Dopamin-Effekte in sozialen Netzwerken: Eine umfassende Analyse

Einführung

Soziale Netzwerke sind ein fester Bestandteil unseres Lebens geworden, bieten aber auch Anlass zur Sorge. Die digitale Mediennutzung steigt in allen Altersklassen und beeinflusst unser Verhalten. Längst ist das Nutzerverhalten zum Studienobjekt geworden, und die Ergebnisse sind teilweise alarmierend. Dieser Artikel beleuchtet die Dopamin-Effekte, die durch die Nutzung sozialer Netzwerke ausgelöst werden, und untersucht die potenziellen Auswirkungen auf unsere Psyche, unser Verhalten und unsere Gesellschaft.

Was ist Dopamin und wie wirkt es?

Dopamin ist ein Nervenbotenstoff (Neurotransmitter), der aus Phenylalanin oder Tyrosin synthetisiert wird und natürlicherweise im Körper vorkommt. Es beeinflusst unsere Emotionen und kann positive oder negative Gefühle verstärken. Ein angemessener Dopaminspiegel ist wichtig für ein ausgeglichenes emotionales Wohlbefinden. Dopamin spielt auch eine Rolle bei der Steuerung von Bewegungen und der Koordination von Muskelaktivitäten. Auf diese Weise beeinflusst es unsere Entscheidungen. Dopamin hat auch einen großen Einfluss auf die Stimmung, das Wohlbefinden und die Motivation des Menschen. Deshalb wird es auch Glückshormon genannt. Es wird ausgeschüttet, wenn wir etwas Angenehmes erleben, zum Beispiel ein leckeres Essen, ein Kompliment oder ein erreichtes Ziel. Aber auch soziale Interaktionen führen zur Ausschüttung.

Dopamin ist weit mehr als nur das „Glückshormon“ - es hat unter anderem Einfluss auf Bewegungsabläufe und ist der zentrale Motor für Motivation, Zielverfolgung und Belohnungserwartung. Es beeinflusst unser Verhalten tiefgreifend, indem es bestimmt, wie wir Antrieb, Lust und Frustration erleben.

Dopamin als Motivator und "innerer Kompass"

Während das Gefühl der Freude oder Lust - das sogenannte „Liking“ - vor allem durch endogene Opioide vermittelt wird, ist Dopamin für das „Wanting“ zuständig. Es erzeugt eine motivierende Bedeutung für bestimmte Reize und legt die Grundlage für die Belohnungserwartung. Diese Erwartung fungiert als Antrieb, aktiv nach einem Ziel zu streben. Dopamin wirkt dadurch als innerer Kompass, der mitunter durch das mesolimbische System, bestehend aus Nucleus accumbens, präfrontalem Cortex und Amygdala, den Weg zu Zielen weist und Motivation erzeugt. Bereits die Vorstellung einer Belohnung, wie etwa einer köstlichen Mahlzeit, kann Dopamin freisetzen und das Gehirn auf die erwartete Belohnung vorbereiten. Wird diese Erwartung erfüllt, bleibt die neuronale Aktivität stabil. Dopamin wird tonisch (langsam) freigesetzt, während eine unerwartet hohe Belohnung die Dopaminaktivität phasisch (sprunghaft) steigert. Dabei gilt: je unsicherer es ist, dass der Hinweisreiz tatsächlich eine Belohnung ankündigt, desto größer ist die Dopaminantwort. Unerwartete Belohnungen steigern nicht nur die momentane Freude, sondern prägen auch die zukünftige Motivation, ähnliche Reize erneut anzustreben. Dopamin ist damit nicht nur ein Signalgeber für Belohnung, sondern ein zentraler Akteur in der Dynamik des motivierten Handelns.

Dopamin-Ausschüttung in sozialen Netzwerken

Auch bei der Nutzung digitaler Medien wird Dopamin ausgeschüttet. Likes, Kommentare und Freundschaftsanfragen lösen eine Dopaminausschüttung aus und verstärken den Wunsch nach weiteren Interaktionen. So können Menschen in einen Kreislauf der Dauernutzung geraten, um weitere Belohnungen zu erhalten. Soziale Belohnungen: In Sozialen Medien wird eifrig geliked, geteilt und kommentiert. Positive Reaktionen, die sich direkt auf das Belohnungssystem im Gehirn auswirken, das kräftig das Glückshormon Dopamin ausschüttet: Du fühlst dich gut. Schwierig wird es allerdings, wenn deine gute Stimmung sich nur noch mithilfe dieser sozialen Bestätigung einstellt, oder wenn deine Selbstwahrnehmung direkt an Likes und Kommentare gekoppelt ist und du nicht mehr ohne diese Bestätigung sein kannst.

