Ein erholsamer Schlaf ist für die Regeneration von Körper und Geist unerlässlich. Schlafstörungen sind weit verbreitet und können erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden haben. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Folgen von sehr kurzem Schlaf und bietet einen umfassenden Überblick über mögliche Behandlungsansätze.
Einleitung
Schlaf ist eine biologische Funktion, die für unser Gehirn und unseren Körper von grundlegender Bedeutung ist. Ohne Schlaf könnten sich weder unser Körper noch unser Geist regenerieren. Lernen wäre ohne Schlaf nicht möglich. Gesunder Schlaf ist auch von großer Bedeutung für körperliche und geistige Gesundheit. Etwa 15% der Erwachsenen in Deutschland leiden an einer von rund 80 bekannten Formen einer behandlungsbedürftigen Schlafstörungen. Nicht selten verbirgt sich hinter schlechtem Schlaf leider eine psychische oder körperliche Erkrankung. Schlafstörungen sind nicht selten ein frühes Symptom oder - wenn sie unbehandelt über längere Zeit anhalten - ein wesentlicher Risikofaktor für psychische Erkrankungen (z.B. Depressionen, Angststörungen).
Individuelle Schlafdauer und Schlafphasen
Jeder Mensch besitzt eine individuelle Schlafdauer, die er für seine Regeneration benötigt. Nach einer Umfrage des Robert-Koch-Instituts beträgt sie durchschnittlich 7:14 Stunden - doch einen für jeden festgelegten medizinisch-wissenschaftlich optimalen Wert gibt es nicht. Von internationalen Fachgesellschaften wird eine Schlafdauer von 7 Stunden für Erwachsene empfohlen.
Unser Schlaf verläuft nicht konstant, sondern teilt sich in verschiedene Schlafphasen („Schlafzyklen“) auf, die sich in ihrer Intensität („Schlaftiefe“) stark voneinander unterscheiden.
- Einschlafphase: Unser Organismus beruhigt sich, der Pulsschlag verlangsamt sich, unsere Atmung wird tiefer und die Zahl der Atemzüge pro Minute verringert sich ebenfalls.
- Tiefschlafphase: Sie macht rund die Hälfte unseres Schlafs aus. Unsere Hirnaktivität ist auf niedrige Frequenzen beschränkt, das Bewusstsein ist „ausgeschaltet“.
- REM-Phase: REM steht für „Rapid Eye Movement“. Das heißt, wir schlafen mit geschlossenen Lidern, aber mit schnellen Augenbewegungen. Es ist die Schlafphase, in der wir am intensivsten träumen. Die Schlafforschung geht davon aus, dass unser Gehirn in der REM-Phase emotionale Sinneseindrücke und Informationen verarbeitet.
- Aufwachphase: Häufig werden wir zwischen drei und vier Uhr zum ersten Mal richtig wach. Meist schlafen wir dann zwar noch einmal ein, aber der Körper bereitet sich jetzt bereits auf den neuen Tag vor. Wir werden langsam munter, unsere Körpertemperatur steigt wieder auf 37 Grad an.
Formen von Schlafstörungen
In der modernen Schlafmedizin existieren rund 80 verschiedene Schlafstörungen, die diagnostisch gegeneinander abgegrenzt werden können. Durchschnittlich 15 Prozent der Bevölkerung leiden an einer solchen Schlafstörung, die Häufigkeit nimmt mit zunehmendem Lebensalter zu.
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Ein- und Durchschlafstörungen („Insomnie“) sind die häufigsten Schlafprobleme; rund die Hälfte aller Deutschen (!) waren schon einmal oder sie sind davon betroffen.
Geschlechtsspezifische Unterschiede
Je älter die Menschen sind, desto mehr nehmen Schlafstörungen zu; Frauen sind etwa etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer: Während der Menstruation klagen viele Frauen über unruhigen Schlaf, verbunden mit häufigem Aufwachen und intensiven Träumen; die verstärkte Tagesmüdigkeit (Erschöpfung) erzeugt ein erhöhtes Schlafbedürfnis. Diese Beschwerden klingen jedoch nach der Menstruation ab. In seltenen Fällen können sich jedoch auch chronische Schlafstörungen entwickeln.
