Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine komplexe neurologische Erkrankung, die mit erheblichen Beschwerden und Auswirkungen auf den Alltag einhergeht. Weltweit leiden schätzungsweise 11 bis 14 Prozent der Bevölkerung an Migräne. In Westeuropa belegte sie 2021 sogar den ersten Platz der am schwersten belastenden neurologischen Erkrankungen. Die Krankheit verursacht nicht nur ökonomische Kosten in Milliardenhöhe, sondern belastet die Betroffenen und ihre Angehörigen erheblich. Es ist wichtig, die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Migräne zu verstehen, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Migräne: Eine vielschichtige Erkrankung
Es gibt nicht den einen Kopfschmerz. Man unterscheidet mehr als 180 verschiedene Arten von Kopfschmerzen. Am verbreitetsten ist der sogenannte Spannungskopfschmerz. Hierbei handelt es sich um beidseitig auftretenden Kopfschmerz von drückender, beengender Qualität. Er erreicht eine leichte bis mäßige Intensität und verstärkt sich nicht durch körperliche Tätigkeiten. Darauf folgt die Migräne, ein meist halbseitiger, attackenweise auftretender Kopfschmerz, der sich durch das Auftreten neurologischer Symptome äußern kann.
Symptome und Ursachen der Migräne
Als Migränepatient hat man im Falle einer Schmerzattacke meist keinen Appetit, leidet unter einem pulsierenden Schmerz, meist einseitig, ist lichtscheu und lärmempfindlich und reagiert auf bestimmte Gerüche. 6 -8% aller Männer und 12-14% aller Frauen leiden unter Migräne. Die erste Migräneattacke tritt meist schon in jungen Jahren von 12. bis zum 25. Lebensjahr auf.
Alle Arten von Kopfschmerzen haben aber eine Gemeinsamkeit: Sie alle haben einen bestimmten Auslöser. Auslöser von Migräne und Kopfschmerzen können Stress, hormonelle Umstellung oder Zeitverschiebung sein. Für manche Menschen ist der Auslöser von Migräne der Genuss bestimmter Lebensmittel; sie reagieren auf bestimmte Lebensmittel allergisch: Gereifter Käse, Rotwein, Schokolade können bei diesen Menschen Kopfschmerzen auslösen. Diese Lebensmittel werden auch Histaminausschütter genannt. Viele Frauen leiden hormonell bzw. regelbedingt unter Kopfschmerzen. Kopfschmerzen können aber auch durch Haltungsschäden verursacht werden, bei denen sich die Muskulatur verkrampft und die Blutzufuhr zum Gehirn praktisch abgeklemmt wird. Kopfschmerzen können aber auch als Folge eines Schleudertraumas nach einem Auffahrunfall auftreten. Ein weiterer Auslöser für Spannungskopfschmerzen und Migräne sind die sogenannten Triggerpunkte, die sich u.a. tief im Muskelgewebe von Nacken und Kaumuskulatur befinden.
Die neurologischen Aspekte der Migräne
Nach den jüngsten Forschungsergebnissen startet alles mit der Cortical Spreading Depression (CSD), einer wellenartig sich ausbreitenden starken Erregung der Neuronen (Überstimulation), gefolgt von einer langanhaltenden Abnahme der Neuronenaktivität. Die CSD führt zu einer Stimulation des Trigeminusnerves, des fünften Hirnnervs, welcher vermutlich an der Auraperiode beteiligt ist. Forscher konnten zeigen, dass die Gehirnflüssigkeit nach einer CSD eine andere chemische Zusammensetzung hatte und unter anderem CGRP höher konzentriert vorgefunden wurde. Das Neuropeptid CGRP hat blutgefäßerweiternde Eigenschaften und ist ebenfalls an Entzündungsprozessen beteiligt.
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Medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten
Das aktuelle Mittel der Wahl sind Triptane, ein weit verbreitetes Medikament zur akuten Behandlung von Migräne. Neuere Medikamente setzen auf den Effekt von sogenannten Gepants, künstlich hergestellten Molekülen, die extra zur Migränebehandlung und -prävention entwickelt wurden. Medikamente kommen auch prophylaktisch zum Einsatz, wie beispielsweise CGRP-monoklonale Antikörper, welche ebenfalls an den CGRP Rezeptoren binden und deren Aktivität blockieren. Auch Botox (Botulinumtoxin Typ A) wird als präventive Migränetherapie eingesetzt.
Die wichtigste nichtmedikamentöse Maßnahme zur Vorbeugung ist das Vermeiden von Triggern. Generell ist ein strukturierter Alltag hilfreich. Man sollte auf genügend Schlaf, Sport, ausgewogene Mahlzeiten und auch Reduzierung von äußeren Reizen achten, um besonders Stress zu vermeiden. Vielen hilft außerdem ein sogenanntes Migränetagebuch. Zur Linderung von Migräne gibt es außerdem spezialisierte Kühlmützen und Migränebrillen.
