Einführung
Syringomyelie ist eine seltene, chronische Erkrankung, bei der sich mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume (Syringen) im Rückenmark bilden. Diese Hohlräume können sich im Laufe der Zeit ausdehnen und das Rückenmark schädigen, was zu einer Vielzahl von Symptomen führt. Zu den häufigsten Symptomen gehören chronische Schmerzen, schmerzhafte Spastik, Muskelschwäche, sensorische Ausfälle und Bewegungsstörungen. Die Behandlung von Syringomyelie konzentriert sich in erster Linie auf die Linderung der Symptome und die Verhinderung weiterer Schäden am Rückenmark. In den letzten Jahren hat medizinisches Cannabis zunehmend Aufmerksamkeit als potenzielle Therapieoption für die Behandlung von Spastik und Schmerzen bei Syringomyelie erlangt.
Syringomyelie: Symptome, Diagnose und Klassifikation
Symptome der Syringomyelie
Syringomyelie manifestiert sich durch eine Reihe von Symptomen, die je nach Größe und Lokalisation der Syringes variieren können. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Chronische Schmerzen: Oft im Nacken, in den Schultern, Armen und im Rücken auftretend, können die Schmerzen stark und brennend sein.
- Schmerzhafte Spastik: Die Erkrankung führt oft zu Muskelsteifheit und unkontrollierbaren Muskelkrämpfen.
- Muskelschwäche: Die Muskelkraft kann eingeschränkt sein, was die Beweglichkeit und Koordination beeinträchtigt.
- Sensorische Ausfälle: Betroffene können ein vermindertes Empfinden für Temperatur und Berührung in den betroffenen Regionen erleben.
- Bewegungsstörungen und Atrophie: In fortgeschrittenen Fällen kann es zu einer Rückbildung der Muskulatur und Bewegungseinschränkungen kommen.
Diagnose und Klassifikation
Die Diagnose der Syringomyelie erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung, neurologischen Tests und bildgebenden Verfahren wie MRT-Scans, die die Hohlräume im Rückenmark sichtbar machen. Syringomyelie kann nach der Lokalisation und den Ursachen klassifiziert werden, z. B. idiopathische (unbekannte Ursache) oder sekundäre Syringomyelie (verursacht durch andere Erkrankungen wie Chiari-Malformationen oder Verletzungen).
Medizinisches Cannabis als Therapieoption bei Syringomyelie
Wie medizinisches Cannabis helfen kann
Medizinisches Cannabis kann bei Syringomyelie unterstützend wirken, indem es die Spastik und chronischen Schmerzen lindert und die Muskulatur entspannt. CBD wirkt entzündungshemmend und neuroprotektiv, was die Schmerzen reduzieren und das Nervensystem beruhigen kann. THC bietet eine muskelentspannende und schmerzlindernde Wirkung, die bei der Bewältigung der spastischen Symptome und der Beweglichkeit helfen kann. Die Terpene Beta-Caryophyllen und Myrcen verstärken die beruhigende und schmerzlindernde Wirkung und können die allgemeine Entspannung fördern.
Praktische Anwendung
CBD-Öl oder -Kapseln können regelmäßig eingenommen werden, um eine kontinuierliche Linderung der Schmerzen und Spastik zu erzielen. Die inhalative Anwendung von THC und CBD kann bei akuten Schmerz- oder Spastikschüben schnelle Erleichterung bieten. Da die Dosierung individuell variieren kann, ist eine ärztliche Begleitung empfehlenswert, um die optimale Anwendung und Dosierung zu finden.
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten für Spastik
Wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit von Cannabis bei Syringomyelie und spastischen Schmerzen
Studienüberblick:
- Karst, M., et al. (2003): Diese Studie zeigt, dass Cannabinoide eine effektive Ergänzung zur Behandlung spastischer Schmerzen darstellen und die Schmerztoleranz bei chronischen Erkrankungen verbessern können (European Journal of Pain, 7(3), 289-293).
- Pertwee, R. G. (2001): Die Untersuchung hebt hervor, dass Cannabinoide wie CBD und THC neuroprotektive und schmerzlindernde Effekte haben und die spastischen Symptome bei neurologischen Erkrankungen lindern können (British Journal of Pharmacology, 134(4), 845-852).