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Gewisse Verhaltensweisen und Substanzen wie Glücksspiel, Social Media oder bestimmte Nahrungsmittel sind „Dopamin-Beschleuniger“. Sie geben dem Gehirn einen schnellen, unnatürlichen Dopamin-Kick und führen dazu, dass diese Aktivitäten wiederholt werden. So kann Dopamin zur Sucht verleiten. Es ist der „Kick“, der an den Spielautomaten zurückzieht oder in der Hoffnung auf eine neue Benachrichtigung zum Smartphone greifen lässt. Der Unterschied zwischen natürlichen Verstärkern und suchterzeugenden Substanzen besteht darin, dass letztere eine Dopaminfreisetzung im mesolimbischen System induzieren, selbst wenn die Wirkung vorhersehbar ist und die Belohnung wie erwartet ausfällt.

Diese Aktivitäten führen zu schnellen Dopamin-Kicks, die dazu motivieren, immer wieder mit Inhalten zu interagieren. Der Aufbau dieser Plattformen setzt bewusst auf sogenannte variable Belohnungssysteme, bei denen Nutzer nicht genau wissen, wann oder wie eine Belohnung - etwa ein Like oder Kommentar - erfolgt. Diese Unvorhersehbarkeit steigert die Dopaminausschüttung und sorgt dafür, dass die Rückkehr ans Smartphone begehrenswerter und das Scrollen verlängert wird.

Die Dopamin-Falle des Scrollens

Ein weiteres Element, das die Bindung an das soziale Netzwerk sicherstellt, operiert auf Basis der Ausbeutung menschlicher Neugierde. Alle Timelines oder Newsfeeds zeigen den Nutzern, sooft sie den Bildschirm durch Wischen oder Scrollen verändern, einen aufgrund gesammelter und aus anderen Diensten zusammengeführten Daten errechneten und optimierten Inhalt. Die so potenziell ins Endlose fortsetzbare Tätigkeit des Scrollens wird zur Dopamin-Falle, die wie Kokain wirkt, sodass nicht nur scheinbar optimale Inhalte, sondern auch jeweils entsprechende Werbeinhalte eingestreut werden können. Die physische Bewegung des Scrollens und Wischens ist der Ästhetik und Wahrnehmung von Glücksspielautomaten nachempfunden.

Negative Auswirkungen von Social Media auf die Psyche

Vor allem auf Kinder wirken die Anwendungen wie Drogen. Problematisch ist vor allem die Langzeitwirkung, die zur so genannten Anhedonie führt, der Unfähigkeit, Freude und Lust zu empfinden.

Ständig flirrt es vor den Augen - neue Bilder, neue Kommentare, neue Kontakte. Du musst lesen, verarbeiten, reagieren. Diese Reizüberflutung kostet Zeit und Energie und wirkt sich auf das Gehirn aus - auch wenn du es erstmal gar nicht merkst. Denn Soziale Medien haben Eigenschaften, die etwa suchtfördernd wirken, deine Psyche beeinflussen und im schlimmsten Falle können sie sogar krank machen, Angstzustände oder Depressionen auslösen.

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Dopamin-Toleranz und Suchtpotenzial

Diese schnelle Befriedigung hat ihren Preis: Häufige Dopamin-Kicks durch soziale Medien führen dazu, dass das Gehirn sich daran gewöhnt und mehr Stimulation braucht, um das gleiche Hochgefühl zu erleben - ein Effekt, der als Dopamin-Toleranz bekannt ist. Eine aktuelle Studie zeigt zudem, dass intensivere Nutzung sozialer Apps mit einer geringeren Dopamin-Synthesekapazität im Gehirn zusammenhängt. Dies könnte erklären, warum Personen Social-Media immer exzessiver nutzen, um das Defizit auszugleichen.