Shiatsu als alternative Behandlungsmethode
Shiatsu ist eine in Japan entwickelte Form der Körpertherapie, die aus der traditionellen chinesischen Massage Tuina hervorgegangen ist. Shiatsu heißt zwar in der wörtlichen Übersetzung so viel wie «Fingerdruck», der Therapeut setzt bei der Körpermassage aber auch Ellenbogen, Knie und Füße ein, um gezielten Druck auf bestimmte «Energiepunkte» zu setzen. Das aktiviert die blockierte Lebensenergie "Chi". Die sehr achtsame, fließende Behandlungsform ist sehr wohltuend und dient der Gesundheitsförderung.
Wie Shiatsu bei Migräne helfen kann
Shiatsu zeigt sich als sehr wirkungsvoll bei Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Migräne, Verspannungen im Schulter- u. Nackenbereich sowie im Rücken. Gute Erfahrungswerte habe ich mit Shiatsu als begleitende Therapie zu Burnout, Hörsturz, Tinitus , Angstzuständen und Depressionen sammeln können.
Um den eigentlichen Ursachen Ihrer Kopfschmerzen auf die Spur zu kommen, führe ich mit Ihnen zunächst ein Anamnesegespräch durch. Haben wir die Ursache für Ihre Kopfschmerzen gefunden, beginne ich mit meiner Heiltherapie. Vor allem behandle ich Sie mit Shiatsu und Massagen. Shiatsu ist eine Druckpunktmassage entlang der Meridiane, den energetischen Leitbahnen, die am Körper von Kopf zu Fuß und umgekehrt verlaufen.
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Zusätzliche Therapieansätze
Neben meinen Händen arbeite ich auch mit diversen Massagegeräten. Zum Beispiel setze ich ein Pulsationsmassagegerät ein (Pneumatron 200): Meine Erfahrung mit dem Pneumatron 200 hat gezeigt, dass sich die Muskulatur lockert, Schmerzen werden gelindert , der Lymphabfluss wird verbessert und so Schlacke und Entzündungsmediatoren aus Ihrem Gewebe geholt und dieses in das Lymphsystem abführt. Mit dem Pulsationsmassagegerät behandle ich dann Ihren gesamten Körper. Daneben setze ich auch ein Novafon ein. Dies ist ein elektrisches Schallwellengerät zur lokalen Vibrationstherapie. Ich setze es bei starken Verspannungen, eingeschränkten Bewegungsabläufen sowie Nerven- und Gelenksproblemen ein. Erfahrungsgemäß kann sich die Ohrakupunktur bei Kopfschmerzen ebenfalls positiv auswirken. Im Ohrläppchen wird die Kopfregion dargestellt. Hier liegen wichtige Punkte, die bei Kopfschmerz und Migräne mit Hilfe von Akkupunkturnadeln stimuliert werden.
Weitere Entspannungstechniken
Zur Vorbeugung von Migräne sind Entspannungsmaßnahmen sehr effektiv. Vor allem Tai-Chi, kann Betroffenen dabei helfen, ihren Zustand zu verbessern - wie eine Studie zeigt. Die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR) ist ein Verfahren, das gut wirksam und unter fachgerechter Anleitung einfach zu erlernen ist. Beim Autogenen Training lernen Kursteilnehmer, Körper und Geist zu entspannen. Yoga ist eine Philosophie, die aus Indien stammt und mehrere 1000 Jahre alt ist. Sie beinhaltet körperliche Übungen, Atemtechniken, Konzentrationsübungen und Meditation.
Die Bedeutung von Selbstfürsorge und Stressbewältigung
Durch lang andauernde stressige Phasen im Leben, länger andauernde Schmerzen oder Ängste kann die Regulation unseres Nervensystems empfindlich gestört sein. Die Überlebensmuster unseres Organismus, Kampf und Flucht sind dauerhaft aktiv. Erholungsphasen fehlen und dies zeigt sich auch in unserem Körper. Es manifestieren sich zum Beispiel Schlafstörungen, Unruhe, Herzklopfen, kreisende Gedanken, Müdigkeit, Rückenschmerzen, Depression, Tinnitus, Migräne, oder Angstzustände.
Nun ist es notwendig sich auf die Suche zu machen nach inneren und äußeren Ressourcen, Selbstfürsorge, der eigenen Freude und neuen hilfreichen Strukturen. Traumata liegen im Nervensystem, nicht im Ereignis. Hier kann die Arbeit mit Shiatsu in Kombination mit SE (Somatic Experiencing) Stück für Stück dazu beitragen, das der Organismus belastbarer wird.
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