Spastische Hemiparese: Physiotherapie-Übungen und Behandlungsansätze

Eine halbseitige Lähmung, auch Hemiparese genannt, stellt einen gravierenden Einschnitt im Leben der Betroffenen dar. Die Erkrankung kann verschiedene Ursachen haben, wobei ein Schlaganfall eine der häufigsten ist. Nach einer Schädigung einer Gehirnhälfte kann es zur Hemiparese kommen, was bedeutet, dass eine Körperseite gelähmt oder motorisch erheblich eingeschränkt ist. Da die Gehirnhälften die jeweils andere Körperhälfte steuern, tritt die Hemiparese auf der gegenüberliegenden Seite der betroffenen Hirnhälfte auf.

Ursachen und Formen der Hemiparese

Es gibt verschiedene Ursachen, die zu einer Hemiparese führen können. Neben dem bereits erwähnten Schlaganfall können auch Entzündungen oder Blutungen im Gehirn des ungeborenen Kindes, Verletzungen des Gehirns durch Unfälle oder Misshandlungen, Hirn- und Hirnhautentzündungen sowie angeborene Fehlbildungen einer Gehirnhälfte eine Hemiparese verursachen.

Die Hemiparese kann sich in unterschiedlichen Symptomen äußern. Neben typischen Bewegungsstörungen im Arm und/oder Bein können auch Koordinationsstörungen auftreten. Viele Patienten mit Hemiparese sind nicht nur motorisch eingeschränkt.

Die häufigste Form der Halbseitenlähmung ist die spastische Hemiparese. Es handelt sich dabei um eine krankhafte Erhöhung der Muskelspannung bzw. Muskelaktivität. Dieses erhöhte Maß an Muskelaktivität führt zu dauerhaften Verhärtungen und Versteifungen, was mit einer eingeschränkten Beweglichkeit einhergeht.

Es gibt verschiedene Formen der spastischen Lähmung, abhängig davon, wo die Schädigung im Gehirn oder Rückenmark auftritt und wie groß sie ist:

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  • Spastische Monoparese: Eine Extremität (Arm oder Bein) ist betroffen.
  • Spastische Paraparese: Beide Beine sind betroffen, die Armfunktion ist dabei normal.
  • Spastische Hemiparese: Eine Körperseite (Arm und Bein) ist betroffen. Die spastische Hemiparese kann sich arm- oder beinbetont zeigen.
  • Spastische Triparese: Es handelt sich um eine Kombination aus Hemi- und Paraparese. Hierbei sind ein Arm und beide Beine betroffen.
  • Spastische Diparese: Alle vier Extremitäten (Arme und Beine) sind betroffen. Dabei sind die Beine zumeist stärker betroffen als die Arme.
  • Beidseitige Hemiparese: Alle vier Extremitäten (Arme und Beine) sind betroffen. Die Arme sind zumeist stärker betroffen als die Beine.
  • Spastische Tetraparese: Hierbei handelt es sich um eine spastische Lähmung aller vier Extremitäten.

Diagnose der Spastik

Zuerst erfolgt die Abklärung der Grunderkrankung, also jener Erkrankung, die ursächlich für die Spastik ist. Dazu können eine klinische Untersuchung, labordiagnostische oder bildgebende Verfahren, wie z.B. (Magnetresonanztomographie), notwendig sein. Des Weiteren wird das Ausmaß der Spastik mit Hilfe entsprechender Skalen evaluiert. Tardieu Skala zu bevorzugen ist. Letztere testet den Grad der Spastik anhand der Zunahme des Muskeltonus (Spannung) bei schneller passiver Bewegung im Vergleich zu vorangegangener langsamer passiver Bewegung.

Therapieansätze bei spastischer Hemiparese

Die Behandlung der spastischen Hemiparese erfordert eine individuelle und oft langwierige Herangehensweise. Statt sich ausschließlich auf die Erreichung von Perfektion zu konzentrieren, ist es wesentlich effektiver, kontinuierlichen Fortschritt zu fördern.

Physiotherapie und Ergotherapie

Um zu vermeiden, dass sich die Muskeln weiter verkürzen, die Durchblutung gestört wird und die Beweglichkeit der Gelenke verringert wird, ist eine anschließende Physio- und Ergotherapie wichtig. Verschiedene Therapieformen können dabei helfen, den gelähmten Arm und die Hand zu stärken. Je nach Schwere der Lähmung werden aktive oder passive Übungen eingesetzt, um die Arm- und Handmuskulatur wieder aufzubauen oder die Nerven im Gehirn zu stimulieren.

