Die Sklerose der Prostata, oft im Zusammenhang mit einer gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH) diskutiert, ist ein Thema von wachsender Bedeutung für Männergesundheit. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und verschiedenen Behandlungsansätze, um ein umfassendes Verständnis dieser Erkrankung zu ermöglichen.
Einführung in die Prostata und ihre Funktion
Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, ist ein etwa kastaniengroßes Organ, das unterhalb der Blase liegt und den ersten Teil der Harnröhre bis zum Beckenboden umschließt. Ihre Hauptfunktion besteht in der Produktion eines Sekrets, das der Samenflüssigkeit beigemischt wird und zur Verbesserung der Spermienbeweglichkeit beiträgt. Die Prostata wandelt auch das männliche Geschlechtshormon Testosteron in seine biologisch aktive Form um, das Dihydrotestosteron (DHT).
Gutartige Prostatavergrößerung (BPH)
Ursachen und Risikofaktoren
Ab dem 40. Lebensjahr vergrößert sich die Vorsteherdrüse bei vielen Männern. Diese gutartige Vergrößerung der Prostata (benigne Prostatahyperplasie) ist die häufigste Ursache für Störungen beim Wasserlassen bei Männern. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird vermutet, dass eine Vermehrung verschiedener Zellarten der Prostata - der epithelialen und stromalen Prostatazellen - zur Entstehung eines Prostataadenoms führt. Hormonelle Veränderungen, insbesondere im Zusammenhang mit Testosteron, Dihydrotestosteron und Östrogen, könnten ebenfalls eine Rolle spielen. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen das Alter (ab ca. 50 Jahren steigt das Risiko deutlich), eine genetische Veranlagung und der Hormonhaushalt.
Weitere Risikofaktoren, auf die man teilweise Einfluss nehmen kann, sind:
- Ungesunde Ernährung, Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas)
- Metabolisches Syndrom: Übergewicht (Bauchfett), Bluthochdruck, erhöhte Blutfette und erhöhte Blutzuckerwerte (Diabetes).
Symptome
Eine Prostatavergrößerung verläuft oft lange beschwerdefrei. Im Anfangsstadium verursacht die Vergrößerung der Prostata keine Symptome. Ist die Prostatahyperplasie bereits fortgeschritten, klagen die Patienten vor allem über Beschwerden beim Wasserlassen. Zu den häufigsten Symptomen zählen:
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- Häufiges Wasserlassen (oft auch in sehr kleinen Mengen trotz Harndrangs)
- Nächtlicher Harndrang
- Schwacher oder unterbrochener Harnstrahl bis hin zum Harnverhalt
- Verzögertes Wasserlassen
- Schmerzen beim Wasserlassen
- Unvollständige Entleerung der Blase
- Nachträufeln
- Potenzstörung
Im schlimmsten Fall führt die Prostatahyperplasie zu einem Harnverhalt, bei dem die Blase des Patienten nicht mehr entleert werden kann.
Diagnose
Um eine erfolgreiche und zufriedenstellende Therapie der benignen Prostatahyperplasie zu gewährleisten, ist eine differenzierte Diagnostik wichtig. Hierzu können verschiedene diagnostische Möglichkeiten angeboten werden. Zudem kann auf die interdisziplinäre Kooperation mit anderen Kliniken zurückgegriffen werden, da als Ursachen von Beschwerden beim Wasserlassen auch internistische oder neurologische Erkrankungen in Frage kommen können.
Zu den diagnostischen Verfahren gehören:
- Anamnese: Ausführliche Besprechung der Beschwerden, einschließlich des IPSS-Scores (International Prostate Symptom Score) zur Einschätzung des Ausmaßes der Symptome.
- Urinanalyse: Untersuchung des Urins auf pathologische Bestandteile wie rote oder weiße Blutkörperchen, Eiweiß- und Zuckerausscheidung sowie auf mögliche Bakterien.
- Digital-rektale Untersuchung (DRU): Abtasten der Prostata über den Mastdarm, um Form, Konsistenz und Größe zu beurteilen.