- Russo, E. B. (2011): Russo beschreibt die entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften von Terpenen wie Beta-Caryophyllen und deren Nutzen bei neurologischen und chronischen Schmerzerkrankungen (British Journal of Pharmacology, 163(7), 1344-1364).
Ist Cannabis eine wirksame Therapie bei Syringomyelie?
Medizinisches Cannabis kann eine hilfreiche Ergänzung zur Behandlung von Syringomyelie sein, indem es Schmerzen und Spastik lindert, die Muskulatur entspannt und das Nervensystem beruhigt. Die Kombination von CBD, moderatem THC und entzündungshemmenden Terpenen wie Beta-Caryophyllen und Myrcen kann die Lebensqualität verbessern und die Symptome kontrollieren. Da die Wirkung individuell unterschiedlich sein kann, sollte die Anwendung in Absprache mit einem Neurologen erfolgen, um die optimale Dosierung und Methode zu finden.
Spastik: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten
Was ist Spastik?
Spastiken sind eine Form der Muskelstörung, die durch plötzliche, unkontrollierte und oft schmerzhafte Muskelkontraktionen gekennzeichnet ist. Ursache ist eine Störung in der Signalübertragung zwischen Gehirn und Muskel. Je nach betroffener Muskelgruppe können Spastiken unterschiedliche Auswirkungen haben. Bei vielen Betroffenen ist die Bewegungsfähigkeit erheblich eingeschränkt, weil durch die Krämpfe ihre Muskeln steif werden und deswegen schwer zu bewegen sind.
Ursachen von Spastik
Spastiken sind kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern Symptome, die bei verschiedenen neurologischen und neuromuskulären Erkrankungen auftreten können. Spastiken sind ein häufiges Symptom bei Multiple Sklerose (MS). Bei MS greift das Immunsystem den eigenen Körper an und schädigt das zentrale Nervensystem. Dies führt zu einer Vielzahl von Symptomen, einschließlich Spastiken. Auch bei der Zerebralparese, einer Erkrankung, die durch eine Schädigung des Gehirns vor, während oder kurz nach der Geburt entsteht, können Spastiken auftreten. Die Muskelkrämpfe sind das Ergebnis einer Fehlkommunikation zwischen Gehirn und Muskeln. Normalerweise sendet das Gehirn Signale an die Muskeln, um ihnen mitzuteilen, wann sie sich zusammenziehen und wann sie sich entspannen sollen. Bei Spastiken jedoch ist diese Signalübertragung gestört. Das führt dazu, dass sich die Muskeln unwillkürlich zusammenziehen und keine Entspannung der Muskeln stattfindet.
Behandlungsmöglichkeiten von Spastik
Es ist wichtig, mit einem Arzt oder Neurologen zu sprechen, um die am besten geeignete Behandlungsoption für den Einzelfall zu finden. Zu den gängigen Behandlungsoptionen gehören:
Lesen Sie auch: Schlaganfall und Spastik: Was hilft wirklich?
- Medikamentöse Therapie: Verschreibungspflichtige Medikamente wie Baclofen, Tizanidin oder Diazepam werden oft als erste Behandlungsoption in Betracht gezogen.
- Physiotherapie und Ergotherapie: Diese Therapien können helfen, die Muskelkraft und Beweglichkeit zu verbessern und die Spastik zu reduzieren.
- Botulinumtoxin-Injektionen: Bei lokal begrenzten Spastiken können Botulinumtoxin-Injektionen direkt in den betroffenen Muskel gespritzt werden, um die Kontraktion gezielt zu unterbinden.
- Orthopädische Hilfsmittel: Schienen und Orthesen können helfen, die Muskeln zu stabilisieren und die Beweglichkeit zu verbessern.
- Chirurgische Eingriffe: In schweren Fällen können chirurgische Eingriffe wie die dorsale Rhizotomie oder Muskelansatzverlagerungen in Betracht gezogen werden.
