Die Signalminderung im Rückenmark kann verschiedene Ursachen haben, die von degenerativen Veränderungen bis hin zu entzündlichen Prozessen reichen. Dieser Artikel beleuchtet die häufigsten Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze, um ein umfassendes Verständnis dieser komplexen Thematik zu ermöglichen.
Einführung
Das Rückenmark, eine zentrale Struktur des Nervensystems, ist durch den Wirbelkanal geschützt. Eine Signalminderung in diesem Bereich, sichtbar in bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomographie (MRT), kann auf unterschiedliche Pathologien hinweisen. Um die Bedeutung einer solchen Signalminderung zu verstehen, ist es wichtig, die normale Funktion und Struktur des Rückenmarks zu kennen.
Ursachen der Signalminderung im Rückenmark
Die Ursachen für Signalminderungen im Rückenmark sind vielfältig und können in verschiedene Kategorien eingeteilt werden.
Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule
Eine der häufigsten Ursachen für Signalminderungen im Rückenmark sind degenerative Veränderungen der Wirbelsäule, insbesondere die Spondylose.
Spondylose
Spondylose ist ein Überbegriff für verschleißbedingte Erkrankungen der Wirbelsäule. Sie kann die Zwischenwirbelgelenke (Facettengelenke) betreffen, was zu einer Facettengelenksarthrose oder Spondylarthrose führt. Die Spondylose kann in verschiedenen Abschnitten der Wirbelsäule auftreten, wobei die Halswirbelsäule (HWS) besonders häufig betroffen ist (zervikale Spondylose).
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Entstehung der Spondylose
Die Spondylose entsteht durch Verschleiß, der altersbedingt oder durch übermäßige Abnutzung verursacht sein kann. Fehlhaltungen, Deformationen, äußere Gewalt (z. B. durch Unfälle oder Stürze) und erbliche Veranlagung können ebenfalls eine Rolle spielen. Oft beginnen die Abnutzungsprozesse im Bereich der Bandscheibe und führen zu einer Chondrosis intervertebralis, bei der die Bandscheibe schrumpft und Stöße schlechter abpuffern kann. Übergreift der Verschleiß auf die Endplatten der angrenzenden Wirbelkörper, entsteht eine Osteochondrosis intervertebralis, die häufigste Form der Osteochondrose.
Knochenanbauten und Ankylose
Durch die degenerativen Prozesse wird der betroffene Bereich der Wirbelsäule instabiler. Der Körper versucht, diese Instabilität durch zusätzliches Knochenwachstum auszugleichen, indem er Knochenwucherungen und Knochensporne (Spondylophyten) ausbildet. Wenn diese Spondylophyten mit Blutgefäßen, Nerven oder dem Rückenmark in Kontakt kommen, können Schmerzen und Nervenstörungen wie Radikulopathien auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium können die Spondylophyten zweier Wirbelkörper miteinander verwachsen und die Wirbelkörper knöchern verbinden, was als Ankylose bezeichnet wird.
Spondylarthrose
Greifen die Verschleißerscheinungen auf die Gelenke zwischen den Wirbeln über (Zwischenwirbelgelenke oder Facettengelenke), entsteht eine Facettengelenksarthrose oder Spondylarthrose. Auch hier sind Schmerzen und Bewegungseinschränkungen die Folge.
Spinalkanalstenose
Infolge von Belastung und Degeneration der Bandscheiben mit Höhenverlust kann die Wirbelsäule instabil werden. Der Körper versucht, die Stabilität durch Abstützungsreaktionen wiederherzustellen, was zur Spondylarthrose (Verdickung der Gelenke), Verdickung der Ligamenta flava und Spondylophytenbildung (Abstützung der Wirbelkörper) mit der Folge der Einengung des Wirbelkanals führt.
Bandscheibenschäden
Bandscheibenschäden, wie Bandscheibenvorwölbungen und Bandscheibenvorfälle, können ebenfalls zu Signalminderungen im Rückenmark führen.
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Bandscheibenvorwölbung (Protrusion)
Eine Bandscheibenvorwölbung, medizinisch auch als „Bulging“ bezeichnet, entsteht, wenn die Bandscheibe mit ihrem gallertartigen Kern (Nucleus pulposus) und dem festen Faserring dem Druck nachgibt und sich zwischen den Wirbeln hervorwölbt. Diese Vorwölbung kann auf Nerven drücken und Schmerzen verursachen. Im Unterschied zu einem Bandscheibenvorfall ist bei einer Bandscheibenvorwölbung eine Rückbildung möglich.