  • Aktives Muskeltraining: Bei einer partiellen Lähmung wird als Behandlungsmethode das aktive Muskeltraining angewandt. Der Betroffene führt die Bewegungen dabei selbstständig aus.
  • Passive Übungen: Passive Übungen hingegen kommen zum Einsatz, wenn eine vollständige Lähmung vorliegt. Aufgrund der Lähmung hat das Gehirn die Kommunikation zu den Muskeln verloren, weshalb die Bewegungsmuster im Gehirn neu vernetzt werden müssen. Durch die Stimulation der Neuroplastizität ist eine solche Neuvernetzung möglich. Passive Übungen zielen auf die Stimulation ab, der gelähmte Arm wird mittels Unterstützung des Therapeuten oder Angehöriger bewegt.
  • Weitere Therapieformen: Neben aktiven und passiven Übungen, kann der gelähmte Arm mithilfe von anderen Therapieformen unterstützend behandelt werden. So können Wärmeanwendungen, Elektrobehandlungen oder Wechselbäder helfen, die Muskulatur zu stärken und die generelle Beweglichkeit sowie Durchblutung zu fördern. Um die Muskulatur zu entspannen und Verkürzungen zu vermeiden, können zudem bestimmte Techniken und Gelenkübungen angewandt werden.

Neben der professionellen Physio- und Ergotherapie ist das Training zu Hause unabdinglich, um die Stärkung des gelähmten Arms und der Hand weiter voranzutreiben. Daher werden bereits während der Therapie Übungen gezeigt, die im Alltag genauso umsetzbar sind.

Spezifische Therapieansätze in der Armrehabilitation

In der Arm-Rehabilitation können sehr unterschiedliche therapeutische Ansätze gewählt werden. Einerseits gibt es verschiedene Therapieformen ohne technische Geräte, um in der Ergo- oder Physiotherapie den betroffenen Arm aktiv zu trainieren. Hinsichtlich der Dauer und Intensität der Therapie sollte die Rehabilitation der Armmotorik früh nach einem Schlaganfall beginnen. Insbesondere in der frühen Phase nach dem Schlaganfall wird empfohlen, dass eine zusätzliche spezifische Armrehabilitation für mindestens 30 Minuten jeden Werktag erfolgt. In der späten Krankheitsphase (zum Beispiel ein Jahr und später nach einem Schlaganfall) können spezifische Maßnahmen der Armrehabilitation empfehlenswert sein, wie zum Beispiel 90-270 Minuten pro Woche ein strukturiertes, sich wiederholendes Training.

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Die verschiedenen klassischen Physiotherapieschulen (zum Beispiel Bobath oder PNF) werden nicht ausdrücklich empfohlen. Insbesondere bei leichten bis mittelschweren Lähmungen ist für die Behandlung geeigneter Patienten ein „Zirkeltraining“ denkbar. Dabei können auch passive mechanische Trainingsgeräte und virtuelle Realitäts-Anwendungen zum Einsatz kommen. Um die Arm-Handaktivitäten zu verbessern, lassen sich tägliches Eigentraining und Training mit Therapeuten kombinieren (Eigentraining mit regelmäßiger therapeutischer Begleitung, 90 Minuten pro Woche).

Zusätzlich gibt es geräteunterstützte Therapien wie die neuromuskuläre Elektrostimulation und die Robot-Therapie, aber auch die Therapie mit virtueller Realitätsanwendungen sowie die sensible Stimulation und Akupunktur.

