Parkinson, auch bekannt als Morbus Parkinson, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Nervenzellen in bestimmten Hirnregionen gekennzeichnet ist. Dieser Verlust führt zu einem Mangel an Dopamin, einem wichtigen Botenstoff, der für die Steuerung von Bewegungen zuständig ist. Obwohl es derzeit keine Heilung für Parkinson gibt, ermöglichen moderne Therapien und ein umfassendes Verständnis der Erkrankung den Betroffenen, ein erfülltes Leben zu führen. Deutschland, Österreich und die Schweiz gehören zu den führenden Nationen in der Parkinson-Forschung.
Symptome und Diagnose
Die Parkinson-Krankheit beginnt meist schleichend und oft mit unspezifischen Symptomen. Im Laufe der Erkrankung treten dann die typischen Kardinalsymptome auf:
- Bradykinese: Bewegungsverlangsamung
- Rigor: Muskelsteifigkeit
- Tremor: Zittern (häufig in den Händen, aber auch in Beinen oder Unterkiefer)
- Posturale Instabilität: Gleichgewichtsstörungen
Neben diesen motorischen Symptomen können auch nicht-motorische Symptome auftreten, wie z.B.:
- Riechstörung: Ein charakteristisches Frühsymptom, das oft Jahre vor den Bewegungssymptomen auftritt.
- Schlafstörungen: Ein- und Durchschlafprobleme, ungesteuerte Beinbewegungen, Krämpfe.
- Verstopfung: Beeinträchtigung der Darmtätigkeit durch steife Muskeln.
- Blasenprobleme: Häufiger Harndrang.
- Kognitive Einschränkungen: Probleme, sich an Dinge zu erinnern.
- Depressionen und Angststörungen: Begleiterkrankungen, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen.
Die Diagnose von Parkinson wird in der Regel von einem Neurologen gestellt. Der Arzt führt eine körperliche Untersuchung durch und achtet dabei besonders auf die typischen Parkinson-Symptome. Er prüft beispielsweise, ob die Hände zittern, wenn sie ruhen, ob die Bewegungsabläufe verlangsamt sind und/oder die Arm-, Bein- und Rumpfmuskulatur versteift ist. Zusätzlich können ein Riechtest, eine Ultraschalluntersuchung einer bestimmten Hirnregion (Substantia nigra) oder ein MRT durchgeführt werden.
Es ist wichtig, bei Verdacht auf Parkinson frühzeitig einen Arzt aufzusuchen, da eine frühe Diagnose und Behandlung die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessern können. Viele Hausärzte, Physiotherapeuten oder Fachärzte für Orthopädie achten mittlerweile bewusst auf spezielle Parkinson-Symptome. Bei Verdacht auf eine Parkinson-Erkrankung wird eine Überweisung an einen Facharzt für Neurologie empfohlen.
Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen
Therapieansätze
Die Behandlung des Morbus Parkinson basiert im Prinzip auf drei Säulen:
- Medikamentöse Therapie: Die Standardtherapie erfolgt in Form von Tabletten oder Pflastern. Hier stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung.
- Beübende Verfahren: Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie.
- Selbsthilfe und begleitende Maßnahmen: Austausch mit anderen Betroffenen, Sport, ausgewogene Ernährung und psychologische Unterstützung.
Medikamentöse Therapie
Das Ziel der medikamentösen Therapie ist es, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern oder zu erhalten. Da die Parkinson-Krankheit eine chronisch fortschreitende Erkrankung ist, ist es notwendig, die Therapie lebenslang fortzusetzen, da ein Absetzen zu einer massiven Verschlechterung der Beschwerden führen würde.
Die wichtigsten Medikamentengruppen zur Behandlung von Parkinson sind:
- L-Dopa: Der Goldstandard in der Parkinson-Therapie. L-Dopa wird im Gehirn in Dopamin umgewandelt und gleicht so den Dopaminmangel aus. Es verbessert die typischen Parkinson-Symptome wie Zittern, verlangsamte Bewegungen und Muskelsteifheit. Allerdings kann eine Langzeitbehandlung mit L-Dopa zu Spätkomplikationen wie Wirkungsschwankungen und unkontrollierten Bewegungen (Dyskinesien) führen.
- Dopaminagonisten: Diese Medikamente ahmen die Wirkung von Dopamin im Gehirn nach und stimulieren die Dopaminrezeptoren. Sie wirken schwächer als L-Dopa, haben aber ein geringeres Risiko für motorische Komplikationen. Allerdings können sie mehr akute Nebenwirkungen verursachen, wie z.B. Übelkeit, Schwindel und Impulskontrollstörungen.