Macht Social Media süchtig? Bisher gibt es noch keine einheitliche Kategorisierung von Social-Media-Sucht in der Klassifikation psychiatrischer Erkrankungen. Dies ist jedoch ein wichtiger Schritt, um das Ausmaß des Problems sichtbar zu machen und therapeutische Angebote zu gestalten. Eines ist sicher: Die Entwicklerinnen der Apps setzen gezielt Mechanismen ein, um unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen. Dass vor allem zufällige Belohnungen zu einer Verhaltensverstärkung führen, nennt man in der Psychologie „intermittierende Verstärkung“. Lernen funktioniert am besten, wenn wir eine gute Mischung aus Erfolgserlebnissen und Pausen haben. Genau so ist der Algorithmus programmiert. Wir wissen nie, was passiert, das hält die Spannung hoch und wenn zwischendurch weniger spannende Beiträge in den Feed gespült werden, ist die Dopaminausschüttung beim nächsten passenden Beitrag umso höher.

Weitere psychische Auswirkungen

  • Negativ-Scrolling ohne Stopp (Doomscrolling): Werden wir zunehmend mit schlechten Nachrichten konfrontiert und kommen von diesen nicht mehr los, kann sich das negativ auf die Psyche auswirken. Dies kann in Form von Angstzuständen oder schlechter Stimmung auftreten.
  • Selbstdarstellung und unrealistische Schönheitsideale: In sozialen Netzwerken zeigen sich viele Menschen von ihrer besten Seite - oft inszeniert, bearbeitet und gefiltert. Das vermittelt ein unrealistisches Bild vom echten Leben. Filter und bearbeitete Fotos setzen häufig unrealistische Maßstäbe, die vor allem Jugendliche unter Druck setzen. Die unerreichbaren Schönheitsideale können dann wiederum negative Auswirkungen auf das eigene Wohlbefinden und Selbstwertgefühl haben.
  • Filterblase: Algorithmen zeigen überwiegend Inhalte, die zur eigenen Meinung passen oder bei denen wir lange verweilen - so kann eine einseitige Sicht auf die Welt entstehen. Wird man diese nicht mehr los, kann es sich zudem negativ auf die Psyche auswirken.
  • Cybermobbing: In der Anonymität der sozialen Netzwerke kommt es immer wieder zu Beleidigungen, Ausgrenzung oder Hasskommentaren - vor allem Kinder und Jugendliche sind hiervon betroffen.
  • Beziehungen: Die Nutzung von Social Media kann auch Auswirkungen auf unsere realen Beziehungen haben. Durch das Verweilen im digitalen Raum vernachlässigen manche Nutzende ihre realen Freundschaften. In Partnerschaften kann Eifersucht zum Problem werden, wenn der oder die Andere immer am Bildschirm klebt.
  • Das Phantom-Vibrationen Syndrom (auch Vibranxiety oder Handy-Syndrom genannt): Die Betroffenen bilden sich ein, den Vibrationsalarm oder das Klingeln des Telefons wahrzunehmen, obwohl niemand anruft.

Positive Auswirkungen von Social Media

Du hast jetzt zwar viel über Social Media und die negativen Auswirkungen gelesen - aber nicht alles ist nur schlecht. Social Media bietet auch zahlreiche Vorteile. Mit dem richtigen Nutzungsverhalten können soziale Netzwerke eine wertvolle Bereicherung im Alltag sein und die Zufriedenheit sogar erhöhen:

  • Vernetzung und Kommunikation: Social Media verbindet Menschen weltweit. Menschen können ihre Talente zeigen, neue Hobbys entdecken oder sich inspirieren lassen.
  • Karrierechancen: Social Media ist längst ein wichtiger Teil der beruflichen Entwicklung. Von der Jobsuche über Networking bis hin zu Personal Branding - wer sich gezielt präsentiert, kann beruflich profitieren.

Tipps für einen gesunden Umgang mit Social Media

Was tun? Das Wissen um die Mechanismen digitaler Medien ist ein wichtiger Schritt für einen gesunden und selbstbestimmten Umgang. Viele Nutzerinnen sind mit ihrer Nutzung unzufrieden, schaffen es aber selbst nicht, den Konsum zu reduzieren. Das liegt nicht an mangelnder Selbstkontrolle. Die Entwicklerinnen verdienen ihr Geld mit unserer Zeit. Frag dich, ob du willst, dass andere mit deiner Zeit Geld verdienen. Die Reflexion des eigenen Konsums ist ein weiterer wichtiger Schritt.