- Ultraschalluntersuchung (Sonografie): Beurteilung der Nieren auf Form und Größe, Prüfung auf Harnstau und Nierensteine. Messung des Restharnvolumens nach der Entleerung der Blase. Beurteilung des Prostatavolumens und der Harnblase auf Tumoren/Papillome.
- PSA-Bestimmung: Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut, um zwischen gutartiger und bösartiger Prostatavergrößerung zu unterscheiden.
- Uroflowmetrie: Harnstrahlmessung zur Bestimmung der Harnflussrate und des Grades einer Harnabflussbehinderung.
- Urodynamik/Blasendruckmessung: Funktionsuntersuchung der Blase während der Füllung und während des Wasserlassens, um die Ursachen bzw. den Ausprägungsgrad der Blasenentleerungsstörung besser beurteilen zu können.
Therapie
Die Therapieentscheidung hängt von den individuellen Beschwerden des Patienten ab. Grundsätzlich kann bei den meisten Patienten zunächst eine konservative Therapie durchgeführt werden. Ab dem Stadium II nach Alken ist eine medikamentöse Therapie des benignen Prostatasyndroms jedoch häufig nicht ausreichend, die Beschwerden des Patienten befriedigend zu lindern bzw. die Folgeerscheinungen (Harnwegsinfekte, Blasensteinbildung, Nierenversagen) weisen in Richtung einer operativen Therapie.
Konservative Therapie
- Kontrolliertes Zuwarten: Bei milderen Beschwerden und geringem Komplikationsrisiko wird zunächst der Verlauf des Wachstums unter regelmäßigen Kontrollen beobachtet.
- Pflanzliche Präparate: Eine Vielzahl von pflanzlichen Wirkstoffen (Sägepalmenfrüchte, Brennnesselwurzeln, Kürbissamen, Roggenpollenextrakt) findet Anwendung in der Behandlung der benignen Prostatahyperplasie. Auch wenn die Wirkungsweise dieser Stoffe bisher nicht abschließend geklärt werden konnte und keine adäquate wissenschaftliche Studie zum Erfolg dieser Präparate vorliegt, kann eine Verbesserung des Beschwerdebildes durch die Gabe dieser Substanzen im Frühstadium bei einigen Patienten erzielt werden.
- Lebensstiländerungen: Anpassung des Lebensstils, wie z.B. Reduktion der Flüssigkeitsaufnahme vor dem Schlafengehen, Vermeidung von harntreibenden Substanzen (Kaffee, Alkohol).
Medikamentöse Therapie
- Alphablocker: Selektive α-Blocker sind die am häufigsten eingesetzten Medikamente in der Behandlung des BPS. Es handelt sich hierbei um Substanzen, die die Muskelzellen am Blasenhals und in der Prostata entspannen, somit den Auslasswiderstand der Blase erniedrigen und das Wasserlassen erleichtern. Eine Verkleinerung der Prostata wird dabei jedoch nicht erzielt. Ein großer Vorteil dieser Präparate ist der relativ schnelle Wirkeintritt nach wenigen Tagen, so dass schon nach kurzer Zeit beurteilt werden kann, ob eine adäquate Verbesserung der Symptome eintritt oder ob andere Therapievarianten notwendig sind.
- 5-Alpha-Reduktasehemmer: Diese Präparate erzielen ihre Wirkung über eine Verkleinerung der Prostata. Die Wirkung erfolgt durch eine Hemmung des Einflusses von männlichen Hormonen (Testosteron) auf die Prostata. Allerdings besteht bei diesen Präparaten ein verzögerter Wirkeintritt, so dass der Therapieerfolg in der Regel erst nach Wochen bis Monaten beurteilt werden kann.
- Kombinationstherapie: Es ist auch möglich, mit einer Kombination der Alphablocker und der 5-Alphareduktasehemmer zu behandeln. Es handelt sich aber bei beiden Medikamenten um eine Dauerbehandlung, die nur so lange wirkt, wie sie auch eingenommen wird. Es ist im Einzelfall abzuwägen, ob eine solche doppelte Medikamentenbehandlung auf Dauer sinnvoll ist.
