Sicherheitsschuhe für Menschen mit Polyneuropathie: Komfort und Schutz im Arbeitsalltag

Sicherheitsschuhe sind im Arbeitsalltag unverzichtbar, um die Füße vor Verletzungen zu schützen. Doch was, wenn eine Polyneuropathie (PNP) vorliegt? Dieser Artikel beleuchtet die besonderen Anforderungen an Sicherheitsschuhe bei PNP, insbesondere im Zusammenhang mit Diabetes, und gibt Hinweise zur Auswahl geeigneter Modelle.

Polyneuropathie und ihre Auswirkungen auf die Füße

Die diabetische Polyneuropathie ist eine Schädigung multipler Nerven (Polyneuropathie), die als Komplikation eines bestehenden Diabetes mellitus entsteht. Diabetes mellitus betrifft in Deutschland eine große Anzahl von Menschen. Laut aktuellem Diabetes-Atlas der International Diabetes Federation (IDF) aus dem Jahr 2017 liegt Deutschland mit einer Anzahl von 7,5 Mio. Menschen mit Diabetes mellitus an zweiter Stelle in Europa. Die meisten Betroffenen (über 95 Prozent) sind an einem Typ-2-Diabetes erkrankt. Darüber hinaus ist von einer Dunkelziffer von mindestens 2 Mio. Menschen mit Diabetes in Deutschland auszugehen.

Eine häufige Komplikation bei Diabetes ist eine periphere Neuropathie, welche zum Verlust des Gefühls und der Schmerzwahrnehmung führt. Das Fehlen des Empfindungsvermögens bedeutet, dass diese Menschen nicht in der Lage sind zu fühlen, ob die Sicherheitsschuhe richtig sitzen oder ob bereits die Blasenbildung begonnen hat, die dann zu Geschwüren und einer möglichen Amputation führen kann.

Diabetiker mit einer Polyneuropathie (PNP) brauchen spezielle Schuhe, da ihre Füße druckempfindlich sind. Beim diabetischen Fußsyndrom stellen Durchblutungsstörungen und Nervenschädigungen an den Füßen ein großes Gesundheitsrisiko dar. Kleinste Druckpunkte reichen aus, um Verletzungen und offene Wunden herbeizuführen. Neben den Problemzonen wie der Hacke, der Fußsohle oder den Zehen benötigen erkrankte Füße besonders viel Fürsorge. Fußerkrankungen und Vorfußdeformitäten treten immer häufiger auf. Von Reiter-, Krallen- oder Ballenzehe über das diabetische Fußsyndrom. Natürliche Fehlstellungen, falsches Schuhwerk, Unfälle oder vererbte Deformitäten sind für die Betroffenen meist schmerzhaft, geeignetes Schuhwerk ist selten. Durch die Verformung der Zehen entstehen im Schuh Druckstellen, Reibung und Blasen.

Anforderungen an Sicherheitsschuhe bei Polyneuropathie

Bei einer PNP sollte aus Präventivgründen grundsätzlich Fußschutz mit durchstichhemmender Sohle (S 3 oder P; PS, PL) gewählt werden, auch in den Bereichen, in denen arbeitsplatzbezogen das Tragen von diesen Schuhen nicht zwingend vorgeschrieben ist. Für Beschäftigte ohne Polyneuropathie sollte eine Schuhversorgung mit geeigneten Sicherheitsschuhen generell möglich sein.

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Fußschutz für Diabetiker und andere Fußdeformitäten muss besondere Merkmale aufweisen:

  • Weite Schaftöffnung: Für einen reibungslosen Einstieg.
  • Hohe und weite Zehenschutzkappe: Um nicht anzustoßen.
  • Möglichst wenige störende Nähte: Um Druck- und Scheuerstellen zu vermeiden.
  • Nahtlose oder besonders weite Passform: Auf dem Markt erhältliche Sicherheitsschuhe, die diese Anforderungen erfüllen, sollten zunächst für Menschen mit Diabetes empfohlen werden.

Die richtige Passform ist entscheidend

Schuhe sind unser täglicher Begleiter - sowohl in der Freizeit als auch bei der Arbeit. Doch die optimale Passform spielt vor allem bei Sicherheitsschuhen eine wichtige Rolle. Tragen Sie zu weite oder zu enge Schuhe bei der Arbeit, beeinflusst das sowohl die Schutzwirkung der Sicherheitsschuhe als auch die Gesundheit Ihrer Füße.

Zu kleine Sicherheitsschuhe können ernsthafte Fußkrankheiten zur Folge haben. Enges Schuhwerk kann Nerveneinklemmungen im Fuß verursachen, die zu Schmerzen, Beschwerden und Taubheitsgefühlen führen können. Morton-Neurome zeichnen sich durch scharfstechende, brennende und ausstrahlende Schmerzen aus. Der Schmerz beginnt oft unregelmäßig, wird dann aber chronisch, wenn sich der Zustand verschlechtert. Zu enge Schuhe verursachen zudem mit größerer Wahrscheinlichkeit Scheuern und Blasenbildung.