- MAO-B-Hemmer: Diese Medikamente verlangsamen den Abbau von Dopamin im Gehirn, indem sie das Enzym Monoaminooxidase-B (MAO-B) blockieren. Dadurch steht mehr Dopamin zur Verfügung. Sie werden oft in der Frühphase der Erkrankung eingesetzt, um den Beginn einer L-Dopa-Therapie hinauszuzögern.
- COMT-Hemmer: Diese Medikamente hemmen das Enzym Catechol-O-Methyltransferase (COMT), das für den Abbau von L-Dopa verantwortlich ist. Dadurch wird die Wirkdauer von L-Dopa verlängert und Wirkungsschwankungen können reduziert werden.
Die Auswahl der Medikamente und die Dosierung müssen individuell auf den Patienten abgestimmt werden. Dabei spielen der Schweregrad der Erkrankung, die Art der Symptome, das Alter des Patienten, Begleiterkrankungen und die Lebenssituation eine wichtige Rolle. Es ist wichtig, den Arzt über alle Symptome und Beeinträchtigungen zu informieren, sowie über eventuelle Nebenwirkungen der Medikamente.
Beübende Verfahren
Neben der medikamentösen Therapie spielen beübende Verfahren eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Parkinson. Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie können dazu beitragen, die Beweglichkeit zu verbessern, die Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten und die Kommunikationsfähigkeit zu fördern.
Lesen Sie auch: Die Stadien der Parkinson-Krankheit erklärt
- Physiotherapie: Die Physiotherapie zielt darauf ab, die Bewegung zu verbessern, Bewegungsabläufe zu normalisieren und die Muskelkraft zu stärken. Spezielle Programme für Parkinson-Patienten können helfen, die Bewegungen flüssiger zu machen und Blockaden (Freezing) zu überwinden.
- Ergotherapie: Die Ergotherapie unterstützt Parkinson-Patienten bei der Bewältigung von Alltagssituationen. Hier geht es um Geschicklichkeitstrainings, Training der Feinmotorik, Gedächtnisübungen und Übungen zur Verbesserung der Aufmerksamkeit. Oft werden auch Hilfsmittel eingesetzt, um den Alltag zu erleichtern.
- Logopädie: Die Logopädie behandelt Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen. Sie kann Parkinson-Patienten helfen, ihre Stimme zu stärken, die Sprachmelodie zu verbessern und Schluckbeschwerden zu reduzieren.
Invasive Therapieformen
In fortgeschrittenen Stadien der Parkinson-Krankheit können invasive Therapieformen in Frage kommen, wenn die medikamentöse Therapie nicht mehr ausreichend wirkt.
- Pumpentherapien: Bei der Apomorphin- oder L-Dopa-Pumpe wird das Medikament kontinuierlich über eine Sonde oder unter die Haut verabreicht. Dies kann helfen, Wirkungsschwankungen zu reduzieren und eine gleichmäßigere Symptomkontrolle zu erreichen.
- Tiefe Hirnstimulation (THS): Bei der THS werden Elektroden in bestimmte Hirnregionen implantiert, die elektrische Impulse abgeben. Diese Impulse können die Parkinson-Symptome unterdrücken. Die THS ist ein komplexes Verfahren, das sorgfältig abgewogen werden muss.
Selbsthilfe und begleitende Maßnahmen
Neben der medikamentösen Therapie und den beübenden Verfahren können Parkinson-Patienten selbst viel tun, um ihre Lebensqualität zu verbessern und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen und deren Angehörigen kann eine wertvolle Unterstützung sein. In Selbsthilfegruppen treffen Sie auf Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden und die die Herausforderungen eines Lebens mit Parkinson kennen.
- Bewegung und Sport: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Symptome lindern und den Krankheitsverlauf verlangsamen. Empfohlen werden dreimal pro Woche je 20 Minuten sanftes Ausdauer- und Krafttraining. Wichtig ist, dass die Bewegung Spaß macht.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann helfen, die Symptome zu lindern und das Wohlbefinden zu steigern. Es gibt spezielle Ernährungstipps für Parkinson-Patienten, die beispielsweise die Aufnahme von L-Dopa verbessern können.
