Die Aortenklappenstenose, eine Verengung der Aortenklappe, ist die häufigste Herzklappenerkrankung in den Industrienationen und betrifft vor allem ältere Menschen. Die Aortenklappe befindet sich zwischen der linken Herzkammer und der Aorta, der Hauptschlagader, die das Blut zu den Organen transportiert. Ihre Funktion besteht darin, sich beim Herzschlag zu öffnen, um den Blutfluss in den Körper zu ermöglichen, und sich anschließend zu schließen, um einen Rückfluss zu verhindern.
Beschreibung, Typen und Ursachen
Bei einer Aortenklappenstenose öffnet sich die Aortenklappe nicht weit genug, wodurch der Blutfluss vom Herzen zur Aorta behindert wird. Dies führt dazu, dass weniger sauerstoffhaltiges Blut in den Körper gelangt, was die Sauerstoffversorgung der Zellen und des Gehirns einschränken kann. Um dies zu kompensieren, muss das Herz stärker arbeiten, was zu einer Verdickung des Herzmuskels (Hypertrophie) führen kann.
Man unterscheidet zwischen angeborenen und erworbenen Aortenklappenstenosen. Am häufigsten entsteht die erworbene Form durch altersbedingten Verschleiß und zunehmende Verkalkung der Aortenklappe. Seltener liegt eine angeborene Veränderung vor, beispielsweise eine bikuspide Aortenklappe, bei der die Aortenklappe nur zwei statt drei Taschen aufweist.
Angeborene Ursachen
- Valvuläre Aortenklappenstenose: Hierbei ist der Klappenring zu eng oder die Klappensegel sind fehlgebildet, verwachsen oder verdickt. Die Aortenklappe kann unikuspidal oder bikuspidal angelegt sein.
- Subvalvuläre Aortenklappenstenose: Die Engstelle befindet sich unterhalb der Aortenklappe im Ausstrombereich des linken Ventrikels und ist oft tunnelartig geformt.
- Supravalvuläre Aortenklappenstenose: Die Verengung liegt am Anfang der Aorta, direkt über der Klappe. Diese Form ist am seltensten und oft ein Merkmal des Williams-Beuren-Syndroms.
Erworbene Ursachen
- Degenerative, kalzifizierte Aortenklappenstenose: Diese Form entwickelt sich aufgrund einer fortschreitenden Sklerose der Aortenklappe, ähnlich der Arteriosklerose. Risikofaktoren sind Niereninsuffizienz, Hyperkalzämie, Hypertonie, Diabetes mellitus und Nikotinabusus.
- Bikuspidale Aortenklappe: Eine angeborene Fehlbildung mit nur zwei Klappentaschen führt zu einer erhöhten mechanischen Belastung und beschleunigten Degeneration und Verkalkung der Klappe.
- Rheumatisch bedingte Aortenklappenstenose: Als Folge von rheumatischem Fieber können Vernarbungen an der Aortenklappe entstehen, die zu einer Verengung führen.
Symptome
Leichte Verengungen verursachen oft keine Beschwerden. Die Aortenklappenstenose entwickelt sich häufig schleichend, vor allem im höheren Alter. Typische Warnsignale sind:
- Luftnot, insbesondere bei Belastung
- Leistungsabfall
- Schwindel
- Druckgefühl auf der Brust (Angina pectoris)
- Ohnmachtsanfälle (Synkopen)
Wird die Aortenklappenstenose nicht behandelt, können die Symptome mit der Zeit auch in Ruhesituationen auftreten.
Lesen Sie auch: MS-Medikamente im Detail erklärt
Diagnose
Bei Verdacht auf eine Aortenklappenstenose sind die ersten Maßnahmen die Messung des Blutdrucks und die allgemeine körperliche Untersuchung. Mit dem Stethoskop überprüft der Arzt, ob während der Ausströmphase ein Geräusch hörbar ist. Weitere diagnostische Maßnahmen sind:
- Echokardiographie (Herzultraschall): Die wichtigste Untersuchung zur Beurteilung von Herzklappen. Sie ermöglicht die Beurteilung des Schweregrads der Stenose, der Herzfunktion und der Wanddicke der linken Herzkammer.
- Elektrokardiografie (EKG): Im EKG können indirekte Zeichen der Aortenklappenstenose bzw. der resultierenden Herzbelastung erkennbar sein.
- Herzkatheter-Untersuchung: Bei dieser minimal-invasiven Untersuchung wird ein Katheter durch eine Arterie zum Herzen vorgeschoben, um den Druck in den Herzkammern und der Aorta zu messen und die Funktion der Aortenklappe zu beurteilen.
- Computertomographie (CT) des Herzens: Kann in bestimmten Fällen zur Beurteilung der Aortenklappe und der umliegenden Strukturen eingesetzt werden.
Behandlung
Die Behandlung der Aortenklappenstenose hängt vom Schweregrad der Erkrankung und dem Vorliegen von Symptomen ab.
Konservative Behandlung
Bei milder oder moderater Stenose ohne Beschwerden reichen oft regelmäßige kardiologische Kontrollen aus. Medikamente können die Verkalkungen und strukturellen Veränderungen der Klappe nicht rückgängig machen, aber sie können zur Behandlung von Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz eingesetzt werden.
Operative Behandlung
Sobald deutliche Symptome auftreten oder die Herzfunktion abnimmt, ist ein Aortenklappenersatz meist notwendig. Es gibt zwei Haupttypen von Aortenklappenersatz:
- Chirurgischer Aortenklappenersatz: Hierbei wird die defekte Klappe in einer offenen Herzoperation durch eine mechanische oder biologische Klappe ersetzt.
- Mechanische Herzklappen: Sie bestehen aus haltbaren Materialien wie Titan und haben eine lange Lebensdauer. Allerdings erfordern sie eine lebenslange Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten (Antikoagulation), um die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern.
- Biologische Herzklappen: Sie werden aus tierischem Gewebe (z.B. Rinderherzbeutel oder Schweineherzklappen) hergestellt und erfordern keine lebenslange Antikoagulation. Allerdings haben sie eine begrenzte Lebensdauer und müssen möglicherweise nach 10-20 Jahren erneut ersetzt werden.
- Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI): Bei diesem minimal-invasiven Verfahren wird eine neue Klappe über einen Katheter, meist von der Leiste aus, zum Herzen vorgeschoben und in der alten Klappe platziert. TAVI ist vor allem für Patienten geeignet, bei denen ein erhöhtes Operationsrisiko besteht oder ein schonender Eingriff bevorzugt wird.
Rehabilitation
Nach dem Aortenklappenersatz ist eine Rehabilitation wichtig, um die körperliche Leistungsfähigkeit wiederherzustellen und den Körper an die neue Situation anzupassen. In der Reha lernen die Patienten, ihre körperliche Belastbarkeit einzuschätzen, auf bestimmte Symptome zu achten und ihre Medikamente richtig einzunehmen.
Lesen Sie auch: Aortensklerose: Was Sie wissen müssen
Prognose
Eine unbehandelte Aortenklappenstenose kann lebensbedrohliche Folgen haben. Wird sie jedoch frühzeitig behandelt, bevor ein größerer Schaden am Herzen entsteht, ist die Prognose sehr gut.
Lesen Sie auch: Laura Papendick: Mehr als nur eine Moderatorin
tags: #sklerose #der #aortenklappe #trackid #sp