Der Zusammenhang zwischen Sommergrippe, Zugluft und Nervenentzündung ist komplex und oft von Missverständnissen behaftet. Dieser Artikel beleuchtet die einzelnen Aspekte und versucht, die Verbindungen zwischen ihnen zu verstehen.
Mythos Zugluft: Was ist dran?
"Pass auf, dass du dir keinen Zug holst!" Dieser Satz ist vielen aus der Kindheit bekannt. Doch was steckt wirklich hinter der Angst vor Zugluft? Einige Menschen sind unempfindlich gegenüber Fahrtwind, während andere sofort mit Erkältungssymptomen oder einem verspannten Nacken reagieren.
Die Auswirkungen von Zugluft auf den Körper
Michael Wünning, Chefarzt in der Notaufnahme am Marienkrankenhaus in Hamburg, erklärt, dass Zugluft durchaus negative Auswirkungen haben kann. Der Körper versucht, eine konstante Betriebstemperatur aufrechtzuerhalten, um die Zellen vor Schäden zu schützen. Wenn Zugluft über einen längeren Zeitraum über bestimmte Körperstellen streicht, kann dies zu einer lokalen Abkühlung der Muskulatur führen.
Diese Abkühlung ist oft gering, sodass die normalen Sensoren für Hitze und Kälte nicht reagieren. Dennoch ziehen sich die Gefäße zusammen, die Muskeln werden schlechter durchblutet und verkrampfen. Dies kann eine Kaskade von Muskelschmerzen auslösen. Besonders gefährdet sind die Nackenmuskeln, da sie im Sommer oft unbedeckt sind. Da die Muskeln im Rücken miteinander verbunden sind, kann eine Verspannung im Nacken zu weiteren Schmerzen führen.
Der Arzt vergleicht diesen Effekt mit einem Klötzchenturm: Wenn ein Klötzchen entfernt wird, verändert sich die gesamte Statik. Ähnlich verhält es sich, wenn einzelne Muskeln verkrampfen.
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Zugluft und Erkältungskrankheiten
Zugluft kann auch die Schleimhäute im Hals austrocknen. Dadurch verlieren sie ihre Schutzfunktion gegen Viren und Bakterien, die dann leichter eindringen und Erkältungskrankheiten verursachen können. Diese werden um diese Jahreszeit oft unter dem Begriff "Sommergrippe" zusammengefasst.
Die "Sommergrippe": Mehr als nur eine Erkältung?
Die "Sommergrippe" ist ein umgangssprachlicher Begriff für Erkältungen, die im Sommer auftreten. Typische Symptome sind Halsschmerzen, Schnupfen, Kopfweh, Heiserkeit, Gliederschmerzen und erhöhte Temperatur bis hin zu Fieber. Es gibt keine klare Definition des Begriffs, aber im Wesentlichen handelt es sich um eine Erkältung, die durch Viren verursacht wird und die oberen Atemwege betrifft.
Ursachen der Sommergrippe
Die Ursache für eine Sommergrippe ist meist eine Infektion mit Viren, insbesondere Enteroviren wie Coxsackie- oder Echoviren. Diese werden oft über Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen. Begünstigende Faktoren sind:
- Klimaanlagen, die zu trockenen Schleimhäuten führen
- Kalte Getränke
- Feuchte Badekleidung
- Ständige Temperaturwechsel
- Starke Sonnenexposition
- Stress
- Wenig Schlaf
Symptome und Verlauf
Die Symptome einer Sommergrippe ähneln denen einer gewöhnlichen Erkältung: Halsschmerzen, trockener Reizhusten, Schnupfen, Müdigkeit und leichtes Fieber. Auch Glieder- oder Kopfschmerzen sind möglich. Manche Betroffene klagen zusätzlich über Magen-Darm-Beschwerden.
Die Inkubationszeit beträgt meist zwei bis fünf Tage, danach halten die Beschwerden etwa fünf bis sieben Tage an. Es ist wichtig, den Infekt nicht zu unterschätzen und dem Körper ausreichend Erholung zu gönnen.
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Behandlung und Vorbeugung
Bei einer Sommergrippe ist Ruhe das oberste Gebot. Ausreichend Schlaf, eine gesunde Ernährung und viel Flüssigkeit sind wichtig. Hausmittel wie Inhalationen, Ingwertee und Quarkwickel können die Beschwerden lindern.
Zur Vorbeugung sollten Sie:
- Regelmäßig die Hände waschen
- Zugluft und übermäßige Klimaanlagen vermeiden
- Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten
- Sich ausgewogen ernähren
- Genügend schlafen
- Sich regelmäßig im Freien bewegen
Nervenentzündung (Neuritis): Wenn Nerven verrückt spielen
Eine Nervenentzündung, auch Neuritis genannt, ist eine Entzündung der Nerven. Sie kann sowohl die Nerven im Körper (peripheres Nervensystem) als auch im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) betreffen.