Bandscheibenvorfall (Prolaps)
Bei einem Bandscheibenvorfall ist der Faserring der Bandscheibe rissig, wodurch der Gallertkern in den Wirbelkanal austreten kann. Dieser Druck auf die Nerven kann Schmerzen verursachen, die bis in die Arme und Beine ausstrahlen, sowie Kribbeln, Taubheit und Lähmungen verursachen.
Ursachen von Bandscheibenschäden
Häufige Ursachen für Bandscheibenschäden sind Fehlbelastungen, falsche Bewegungen und zu wenig Sport, die zu einer Schwächung der Bandscheibe führen. Auch Alterungsprozesse, Übergewicht und Fehlstellungen können eine Rolle spielen.
Entzündliche Erkrankungen
Entzündliche Erkrankungen wie die Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) können ebenfalls zu Signalminderungen im Rückenmark führen.
Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew)
Bei der Spondylitis ankylosans handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung, die zu strukturellen Schäden und einer verstärkten Abnutzung des Knochens führen kann.
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Andere Ursachen
Weitere Ursachen für Signalminderungen im Rückenmark können sein:
- Retrospondylose: Verschleiß an der Wirbelsäule, der sich vor allem am hinteren Bereich der Wirbelkörper abspielt.
- Tumore und Zysten: Diese können Druck auf das Rückenmark ausüben und Signalveränderungen verursachen.
- Traumatische Verletzungen: Verletzungen des Rückenmarks durch Unfälle oder Stürze können ebenfalls zu Signalminderungen führen.
- Infektionen: Entzündungen durch Infektionen können das Rückenmark schädigen.
- Vaskuläre Ursachen: Durchblutungsstörungen des Rückenmarks können zu Ischämie und Signalveränderungen führen.
Symptome der Signalminderung im Rückenmark
Die Symptome einer Signalminderung im Rückenmark können je nach Ursache und betroffenem Bereich der Wirbelsäule variieren. Häufige Symptome sind:
- Rückenschmerzen: Belastungsabhängige Rückenschmerzen im Nacken, Brust- oder Lendenwirbelsäulenbereich.
- Neurologische Beschwerden: Kribbeln, Taubheit, Missempfindungen in Armen und Beinen.
- Muskuläre Schwäche: Nachlassende Muskeln in Bein und Gesäß, Störungen der Reflexe.
- Gangstörungen: Spastisch-ataktisches Gangbild, Lähmungserscheinungen an Füßen und Armen.
- Claudicatio spinalis: Verkürzung der Gehstrecke, Schmerzen und Ausfallerscheinungen in den Beinen.
- Inkontinenz: In schweren Fällen können Probleme mit der Darm- und Blasenentleerung auftreten.
Diagnose
Die Diagnose einer Signalminderung im Rückenmark umfasst in der Regel mehrere Schritte:
- Anamnese: Ausführliches Gespräch mit dem Patienten über seine Beschwerden und Krankheitsgeschichte.
- Körperliche Untersuchung: Neurologische Untersuchung zur Prüfung der Sensibilität, Motorik und Reflexe.
- Bildgebende Verfahren:
- Magnetresonanztomographie (MRT): Ermöglicht die detaillierte Darstellung der Weichteile und des Rückenmarks. Eine Signalminderung bedeutet, dass das Bandscheibengewebe ein schwächeres Signal aussendet und auf dem MRT-Bild anders aussieht. Im MRT gelingt die Darstellung der beengenden Strukturen. Im Bereich der Lendenwirbelsäule ist zur Festlegung der Operationsstrategie eine MRT-Myelographie erforderlich.
- Computertomographie (CT): Kann zur Beurteilung der knöchernen Strukturen eingesetzt werden.
- Röntgenaufnahmen: Dienen zur Erkennung fortgeschrittener degenerativer Veränderungen.
- Funktionsaufnahmen: Bei Verdacht auf Instabilität werden Funktionsaufnahmen der HWS oder LWS durchgeführt.
Behandlung
Die Behandlung einer Signalminderung im Rückenmark richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Symptome.
Konservative Behandlung
In vielen Fällen können konservative Maßnahmen zur Linderung der Beschwerden ausreichend sein:
- Schmerzmittel: Zur kurzzeitigen Linderung von Schmerzen.