Mit ein paar einfachen Strategien lässt sich Social Media bewusster und gesünder nutzen - damit die Vorteile sowie der Spaß daran überwiegen und uns das Eintauchen in die Social Media-Kanäle nicht krank macht:

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  • Nutzungszeiten begrenzen: Setze dir feste Zeiten oder nutze Apps, die deine Bildschirmzeit tracken und dich an Pausen erinnern.
  • Bewusst konsumieren: Folge Accounts, die dich inspirieren oder informieren - und entfolge Profilen, die dich stressen oder negativ beeinflussen.
  • Vergleiche hinterfragen: Erinnere dich regelmäßig daran, dass Social Media oft nur eine geschönte Momentaufnahme zeigt - nicht das echte Leben.
  • Digitale Pausen einlegen: Plane regelmäßig Zeiten ohne Social Media ein - besonders vor dem Schlafengehen oder direkt nach dem Aufwachen.
  • Filter und Algorithmen durchschauen: Mache dir bewusst, dass viele Inhalte gezielt ausgewählt werden, um dich möglichst lange auf der Plattform zu halten.
  • Echte Kontakte pflegen: Setze bewusst auf reale Begegnungen und Gespräche außerhalb der digitalen Welt.
  • Bei Belastung Hilfe suchen: Wenn du merkst, dass Social Media-Kanäle dich dauerhaft stressen oder dein Wohlbefinden beeinträchtigen, sprich mit Vertrauenspersonen oder hol dir professionelle Unterstützung.

Social Media Detox

Viele von uns sind der Meinung, zu viel Zeit mit Social Media zu verbringen. Doch oft ist es schwer, die Willenskraft aufzubringen, um sich von den Plattformen fernzuhalten. Laut der US-amerikanischen Psychiaterin Anna Lembke macht Medienkonsum auf dieselbe Weise abhängig wie Drogen. Wenn wir Social Media nutzen, laufen im Gehirn ähnliche Prozesse ab wie beim Drogenrausch. Das Gehirn ist darauf ausgerichtet, die Dopaminausschüttung im Gleichgewicht zu halten. Indem wir endlos durch unsere Social Media-Feeds scrollen, stören wir dieses Gleichgewicht. Um dem entgegenzuwirken, drosselt das Gehirn die Produktion von Dopamin oder verlangsamt seine Aufnahme. Um dem Gehirn die Möglichkeit zu geben, den gestörten Dopaminkreislauf neu aufzubauen und wieder in gesunde Bahnen zu lenken, muss man diesen Kreislauf unterbrechen.

Laut der Epidemiologin Paige Coyne gibt es keine allgemeingültige Regel, wie so ein Detox zu gestalten ist. Wenn man seine eigene Social Media-Nutzung reduzieren will, sei es wichtig, sich realistische Ziele zu stecken. Um das Gehirn neu zu verdrahten, sollte man sich Lembke zufolge von sozialen Medien so lang wie möglich fernhalten - ideal seien mindestens vier Wochen. Doch auch kurze Pausen können für die mentale Gesundheit zuträglich sein.

Egal, ob man sich ganz on Social Media löst, ein paar Wochen abstinent bleibt oder die tägliche Nutzungszeit reduziert: Die ersten Tage sind die schwersten. Während das Gehirn sich an die geringe Dopaminausschüttung gewöhnt, kann es laut Lembke zu Entzugserscheinungen wie einem erhöhten Verlangen und Angstzuständen kommen. Diese unangenehmen Gefühle muss man aushalten, wenn man den Teufelskreis aus Sucht und Konsum durchbrechen möchte.

Nach der Detox-Phase ist es laut Lembke wichtig, klare Regeln für den Social Media-Konsum aufzustellen, damit man nicht wieder in alte Muster verfällt. Um das Belohnungssystem des Gehirns im Gleichgewicht zu halten, sollte man sich für Aktivitäten entscheiden, die statt dem schnellen Dopamin-Kick ein langanhaltendes Gefühl der Belohnung hervorrufen. Expert*innen empfehlen zudem, über das Jahr verteilt regelmäßige Phasen der Social Media-Abstinenz einzuplanen.

Natürliche Dopamin-Booster

Um die körpereigene Dopaminproduktion auf natürlichem Weg zu steigern, gibt es zahlreiche effektive Methoden. Bewegung wie Tanzen, Krafttraining oder Ausdauersport aktiviert das Belohnungssystem. Meditation, Yoga und kreative Tagträume fördern mentale Klarheit und Wohlbefinden. Musik, sinnliche Erfahrungen und das bewusste Erleben von Flow-Zuständen durch volle Konzentration auf eine Aufgabe verstärken den Dopamin-Ausstoß. Auch außergewöhnliche Erlebnisse wie Abenteuer oder Reizwechsel können das Glücksgefühl steigern. Eine ausreichende Versorgung mit L-Tyrosin sowie Cofaktoren wie Vitamin B6, Zink und Eisen ist essenziell für die Aufrechterhaltung eines gesunden Dopaminspiegels.