Die vermehrte Ausschüttung des Schwangerschaftshormons Progesteron sorgt während der Schwangerschaft für ein erhöhtes Schlafbedürfnis. In den letzten drei Monaten der Schwangerschaft können Schlafbeschwerden („kein Durchschlafen“, heftige Träume) zunehmen. Nach der Geburt wird der normale Schlaf-Wach-Rhythmus der Mutter durch den Schlaf-Wach-Rhythmus des Babys häufig gestört. So können sich bei Müttern ebenfalls chronische Ein- und Durchschlafstörungen entwickeln.
Frauen in den Wechseljahren leiden aufgrund der natürlichen Östrogenabnahme unter Hitzewallungen; die häufig mit innerer Unruhe, aber auch unbestimmten Ängsten verbunden sind. Nach der Menopause kommt es bei Frauen teilweise öfter zu schlafbezogenen Atemstörungen.
Männer leiden dagegen am häufigsten an schlafbezogenen Atemstörungen, wobei das „Obstruktive Schlafapnoe-Syndrom“ die häufigste Diagnose ist. Zwei bis vier Prozent gelten als „Apnoeiker“, dabei handelt es sich zumeist um Männer mittleren und höheren Alters, die in der Regel übergewichtig sind und einen erhöhten Blutdruck aufweisen.
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Schlafstörungen und Psychische Erkrankungen
Rund 70 bis 80 Prozent unserer Patientinnen und Patienten klagen über Schlafstörungen, leider die typischen Begleitsymptome von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen. Besonders häufig sind Patientinnen und Patienten mit Depressionen betroffen, die neben anhaltenden Ein- und Durchschlafstörungen sehr häufig zu früh aufwachen („… mitten in der Nacht!“) und dann nicht wieder einschlafen können (morgendliches Früherwachen). Patientinnen und Patienten mit Angsterkrankungen dagegen können zumeist nicht einschlafen, demente Menschen schichten ihr Schlafbedürfnis ungewollt auf den Tag um und können dann nachts nicht schlafen; und bei Abhängigkeitserkrankungen - im Besonderen nach dem Missbrauch von Alkohol und Drogen - kommt es zu Durchschlafstörungen, die auch nach dem Verzicht der Suchtsubstanzen noch eine ganze Zeitlang bestehen können, nicht selten sogar noch mehrere Jahre.
Für Patientinnen und Patienten mit einer psychischen Erkrankung wäre gerade ein geregelter und erholsamer Schlaf sehr wichtig. Ein Beispiel: Ein depressiver Mann, der gleichzeitig an einer organisch bedingten Schlafapnoe leidet, kann mittels einer Schlafmaske seinen körperlichen Zustand sehr rasch verbessern - was sich dann positiv auf die Behandlung seiner Depression niederschlagen würde.
Weitere Ursachen für Schlafstörungen
- Persönlichkeitsstörungen
- Schizophrene und schizoaffektive Psychosen
- Suchterkrankungen
- Bipolare Störungen
- Hirnorganische Erkrankungen
- Burnout-Syndrom
- Zwangserkrankungen, Zwangshandlungen und -impulse
In diesen Fällen sollte immer die Behandlung der psychischen Erkrankung an erster Stelle stehen. Denn wenn sich die psychische Erkrankung verbessert, bessert sich meist auch die Schlafstörung; ist die Schlafstörung jedoch auch noch nach einer erfolgreichen Therapie vorhanden, sollte sie gezielt behandelt werden, da sie stets einen Stressfaktor und ein Risiko für Rückfälle darstellt.
Folgen von Schlafmangel
Wer nachts dauerhaft über einen gewissen Zeitraum schlecht schläft, fühlt sich irgendwann tagsüber erschöpft und müde. Patientinnen und Patienten mit dauerhaften Ein- und Durchschlafstörungen berichten immer wieder auch über starke innere Unruhe und Anspannung sowie hartnäckige Wachphasen, die sie im Verlauf des Tages und der Nacht daran hindern, einzuschlafen. Eine fortwährende, sich steigernde Unausgeglichenheit durch Schlafstörungen kann auch zu Problemen in der Partnerschaft oder in der Familie führen.
Für Menschen, die durch ihre „normalen Verhaltensweisen“ nachts schlechter schlafen und dadurch zu einer erhöhten Tagesschläfrigkeitsrate neigen, besteht erhöhte Unfallgefahr: Etwa 20.000 Arbeitsunfälle in Deutschland gehen nachweislich auf Schlafstörungen zurück, und rund jeder vierte Autounfall wird durch kurzes „Einnicken“ am Steuer („Sekundenschlaf“) verursacht.
