Grüner Star (Glaukom): Ursachen, Symptome und Therapieansätze

Der Grüne Star, auch als Glaukom bekannt, ist eine Sammelbezeichnung für eine Gruppe von Augenerkrankungen, die durch eine Schädigung des Sehnervs (Nervus opticus) gekennzeichnet sind. Diese Schädigung kann zu fortschreitendem Sehverlust und letztendlich zur Erblindung führen, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird. In Deutschland ist das Glaukom die zweithäufigste Ursache für Erblindung. Es wird geschätzt, dass etwa 2 von 100 Menschen in Industrieländern ein Glaukom entwickeln.

Was ist der Unterschied zwischen Grünem und Grauem Star?

Oft werden Grüner und Grauer Star verwechselt, obwohl es sich um unterschiedliche Erkrankungen handelt. Der Grüne Star beeinträchtigt den Sehnerv, während der Graue Star (Katarakt) durch eine Trübung der Augenlinse verursacht wird. Beim Grauen Star kann die natürliche Linse durch eine künstliche ersetzt werden, während beim Grünen Star Medikamente oder Operationen eingesetzt werden, um das Fortschreiten der Schädigung des Sehnervs zu verlangsamen. Beide Erkrankungen können unbehandelt das Sehvermögen stark beeinträchtigen.

Ursachen und Risikofaktoren des Grünen Stars

Der Hauptrisikofaktor für die Entstehung und das Fortschreiten eines Glaukoms ist ein erhöhter Augeninnendruck. Das Kammerwasser, eine klare Flüssigkeit, die im vorderen Augenbereich zirkuliert und Linse und Hornhaut mit Nährstoffen versorgt, wird kontinuierlich produziert. Ein Teil des Kammerwassers fließt über das Trabekelwerk und den Schlemm-Kanal in den Blutkreislauf ab. Wenn der Abfluss des Kammerwassers behindert ist, steigt der Augeninnendruck.

Weitere Risikofaktoren für ein Glaukom sind:

  • Höheres Lebensalter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter, insbesondere ab dem 40. Lebensjahr.
  • Familiäre Belastung: Glaukomerkrankungen bei Verwandten ersten Grades erhöhen das Risiko.
  • Starke Kurzsichtigkeit (Myopie): Erhöht die Wahrscheinlichkeit für ein Glaukom.
  • Dunkle Hautfarbe: Menschen mit dunkler Hautfarbe haben ein erhöhtes Risiko.
  • Pseudoexfoliation: Ein Syndrom, das das Risiko für ein Glaukom erhöht.
  • Steroidtherapie: Langfristige Anwendung von Steroiden kann das Risiko erhöhen.
  • Papillenanomalien: Bestimmte Anomalien der Papille (Sehnervenkopf) erhöhen das Risiko.
  • Diabetes mellitus: Stoffwechselerkrankung, bei der es zu einer Störung des Zuckerstoffwechsels kommt.

Es gibt verschiedene Glaukomformen, die sich in ihren Ursachen und Mechanismen unterscheiden:

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  • Offenwinkelglaukom: Die häufigste Form, bei der der Abfluss des Kammerwassers durch Veränderungen oder Ablagerungen am Trabekelwerk behindert wird.
  • Normaldruckglaukom: Schäden am Sehnerv entstehen trotz normalen Augeninnendrucks, möglicherweise aufgrund von Durchblutungsstörungen.
  • Engwinkelglaukom (Winkelblockglaukom): Eine seltene Form, bei der eine Verengung zwischen Iris und Hornhaut zu einer plötzlichen Blockade des Kammerwinkels führt, was zu einem Glaukomanfall führen kann.
  • Sekundäre Glaukome: Entstehen als Folge anderer Erkrankungen oder äußerer Faktoren, wie z.B. Diabetes mellitus oder angeborene Fehlbildungen des Auges.

Symptome des Grünen Stars

Ein Glaukom entwickelt sich oft unbemerkt und verursacht lange Zeit keine Beschwerden. Erst in einem späten Stadium treten Symptome auf, wie z.B. Ausfälle des Gesichtsfelds. Diese Ausfälle beginnen meist am Rand des Sehbereichs und fallen daher nicht sofort auf. Das Gehirn kann fehlende Stellen im Sichtfeld kompensieren, sodass der Eindruck eines vollständigen Bildes entsteht. Im fortgeschrittenen Stadium kann es jedoch zu Einschränkungen im zentralen Gesichtsfeld kommen.

Das Engwinkelglaukom bildet eine Ausnahme, da es bei einem Glaukomanfall plötzlich zu Sehstörungen, starken Schmerzen und Übelkeit kommen kann.