- Psychologische Unterstützung: Depressionen und Angststörungen sind häufige Begleiterkrankungen bei Parkinson. Eine psychologische Betreuung kann helfen, diese zu bewältigen und die Lebensqualität zu verbessern.
Leben mit Parkinson
Die Diagnose Parkinson kann das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark verändern. Es ist wichtig, sich Zeit zu nehmen, um sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und sich über die verschiedenen Therapie- und Unterstützungsmöglichkeiten zu informieren.
- Offene Kommunikation: Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt, Ihren Angehörigen und Freunden über Ihre Erkrankung und Ihre Bedürfnisse.
- Akzeptanz: Versuchen Sie, die Erkrankung zu akzeptieren und sich auf die Dinge zu konzentrieren, die Sie noch tun können.
- Selbstständigkeit: Erhalten Sie so lange wie möglich Ihre Selbstständigkeit im Alltag. Nutzen Sie Hilfsmittel und Unterstützung, wenn Sie sie benötigen.
- Soziale Kontakte: Pflegen Sie Ihre sozialen Kontakte und nehmen Sie am gesellschaftlichen Leben teil.
- Positive Einstellung: Versuchen Sie, eine positive Einstellung zu bewahren und sich nicht von der Erkrankung entmutigen zu lassen.
Parkinson ist eine chronische Erkrankung, die eine ständige Anpassung und Überprüfung der Therapie erfordert. Es ist wichtig, regelmäßig den Arzt aufzusuchen und die Medikamente wie verordnet einzunehmen. Mit einer optimalen Behandlung und einem aktiven Lebensstil können Parkinson-Patienten ein erfülltes Leben führen.
Hilfreiche Tipps für den Alltag
Ein Leben mit Parkinson kann Sie vor Herausforderungen stellen. Im Folgenden finden Sie verschiedene Angebote und Informationen, die Sie beim Umgang mit Ihrer Erkrankung unterstützen.
Lesen Sie auch: Überblick zur Dopamin-Erhöhung bei Parkinson
- Kleine Helfer, große Wirkung: Es gibt verschiedene Hilfsmittel, die Sie im Alltag unterstützen können. Im Badezimmer können Haltegriffe und Sitze sowie ein rutschfester Untergrund in der Badewanne und in der Dusche Sicherheit geben. Eine Toilettensitzerhöhung erleichtert das Hinsetzen und Aufstehen. Das Ankleiden lässt sich leichter gestalten, wenn Sie auf ausreichend weite Kleidung mit großen Knöpfen oder Druckknöpfen achten. Auch gut zu handhaben sind Reiß- und Klettverschlüsse. Im Alltag können Schraubverschlussöffner oder spezielle Schlüsselgriffe beim Hantieren mit kleinen Gegenständen helfen. Hilfreich beim Essen sind ergonomisch geformtes Besteck mit breiten Griffen, eine Tellerranderhöhung und rutschfeste Unterlagen für Teller, Tassen und Gläser.
- Werden Sie laut: Eine leise Stimme zählt zu den häufigsten Sprechstörungen, die bei einer Parkinson-Erkrankung auftreten können. Eine Logopädin oder ein Logopäde kann Ihnen weitere Übungen empfehlen und ein individuelles Stimmtraining für Sie zusammenstellen.
- Musik als Taktgeber: Musik und Rhythmus können die Freude an der Bewegung zurückbringen. Darüber hinaus kann ein gleichmäßiger Rhythmus zum Taktgeber für Bewegungen werden. Bewegungsabläufe können so flüssiger werden.
- Parkinson? Sprechen Sie darüber!: Je früher Parkinson diagnostiziert wird, desto eher ist es möglich, die Beschwerden wirksam zu behandeln und Ihre Lebensqualität damit lange zu erhalten.
- Gut vorbereitet ins Arztgespräch: Es ist wichtig, dass Sie sich auf Ihre Arztbesuche gut vorbereiten. Behalten Sie Ihre Symptome im Blick und notieren Sie regelmäßig Ihre Beobachtungen und alles das, was Ihnen am Herzen liegt.
- Parkinson und Partnerschaft: Auch wenn die Parkinson-Erkrankung Ihrer Partnerin oder Ihres Partners zunächst vermutlich ein zentrales Thema für Sie beide ist: Lassen Sie Ihre Beziehung nicht davon beherrschen. Es ist gut und wichtig, offen über die Erkrankung, über eigene Unsicherheiten und Zweifel zu sprechen. Vergessen Sie darüber aber nicht, dass Sie in erster Linie ein Paar sind.