Die Rolle von Big Data und Algorithmen

Die erste fundamentale Veränderung vollzog sich also, als das Internet zunächst immer mehr Aspekte des Lebens zu absorbieren lernte und diese Datenströme dann dauerhaft und schnell auswertbar gespeichert werden konnten. Die Netzwerke entwickelten nicht nur Features, um ihre Nutzer bei der Stange zu halten, immer mehr Zeit online zu verbringen und immer mehr digitale Inhalte zu konsumieren, wofür sie das Wort engagement, also Nutzer-Bindung, verwendeten; vielmehr bauten sie ihre Netzwerkdienste auf menschlichen Grundbedürfnissen wie Anerkennung und Glück auf, aber sie triggerten Interaktionen in den Netzwerken auch, indem sie Gefühle wie Wut und Neid ausbeuteten. indem sie soziale Anerkennung per Algorithmus verweigern.

Ein personengenauer Zuschnitt des Erfahrungsraums eines sozialen Netzwerks ermöglicht die umfassende Verknüpfung von individuellen Nutzerdaten und ihre Korrelation mit ähnlichen Persönlichkeitsprofilen, die aus Millionen von Nutzeraktivitäten zusammengetragen worden sind: Eine graduelle Verhaltensänderung von Individuen und Gesellschaften geschieht daher nicht aufgrund einer drakonischen Disziplinierung, sondern aufgrund eines Wissensvorsprungs. Die Algorithmen der sozialen Netzwerke verstärken oft das Schlechteste, vielleicht auch Dümmste im menschlichen Verhalten, weil es faszinierender ist als das Artige und Gesittete.

Jaron Lanier erklärt, dass die ständige Erfahrung der Nutzer von sozialen Medien, permanent und suchtbedingt in einem halb nachvollziehbaren, halb überraschenden Umfeld zu sein, nach und nach eine unterbewusste Paranoia erzeugt und bei Intensivnutzern von sozialen Medien zum Realitäts- und Vertrauensverlust führt.

Soziale Medien als "größtes Experiment der Menschheitsgeschichte"

Die Nutzung sozialer Medien ist „das größte Experiment der Menschheitsgeschichte“. Das sind fast 14 Prozent der Weltbevölkerung. Hirnscans zeigen, dass es unter anderem eine erhöhte Aktivität im Striatum gibt. Das ist ein Bereich im Gehirn, der oft als Teil des Motivations- und Lernsystems angesehen wird. Daher vermuten wir, dass es zu einer Ausschüttung von Dopamin kommt, wenn Sie ein Bild oder Video liken.

Mehr als die Hälfte der Menschen kommunizieren öfter online miteinander als im wirklichen Leben. Natürlich hat das Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, die Politik und die Medien. Aber hat es auch Effekte auf unseren Körper, unser Gehirn? Es ist wirklich erstaunlich: 5-10 Prozent der Internet- und Social-Media-Nutzer können nicht mehr kontrollieren, wie viel Zeit sie online verbringen. Warum? Weil das Internet genauso süchtig machen kann wie Drogen.

Nach den Ergebnissen einer Studie der Universität Chicago ist das Verlangen nach Social Networks größer als das nach Nikotin oder Alkohol. Die dort untersuchten 205 Probanden würden für das Login viele Dinge des Alltags vernachlässigen. Nur das Bedürfnis nach Schlaf und Sex war nach Angaben der Forscher noch größer.

Die Online-Sucht ist zwar eine psychische Abhängigkeit, keine körperliche wie bei Drogen, doch das Gehirn wird auf ganz ähnliche Weise verändert. Vor allem in den Gehirnteilen, die emotionale Verarbeitung, Aufmerksamkeitsspanne und Entscheidungsfindung kontrollieren, reduziert sich eindeutig der Anteil an weißer Substanz! Und genauso wie bei Drogen muss auch bei der Social-Media-Nutzung die Dosis immer gesteigert werden, um den gleichen Belohnungseffekt zu erzielen.

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