Ein Knick-Senk-Spreizfuß ist eine weit verbreitete Fußdeformität, die bei vielen Menschen Beschwerden verursacht. Die Kombination aus Knick-, Senk- und Spreizfuß führt dazu, dass die Fußunterseite flach auf dem Boden aufliegt, was umgangssprachlich als Plattfuß (medizinisch Pes planovalgus) bezeichnet wird. Schätzungen zufolge leiden 10-20 % der Erwachsenen in Deutschland an einem Knick-Senk-Spreizfuß unterschiedlichen Schweregrades, was potenziell mehr als 6 Millionen Menschen betrifft.
Selbsttest auf Plattfüße
Ein einfacher Selbsttest kann helfen, Plattfüße zu erkennen: Mit nassen Füßen auf einen glatten Untergrund (z. B. Fliesen, Laminat) treten. Bei einem Plattfuß fehlt die typische L-förmige Einbuchtung an der Innenseite des Fußes. Es ist wichtig zu beachten, dass Plattfüße bei Kindern normal sind und sich meist im Alter von 8-10 Jahren verwachsen.
Ursachen und Risikofaktoren eines Knick-Senk-Spreizfußes
Ein Knick-Senk-Spreizfuß entsteht in der Regel durch eine Kombination von genetischen Faktoren und äußeren Einflüssen. Zu den Risikofaktoren gehören:
- Genetische Veranlagung: Eine angeborene Bindegewebsschwäche oder Fußfehlstellungen können die Entstehung eines Knick-Senk-Spreizfußes begünstigen. In manchen Familien tritt der Spreizfuß vermehrt auf, was auf eine genetische Veranlagung zu schwächeren Bändern und Bindegeweben hindeutet.
- Muskuläre Defizite und Schwächen des Kapselbandapparats: Eine schwache Fußmuskulatur und instabile Bänder können dazu führen, dass das Fußlängsgewölbe seine Funktion als Stoßdämpfer nicht mehr erfüllen kann.
- Übergewicht: Zusätzliche Belastung durch Übergewicht kann das Fußgewölbe abflachen.
- Falsches Schuhwerk: Schuhe mit hohen Absätzen oder spitz zulaufende Schuhe können die Fußmuskulatur verkümmern lassen und die Entstehung eines Spreizfußes begünstigen.
- Überlastung: Langes Stehen oder schweres Tragen kann die Bänder überdehnen und das Fußgewölbe absenken.
- Bewegungsmangel: Inaktivität und mangelnde Bewegung können zu einer Schwächung der Fußmuskulatur führen.
- Sinkende Elastizität der Sehnen: Mit zunehmendem Alter verlieren die Sehnen an Elastizität, was die Entstehung eines Knick-Senk-Spreizfußes begünstigen kann.
- Traumata: Verletzungen wie Bänderrisse oder Sehnenabrisse können das komplexe Zusammenspiel von Knochen, Sehnen und Muskeln im Fußgewölbe beeinträchtigen.
- Erkrankungen: Rheuma, Sehnenscheidenentzündungen oder das Tibialis-posterior-Syndrom können ebenfalls zur Entstehung eines Knick-Senk-Spreizfußes beitragen. Auch Knochenerkrankungen können eine Rolle spielen.
- Medikamente: Einige Medikamente können die Sehnen des Fußgewölbes schwächen und somit zur Entstehung eines Knick-Senk-Spreizfußes beitragen.
- Diabetes und Bluthochdruck: Bei Diabetikern und Bluthochdruckpatienten tritt der Knick-Senk-Spreizfuß gehäuft auf.
- Schlechte Körperhaltung: Eine schlechte Körperhaltung kann ebenfalls zur Entstehung eines Knick-Senk-Spreizfußes beitragen.
Symptome und Beschwerden
Viele Fälle von Knick-Senk-Spreizfuß verlaufen ohne größere Beschwerden oder sogar symptomfrei. Wenn Symptome auftreten, können diese vielfältig sein und sich auf verschiedene Körperbereiche auswirken, da die Füße das Fundament unseres Bewegungsapparats bilden. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Schmerzen im Fuß: Insbesondere im Bereich des Fußgewölbes und der Ferse, die sich bei längerem Stehen oder Gehen verschlimmern können. Die Beschwerden treten vor allem im Bereich des Vorfußes an den Fußballen unterhalb der Zehen auf, da diese am stärksten beansprucht werden.