- Anticholinergika: Mit den Anticholinergika werden die Muskarin-Rezeptoren in der Harnblasenwand gehemmt und damit der Detrusormuskel der Harnblase beruhigt.
- PDE5-Inhibitoren: PDE5-Inhibitoren werden bei der Erektilen Dysfunktion (Erektionsstörung) eingesetzt und entfalten eine Tonusvermiderung der Blasenhalsmuskulatur ähnlich wie die Alphablocker.
Operative Therapie
Für ein operatives Vorgehen beim benignen Prostatasyndrom kommen unterschiedliche Verfahren in Frage. Prinzipiell kann entweder eine transurethrale (über die Harnröhre) oder eine offen-chirurgische (mittels Bauchschnitt) Prostataoperation durchgeführt werden. Die offene Operation wird seit dem Einsatz der Laser-Technik in spezialisierten Zentren jedoch kaum noch angewendet.
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- Transurethrale Prostataresektion (TUR-P): Hierbei wird über ein durch die Harnröhre eingeführtes optisches Instrument das Prostatagewebe (Adenom) mit einer Schlingenelektrode mittels Hochfrequenzstrom reseziert. Das entfernte Prostatagewebe kann durch das Instrument geborgen und feingeweblich untersucht werden.
- Transurethale Prostatainzision (TUIP): Bei diesem operativen Eingriff erfolgt keine Resektion der Prostata sondern nur ein Einschneiden in das Prostatagewebe bzw. den Blasenhals. Dadurch wird eine Erweiterung der prostatischen Harnröhre am Blasenhals erzielt, was zu einer Verbesserung des Wasserlassens führt.
- Offen-chirurgische Adenomektomie: Die Prostata wird bei diesem Eingriff durch die Harnblase mit dem Finger aus ihrer Kapsel herausgeschält. Mit Einführung der Laser-Technologie wird dieses Verfahren nahezu nicht mehr angewandt.
- Holmiumlaser Enukleation der Prostata (HoLEP): Dabei werden die Prostatalappen auf der chirugischen Kapsel in retrograder Arbeitsweise gelöst und in die Blase abgeworfen. Kleine bis mittelgroße Gefäße werden beim „Enukleieren“ durch die abstrahlende Wärme der Laserfaser sofort verödet. Im letzten Schritt der Operation werden die Prostatalappen in der Blase zerkleinert (morzelliert) und abgesaugt.
- Verschiedene Laserverfahren (Koagulation, Vaporisation): Das Prostatagewebe wird durch Laserstrahlen zerstört oder abgetragen.
- Transurethrale Mikrowellentherapie (TUMT): Mikrowellen erhitzen das Prostatagewebe auf 70 Grad Celsius und zerstören es dadurch, was einen Verkleinerung der Prostata zur Folge hat.
- Prostata-Arterien-Embolisation (PAE): Bei dieser Art der Prostataembolisation wird eine sehr dünne Sonde (Mikrokatheter) über die Leistenarterie millimetergenau bildgesteuert in die Arterie der Prostata eingeführt, durch die winzige Kügelchen in die Arterie eingeschleust werden. Die Kügelchen drosseln die Durchblutung der Prostata; die Prostata schrumpft.
Chronische Prostatitis
Neben der gutartigen Prostatavergrößerung kann auch eine chronische Prostatitis zu Beschwerden im Bereich der Prostata führen.
Ursachen
Hierzu zählt neben der klassischen chronischen Prostatitis, die eindeutig auf das Konto von Bakterien geht, das sogenannte chronische Beckenschmerzsyndrom. Seine Symptome sind zwar ähnlich, aber es fehlen typische Hinweise auf eine bakterielle Infektion wie Entzündungszeichen im Blut. Von der Harnröhre aufsteigende Infektionen und Veränderungen der Prostata, die den Sekretabfluss behindern, können ausschlaggebend sein. Die Erkrankung kann daher rühren, dass beim Wasserlassen Urin in die Prostatakanälchen eintritt.
Symptome
Beide chronischen Erkrankungen verursachen diffuse Schmerzen oder zumindest unangenehme Gefühle im Beckenbereich. Häufig ist das Sexualleben beeinträchtigt, es kann zum Beispiel zu einer Erektionsschwäche oder schmerzhafter Ejakulation kommen. Von einer chronischen Form spricht man, wenn diese Beschwerden während eines halben Jahres wenigstens drei Monate lang bestehen.