Das Tragen von zu großen Sicherheitsschuhen kann ebenfalls zu Komplikationen führen. Ein erheblicher Prozentsatz der Arbeitnehmenden trägt Sicherheitsschuhe, die zu lang sind, um die erforderliche Breite tragen zu können. Zu lange Schuhe stellen eine Stolpergefahr dar, da die Länge des Sicherheitsschuhs die Bodenfreiheit währen der Schwungphase verringert. Jeder fünfte gemeldete Arbeitsunfall in Deutschland führt auf Ausrutschen, Stolpern und Stürzen zurück. Daher ist die korrekte Passform der Sicherheitsschuhe von entscheidender Bedeutung, um die Stolpergefahr zu minimieren. Sicherheitsschuhe sind so konstruiert, dass sie sich mit dem Fuß biegen und bewegen. Doch diese Funktionsbereiche basieren auf der korrekten Passform des Schuhs. Ein zu langer Schuh verschiebt den Gelenkballen, der sich beim Gehen um 60° bewegt, zurück in einen steif konstruierten Bereich des Schuhs, der meist mit einem Schaft abgestützt wird. Dadurch werden das natürliche Abrollen und die Vortriebsfunktion des Fußes gehemmt. Aufgrund der verringerten gespeicherten elastischen Energie in der Plantarfaszie und der Achillessehne wird die Arbeitsbelastung der Wadenmuskulatur erhöht. Sicherheitsschuhe, die zu locker sitzen, können auch das Risiko von Blasenbildung erhöhen, da die Schuhe nicht fest am Fuß sitzen und die Bewegung in den Schuhen zunimmt.

Es ist wichtig, beim Probieren von Sicherheitsschuhen sowohl die richtige Länge als auch die richtige Weite zu wählen. Durch die Verformung der Zehen entstehen Druckstellen, Reibung und Blasen.

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Diabetiker-Strümpfe und orthopädische Einlagen

Ergänzend zu den passenden Sicherheitsschuhen sollten Diabetiker spezielle Strümpfe bzw. Socken ohne Nähte, sogenannte Diabetiker-Strümpfe, tragen.

Orthopädische Einlagen können zusätzlich den Fuß stützen und Druckstellen vermeiden.

Innovationen für Diabetiker-Füße

Einige Hersteller haben spezielle Sicherheitsschuhe für Diabetiker entwickelt, die auf die besonderen Bedürfnisse dieser Personengruppe zugeschnitten sind.

Das neue Laufsohlenkonzept von ELTEN für Diabetikerfüße und andere Fußerkrankungen passt sich den besonderen Bedürfnissen an: die Profilblöcke im Mittelfußbereich helfen beim Abrollen und stabilisieren den Gang.

Das Highlight des DIALUTION: der herausnehmbare Innenschuh aus einem mehrschichtigen Textil mit Membran, die Wundsekrete aufnimmt, diese nicht an den Außenschuh abgibt, und dennoch atmungsaktiv bleibt. Eine weiche Polsterung sowie die Vermeidung von störenden Nähten fördern den Schutz der empfindlichen Füße. Der Schuh im Schuh bietet dem Träger größtmögliche Hygiene, da dieser leicht zu reinigen ist und somit Reinfektionen vermieden werden können. Dank des weißen Innenmaterials sind offene Wunden schnell zu identifizieren und können umgehend behandelt werden. Die Fußbettung im DIALUTION beugt nicht nur Verletzungen vor, sondern fördert den Heilungsprozess bei bestehenden Verletzungen.

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Woher bekommt man geeignete Sicherheitsschuhe?

Beschäftigte mit einer Polyneuropathie (PNP) bekommen entsprechendes Schuhwerk in der Regel bei einem dafür ausgebildeten Orthopädieschuhmacher oder Sanitätshaus.

Finanzierung und Bezuschussung

Der DIALUTION Low ESD S3 Schuh ist als semi-orthopädischer Sicherheitsschuh S3 ESD Diabetes Mellitus beim Kostenträger einzureichen. Als Sicherheitsschuh mit Innenschuh Pos. 31.00.00.0995 DRV (Hessen), Sicherheitsschuh mit Innenschuh Pos. 31.03.03.0995 DGUV. Als Sicherheitsschuh ohne Innenschuh gemäß Pos. 31.03.03.0996 DGUV Vertrag, da der Schuh in Größe 42 im Ballenmaß einen Umfang von 29 cm aufweist. Eine ausführliche Dokumentation ist unumgänglich.

Liste von Herstellern (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

  • ELTEN
  • uvex

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