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Auswirkungen auf den Körper
Schlafmangel kann vielfältige Auswirkungen auf den Alltag haben, privat sowie beruflich: Personen, die wenig oder nicht gut schlafen, sind tagsüber weniger produktiv, was zu Beeinträchtigung bei der Arbeit und in der Schule führen kann. Sie brauchen länger für Aufgaben, sind weniger motiviert, zeigen eine verringerte Reaktionszeit und machen mehr Fehler. Außerdem können sie sich schlechter konzentrieren, Entscheidungen treffen fällt ihnen schwerer und das Gedächtnis arbeitet weniger gut.
Schlafmangel kann zu Sekundenschlaf führen - sehr kurze, unkontrollierbare Momente des Schlafens. Betroffene können sich das Phänomen meist nicht erklären; sie bemerken es erst, wenn sie wieder aufwachen und sind dann irritiert. Sekundenschlaf ist besonders gefährlich beim Autofahren. Durch die reduzierte Reaktionszeit ist Autofahren in müdem Zustand insgesamt gefährlich. Schlafmangel wirkt sich ähnlich wie Alkohol oder sogar stärker auf die Fahrtauglichkeit aus. Es gibt Hinweise darauf, dass bei einem Viertel aller schweren und tödlichen Autounfälle Müdigkeit eine Rolle gespielt hat. Außerdem ist das Unfallrisiko allgemein erhöht.
Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche
Speziell für Kinder und Jugendliche, die noch einen erhöhten Schlafbedarf haben, kann ein Schlafdefizit weitere Auswirkungen haben. Schlafmangel führt bei ihnen aufgrund der Konzentrationsschwierigkeiten und Reizbarkeit häufig zu Schulproblemen. Forschende fanden zudem einen möglichen Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Schulnoten heraus. Kinder, die regelmäßig gute bis sehr gute Noten bekamen, schliefen durchschnittlich eine halbe Stunde länger als Schüler und Schülerinnen mit schlechteren Noten. Weiter haben Teenager mit chronischem Schlafmangel eher Probleme mit der Impulskontrolle, was zu risikoreichem Verhalten führt.
Langfristige gesundheitliche Risiken
Schlafen Personen über einen längeren Zeitraum zu wenig, leiden sie also unter einem chronischen Schlafmangel, geht davon neben den direkten Auswirkungen wie der Tagesschläfrigkeit auch ein erhöhtes Risiko für Krankheiten einher. So haben zum Beispiel Jugendliche mit Schlafproblemen ein höheres Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen (ADHS). Ungenügender Schlaf wird außerdem mit vielen chronischen Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht, darunter Herz- und Nierenerkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes, Schlaganfälle, Fettleibigkeit. Auch bei Erwachsenen kann sich Schlafmangel auf die psychische Gesundheit auswirken. Chronischer Schlafmangel kann zu Erkrankungen führen, die die Lebenserwartung verringern. Wer häufig schlecht schläft, hat ein bis zu 30 Prozent höheres Risiko, eine schwere Herz-Kreislauferkrankung wie Herzinfarkt, Herzschwäche oder Schlaganfall zu entwickeln.
Schlaf ist lebenswichtig, weil er dem Körper und Geist essentielle Erholung und Regeneration ermöglicht. Bei Menschen, die schlecht schlafen, bleibt der Blutdruck nachts zu hoch. Bei Schlafmangel bleibt außerdem die Herzfrequenz bei rund 80 Schlägen pro Minute, statt auf 50 bis 60 zu sinken. Besonders gefährlich sind Atemaussetzer in der Nacht (Schlafapnoe). Die Erkrankung steigert den Blutdruck, was zu einer Arteriosklerose und schließlich auch zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen kann.
Diagnose von Schlafstörungen
Schlafstörungen müssen in Hinblick auf ihre Symptomatik und mögliche Ursachen (organisch und nicht-organisch) differenziert und genau diagnostiziert werden, bevor sie zielgerichtet behandelt werden können.
