Siegeszug gegen Alzheimer: Neue Therapieansätze im Fokus

Die Alzheimer-Krankheit stellt eine der größten Herausforderungen im Gesundheitswesen dar. Trotz intensiver Forschung in den letzten Jahrzehnten blieben entscheidende Durchbrüche lange Zeit aus. Dieser Artikel beleuchtet aktuelle Therapieansätze und gibt einen Überblick über vielversprechende Entwicklungen im Kampf gegen diese verheerende neurodegenerative Erkrankung.

Herausforderungen in der Alzheimer-Therapie

Die Suche nach wirksamen Therapien gegen Alzheimer gestaltet sich komplex. Alois Alzheimer beschrieb bereits vor über einem Jahrhundert die nach ihm benannte Krankheit. Doch trotz intensiver Forschung scheitern neue Therapien, die Wurzeln des Übels bleiben im Dunkeln.

Die Amyloid-Hypothese: Ein Paradigmenwechsel?

Lange Zeit dominierte die Amyloid-Hypothese die Alzheimer-Forschung. Diese Theorie besagt, dass die Ablagerung von Beta-Amyloid-Plaques im Gehirn eine zentrale Rolle bei der Entstehung der Krankheit spielt. Entsprechend konzentrierten sich viele Therapieansätze auf die Beseitigung dieser Plaques.

Ein auf der kanonischen Amyloid-Hypothese basierendes Medikament, Aducanumab, wurde von der FDA zugelassen. Dabei reduziert die Therapie zwar Aβ im Gehirn, hat aber dennoch bisher keine gesicherte Wirkung auf den Krankheitsverlauf gezeigt. Gesichert ist dagegen, dass die Nebenwirkungen dieser Therapie enorm sein können - und dies tatsächlich auch häufig sind. Genauso sicher ist, dass die Therapie im Jahr fast 60.000 US-Dollar kostet, die dazu nötige sehr teure Diagnostik gar nicht mit eingeschlossen. Das Medikament hat also nicht nur medizinische, sondern auch ökonomische Toxizität.

Grenzen der Amyloid-Hypothese

Trotz vielversprechender Ergebnisse in präklinischen Studien und der Entwicklung von Amyloid-basierten Diagnostika zeigten klinische Studien oft enttäuschende Resultate. Die abgeleitete Therapie beseitigte zwar Aβ, nicht aber die Demenz. Eine Erklärung hierfür war jedoch schnell gefunden: Die Therapie kommt zu spät, der Schaden im Gehirn war vorher schon passiert! Also muss vor Krankheitsbeginn therapiert werden! Seit kurzem ist jedoch klar: Auch dies scheint nicht zu funktionieren. Gen-Träger der dominant vererbten Alzheimer-Erkrankung wurden Jahre vor Ausbruch der Erkrankung behandelt - und litten unter den bekannten Nebenwirkungen der Therapie -, wurden aber dennoch symptomatisch.

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Die fehlende Korrelation zwischen Amyloid-Ablagerungen und dem klinischen Verlauf der Erkrankung wirft Fragen auf. Zum Beispiel fand man alte Menschen, deren Hirne voller Plaques waren, die aber trotzdem geistig voll leistungsfähig blieben.

Alternativen zur Amyloid-Hypothese

Die wachsende Erkenntnis, dass die Amyloid-Hypothese die Komplexität der Alzheimer-Krankheit nicht vollständig erfasst, hat zur Erforschung alternativer Therapieansätze geführt. Tauisten und Baptisten, also die Anhänger der Amyloid-Hypothese, führten regelrecht Krieg! Bis man um die Jahrtausendwende das Kriegsbeil begrub und sich einigte, dass die Tau-Pathologie biochemisch downstream vom Amyloid auftritt.

Neue Therapieansätze im Überblick

Neben der Amyloid-Hypothese rücken andere Faktoren in den Fokus der Alzheimer-Forschung. Dazu gehören unter anderem:

  • Tau-Protein: Tau-Faser-Versteifungen und -Ablagerungen korrelieren viel besser mit dem Verlauf der Erkrankung als die Amyloid-Plaques.

  • Neuroinflammation: Entzündungsprozesse im Gehirn tragen zur Neurodegeneration bei.

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  • Mikroglia: Diese Immunzellen des Gehirns spielen eine wichtige Rolle bei der Entzündung und der Beseitigung von Zellmüll.

  • Mitochondriale Dysfunktion: Störungen in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, können zu Energiemangel und Zelltod führen.

  • Vaskuläre Faktoren: Veränderungen in den Blutgefäßen des Gehirns können die Durchblutung beeinträchtigen und zur Entstehung von Alzheimer beitragen.

Stoßwellentherapie

Stoßwellen sind zunächst einmal Schallwellen und keine Ultraschallwellen, wie wir später noch darlegen werden. Stoßwellen sind zunächst ganz einfach mechanisch-akustische Druckimpulse.

Im Zusammenhang mit der Transkraniellen Pulsstimulation (TPS) wird fälschlicherweise mitunter von einer Ultraschall-Therapie gesprochen. Das ist nicht richtig. Denn Ultraschall, in der Medizin vor allem diagnostisch zur Informationsgewinnung und therapeutisch u. a. zur Schmerzlinderung eingesetzt, ist zwar auch eine Schallwelle, bewegt sich jedoch in einem Frequenzbereich von mehr als 20.000 hz (Hertz) und besitzt eine deutlich geringere Druckamplitude als eine Stoßwelle. Stoßwellen zeichnen sich demgegenüber durch einen einzigen, überwiegend positiven Druckpuls aus, dem ein vergleichsweise geringer negativer Zugpuls folgt. Dieser Puls bewegt sich in einer Frequenzbandbreite von einigen kHz (Kilohertz) bis hin zu mehr als 10 MHz (Megahertz).

