirn beitragen:

Lesen Sie auch: Parkinson, Schwindel, Übelkeit: Ein Überblick

  • Vitamin-B1-Mangel: Nervenzellen benötigen Vitamin B1 zur Energiegewinnung. Alkohol kann die Aufnahme von Vitamin B1 im Magen-Darm-Trakt beeinträchtigen.
  • Direkte Schädigung durch Alkohol und Acetaldehyd: Alkohol und sein Abbauprodukt Acetaldehyd können die Bluthirnschranke überwinden und Neuronen im Gehirn zerstören.
  • Leberschäden: Eine geschwächte Leber kann oft kein Vitamin B1 mehr speichern.
  • Mangelernährung: Viele Alkoholabhängige entwickeln Ernährungsgewohnheiten, die Mangelerscheinungen begünstigen.

Symptome des Kleinhirnschwunds

Die Zellschäden im Gehirn äußern sich durch folgende Beschwerden:

  • Fahrige, unkoordinierte Bewegungen
  • Probleme, gegensätzliche Bewegungen auszuführen
  • Zittern bei gezielten Bewegungen (Intentionstremor) oder ein unleserliches, verzittertes Schriftbild
  • Schlaffe Muskulatur
  • Im späteren Verlauf Sprech- und Sprachstörungen sowie abgehacktes Sprechen

Aufgaben des Kleinhirns

Das Kleinhirn sorgt für die Feinabstimmung von Bewegungsabläufen und reguliert die Muskelspannung. Es besteht aus drei Bereichen:

  • Vestibulocerebellum: Beeinflusst die Körperhaltung, sichert das Gleichgewicht und ist wichtig für die Feinabstimmung der Augenbewegungen.
  • Spinocerebellum: Sorgt dafür, dass ein Mensch gehen und stehen kann, ohne darüber nachzudenken. Es kontrolliert Bewegungsentwürfe, insbesondere für die Zielmotorik.
  • Pontocerebellum: Präzisiert und korrigiert willentliche Bewegungen. Es steuert beispielsweise das gezielte Greifen und die Kehlkopfmuskulatur beim Sprechen.

Diagnose der AKD

Die Diagnose umfasst die Erhebung der Trinkgewohnheiten, eine Blutuntersuchung zur Bestimmung des Blutbildes, der Leber- und Gerinnungswerte sowie des Vitamin-B1-Spiegels. Koordinations- und Gleichgewichtstests helfen bei der Abschätzung des Ausmaßes der Kleinhirnschädigung. Mittels Neurografie kann die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen werden. Eine Computertomografie kann den Schwund des Kleinhirns sichtbar machen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung umfasst in der Regel die Gabe von Vitamin B1 und eine ausgewogene Ernährung. Im Rahmen einer Physiotherapie können Koordinationsfähigkeit und Gleichgewicht gezielt trainiert werden. Die wirksamste Behandlungsmethode ist jedoch der Verzicht auf Alkohol.

Delirium tremens

Alkoholkranke Menschen, die nach langjährigem und schwerem Alkoholkonsum plötzlich aufhören zu trinken, können Entzugserscheinungen entwickeln. Bewusstseinsstörungen und Halluzinationen können auftreten. Körperliche Symptome wie Blutdruckentgleisungen können lebensbedrohlich sein.

Definition

Delirium tremens ist der Fachbegriff für Störungen, die auftreten, wenn alkoholkranke Menschen plötzlich mit dem Trinken aufhören. Es äußert sich durch Halluzinationen, schwere Verwirrtheit, starkes Zittern, Angstzustände sowie körperliche Symptome wie Herzklopfen und Schweißausbrüche. Das Alkoholdelir ist potenziell lebensbedrohlich und bedarf einer Überwachung im Krankenhaus.

