Soziale Medien: Auswirkungen auf das Gehirn – Eine umfassende Analyse

Fast fünf Milliarden Menschen weltweit nutzen soziale Medien, internetbasierte Kanäle, die es den Nutzern ermöglichen, zu interagieren und sich zu präsentieren, entweder in Echtzeit oder asynchron. Diese Plattformen sind aus verschiedenen Gründen attraktiv, darunter der Aufbau von sozialem Kapital und die Kommunikation über große Entfernungen. Die Nutzung von Social Media erfüllt das Grundbedürfnis nach sozialer Interaktion und erzeugt Gratifikation in hedonischer und utilitärer Form. Soziale Netzwerke unterscheiden sich in ihrem Design und sprechen je nach Angebot unterschiedliche Nutzergruppen an. Viele Menschen haben mehrere Social-Media-Anwendungen auf ihren Smartphones installiert, was die Untersuchung einzelner Plattformen erschwert. Variablen wie Geschlecht und Alter können jedoch Aufschluss darüber geben, wer welche Plattform nutzt. Instagram-Nutzer sind tendenziell jünger, und Frauen sind etwas häufiger auf diesen Plattformen anzutreffen als Männer.

Die Vielschichtigkeit sozialer Netzwerke

Soziale Netzwerke im Internet variieren stark in ihrem Design und ihren Funktionen, was dazu führt, dass sie unterschiedliche Nutzergruppen anziehen. Die Vielfalt der Plattformen ermöglicht es den Nutzern, je nach ihren Interessen und Bedürfnissen verschiedene Netzwerke zu nutzen. Es wurde festgestellt, dass viele Menschen mehrere Social-Media-Anwendungen auf ihren Smartphones installiert haben, was die Analyse der Auswirkungen einzelner Plattformen erschwert. Faktoren wie Geschlecht und Alter spielen jedoch eine Rolle bei der Nutzung bestimmter Plattformen. Beispielsweise sind Instagram-Nutzer im Durchschnitt jünger, und Frauen sind tendenziell häufiger in sozialen Netzwerken aktiv als Männer.

Wohlbefinden und soziale Medien: Ein komplexes Zusammenspiel

Die Auswirkungen der Nutzung sozialer Medien auf das Wohlbefinden sind seit langem Gegenstand der Forschung. Entgegen der früheren Annahme, dass längere Nutzungszeiten automatisch zu einem geringeren Wohlbefinden führen, hat sich die Forschungslage als komplexer herausgestellt. Die passive Nutzung sozialer Medien, bei der sich Nutzer berieseln lassen, scheint schädlicher zu sein als die aktive Interaktion mit anderen Nutzern. Allerdings ist auch hier die Studienlage nicht eindeutig.

Passive vs. Aktive Nutzung

Die Forschung deutet darauf hin, dass die Art und Weise, wie soziale Medien genutzt werden, einen wesentlichen Einfluss auf das Wohlbefinden hat. Die passive Nutzung, bei der Nutzer Inhalte konsumieren, ohne aktiv zu interagieren, kann negative Auswirkungen haben. Im Gegensatz dazu kann die aktive Interaktion mit anderen Nutzern, wie z. B. das Kommentieren, Teilen und Posten von Inhalten, positive Auswirkungen haben. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass auch die aktive Nutzung negative Folgen haben kann, z. B. Cyberbullying und sozialer Vergleich.

Soziale Medien und Sucht: Eine wachsende Besorgnis

Eine zentrale Frage im Zusammenhang mit sozialen Medien ist, ob sie süchtig machen können. Die Soziale-Netzwerk-Nutzungsstörung ist zwar noch nicht offiziell von der WHO anerkannt, aber eine exzessive Nutzung kann festgestellt werden, wenn der Konsum reduziert werden soll, dies aber nicht gelingt, oder wenn soziale Netzwerke trotz negativer Erfahrungen weiterhin exzessiv genutzt werden und andere Lebensbereiche vernachlässigt werden. Funktionelle Beeinträchtigungen müssen ebenfalls vorliegen, um von einem suchtähnlichen Verhalten zu sprechen.