Schlaflaboruntersuchung (Polysomnographie)
In unserer Oberberg Somnia Fachklinik Köln Hürth arbeiten wir mit dem renommierten Kölner Schlafmediziner Dr. Michael Feld eng zusammen: „Wir verkabeln bei einer Polysomnographie (Schlaflaboruntersuchung) die Patientinnen und Patienten über Nacht und können nach nur einer Messung bis zu 15 verschiedene Diagnosen für eine Schlafstörung stellen. Denn anhand der Aufzeichnungen können wir häufig auch eindeutig bestimmen, ob es sich bei der Ursache der Störung beispielsweise um einen organischen Befund handelt oder um eine psychische Erkrankung “, sagt Dr. Michael Feld.
Im Schlaflabor schlafen Patient:innen eine Nacht unter Beobachtung. Dabei werden sie mit diversen Messgeräten verkabelt und detailliert untersucht - von Hirnströmen (EEG), Augenbewegungen (EOG) und Muskelspannung (EMG) über die Atmung an Mund und Brustkorb bis hin zu Puls, Sauerstoffgehalt im Blut (Pulsoxymetrie) und CO2-Gehalt (Kapnografie). Die auf diese Weise gewonnenen Daten ergeben ein aussagekräftiges Schlafprofil der Patientin oder des Patienten. Es setzt sich aus Schlafqualität, Atmung und weiteren festgestellten Störungen zusammen.
Eine der Kenngrößen ist die Zahl der sogenannten Arousal. Dabei handelt es sich um eine kurze, unbewusste Aktivierung der Gehirnströmung, etwa durch Geräusche von außen oder auch durch eigenes Schnarchen sowie Atemaussetzer. Bei jedem Arousal werden Stresshormone wie Adrenalin oder Cortisol ausgeschüttet.
Weitere diagnostische Verfahren
- Schlaffragebogen und Schlaftagebuch: Mithilfe von Schlaffragebogen und Schlaftagebuch können wir Ihre subjektiv empfundene Schlafqualität und Ihre Schlafprobleme nachvollziehen.
- Multipler Schlaflatenztest (MSLT): In unserem Schlaflabor können wir Ihren Nachtschlaf messen und analysieren (Polysomnographie) sowie Ihre Einschlafneigung (Multipler Schlaflatenztest, auch MSLT) bestimmen.
- Genetische HLA-Typisierung und Bestimmung des Hypocretin-/Orexin-Spiegels: Zur weiteren Abklärung kann eine genetische HLA-Typisierung und die Bestimmung des Hypocretin-/Orexin-Spiegels sinnvoll sein.
- Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels: Um diese auszuschließen oder zu bestätigen, kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels sinnvoll sein, die Gefäßveränderungen, Entzündungen und Verletzungen sichtbar macht.
- Elektroenzephalographie (EEG): Mithilfe einer Elektroenzephalographie (EEG) können wir die elektrische Aktivität Ihres Gehirns messen, um Rückschlüsse auf eine Nervenerkrankung wie Epilepsie oder eine Hirnschädigung zu ziehen.
Behandlung von Schlafstörungen
Wenn die Ein- und Durchschlafstörungen durch psychiatrische (oder organische) Erkrankungen hervorgerufen werden, muss die Grunderkrankung behandelt werden. Wenn die Schlafstörungen durch die Einnahme bestimmter Medikamente oder Suchtstoffe bedingt sind, müssen zunächst diese Stoffe abgesetzt werden. Andere Schlafstörungen - wie beispielsweise das „Restless-Legs-Syndrom“ oder eine Narkolepsie (intensive Tagesmüdigkeit mit unwiderstehlicher Neigung zum Einschlafen tagsüber, häufig verbunden mit Halluzinationen und totaler (!) Bewegungsunfähigkeit; s. oben) - werden in der Regel medikamentös behandelt. Das „Obstruktive-Schlaf-Apnoe-Syndrom“, kann mit einer Atemmaske (CPAP-Geräte: „Continous Positive Airway Pressure) normalisiert werden; unter Umständen auch mit speziellen Kieferschienen oder einem operativen Eingriff im Rachenraum.
Natürliche Maßnahmen für einen besseren Schlaf
Insbesondere bei primären Schlafstörungen (ohne erkennbare Ursache), insbesondere Insomnien, sollten Menschen mit Ein- und Durchschlafstörungen zunächst versuchen, ihre Verhaltensweise tagsüber und vor allem vor dem Zubettgehen zu überprüfen und ggf. zu verbessern.