- Veränderter Gang: Betroffene versuchen oft, die Schmerzen durch Anpassung ihrer Bewegungen zu minimieren, was zu einem veränderten Gangbild führen kann. Das Abrollen beim Gehen erfolgt mehr über die Außenkante und den kleinen Zeh.
- Müdigkeit der Füße: Die Füße können sich schnell müde und erschöpft anfühlen.
- Eingeschränkte Beweglichkeit im Sprunggelenk: Die Beweglichkeit des Sprunggelenks kann eingeschränkt sein.
- Sichtbare Veränderung der Fußform: Das Fehlen eines erkennbaren Bogens beim Stehen ist ein deutliches Zeichen. Der Vorderfuß kann breiter werden, da die Mittelfußknochen auseinandergedrückt werden.
- Schwielen und Hornhautbildung: Im Bereich der Fußballen können sich Schwielen und Hornhaut bilden.
- Ausstrahlung der Schmerzen: Da die Füße das Fundament unseres Bewegungsapparats sind, können die Schmerzen auch auf andere Körperbereiche ausstrahlen, wie Knie, Hüfte, Rücken, Schulter und Nacken.
- Hallux Valgus: Diese Fehlstellung entsteht häufig als Folge eines Knick-Senk-Spreizfußes.
- Fersensporn: Infolge einer Knochenneubildung am Fersenbein kann sich ein Fersensporn entwickeln.
- Ermüdungsbrüche der Mittelfußknochen: In seltenen Fällen kann es zu Ermüdungsbrüchen der Mittelfußknochen kommen.
- Zehenfehlstellungen: Es können sich Hammerzehen oder Krallenzehen bilden.
- Morton Neurom: Infolge von Nerveneinklemmungen kann ein Morton Neurom entstehen.
- Schmerzen im Knie: Durch die Fehlstellung des Fußes wird das Knie ungleichmäßig belastet, was zu Knieschmerzen führen kann.
- Rückenschmerzen: Fehlhaltungen und Muskelverspannungen können zu Rückenschmerzen führen.
Diagnose
Die Diagnose eines Knick-Senk-Spreizfußes erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und bildgebenden Verfahren.
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- Anamnese: Der Arzt erfragt die Art und Dauer der Beschwerden sowie mögliche Auslöser.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt betrachtet die Fußstellung und achtet auf Verformungen im Fußbereich, wie eine Verbreiterung des Vorderfußes oder ein abgesunkenes Fußgewölbe. Auch die Beweglichkeit des oberen Sprunggelenkes wird beurteilt. Die klinische Untersuchung der Wadendehnung bei gestrecktem und gebeugtem Kniegelenk (Silfverskjöld-Test) liefert Hinweise auf eine erhöhte Vorfußbelastung durch ein verändertes Abrollverhalten.
- Fußabdruck: Ein Fußabdruck kann Aufschluss über die Form des Fußgewölbes geben.
- Dynamische Fußdruckmessung (Pedobarografie): Diese Messung erfasst die Kräfte und Druckverteilung des Fußes während des Gehens und ermöglicht eine detaillierte Analyse der funktionellen Beeinträchtigung des Fußes.
- Röntgenaufnahme: Eine Röntgenaufnahme unter Belastung (im Stehen) kann Folgeschäden an den Gelenken sichtbar machen und indirekte Zeichen für eine Instabilität aufzeigen.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung eines Knick-Senk-Spreizfußes zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern, die Fußfunktion zu verbessern und Folgeschäden vorzubeugen. In den meisten Fällen ist eine Operation nicht notwendig.
Konservative Behandlung
- Orthopädische Einlagen: Individuell angepasste Einlagen stützen das Fußgewölbe, richten den Fuß auf und entlasten überbeanspruchte Bereiche. Sie können korrigierend wirken und die Position des Fersenbeins optimieren. Es gibt verschiedene Arten von Einlagen, wie hochwertige Einlagen mit individueller Anpassung, vorgefertigte Einlagen aus Gel- oder Schaumstoffmaterialien und spezielle Einlagen zur Korrektur von Fehlstellungen.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen stärken die Fußmuskulatur, verbessern die Koordination und fördern eine gesunde Körperhaltung. Die Physiotherapie kann auch die Wadenmuskulatur einbeziehen, da diese häufig von Fehlstellungen im Bereich der Fußgewölbe betroffen ist.