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Anfälligkeit für Übernutzung

Neue Zahlen deuten darauf hin, dass besonders Jugendliche anfällig für suchtähnliche Verhaltensweisen sind. Eine Meta-Analyse ergab, dass Jugendliche in den untersuchten Stichproben mit 35 Prozent höhere Prävalenzen aufweisen als Studierende (23 Prozent) und Erwachsene (19 Prozent). Dies könnte daran liegen, dass ihr präfrontaler Kortex noch nicht vollständig ausgereift ist, was die Selbstregulation erschwert. Darüber hinaus hat die Tech-Industrie über Jahre hinweg immersive Plattformen entwickelt, die darauf abzielen, Onlinezeiten zu erhöhen, um den digitalen Fußabdruck des Nutzers zu maximieren.

Design-Mechanismen und soziale Belohnung

Die Tech-Industrie setzt AB-Tests ein, um herauszufinden, welche Design-Elemente die Nutzer am längsten auf den Plattformen halten. Ein Beispiel ist der Vergleich einer Plattform mit und ohne Like-Button. Das Liken wirkt als soziale Belohnung, und in Erwartung dieses positiven Gefühls kehren die Nutzer immer wieder auf die Plattformen zurück. Mithilfe bildgebender Verfahren wurde nachgewiesen, dass gelikte Bilder das Belohnungssystem des Gehirns anregen, insbesondere bei Jugendlichen.

Neurowissenschaftliche Erkenntnisse

Neurowissenschaftliche Studien über die Social-Media-Nutzung sind noch rar gesät. Besser erforscht sind die exzessive Smartphone-Nutzung und ihre Auswirkungen auf Struktur und Funktion des Gehirns. Die Forschung steckt hier noch in den Kinderschuhen, aber es ist wichtig, den Einfluss sozialer Medien neurobiologisch besser zu verstehen, auch im Sinne des Jugendschutzes.

Schattenseiten sozialer Medien

Psychologische Studien legen nahe, dass Jugendliche besonders vor den Schattenseiten sozialer Medien geschützt werden müssen. Dazu gehören Essstörungen, die durch den Übermaß an geschönten Körperbildern auf bildgebenden Plattformen entstehen können, sowie Cyberbullying und Cybergrooming. Wenn Angebote der sozialen Netzwerke auf Datengeschäftsmodellen beruhen, können sie nicht nur die Online-Zeit verlängern, sondern auch den Verlust der Privatsphäre nach sich ziehen oder zu Opfern von Missinformationskampagnen führen.

Hirnaktivität und soziale Medien

Eine Langzeitstudie mit Jugendlichen, die häufig in sozialen Netzwerken unterwegs sind, zeigte in der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) eine verstärkte Aktivierung von bestimmten Hirnarealen. Dies deutet darauf hin, dass die häufige Nutzung einen "Trainingseffekt" im Gehirn erzielt. Ob dies Vor- oder Nachteile für die Teenager hat, ist jedoch noch unklar.

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Empfehlungen für einen gesünderen Umgang mit sozialen Medien

Um die potenziellen negativen Auswirkungen sozialer Medien zu minimieren, werden folgende Empfehlungen gegeben:

  1. Intensivierung der neurowissenschaftlichen Forschung: Die Forschung rund um die Social-Media-Nutzung muss intensiviert und besser finanziert werden.
  2. Einhaltung von Mindestaltersgrenzen: Es wird für das Einhalten bestehender Mindestalter plädiert, um soziale Medien nutzen zu dürfen. Ein solcher Nachweis sollte mittels eines Ausweises oder einer Einverständniserklärung der Eltern erbracht werden.
  3. Intensivierung der Medienerziehung: Jungen Menschen müssen die positiven wie negativen Seiten sozialer Netzwerke vermittelt werden.
  4. Öffnung der Schnittstellen: Die Tech-Industrie muss ihre Schnittstellen zu den Plattformen öffnen oder offenhalten, damit unabhängige Wissenschaftler untersuchen können, was genau auf den sozialen Netzwerken passiert.