  • Arm-Basis-Training: Mit dem Arm-Basis-Training übt man jeden Tag die Bewegungsfähigkeit wiederholt und einzeln in den verschiedenen Abschnitten von Arm, Hand und Fingern. Sie sollte bei Patienten früh nach dem Schlaganfall durchgeführt werden.
  • Arm-Fähigkeits-Training: Das Arm-Fähigkeits-Training trainiert täglich Präzision und Geschwindigkeit („Geschicklichkeit“) bei verschiedenen Armfunktions-Anforderungen an der individuellen Leistungsgrenze.
  • Bewegungsinduktionstherapie (CIMT): Die sogenannte Bewegungsinduktionstherapie („Constraint induced movement therapy, CIMT“) ist eine spezielle Therapie für Schlaganfall-Betroffene mit einem „erlernten Nicht-Gebrauch“. Diese Personen haben früh nach einem Schlaganfall realisiert, dass ihr gelähmter Arm im Alltag nicht oder kaum eingesetzt werden kann. Sie haben dann gelernt, alles mit der nicht betroffenen Hand zu machen. Später hat sich der gelähmte Arm eventuell schon erholt. CIMT umfasst üblicherweise sechs Stunden Therapie pro Tag. Ergänzend stellt man über zwei Wochen die weniger betroffene Hand für die größte Zeit des Tages ruhig (90 Prozent der Wachstunden). Möglich ist auch eine abgeänderte, weniger intensive Form. Diese Behandlungsformen sind sehr zeitintensiv. Aber sie sind wirksam, um einen erlernten „Nichtgebrauch“ zu verändern und den tatsächlichen Einsatz des betroffenen Armes im Alltag zu fördern. Wenn eine solche Therapie organisatorisch möglich gemacht werden kann, ist sie sinnvoll, wenn der Patient bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Unter anderem müssen eine zum Teil erhaltene Handfunktion und ein gelernter „Nichtgebrauch“ des Armes im Alltag vorhanden sein.
  • Spiegeltherapie: Bei der Spiegeltherapie betrachtet der Patient im Spiegel die Bewegung seiner nicht gelähmten Hand. Durch den Blick in den Spiegel sieht diese Bewegung so aus als würde sich seine gelähmte Hand ganz normal bewegen.
  • Mentales Training: Eine Verbesserung der Armfunktion ist auch durch das mentale Training denkbar.
  • Neuromuskuläre Elektrostimulation: Bei den verschiedenen Verfahren der neuromuskulären Elektrostimulation werden Nerven und Muskel am Arm elektrisch stimuliert. So erzeugt man technisch eine Bewegung, die eine betroffene Person mit schwerer Armlähmung nach Hirnschädigung noch nicht selbst ausführen könnte.
  • Arm-Therapie-Roboter: Arm-Therapie-Roboter können je nach Bauart Schulter- und Ellenbogen-Bewegungen, Unterarm- und Handgelenksbewegungen oder Fingerbewegungen mechanisch unterstützen. Die Arm-Therapie-Roboter erkennen, welchen Anteil an Bewegungen der Betroffene schon selbst ausführen kann und ergänzen den Rest der Trainingsbewegungen. Mit ihnen können Betroffene mit sehr hohen Wiederholungsraten die gezielte Bewegungsfähigkeit in den einzelnen Armabschnitten trainieren und verbessern.
  • Sensible Stimulation: Als Zusatztherapie zur Behandlung von Armlähmungen können verschiedene Formen der sensiblen Stimulation erwogen werden.

Krafttraining

Ein wesentlicher Bestandteil dieses Ansatzes ist das gezielte Krafttraining. Schwere Übungen wie Gewichtheben oder funktionelles Training fördern nicht nur den Kraftzuwachs, sondern auch die gezielte Ansteuerung von Muskeln, die zuvor nicht richtig aktiviert werden konnten. Durch Krafttraining wird die Muskulatur gestärkt und gleichzeitig die Motorik verbessert.

Ein Beispiel hierfür ist das Bankdrücken, bei dem die Stabilität der Schulter und des Handgelenks verbessert wird. Oft sind diese Gelenke aufgrund der spastischen Anspannung instabil und weniger beweglich. Ein weiteres Beispiel ist die Kniebeuge, bei der häufig die Mobilität des Sprunggelenks eine große Rolle spielt. Wenn das Sprunggelenk aufgrund von Steifheit oder mangelnder Flexibilität nicht korrekt bewegt werden kann, beeinträchtigt dies die gesamte Bewegung.

Hilfsmittel

In vielen Fällen bedeutet eine Hemiparese die Abhängigkeit von einem Rollstuhl. Denn der Kraftaufwand ist immens hoch, um die halbseitige Lähmung mit der anderen Seite auszugleichen. Das Sitzen im Rollstuhl oder auch Scooter - zur Unterstützung für längere Strecken – bedeutet dann eine enorme Entlastung! Auch Einschränkungen in der Hand lassen sich durch Schienen oder funktionelle Elektrostimulation verbessern.

