Spastische Herzkranzgefäße und Thrombose: Ursachen, Behandlung und Prävention

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland weit verbreitet und eine der Hauptursachen für Todesfälle. Die koronare Herzkrankheit (KHK), bei der die Herzkranzgefäße verengt sind, ist eine häufige Ursache für Herzinfarkte. Allerdings können auch andere Erkrankungen der Herzgefäße zu Beschwerden und Komplikationen führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und Behandlung von spastischen Herzkranzgefäßen, Thrombosen und der koronaren mikrovaskulären Dysfunktion (CMD) und zeigt auf, wie man sich vor diesen Erkrankungen schützen kann.

Angina Pectoris und die Herausforderung der Diagnose

Viele Menschen erleben bei Belastung Beschwerden in der Herzgegend, begleitet von Atemnot oder einem Druckgefühl in der Brust. Oft wird dann eine koronare Herzkrankheit (KHK) oder ein Herzinfarkt vermutet. Allerdings zeigen bildgebende Untersuchungen im Herzkatheterlabor bei einem erheblichen Teil der Betroffenen keine Engstellen in den großen Herzgefäßen (Koronarstenosen) oder einen Verschluss der Herzkranzgefäße. In solchen Fällen stehen Ärzte vor einer diagnostischen Herausforderung, da die Ursache der Beschwerden möglicherweise in den kleinen, feinverzweigten Blutgefäßen (Arteriolen und Kapillaren) liegt.

Koronare Mikrovaskuläre Dysfunktion (CMD): Wenn die kleinen Gefäße Probleme machen

Beschwerden, die durch eine Fehlfunktion kleiner und kleinster Blutgefäße im Herzmuskel verursacht werden, werden als mikrovaskulär bezeichnet. Die kleinen Endäste der Herzkranzgefäße haben einen Durchmesser von etwa einem halben Millimeter oder weniger, spielen aber eine entscheidende Rolle bei der gleichmäßigen Verteilung des sauerstoffreichen Blutes im Herzmuskel.

Der genaue Krankheitsmechanismus der CMD ist noch nicht vollständig erforscht. Es wird vermutet, dass die kleinen Adern sich bei körperlicher Anstrengung, wenn der Herzmuskel mehr Sauerstoff benötigt, nicht ausreichend erweitern oder sich ohne erkennbaren Auslöser verkrampfen. Dies führt zu einer Unterversorgung des Herzmuskels (Ischämie) mit Symptomen wie Brustschmerz und Atemnot. Auch Entzündungen werden als mögliche Ursache diskutiert.

In der Herzmedizin wird diese Funktionsstörung oft als INOCA (Ischemia with No Obstructive Coronary Arteries) bezeichnet, da keine durch Ablagerungen bedingte Verengung in den Herzkranzgefäßen vorliegt.

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Symptome und Diagnose der CMD

Die Symptome der CMD ähneln denen der KHK, was die Diagnose erschwert. Bei beiden Erkrankungen treten bei Belastung häufig Atemnot oder Schmerzen in der Brust auf. Einige Anzeichen, die auf eine CMD hindeuten können, sind Beschwerden, die nach Anstrengung länger als 1-2 Minuten anhalten oder auch in Ruhe auftreten, oder eine verstärkte Atmung bei Belastung.

Die Diagnose der CMD erfordert oft eine umfangreichere Diagnostik. Im Belastungs-EKG und der Stressechokardiografie können erste Signale einer Unterversorgung des Herzmuskels erkannt werden. Bei einer Herzkatheteruntersuchung können Engstellen in den Herzkranzgefäßen ausgeschlossen werden. Mit einer speziellen Druckdraht-Methode lässt sich jedoch feststellen, ob eine CMD vorliegt. Dabei wird die Unfähigkeit der kleinen Gefäße, sich angemessen zu erweitern, über eine Blutflussmessung in Ruhe und nach Gabe von Adenosin, einem erweiternden Botenstoff, diagnostiziert. Zudem wird geprüft, ob die Gefäße eine unangemessene Verkrampfungsneigung aufweisen, indem der Botenstoff Acetylcholin in die Herzkranzgefäße gegeben wird.

Weitere bildgebende Verfahren wie die Positronenemissionstomografie (PET) und die Kardio-MRT (Magnetresonanztomografie) können ebenfalls eingesetzt werden, um eine Minderdurchblutung der kleinen Gefäße zu erfassen und zu bewerten.

Behandlung der CMD

Das Hauptziel der Behandlung der CMD ist die Linderung der Beschwerden. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) empfiehlt die Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS) und einem Cholesterinsenker (Statin), die sich positiv auf die koronare Mikrozirkulation auswirken. Die Symptome der Ischämie können auch mit Betablockern oder Calciumantagonisten gelindert werden. In einigen Fällen können auch Nicorandil oder Ranolazin eingesetzt werden.