Diese Empfehlungen beziehen sich auf aktuelle soziale Netzwerke, die auf dem Datengeschäftsmodell beruhen. Wenn es künftig soziale Netzwerke gibt, in denen die Nutzenden, vor allem jüngere Menschen, mehr Schutz erfahren und die Betonung auf SOZIAL liegt, ist es an der Zeit, sie zu überarbeiten - auch vor dem Hintergrund neuer Forschungsbefunde.

Die Auswirkungen auf das Gehirn: Fünf erstaunliche Fakten

Soziale Medien haben nicht nur einen enormen Einfluss auf unser soziales Leben, auf politische und gesellschaftliche Prozesse, sondern beeinflussen sogar unseren Körper selbst. Hier sind fünf erstaunliche Fakten, wie die Social-Media-Nutzung bereits jetzt das Gehirn verändern kann:

  1. Soziale Medien können süchtig machen: 5-10 Prozent der Internet- und Social-Media-Nutzer können nicht mehr kontrollieren, wie viel Zeit sie online verbringen. Das Internet kann genauso süchtig machen wie Drogen, und das Verlangen nach Social Networks kann größer sein als das nach Nikotin oder Alkohol. Die Online-Sucht ist zwar eine psychische Abhängigkeit, aber das Gehirn wird auf ähnliche Weise verändert. Vor allem in den Gehirnteilen, die emotionale Verarbeitung, Aufmerksamkeitsspanne und Entscheidungsfindung kontrollieren, reduziert sich der Anteil an weißer Substanz.
  2. Das Gehirn kann Unterbrechungen und Ablenkungen schlechter widerstehen: Häufiger Social-Media-Gebrauch kann die Multitasking-Fähigkeiten verkümmern lassen. Das Gehirn kann schlechter Ablenkungen und Unwichtiges ausfiltern und merkt sich Dinge auch schlechter.
  3. Das Phantom-Vibrationen-Syndrom: Betroffene bilden sich ein, den Vibrationsalarm oder das Klingeln des Telefons wahrzunehmen, obwohl niemand anruft. In einer amerikanischen Studie behaupteten 98 Prozent der starken Social-Media-Nutzer, dass ihnen das mindestens einmal die Woche passieren würde.
  4. Dopamin-Freisetzung: Während wir Soziale Medien nutzen, wird die Dopamin-Freisetzung in unserem Gehirn erhöht. Social-Media-Nutzer werden besonders stark vom Gehirn belohnt, wenn sie ihre eigenen Gedanken darlegen.
  5. Beziehungsprobleme: Ein starker Konsum von Sozialen Medien führt häufig auch zu Problemen in der Beziehung. Eine Studie fand heraus, dass 21 Prozent der Teilnehmenden bereits einmal eine Affäre über ein soziales Medium begonnen hatten.

Die Rolle der Medienerziehung

Die Medienerziehung durch Elternhäuser und Schulen muss intensiviert werden. Es ist wichtig, jungen Menschen die positiven wie negativen Seiten sozialer Netzwerke zu vermitteln. Dazu gehört auch die Förderung eines verantwortungsvollen Umgangs mit digitalen Medien und die Vermittlung von Medienkompetenz.

Empfehlungen für Eltern

Experten empfehlen, die Bildschirmzeit für Kinder je nach Alter zu begrenzen. Kinder unter drei Jahren sollten möglichst gar keine Zeit vor Bildschirmen verbringen. Für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren sind maximal 30 Minuten pro Tag angemessen, und Grundschulkinder zwischen sechs und neun Jahren sollten höchstens 45 Minuten täglich vor dem Bildschirm verbringen. Eltern sollten ihre Kinder beim Einstieg in Social Media begleiten, Regeln zur Privatsphäre festlegen und auf unangemessene Inhalte vorbereiten.

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