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Wenn das Laufen nicht mehr so einfach möglich ist, können verschiedene Hilfsmittel zum Einsatz kommen:

  • Scooter: Bei verletzungs- oder krankheitsbedingten Gehschwierigkeiten unterstützt Sie der Scooter im Alltag. Für Personen ab 15 Jahren ist er somit ein wertvolles Hilfsmittel! Eine wichtige Voraussetzung ist jedoch, dass Sie den das Elektromobil selber bedienen können. Neben einer gesteigerten Mobilität im Alltag ermöglicht der Scooter, oder auch Elektroscooter, eine aktive Teilnahme am Leben. Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Scooter-Modelle, sowohl für den Indoor- als auch für den Outdoorbereich. Da sie zur Kategorie der Krankenfahrstühle gehören, dürfen Sie einen E-Scooter ohne Führerschein fahren.
  • Rollstuhl: Ein individuell angepasster Rollstuhl kann die Funktion der Beine quasi ersetzen. Je nach persönlichen Wünschen und Anforderungen, gibt es verschiedene Rollstuhl-Modelle, zu denen Sie sich im Sanitätshaus beraten lassen können. Beim Beratungsgespräch werden die persönlichen Ziele herausgearbeitet, sowie der gewünschte Komfort und die Anforderungen des Umfelds. Neben dem leichten und wendigen Aktiv-Rollstuhl gibt es den Multifunktions-Rollstuhl mit besonders vielen Einstellungsmöglichkeiten.
  • Treppenlift/Treppensteiger: Wenn Sie nur schwer Stufen überwinden können, weil Sie beispielsweise im Rollstuhl sitzen, kann ein Treppenlift oder Treppensteiger ein geeignetes Hilfsmittel sein. Ein Treppenlift ist mit einem vorhandenen Sitzteil fest an der Treppe installiert. Ein Steiger ist transportabel und kann somit auch an anderen Treppen genutzt werden, indem er an den Rollstuhl montiert wird. Einen Treppenlift können Sie selber steuern, während ein Treppensteiger von einer Begleitperson bedient werden muss.

Medikamentöse Therapie

Für die Auswahl einer medikamentösen Behandlung ist entscheidend, wo die Spastik am Körper vorkommt und ob sich eine zugrundeliegende Schädigung im Rückenmark oder im Gehirn befindet. Vor diesem Hintergrund müssen Nutzen und Nebenwirkungen, Akzeptanz und Umsetzbarkeit einer Behandlung gründlich abgewogen werden.