- Versuchen Sie, möglichst tagsüber „regelmäßig“ zu leben; das betrifft vor allem Ihre Mahlzeiten und die Zeit, in der Sie schlafen gehen und am nächsten Morgen wieder aufstehen
- Bewegen Sie sich so viel wie möglich (Fitness, Sport, Spazierengehen, Radfahren), aber gestalten Sie Ihren Tagesausklang möglichst ruhig
- ausreichend natürliches Licht für mind. 20 Minuten am Tag (auch bei bewölktem Himmel ist die Sonnenstrahlung immer noch mit > 5.000 Lux deutlich intensiver als im künstlich beleuchteten Raum mit 400 Lux)
- Essen und rauchen Sie nicht mehr zwei bis vier Stunden vor dem Zubettgehen, trinken Sie bitte dann auch keinen Alkohol mehr. „Schlaffreundliche“ Ernährung: abends wenig essen, leichte Kost, ab und zu Abendessen weglassen, Übergewicht reduzieren.
- Verzichten Sie auf einen Mittagsschlaf, wenn Sie an Ein- und Durchschlafstörungen leiden (Erhöhung des Schlafdrucks am Abend)
- Nutzen Sie bewährte Meditations- und Entspannungsverfahren wie Autogenes Training und Progressive Muskelrelaxation
- Überprüfen Sie in einem Fachgeschäft, ob Ihre Matratzen und Ihre Bettwäsche (vor allem das Kopfkissen) einem „gesunden Standard“ entsprechen
- Sorgen Sie für eine positive und gesunde Schlafsituation (dunkel, kühl, angenehm, ruhig, allenfalls ggf. leise Musik). Insbesondere Dunkelheit (Stimulation der Melatoninproduktion) scheint für einen gesunden Schlaf bedeutsam zu sein.
Schlafhygiene und Verhaltenstherapie
Zunächst sind bei Schlafstörungen „Schlafhygiene“ und Verhaltensmaßnahmen zu bevorzugen und auch vielversprechend. Psychotherapeutische Maßnahmen (Verhaltenstherapie) sind auch bei schweren Schlafstörungen (Insomnien) wirksam und nebenwirkungsarm. Medikamente stehen somit nicht an erster Stelle bei der Behandlung von Schlafstörungen!
Medikamentöse Behandlung
Wenn Medikamente eingesetzt werden, sollte mit pflanzlichen Präparaten begonnen werden:
- „Schlaftee“ (häufig mit Baldrian, Lavendel, Melisse)
- Pflanzliche Präparate (ohne Alkoholzusatz) in Tropfen- oder Tablettenform: Baldrian, Hopfen, Melisse, Lavendel, Passionsblume, Hafer…
Schließlich können bei anhaltenden, insbesondere sekundären Insomnien auch Psychopharmaka nach ärztlicher Verordnung unterstützend hilfreich sein:
- Sedierende Antidepressiva in niedriger Dosierung
- Antihistaminika
- Klassische Schlafmittel, d.h. Benzodiapine oder sogenannte Z-Substanzen (Zolpidem, Zopiclon) sollten - wegen ihres großen Abhängigkeitspotenzials - wenn überhaupt immer nur über einen kurzen Zeitraum und vorübergehend eingenommen werden
- Die tägliche Dosis sollte so niedrig wie möglich angesetzt werden
- Wichtig: Eine medikamentöse Therapie gegen Ein- und Durchschlafstörungen sollte immer mit nicht-medikamentösen Therapieansätzen einhergehen.
Kognitive Verhaltenstherapie
Die beste Behandlung bei chronischen Schlafstörungen ist laut der aktuellen ärztlichen Leitlinie eine spezielle Psychotherapie, die kognitive Verhaltenstherapie gegen Insomnien. Sie ist langfristig wirksamer als Medikamente. Die Patientinnen und Patienten erhalten wichtige Informationen über die Entstehung und Chronifizierung von Schlafstörungen, erlernen Entspannungsverfahren und Methoden gegen nächtliches Grübeln. Im Mittelpunkt stehen neue Denkmuster und Verhaltensweisen.