Diagnose
Um dem Problem auf den Grund zu gehen, wird der Urologe die Prostata vom Mastdarm aus abtasten. Sicher wird eine Ultraschalluntersuchung gemacht, der Harnfluss gemessen und natürlich der Urin untersucht, und zwar vor und nach einer so genannten Prostatamassage.
Therapie
Zur Behandlung gibt es viele praktische Empfehlungen, aber für beide chronische Erkrankungsformen nur wenig wissenschaftliche Begründungen.
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- Medikamente: Als Medikamente kommen so genannte Alpha-Rezeptorenblocker in Frage, die vorwiegend auf die Prostata wirken und die auch bei einer gutartigen Prostatavergrößerung eingesetzt werden. Eines der Mittel ist Tamsulosin, auch wenn es für diesen Zweck in Deutschland nicht zugelassen ist. Wenn nachweislich eine bakterielle Entzündung besteht, wird meist zusätzlich ein Antibiotikum verordnet, das für die Prostata geeignet ist.
Blasenhalsstenose
Die Blasenhalsstenose ist eine Verengung des Blasenhalses, die hauptsächlich Männer, aber auch Frauen betrifft. Der Blasenhals ist der Übergangsbereich der Blase zur Harnröhre, in dem der innere Schließmuskel liegt.
Ursachen
Die Ursachen für eine Blasenhalsstenose sind vielfältig. Sie kann durch Narbenbildung nach Operationen, Verletzungen, Infektionen oder durch angeborene Anomalien entstehen. Bei Männern kann sie im Zusammenhang mit einer Prostatavergrößerung auftreten. Auch Strahlentherapie bei Krebsbehandlungen kann zu einer Blasenhalsverengung führen. Häufig wird eine Engstelle auch durch Verkrampfungen des inneren Schließmuskels hervorgerufen.
Symptome
Eine Blasenhalsstenose zeigt sich durch Probleme beim Start des Wasserlassens, einen abgeschwächten oder unterbrochenen Urinstrahl, das Gefühl einer unvollständigen Blasenentleerung und häufiges Urinieren, auch in der Nacht. In schweren Fällen kann es zu einem Harnverhalt kommen, bei dem sich die Blase nicht entleeren kann, was eine sofortige medizinische Behandlung erforderlich macht.
Diagnose
Die Diagnose einer Blasenhalsstenose erfolgt durch eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung, ergänzt durch spezialisierte diagnostische Verfahren. Eine Schlüsselrolle spielt die Uroflowmetrie (Harnstrahlmessung), bei der die Stärke und das Muster des Urinstrahls gemessen werden. Eine ergänzende Blasenspiegelung (Zystoskopie) ermöglicht die direkte Betrachtung des Blasenhalses und der Blase und sichert in der Regel die Diagnose.
Therapie
Die Behandlung der Blasenhalsstenose ist individuell und richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad. In einigen Fällen, besonders bei Verkrampfungen des inneren Schließmuskels, können Medikamente, die die Muskulatur des Blasenhalses entspannen, Linderung verschaffen. Bei höhergradigen oder narbigen Verengungen kann ein endoskopischer Eingriff erforderlich sein. Meist genügt es, den engen Ring an mehreren Stellen so einzuschneiden, dass er aufspringt. In seltenen Fällen ist es notwendig, das Gewebe mit einer elektrischen Schlinge abzutragen.
Wichtige Hinweise zur Vorsorge
Eine vergrößerte Prostata ist keine Krankheit, sondern ein altersbedingt natürlicher Vorgang. Probleme beim Wasserlassen sind keineswegs ein Indiz für bösartige Veränderungen des Prostatagewebes. Jeder gesetzlich Versicherte ab 45 Jahren hat Anspruch auf die Vorsorgeuntersuchung. Wurde in Ihrer Familie bereits Prostatakrebs diagnostiziert, sollten Sie ab dem 40. Lebensjahr zur Untersuchung.