- Schuhzurichtungen: Bei Bedarf können Schuhe speziell angepasst werden, um den Fuß zusätzlich zu stützen und zu entlasten.
- Gewichtsreduktion: Eine Gewichtsreduktion kann die Belastung des Fußgewölbes verringern und somit die Beschwerden lindern.
- Geeignetes Schuhwerk: Das Tragen von geeignetem Schuhwerk mit ausreichend Platz für die Zehen und einer guten Unterstützung des Fußgewölbes ist wichtig. Schuhe mit hohen Absätzen oder spitz zulaufende Schuhe sollten vermieden werden.
- Basische Fußbäder: Regelmäßige basische Fußbäder können Entzündungen im Vorfußbereich reduzieren und Schmerzen in den Zehengrundgelenken lindern.
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Bei ausgeprägten entzündlichen Schmerzen können NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac helfen.
- Fußbandagen: Eine Fußbandage kann den verbreiterten Vorfuß zusammenhalten und so ein Vorfußgewölbe entstehen lassen.
- Schmetterlingsrolle: Der Einbau einer Schmetterlingsrolle in den Schuh kann den Mittelfußköpfchen beim Abrollen genügend Platz nach unten zur Fußsohle geben.
Operative Behandlung
Eine Operation ist nur in seltenen Fällen notwendig, wenn die konservativen Maßnahmen nicht ausreichend helfen. Es gibt verschiedene operative Verfahren, die je nach Art und Schwere der Fußfehlstellung in Frage kommen.
Übungen zur Stärkung der Fußmuskulatur
Regelmäßige Fußübungen können helfen, die Fußmuskulatur zu stärken und die Entstehung eines Knick-Senk-Spreizfußes vorzubeugen oder die Beschwerden zu lindern. Hier sind einige Beispiele:
- Zehenstand: Stehen Sie aufrecht und heben Sie sich langsam auf die Zehenspitzen, bevor Sie langsam wieder absenken.
- Fersenstand: Stellen Sie sich auf die Fersen und heben Sie die Zehen an.
- Fußkreisen: Kreisen Sie die Füße in beide Richtungen.
- Zehenspreizen: Versuchen Sie, die Zehen so weit wie möglich zu spreizen.
- Handtuchgreifen: Legen Sie ein Handtuch flach auf den Boden und versuchen Sie, es mit den Zehen Ihres Fußes zu greifen und anzuheben.
- Ball rollen: Rollen Sie Ihren Fuß über einen kleinen Ball (z. B. einen Tennisball), beginnend unter den Zehen bis zur Ferse und zurück.
- Balanceübungen: Stellen Sie sich auf ein Balancepad und heben Sie ein Bein an. Tipp: Schließen Sie die Augen, um die Übung schwieriger zu machen.
- Fußmassage: Massieren Sie Ihre Füße regelmäßig, um die Durchblutung zu fördern und Verspannungen zu lösen.
- Barfußlaufen: Regelmäßiges Barfußlaufen auf verschiedenen Untergründen kräftigt das Fußgewölbe und fördert eine abwechslungsreiche Belastung der Füße.
Vorbeugung
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um einem Knick-Senk-Spreizfuß vorzubeugen:
- Geeignetes Schuhwerk: Tragen Sie Schuhe mit ausreichend Platz für die Zehen und einer guten Unterstützung des Fußgewölbes. Vermeiden Sie Schuhe mit hohen Absätzen oder spitz zulaufende Schuhe.
- Regelmäßige Bewegung: Achten Sie auf regelmäßige Bewegung und sportliche Aktivität, um die Fußmuskulatur zu stärken.
- Fußgymnastik: Führen Sie regelmäßig Fußübungen durch, um die Fußmuskulatur zu kräftigen und die Koordination zu verbessern.
- Gesundes Körpergewicht: Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht, um die Belastung des Fußgewölbes zu reduzieren.
- Barfußlaufen: Laufen Sie so oft wie möglich barfuß auf verschiedenen Untergründen.
- Aufrechte Körperhaltung: Achten Sie auf eine aufrechte Körperhaltung, um eine optimale Stellung der Füße zu gewährleisten.
- Frühzeitige Behandlung: Lassen Sie Fußfehlstellungen frühzeitig behandeln, um Folgeschäden vorzubeugen.
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