- Physiotherapie: Stabilisierende und muskelentspannende Übungen, um die Muskulatur aufzubauen, verspannte Muskeln zu entspannen und die Beweglichkeit zu verbessern.
- Wärmeanwendungen: Können helfen, die Muskeln zu lockern und die Durchblutung anzuregen.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung, um die Bandscheiben mit Nährstoffen zu versorgen und muskulär-fasziale Spannungen auszugleichen. Geeignete Sportarten sind Schwimmen, Radfahren mit erhöhtem Lenker und Wassergymnastik.
- Gewichtsreduktion: Bei Übergewicht, um die Wirbelsäule zu entlasten.
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Anpassung des Arbeitsplatzes, um Fehlhaltungen zu vermeiden.
- Manuelle Therapie: Dehnübungen oder Wirbelsäulenmanipulationen, um Muskelverspannungen zu lösen.
- Kathetertherapie: Spezialisten führen Medikamente mit schmerz- und entzündungshemmenden Mitteln an das betroffene Areal.
- Mikrolasertherapie: Eine dünne Faser leitet einen Laserstrahl in den Körper und sorgt so für eine vierfache Wirkung: Störendes Gewebe schrumpft, kleine Risse in der Bandscheibe werden verschlossen und die Schmerzweiterleitung ans Gehirn wird ausgeschaltet.
Interventionelle Schmerztherapie
Bei unerträglichen Schmerzen kann der Rückenspezialist Verfahren der interventionellen Schmerztherapie anbieten, wie z. B. die Thermokoagulation der Facettengelenke.
Operative Behandlung
Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen oder neurologische Ausfälle drohen, kann eine Operation erforderlich sein. Ziel der operativen Behandlung ist es, die eingeengten Nerven zu entlasten und dadurch eine Schmerzbesserung und eine Rückbildung bzw. Vermeidung der neurologischen Ausfallerscheinungen zu erreichen.
Operationsverfahren
- Dekompression: Befreiung der Nervenwurzeln und/oder des Rückenmarks vom Druck.
- Erweiterung des Spinalkanals: Von vorn mit Entfernung der Bandscheiben oder sogar ganzer Wirbelkörper und Überbrückung der Defekte durch Wirbelkörperersatz oder von hinten durch Wegnahme der Wirbelbögen und Stabilisierung mit Fixateur interne. Es ist auch eine Laminoplastie, d. h. ein Aufklappen der Wirbelbögen möglich.
- Mikrochirurgische Operation: Entfernung des Bandscheibengewebes, das auf das Rückenmark bzw. die Nervenstränge drückt.
- Stabilisierung: Bei Instabilität des betroffenen Segments kann eine Stabilisierung mit Verschraubung erfolgen.
- Direkte offene Dekompression des Spinalkanals: Mikrochirurgisch mit Erhaltung der Stabilität des Bewegungssegments.
- Undercutting-Technik: Interlaminärer Zugang mit Freilegung und Dekompression der Dura (Cauda equina) und des Recessus lateralis.
Operative Vorgehensweise bei lumbaler Spinalkanalstenose
Über einen Schnitt in der Mitte der LWS werden die angrenzenden Wirbelbögen des Segmentes dargestellt und das „Fenster“ erweitert. Das Ligamentum flavum, welches meiste hochgradig vergrößert ist, wird reseziert.
Indikation zur Operation
Die Indikation zum operativen Vorgehen erfordert eine eindeutige Korrelation der klinischen Befunde mit den Befunden der bildgebenden Diagnostik.
Vorbeugung
Einem Bandscheibenvorfall und degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule kann mit verschiedenen Maßnahmen vorgebeugt werden:
- Übergewicht abbauen: Übergewicht strapaziert Rücken und Wirbelkörper zusätzlich.
- Aktivitätslevel erhöhen: Ein aktiver Lebensstil ist für gesunde Bandscheiben essenziell.
- Muskulatur aufbauen: Eine gut ausgebaute Rückenmuskulatur ist eine der besten Maßnahmen, um einer Diskushernie vorzubeugen.
- Körperhaltung verbessern: Achten Sie auf Ihre Körperhaltung bei verschiedenen Tätigkeiten.
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie auf eine ergonomische Einrichtung Ihres Arbeitsplatzes.
- Gesunder Schlaf: Eine gute Matratze ist wichtig für einen gesunden Schlaf.
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