  • Orale Therapie: Mit Tabletten oder Spray (orale Therapie) werden vermehrte Muskelaktivität bei Spastik behandelt behandelt. Patienten mit einer Spastik beider Beine (Paraspastik) und nicht mobile Patienten mit generalisierter spastischer Tonuserhöhung profitieren in der Regel von einer oralen Therapie. Dantrolen bewirkt Muskelentspannung durch Hemmung der Freisetzung von Kalziumionen im Muskel. Sativex® ist ein Spray für die Mundhöhle und ausschließlich für die bei Multipler Sklerose auftretende spastische Tonuserhöhung zugelassen. Spastik-Medikamente, die im Zentralnervensystem wirken, führen dosisabhängig relativ häufig zu Müdigkeit, Antriebsminderung oder einer störenden Abnahme der Muskelkraft. Daher sollte die Erhöhung der Dosis vorsichtig erfolgen. Dantrolen sollte wegen der potenziell toxischen Leberschädigung und der Verstärkung bestehender Lähmungen nur eingesetzt werden, wenn es keine bessere Alternative gibt und die Symptome es wirklich erfordern. Die Verbesserungen einer Spastik mit Tabletten und Spray sind zwar messbar, werden von Betroffenen aber nicht immer im Alltag wahrgenommen. Für Tolperison gegenüber Baclofen und für Tizanidin gegenüber Diazepam wurden jedoch auch Alltagsvorteile für Schlaganfall-Betroffene) beschrieben.
  • Botulinumtoxin A (BoNT): Bei fokaler Spastik (ein oder zwei eng benachbarte Bewegungssegmente sind betroffen, z. B. BoNT wird bei einer Überaktivität von Muskeln angewendet, also auch zur Behandlung einer Spastik. Es lässt Muskeln für eine bestimmte Zeit erschlaffen, indem es die Übertragung vom Nerv auf den Muskel für einige Wochen bis Monate blockiert. Sowohl im Hinblick auf die Nebenwirkungen einer oralen Therapie, als auch im Hinblick auf die Wirksamkeit ist eine BoNT-Behandlung Tabletten und Spray überlegen und mindert zudem Schmerzen, die von der Spastik herrühren. Schließlich mehren sich Daten, dass sich eine Spastik nach Schlaganfall durch eine frühzeitige Injektion in reduzierter Dosis vermeiden lässt. Nebenwirkungen sind unter BoNT in den empfohlenen Dosisbereichen pro Muskel und Injektionssitzung selten. Es kann zu Lähmungen kommen (wenn der falsche Muskel getroffen oder zu viel BoNt gespritzt wird). Möglich sind auch Effekte wie Mundtrockenheit oder eine allgemeine Schwäche und lokalen Problemen (Bluterguss und lokale Schmerzen). Bei wiederholtem Einsatz können neutralisierende Antikörper im Blut von Betroffenen können die Wirkung von BoNT abschwächen oder aufheben. Das kommt bei etwa 6 Prozent der Patienten mit Spastik-Behandlung vor. Das Risiko für das Auftreten neutralisierender Antikörper steigt mit der langjährigen Gesamtdosis und wenn das Behandlungsintervall kürzer als drei Monate ist.
  • Intrathekale Baclofen-Therapie (ITB): Zur Behandlung einer schweren Spastik kann man das Medikament Baclofen auch über ein spezielles Infusionssystem mit einer Pumpe einsetzen. Das Mittel wird dabei direkt in den Nervenwasserraum des Rückenmarks injiziert (intrathekal). Typische und erfolgversprechende Fälle sind Betroffene mit schwerer Spastik nach Rückenmarksverletzungen oder Hirnschädigung, Menschen mit Paraspastik oder multisegmentaler Spastik sowie Hemispastik mit einschießenden Tonussteigerungen. Patienten mit länger zurückliegendem Schlaganfall und Spastik profitieren von einer ITB im Vergleich zur Therapie mit Tabletten und Spray. Auch für Querschnittgelähmte ist die gute Wirksamkeit belegt. Die Indikation für eine ITB sollte erst erfolgen, wenn andere Behandlungen nicht zufriedenstellend waren. Unerwünschte Wirkungen können Infektionen und lokale Flüssigkeitsansammlungen (Serome) beinhalten. Die Diagnose und Betreuung bei Patienten mit ITB sollte daher von einem interdisziplinären Team mit ausgewiesener Kompetenz erfolgen. Die Abklärung und Behandlung von Nebenwirkungen und Komplikationen sollte zu jeder Zeit gewährleistet sein. Leichtere Nebenwirkungen in der Test- und Einstellungsphase verschwinden im Verlauf meist von alleine. Schwere Nebenwirkungen und Komplikationen können im Einzelfall zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen.

Chirurgische Verfahren

Bei schwerster Spastik, die anders nicht zu behandeln sind, gibt es chirurgische Verfahren (dorsale Rhizotomie oder Eingriffe in der Eintrittszone der Hinterwurzel ins Rückenmark). Durch sie können ausgeprägte Fehlhaltungen vermieden werden und damit verbundene Pflegehemmnisse, hygienische Probleme und Komplikationen wie Kontrakturen oder Hautläsionen. Nach Versagen der Standardtherapieverfahren und damit verbundenen Schmerzen können in weiteren chirurgischen Verfahren bestimmte Stellen eines Nerven durchtrennt werden (motorische Endäste, z.B. Nervus tibialis bei spastischem Spitzfuß, „pes equinus“).

Bobath-Konzept

Das Bobath Konzept ist das weltweit in allen pflegerischen Bereichen erfolgreich angewandte Pflege- und Therapiekonzept zur Rehabilitation von Menschen mit Erkrankungen des Zentralnervensystems (ZNS), die mit Bewegungsstörungen, Lähmungserscheinungen und Spastik einhergehen. Das heißt, dass gesunde Hirnregionen die zuvor von den erkrankten Regionen ausgeführten Aufgaben neu lernen und übernehmen können. Bei traumatischen Hirnschädigungen sind häufig die Verbindungswege unterbrochen und nicht die eigentlichen Kontrollzentren zerstört, sodass mit konsequenter Förderung und Stimulation des Patienten durch alle betreuenden Personen, alte Bewegungsmuster wieder angebahnt werden können. Verloren gegangene Funktionen, wie z.B. Sowie alle Erkrankungen, die mit Lähmungen bzw. Die Ziele ergeben sich aus den zentralen Problemen von Patienten mit Schädigung des ZNS: die zentral bedingte teilweise oder vollständige Lähmung (Parese bzw. Vermeidung bzw. Bobath ist ein Konzept und keine Methode.