Ursachen und Symptome
Die Ursachen für eine Nervenentzündung sind vielfältig und reichen von Infektionen über Verletzungen bis hin zu Autoimmunerkrankungen. Die Symptome richten sich danach, welche Nerven entzündet sind. Da der gesamte Körper mit Nerven durchzogen ist, können die Symptome prinzipiell überall auftreten.
Typische Symptome sind:
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- Schmerzen, insbesondere Nervenschmerzen (Neuralgie)
- Veränderte Gefühlswahrnehmungen (Missempfindungen, Taubheitsgefühl)
- Beeinträchtigung der Sinneswahrnehmungen (Sehstörungen, Schwerhörigkeit)
- Muskelschwäche oder Lähmungen
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose einer Nervenentzündung erfordert eine umfassende Anamnese und neurologische Untersuchung. Bildgebende Verfahren wie MRT und EEG können helfen, die Entzündung zu lokalisieren und andere Erkrankungen auszuschließen.
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Entzündung. Bei bakteriellen Infektionen kommen Antibiotika zum Einsatz, bei Autoimmunerkrankungen Immunsuppressiva. Gegen die Schmerzen werden Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente wie Kortison eingesetzt. In manchen Fällen sind auch operative Maßnahmen erforderlich.
Nervenentzündung und Gesichtslähmung
Eine besondere Form der Nervenentzündung ist die Fazialisparese, auch Gesichtslähmung genannt. Dabei ist der Gesichtsnerv (Nervus facialis) betroffen, der die Bewegung der meisten Gesichtsmuskeln steuert. Die Ursachen können vielfältig sein, unter anderem Entzündungen, Virusinfektionen (z.B. Herpes simplex oder Herpes Zoster), Borreliose oder auch Zugluft.
Typische Symptome sind:
- Einseitige Lähmung der Gesichtsmuskulatur
- Herabhängender Mundwinkel
- Unfähigkeit, das Auge vollständig zu schließen
- Geschmacksverlust
- Tränenfluss
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. In vielen Fällen heilt die Fazialisparese innerhalb von Wochen oder Monaten vollständig aus.
Trigeminusneuralgie
Eine weitere Form der Nervenentzündung im Gesichtsbereich ist die Trigeminusneuralgie. Dabei handelt es sich um eine Reizempfindlichkeit des Trigeminusnervs, der für die Sensibilität im Gesicht zuständig ist. Typisch sind plötzlich einschießende, elektrisierende Schmerzen im Gesicht, die nur Sekunden andauern. Auslöser können Berührungen, Luftzug, Kälte, Sprechen, Kauen oder Zähneputzen sein. Die Behandlung umfasst Schmerzmittel, Nervenblockaden und in manchen Fällen auch Operationen.
Der Zusammenhang: Wie alles zusammenhängt
Obwohl Sommergrippe, Zugluft und Nervenentzündung unterschiedliche Erkrankungen sind, gibt es durchaus Zusammenhänge.
- Zugluft kann die Schleimhäute austrocknen und das Immunsystem schwächen, was das Risiko für eine Sommergrippe erhöht.
- Zugluft kann auch zu Muskelverspannungen führen, die Nerven reizen und so Nervenschmerzen auslösen können.
- Bestimmte Virusinfektionen, die eine Sommergrippe verursachen können, können auch Nervenentzündungen auslösen, wie z.B. die Fazialisparese durch Herpesviren.
- Stress, der oft mit einem geschwächten Immunsystem einhergeht, kann sowohl das Risiko für eine Sommergrippe als auch für Nervenentzündungen erhöhen.
Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass nicht jede Erkältung im Sommer durch Zugluft verursacht wird und nicht jede Nervenentzündung auf eine Sommergrippe zurückzuführen ist. Die Zusammenhänge sind komplex und individuell unterschiedlich.
Was kann man tun?
Um das Risiko für Sommergrippe, Muskelverspannungen und Nervenentzündungen zu reduzieren, können Sie folgende Maßnahmen ergreifen:
- Vermeiden Sie Zugluft: Achten Sie auf eine angemessene Kleidung und vermeiden Sie es, sich längere Zeit im Luftzug aufzuhalten.
- Stärken Sie Ihr Immunsystem: Achten Sie auf eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung.
- Reduzieren Sie Stress: Sorgen Sie für ausreichend Entspannung und Ausgleich im Alltag.
- Beachten Sie die Hygiene: Waschen Sie regelmäßig Ihre Hände, um die Übertragung von Viren zu vermeiden.
- Gehen Sie bei Beschwerden zum Arzt: Lassen Sie sich bei anhaltenden oder starken Beschwerden von einem Arzt untersuchen, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung zu erhalten.
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