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Bei der Transkraniellen Pulsstimulation (TPS) schließlich werden nur niedrigenergetische Stoßwellen eingesetzt, die maximal eine Energieleistung von 0,2 mj/mm2 erreichen. Diese Energien sind so gering, dass es zu keinerlei Gewebeerwärmung im Gehirn kommt und das Aktionspotential der Stoßwellen rein aktivierender und regenerierender Natur ist.

Speziell in der Forschung zur Transkraniellen Pulsstimulation (TPS) werden folgende Funktionen und Wirkungen bereits als erwiesen angesehen bzw. werden derzeit in zahlreichen weiteren umfangreichen klinischen Studien in unterschiedlichen Ansätzen bzw. weiterhin wird auch Stickoxid (NO) freigesetzt , das zu einer direkten Vasodilatation und damit zu einer Erhöhung der Durchblutung führt. Zudem dürfte eine Regulationsstörung der Stickoxid-Konzentration bei neurodegenerativen bzw. Erhöhung der Konzentration des Wachstumsfaktors BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor). Der Nachweis, dass Stoßwellen zu einer Hochregulation neuroplastischer Prozesse führen, konnte dadurch erbracht werden, dass nach Stimulation des sensorischen Kortex noch nach einer Woche eine strukturelle und funktionelle Kopplung innerhalb des somatosensorischen Kortex nachgewiesen werden konnte.

Modulation der Neurotransmission

Ein weiterer Ansatzpunkt für neue Therapien ist die Modulation der Neurotransmission, also der Signalübertragung zwischen Nervenzellen.

Andere Therapieansätze

Weitere vielversprechende Therapieansätze umfassen:

  • Gentherapie: Hierbei werden Gene in Zellen eingebracht, um die Produktion von schützenden Proteinen zu erhöhen oder die Produktion von schädlichen Proteinen zu reduzieren.

  • Zelltherapie: Bei dieser Therapieform werden Stammzellen in das Gehirn transplantiert, um beschädigte Nervenzellen zu ersetzen oder die Regeneration von Nervenzellen zu fördern.

  • Lifestyle-Interventionen: Studien haben gezeigt, dass bestimmte Lebensstilfaktoren, wie körperliche Aktivität, eine gesunde Ernährung und soziale Interaktion, das Risiko für Alzheimer senken können.

Niedrigen TSH-Wert vermeiden

Schilddrüsenhormone gehören zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln. Ob eine Übertherapie einer Schilddrüsenunterfunktion möglicherweise das Risiko für kognitive Störungen und Demenz erhöht, haben Forscher in einer großen Kohortenstudie untersucht.

Herausforderungen und Perspektiven

Die Entwicklung neuer Therapien gegen Alzheimer ist ein komplexer und langwieriger Prozess. Es gibt nicht die eine Alzheimer’sche Erkrankung gibt, sondern viele. Weil hierbei wohl Aβ und Tau, aber auch Inflammation, Mikroglia, Mitochondrien, Mikrogefäße und vieles, vieles mehr in komplizierter Weise zusammenspielen.

Die Rolle der Gedächtnisambulanzen

Die Gedächtnisambulanzen in Deutschland spielen bei diesen Entwicklungen eine zentrale Rolle. Sie sind die Expertenzentren für den direkten Transfer des wissenschaftlichen Fortschritts in die Praxis. Gedächtnisambulanzen sind seit Ende der 80er Jahre zunächst an Universitätskliniken und heute weit darüber hinaus etabliert.

Die Lebensqualität von Menschen mit Demenz hängt stark von einer raschen und präzisen Diagnostik ab. Spezialisierte Gedächtnisambulanzen leisten dabei einen unschätzbaren Beitrag.

Kampagnen zur Aufklärung

Magdeburg ist ein international anerkannter Standort für Neurowissenschaften. Ziel der Kampagne ist es, die Bevölkerung auf diese Aktivitäten aufmerksam zu machen und über die Möglichkeit zur Teilnahme zu informieren.

Die Bedeutung von Studien

„Bürgerinnen und Bürger können durch Mitwirkung an wissenschaftlichen Studien einen wichtigen Beitrag zur Hirn- und Demenzforschung leisten. Mit ihrem Engagement können sie helfen, bessere Therapien gegen Alzheimer und andere Hirnerkrankungen auf den Weg zu bringen“.

Die Zukunft der Alzheimer-Therapie

Die Alzheimer-Forschung steht an einem Wendepunkt. Die Erkenntnis, dass die Amyloid-Hypothese die Komplexität der Erkrankung nicht vollständig erfasst, hat zu einer verstärkten Erforschung alternativer Therapieansätze geführt. Die Kombination verschiedener Therapieansätze, die auf unterschiedliche Aspekte der Erkrankung abzielen, könnte in Zukunft den Schlüssel zum Erfolg darstellen.

Es wird erwartet, dass in den nächsten Jahren weitere vielversprechende Therapieansätze entwickelt werden, die das Leben von Menschen mit Alzheimer und ihren Familien verbessern können.

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