Weitere mögliche Symptome sind:

  • Verschwommenes Sehen
  • Starke Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Sehen von Halos um Lichtquellen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Unsicheres Sehen in der Dämmerung

Diagnose des Grünen Stars

Bei Veränderungen des Sehvermögens sollte ein Augenarzt aufgesucht werden. Verschiedene Untersuchungsverfahren dienen dazu, ein Glaukom festzustellen:

  1. Anamnese: Der Arzt erfragt Symptome, Risikofaktoren und Vorerkrankungen.
  2. Ophthalmoskopie: Untersuchung des Augeninneren mit einem Ophthalmoskop, um den Sehnerv zu beurteilen.
  3. Applanationstonometrie: Messung des Augeninnendrucks mit einem speziellen Instrument, das leichten Druck auf die Hornhaut ausübt.
  4. Perimetrie: Messung des Gesichtsfelds, um blinde Flecken oder Gesichtsfeldausfälle festzustellen.
  5. Gonioskopie: Untersuchung des Kammerwinkels, um den Abfluss des Kammerwassers zu beurteilen.
  6. Pachymetrie: Messung der Hornhautdicke, da diese den gemessenen Augeninnendruck beeinflussen kann.
  7. Optische Kohärenztomographie (OCT): Bildgebendes Verfahren zur detaillierten Darstellung des Sehnervs und der Nervenfaserschicht.

Behandlung des Grünen Stars

Ziel der Glaukombehandlung ist es, den Augeninnendruck zu senken und das Fortschreiten der Schädigung des Sehnervs zu verlangsamen. Da bereits entstandene Schäden am Sehnerv nicht rückgängig gemacht werden können, ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung entscheidend.

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Die Behandlungsmöglichkeiten umfassen:

  1. Medikamentöse Therapie: Augentropfen, die den Augeninnendruck senken, indem sie entweder die Produktion des Kammerwassers verringern oder den Abfluss verbessern. Zu den Wirkstoffen gehören Betablocker, Prostaglandine, Alpha-Agonisten und Carboanhydrasehemmer.
  2. Laserbehandlung: Verschiedene Laserverfahren können den Abfluss des Kammerwassers verbessern oder die Produktion reduzieren. Dazu gehören die selektive Lasertrabekuloplastik (SLT) und die Laseriridotomie.
  3. Chirurgische Eingriffe: Wenn Medikamente und Laserbehandlungen nicht ausreichend wirksam sind, kann eine Operation erforderlich sein. Zu den gängigen Operationsverfahren gehören die Trabekulektomie, bei der ein Abflusskanal für das Kammerwasser geschaffen wird, und die Implantation von Drainageröhrchen, um den Abfluss zu verbessern. Minimalinvasive Glaukomchirurgie (MIGS) umfasst schonendere Verfahren mit kleineren Implantaten wie dem iStent.
  4. Katarakt-Operation: Bei Patienten mit sowohl Grünem Star als auch Grauem Star kann eine Katarakt-Operation den Augeninnendruck senken und die Sehqualität verbessern.

Die Wahl der geeigneten Behandlung hängt von der Art und dem Stadium des Glaukoms, dem Augeninnendruck, dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab.

Vorbeugung des Grünen Stars

Es gibt keine spezifische Diät oder Lebensweise, die einem Glaukom gezielt vorbeugen kann. Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung ist jedoch empfehlenswert, um die Gefäße allgemein zu schonen und Veränderungen im Auge vorzubeugen.

Da ein Glaukom oft lange unentdeckt bleibt, sind regelmäßige Augenuntersuchungen zur Früherkennung wichtig, insbesondere für Menschen ab dem 40. Lebensjahr und solche mit Risikofaktoren. Die Früherkennungsuntersuchung umfasst in der Regel eine Messung des Augeninnendrucks, eine Untersuchung des Sehnervs und eine Gesichtsfeldmessung.

Umgang mit der Diagnose Grüner Star

Die Diagnose Grüner Star kann beängstigend sein. Es ist wichtig, sich umfassend über die Erkrankung zu informieren und die Ängste und Sorgen offen anzusprechen, sei es mit dem Arzt, im Familien- und Freundeskreis oder in einer Selbsthilfegruppe.

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Auch wenn die Erkrankung nicht heilbar ist, kann eine frühzeitige und konsequente Behandlung das Fortschreiten des Sehverlusts verlangsamen oder aufhalten und die Lebensqualität erhalten. Es ist wichtig, aktiv zu werden und die Behandlungsempfehlungen des Arztes zu befolgen.

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