Oft ist Geduld erforderlich, um die passende Medikamentenkombination zu finden. Studien haben gezeigt, dass ein erheblicher Teil der Patienten trotz Behandlung weiterhin Probleme hat. Daher wird in aktuellen Forschungsprojekten versucht, die Mechanismen der Erkrankung genauer zu identifizieren, um künftig eine gezieltere Behandlung zu ermöglichen.

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Wichtig ist auch eine herzgesunde Lebensweise, da sich dadurch oft die Beschwerden bessern lassen.

Koronarspasmen: Plötzliche Verkrampfungen der Herzkranzgefäße

Krampfen die Blutgefäße, die das Herz mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen, plötzlich zusammen, spricht man von einem Koronarspasmus. Dies führt zu einer Unterversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff, was zu Schmerzen führt. Eine mögliche Ursache für Koronarspasmen ist die vasospastische Angina (Prinzmetal-Angina), bei der keine Gefäßablagerungen vorhanden sind.

Thrombose der Herzkranzgefäße: Ein gefährlicher Verschluss

Eine Thrombose ist ein Blutgerinnsel, das sich in einem Herzkranzgefäß bildet und dieses verengt oder verschließt. Dies kann zu einem Herzinfarkt führen, bei dem ein Teil des Herzmuskels abstirbt.

Ursachen und Risikofaktoren für Thrombosen

Grundlegend für die Entstehung einer Thrombose sind eine Schädigung der inneren Venenwand, eine Verlangsamung des Blutflusses sowie eine Veränderung der Fließeigenschaften des Blutes. Risikofaktoren für Thrombosen sind unter anderem:

  • Erhöhte Blutgerinnungsneigung
  • Bestimmte Medikamente
  • Familiäres Thromboserisiko
  • Aktive bösartige Erkrankung

Behandlung von Thrombosen

Sobald eine Thrombose festgestellt wird, muss das Blut verdünnt werden, um ein Wachstum des Blutgerinnsels zu verhindern. Dazu werden in den meisten Fällen niedermolekulare Heparine eingesetzt. Ein sofort angelegter Kompressionsverband oder Kompressionsstrumpf bewirkt eine Abschwellung des Beines, eine Verminderung der Schmerzen und eine Verbesserung des venösen Blutflusses.

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Langzeitfolgen von Thrombosen

Durch eine Thrombose wird die innerste Venenwand durch Entzündung und Vernarbung geschädigt. Dies kann zu einer erneuten Thrombose oder zu einer Funktionsstörung der Venenklappen führen. Langzeitfolgen können Schwellneigung des Beines, Krampfadern, dunkle Hautverfärbungen oder offene Beine (Beingeschwüre) sein.

Prävention von Herzkranzgefäßerkrankungen

Um sich vor Herzkranzgefäßerkrankungen wie KHK, CMD, Koronarspasmen und Thrombosen zu schützen, ist es wichtig, Risikofaktoren zu minimieren und einen gesunden Lebensstil zu pflegen. Dazu gehören:

  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und wenig tierischen Fetten kann dazu beitragen, den Cholesterinspiegel zu senken und die Gefäße gesund zu halten.
  • Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität hilft, das Herz-Kreislauf-System zu stärken, den Blutdruck zu senken und das Gewicht zu kontrollieren.
  • Nichtrauchen: Rauchen schädigt die Gefäße und erhöht das Risiko für Herzkranzgefäßerkrankungen erheblich.
  • Blutdruckkontrolle: Ein zu hoher Blutdruck kann die Gefäße schädigen. Daher ist es wichtig, den Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren und gegebenenfalls medikamentös einzustellen.
  • Cholesterinkontrolle: Ein zu hoher Cholesterinspiegel kann zu Ablagerungen in den Gefäßen führen. Daher sollte der Cholesterinspiegel regelmäßig überprüft und gegebenenfalls mit Medikamenten gesenkt werden.
  • Diabeteskontrolle: Diabetes kann die Gefäße schädigen und das Risiko für Herzkranzgefäßerkrankungen erhöhen. Daher ist es wichtig, den Blutzucker gut einzustellen.
  • Stressmanagement: Chronischer Stress kann sich negativ auf das Herz-Kreislauf-System auswirken. Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.

Die Rolle der Rehabilitation bei Herzkranzgefäßerkrankungen

Nach einem Herzinfarkt, einer Katheterbehandlung oder einer Bypass-Operation ist eine Rehabilitation wichtig, um das Vertrauen in die eigene Belastbarkeit wiederherzustellen und die Leistungsfähigkeit zu verbessern. In der Rehabilitation lernen Patienten, mit der Erkrankung umzugehen, Risikofaktoren zu kontrollieren und einen herzgesunden Lebensstil zu pflegen.

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