Handfunktionstraining und Bimanuelles Training

Das Handfunktionstraining umfasst innovative und evidenzbasierte Ansätze, die gezielt darauf abzielen, die motorischen Fähigkeiten der Hände zu verbessern.

Dieses Therapieprogramm legt den Fokus auf die Zusammenarbeit beider Hände. Während die CIMT darauf abzielt, die betroffene Hand zu aktivieren, fördert das bimanuelle Training die Koordination beider Hände. Das intensive Training erfolgt spielerisch und repetitiv, wobei die tatsächliche Ausführung der Aufgaben im Vordergrund steht.

MOTOmed Bewegungstherapie

Muskulatur lockern - Spastik reduzieren. Menschen mit Zerebralparese oder spastischer Lähmung sind auf eine intensive Physiotherapie angewiesen. In aller Regel wird dort versucht über unterschiedliche Anwendungen die Gelenkbeweglichkeit zu mobilisieren und die Muskulatur zu lockern. Dabei werden zum einen vorhandene Muskeln gestärkt, zum anderen Fehlbelastungen und Haltungsschäden bestmöglich gemildert. Neben der manuellen Therapie kommen zum Beispiel auch Krankengymnastik oder eine gerätegestützte Bewegungstherapie zum Einsatz.

Die MOTOmed Bewegungstherapie ermöglicht Menschen mit Zerebralparese oder spastischen Lähmungen eine motorbetriebene und motorunterstützte Bewegungstherapie. Betroffene können am MOTOmed Bewegungstherapiegerät vom Stuhl oder Rollstuhl aus trainieren. Ein regelmäßiges MOTOmed Bein- und/oder Armtraining kann Spastik lindern, die Muskulatur lockern und stärken, die Kraft- und die Ausdauer fördern und die Blasen- und Darmtätigkeit positiv beeinflussen.

Die motorunterstützte MOTOmed Bewegungstherapie ist in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen als Hilfsmittel anerkannt. Die Kosten können bei Zerebralparese und spastischer Lähmung zu 100% übernommen werden. - Informieren lohnt sich!

Die MOTOmed Bewegungstherapie wurde für Menschen mit Bewegungseinschränkungen entwickelt und ergänzt physio-, ergo- und sporttherapeutische Maßnahmen. Anwenderinnen können sitzend im Rollstuhl oder vom Stuhl aus trainieren. Im Liegen wenden Patientinnen das MOTOmed vom Pflegebett oder von der Therapieliege aus an.

Die gerätebasierte Bewegungstherapie mit dem MOTOmed ist in Deutschland bei vielen Indikationen von den gesetzlichen Krankenkassen als Hilfsmittel anerkannt. Informieren lohnt sich!

  • Passiv: Die motorbetriebene Bewegung ohne Kraftaufwand eignet sich zur Regulierung des Muskeltonus, zur Lockerung der Muskulatur und zur Frühmobilisation nach langen Ruhezeiten. Das passive Training fördert die Durchblutung, die Verdauung und die Gelenkbeweglichkeit.
  • Assistiv: Bei der motorunterstützten Bewegungstherapie ermöglicht die Funktion MOTOmed ServoTreten einen leichten Übergang vom passiven zum aktiven Training.

Verlauf und Folgeschäden einer Spastik

Spastische Lähmungen können im Verlauf unterschiedlich schwere Folgen haben. Je nachdem wie stark die Spastik ausgeprägt ist und wie viele Extremitäten sie betrifft, kann es zu einer leicht beeinträchtigten Bewegungsfähigkeit oder sogar zu einer starken körperlichen Behinderung kommen. Einschränkungen der Beinmotorik aufgrund von Spastik führen unter anderem zu Schwierigkeiten beim Gehen. notwendig werden. Die Spastik beeinflusst nicht nur die Muskulatur, sondern auch in weiterer Folge die Knochen, die Gelenke und das Bindegewebe. betroffener Körperabschnitte.

Kontinuierlicher Fortschritt statt Perfektion

Bei der Behandlung der spastischen Hemiparese ist es entscheidend, Fortschritte zu messen und zu feiern, anstatt sich auf eine unerreichbare Perfektion zu konzentrieren. Durch gezieltes Krafttraining und die Förderung der Mobilität können neue Bewegungsmuster erlernt werden, die zuvor aufgrund mangelnder Muskulatur oder Gelenkstabilität nicht möglich waren. Es ist wichtig, diesen Prozess mit Geduld und Ausdauer anzugehen, da jede kleine Verbesserung einen großen Unterschied machen kann.

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