Das Ende einer Ära: Auflösung der Selbsthilfegruppe Epilepsie Waldshut-Tiengen nach 25 Jahren

Einführung

Die Selbsthilfegruppe Epilepsie Waldshut-Tiengen, ein wichtiger Anlaufpunkt für Betroffene und Angehörige im Landkreis Waldshut, hat nach 25 Jahren ihre Auflösung beschlossen. Die Gruppe, die sich seit 1996 im Kreis Waldshut engagierte und sich in den vergangenen Jahren im Waldshuter Bildungszentrum traf, hielt ihre letzte Hauptversammlung im Saal der Stoll-Vita-Stiftung ab. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte, die Gründe für die Auflösung und die Bedeutung der Gruppe für ihre Mitglieder.

Gründung und Entwicklung

Die Selbsthilfegruppe wurde im Herbst 1996 von Andrea Trippel und Sieglinde Scheuble gegründet. Ziel war es, einen Ort zu schaffen, an dem Epilepsiekranke und ihre Angehörigen ohne Angst vor Unverständnis über ihre Krankheit und die damit verbundenen Probleme sprechen konnten. Zu Beginn zählte die Gruppe 25 aktive und zehn passive Mitglieder. Im Jahr 2014 übernahm Rosemarie Keusch aus Lauchringen den Vorsitz.

Von 2009 bis 2014 gab es in Lauchringen unter der Leitung von Irma Merkt auch eine Kindergruppe. Diese wurde jedoch aufgrund des Übergangs der Jugendlichen zu den Erwachsenen und des damit verbundenen geringeren Bedarfs aufgelöst.

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens feierte die Selbsthilfegruppe im evangelischen Kirchengemeindesaal in Lauchringen. Auch die Gründerinnen Andrea Trippel und Sieglinde Scheuble nahmen an der Feier teil. Scheuble betonte, wie stark die Gruppe zusammengewachsen sei, und die Vorsitzende Rosmarie Keusch bestätigte, wie sehr Betroffene und Angehörige von den regelmäßigen Treffen profitieren.

Gründe für die Auflösung

In den vergangenen Jahren gingen die Mitgliederzahlen kontinuierlich zurück, und es gab keine Neuzugänge mehr. Rosemarie Keusch erklärte, dass sich die Betroffenen ihre Informationen heutzutage hauptsächlich aus dem Internet beziehen würden. Zudem würden sich junge Menschen scheuen, ihre Erkrankung offen zu legen. Die Corona-Pandemie führte zusätzlich zum Ausfall vieler Treffen. Ein weiteres Problem war die lange Anfahrt, die fast alle Mitglieder auf sich nehmen mussten, da sie von außerhalb kamen.

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Aktivitäten und Bedeutung der Gruppe

In der Vergangenheit wurden regelmäßig Seminare besucht und Referenten eingeladen. Die Gruppe war im Landesverband Baden-Württemberg eingegliedert. Mitglieder berichteten im Gespräch von gesellschaftlichen Vorurteilen über die Krankheit Epilepsie, die ihre berufliche Integration erschwerten. Fallaschek schilderte eindrücklich die Belastungen und Auseinandersetzungen, mit denen sie sich wiederholt konfrontiert sah. Ihr Eintritt ins Berufsleben und ihr Arbeitserhalt seien wiederholt erschwert worden von Arbeitgebern und Behörden wie der Arbeitsagentur.

Die Selbsthilfegruppe bot ihren Mitgliedern einen geschützten Raum, in dem sie offen über ihre Erfahrungen und Probleme sprechen konnten. Laut Statistik ist ein Prozent der Bevölkerung von Epilepsie oder einem fortschreitenden Krampfleiden betroffen. Die Gruppe versicherte stets Diskretion.

Michael Keusch: Ein Vorbild für andere Betroffene

Ein Beispiel für das Engagement innerhalb der Gruppe ist Michael Keusch, der sich in der Selbsthilfegruppe Epilepsie Waldshut-Tiengen e. V. engagierte und zu den dienstältesten Mitgliedern gehörte. Er war außerdem der Erste, der aus Sicht eines Betroffenen anderen von sich erzählte und damit Mut machte. Michael, der aufgrund seiner Sprachbehinderung einen Lightwriter SL40 nutzt, berichtete, wie ihm der Sprachcomputer hilft, sich mit anderen Menschen zu unterhalten. Er ist stets offen für neue Herausforderungen und gilt als Vorbild für andere Bewohner und Fachleute, weil er zeigt, wie gut Unterstützte Kommunikation funktionieren kann.

Spende des Kassenbestands

Als letzten Akt beschloss die Gruppe, den restlichen Kassenbestand an gemeinnützige Organisationen zu spenden.

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