Weitere Therapieansätze
- CPAP-Therapie: Bei der CPAP-Therapie wird über eine Maske Luft in die Atemwege zugeführt. Dieser Überdruck hält den Rachen offen, sodass keine Atemstörungen mehr entstehen können und das Schnarchen aufhört.
- Zungenschrittmacher: Eine neue Art der operativen Therapiemöglichkeit in Deutschland ist der sogenannte „Zungenschrittmacher" (Neurostimulationsverfahren des N. hypoglossus z.B. Inspire). Dabei handelt es sich um ein sog. Neurostimulationsverfahren, das den Zungennerven (N. hypoglossus) sanft stimuliert.
Schlafhygienische Maßnahmen
Für Menschen, die immer wieder schlecht schlafen, zeigt sich oft ein typisches Verhalten. Nach einer schlechten Nacht wird eher früher ins Bett gegangen, in der Hoffnung man könne mehr Schlaf dadurch bekommen. Es ist wissenschaftlich sehr gut gezeigt, dass Menschen die schlecht schlafen, dazu tendieren ihre Bettliegezeiten ohne tatsächlichen Schlaf eher zu verlängern.
Wichtig in der Behandlung von kurzfristigen oder längerfristigen Ein- und/oder Durchschlafstörungen ist, dass die Bettlegezeiten ohne Schlaf möglichst kurz sein sollten. Wer regelmäßig gegen 22 Uhr zu Bett geht und dann länger als eine halbe Stunde zum Einschlafen benötigt, sollte die Bettliegezeit um eine halbe bis eine Stunde verkürzen. Das heißt: erst gegen 23 Uhr zu Bett gehen. Ebenfalls ist es für den guten Schlaf sehr abträglich, wenn man morgens nach dem Erwachen lange wach im Bett liegen bleibt - auch wenn das möglicherweise das Gefühl der kurzfristigen Erholung erhöht.
Menschen, die schlecht in der Nacht schlafen, legen tagsüber gerne ein kurzes Nickerchen ein. Auch dieses Verhalten ist aus schlafmedizinischer Sicht schlecht für den Nachtschlaf. Wer nachts nicht schlafen kann, sollte auf keinen Fall am Tage schlafen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt das Durch- oder Einschlafen zu verbessern, ist die Reduktion von Dingen, die im Bett getan werden außer zu schlafen. Hierzu gehören Fernsehschauen, Lesen oder am Computer mit dem Handy oder Tablet arbeiten. Auch hier gilt der Grundsatz: „Das Bett ist nur zum Schlafen da“.
Aus schlafmedizinsicher Sicht sind viele der sogenannten Schlafrituale leider nicht dauerhaft förderlich für den Schlaf. Die Anwendung von Hausmitteln zum Durchschlafen, wie zum Beispiel Lavendel, Baldrian, Passionsblume und andere Substanzen sind in der subjektiven Anwendung möglicherweise positiv für das Durchschlafen. Die Anwendung von Schlafmedikamenten ist für kurzfristige Anwendung immer möglich. Dauerhaft sollten Schlafmedikamente nur unter Anleitung eines Arztes eingenommen werden.
Schlafstörungen in besonderen Lebensphasen
Sowohl in der Pubertät als auch während einer Schwangerschaft und in den Wechseljahren kommt es häufiger zu Schlafschwierigkeiten. Die Ursachen dafür sind in der Regel nicht direkt die hormonellen Umstellungen in dieser Phase, sondern die daraus resultierenden Beschwerden und Veränderungen.
- Pubertät: In der Pubertät verändert sich der Schlaf-Wach-Rhythmus, die Jugendlichen werden später müde. So entsteht an den Wochentagen mit frühem Schulbeginn oft ein Schlafmangel, der meist am Wochenende durch eine verlängerte Schlafenszeit ausgeglichen wird. Der Schlaf-Wach-Rhythmus kommt durcheinander.
- Schwangerschaft: So aufregend und schön eine Schwangerschaft sein kann: Zusätzlich zum wachsenden Bauch, der einer bequemen Schlafposition im Wege stehen kann, können häufiger nächtlicher Harndrang, Sodbrennen und Wadenkrämpfe zu Schlafstörungen führen.
- Wechseljahre: In den Wechseljahren kommt es durch hormonelle Veränderungen häufig zu nächtlichen Hitzewallungen und Schweißausbrüchen, die Schlafdauer und Schlafqualität beeinträchtigen können.