Symptome

Delirium tremens tritt in der Regel nach langjährigem und schwerem Alkoholmissbrauch auf. Die Symptome treten typischerweise nach 2-4 Tagen Alkoholabstinenz auf und beginnen meist mit Zittern, Schlafstörungen, Angst und Unruhezuständen. Später treten Verwirrtheit und Halluzinationen auf, die sich so klar äußern können, dass die Betroffenen mit Angstzuständen reagieren. Optische Halluzinationen sind keine Seltenheit. Die Ruhelosigkeit nimmt zu, und die Betroffenen sind typischerweise sehr nervös und beschäftigen sich mit scheinbar sinnlosen Aktivitäten. Sie sind orientierungslos in Bezug auf Zeit, Raum und die eigene Situation. Starke Schweißausbrüche, Herzklopfen und Zittern fallen auf. Körperlich zeigen sich eine erhöhte Temperatur und ein erhöhter, teilweise auch niedriger Blutdruck. Gelegentlich stellen Krampfanfälle eine weitere Komplikation des Alkoholentzugs dar.

Ursachen

Unter Alkoholentzug kommt es zu einer Deregulierung einiger Neurotransmitter und damit zu einem Zustand gesteigerter Erregbarkeit. Neben dem chronischen Alkoholmissbrauch können Schlafmangel und Mangelernährung das Auftreten eines Alkoholdelirs begünstigen.

Häufigkeit

Etwa 5 % aller Alkoholkranken machen ein Alkoholdelir durch, und 12-23 % davon erleiden später Rückfälle. Typischerweise sind Patient*innen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren nach 5-15 Jahren des Alkoholmissbrauchs betroffen.

Diagnose

Der Verdacht eines Alkoholdelirs entsteht anhand der Krankengeschichte und der Symptome. Für die Diagnose wird zusätzlich eine genaue internistische, neurologische und psychiatrische Untersuchung benötigt. Im Krankenhaus werden Blutuntersuchungen sowie bei Verdacht auf andere Ursachen des Delirs CT, MRT und evtl. EEG durchgeführt. Delirien können auch durch akuten Missbrauch oder Entzug von Drogen oder Medikamenten ausgelöst werden. Die Diagnose Alkoholdelir setzt genaue Untersuchungen voraus, um Hirnerkrankungen, die ebenso mit einem Delir einhergehen können, und andere behandlungsbedürftige Erkrankungen nicht zu übersehen.

Behandlung

Die Entwicklung eines Delirium tremens sollte nach Möglichkeit verhindert werden. Die beste Methode zur Verhinderung ist daher eine frühzeitige Behandlung der Entzugserscheinungen. Bei voll entwickeltem Delirium besteht die Behandlung meist in der Verabreichung eines Beruhigungsmittels. Bei Bedarf können stärkere Medikamente zum Einsatz kommen. Unter bestimmten Umständen können auch Antipsychotika (Neuroleptika) eingesetzt werden. Vitamin B1 und Magnesium werden im Rahmen der klinische Überwachung ebenfalls verabreicht. Temperatur, Atmung, Flüssigkeitshaushalt, Puls und Blutdruck sind wegen der Gefahr eines Kreislaufkollapses regelmäßig zu kontrollieren. Psychosoziale und pflegerische Maßnahmen sind von großer Bedeutung, um Unruhe, Desorientierung und Angst zu mildern, z. B. eine ruhige, gut beleuchtete Umgebung und ein regelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus. Bei den meisten Betroffenen ist ein Alkoholdelir gutartig und von kurzer Dauer. Es hält bei über 80 % nicht mehr als 72 Stunden an.

Angststörungen und Alkohol

Die stimmungsaufhellenden und beruhigenden Effekte des Alkohols werden besonders von Personen mit psychischen Problemen geschätzt. Menschen, die zum Alkohol greifen, um ihre Angst zu bekämpfen, leiden unter verschiedenen Angstzuständen, wie Panikstörungen, generalisierter Angststörung (GAS) und posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS). Die Symptome können so beeinträchtigend sein, dass sie sich sozial zurückziehen, Depressionen entwickeln und Freunde, Familie und schlimmstenfalls den Arbeitsplatz verlieren. In diesem Fall hilft meist nur eine Behandlung im Rahmen einer Psychotherapie und einer passenden Medikation. Schon kleine Mengen Alkohol können dafür sorgen, …

tags: #schwindel #vollrausch #zustand #nerven #zucken