Erfahrungen mit medizinischem Cannabis bei Spastik
Studien zur Wirksamkeit von THC und CBD bei Spastik
Mehrere Studien haben die Wirksamkeit von THC und CBD bei der Behandlung von Spastik untersucht.
- Eine Studie der Humboldt-Universität Berlin (Meyer et al., 2019) mit Patienten, die unter Spastiken aufgrund von Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) litten, ergab, dass die Behandlung mit THC:CBD Spray zu einer hohen Patientenzufriedenheit führte, insbesondere bei Patienten mit moderater bis schwerer Spastik.
- Eine norwegische Studie (Rekand, 2014) mit über 1000 Patienten mit Muskelspastiken aufgrund von Multipler Sklerose ergab, dass ein Spray mit den Hanf-Wirkstoffen THC und CBD sicher und effektiv war und keine negativen Auswirkungen auf das Denkvermögen, die Stimmung oder die Fahrtüchtigkeit der Patienten hatte.
- Eine Studie aus dem Jahr 2010 untersuchte die Wirksamkeit von Sativex® (einem oromukosalen Medikament mit einem THC- und CBD-reichem Cannabisextrakt) bei Patienten mit therapieresistenter Spastik in Folge von Multipler Sklerose. Die Ergebnisse zeigten, dass Sativex® die Stärke der Beschwerden signifikant reduzieren konnte und gut verträglich war.
- Eine randomisierte, placebokontrollierte Cross-over Studie aus dem Jahr 2010 untersuchte die Wirksamkeit von Nabilon bei Patienten mit spastischen Beschwerden nach einer Verletzung des Rückenmarks. Die Ergebnisse zeigten, dass Nabilon die Spastik in den am meisten betroffenen Muskeln signifikant reduzieren konnte.
- Eine Übersichtsarbeit von 2019 wertete 32 Studien zur Therapie der Spastik mit Cannabinoiden aus. Die Ergebnisse zeigten, dass Cannabinoide bei Patienten mit Multipler Sklerose, Rückenmarksverletzungen oder Motoneuron-Erkrankungen eine Besserung der Spastik bewirken konnten.
Wirkungsweise von THC und CBD bei Spastik
Tetrahydrocannabinol (THC) vermittelt seine antispastischen Wirkungen durch Aktivierung der Endocannabinoidrezeptoren CB1 und CB2. Der hauptsächlich durch Tetrahydrocannabinol (THC) aktivierbare CB1-Rezeptor wird überwiegend in Gehirn und Rückenmark ausgebildet, findet sich jedoch auch außerhalb des zentralen Nervensystems (ZNS). Wie Cannabidiol (CBD) antispastisch wirkt, ist derzeit ungeklärt. Wissenschaftler*innen vermuten, dass THC durch Anheften an präsynaptische CB1-Rezeptoren die übermäßige Glutamat-Freisetzung bremst. Auch CBD kann in einem schwächeren Ausmaß an CB1-Rezeptoren binden.
Rechtliche Situation in Deutschland
Seit der Teil-Legalisierung von Cannabis in 2024 kann Cannabis sogar auf einem normalen Rezept verschrieben werden. Seit 2017 können Cannabisarzneimittel in Deutschland von einem Arzt oder einer Ärztin verschrieben werden, wenn es sich um eine schwerwiegende Erkrankung oder ein Symptom handelt und Standardtherapien nicht zur Verfügung stehen oder aufgrund von zu starken Nebenwirkungen nicht angewendet werden können. Die Krankenkassen sind zur Kostenübernahme verpflichtet.
Cannabis bei Querschnittlähmung
Symptome und Behandlung
Zu den Symptomen einer Querschnittlähmung zählen starke Schmerzen, Muskelspastizität, Schlaflosigkeit, Angstzustände und Depression. Traditionelle Behandlungsformen umfassen den Einsatz von Opioiden, die zwar kurzfristig nützlich sind, aber wiederholt eingenommen werden müssen, um nachhaltig wirksam zu sein. Forscher stellten Fragebögen zusammen, die von Personen mit Rückenmarksverletzungen ausgefüllt wurden, um zu beurteilen, wie der Konsum von Cannabis die Spastizität beeinflusst. Dies ist eine körperliche Störung, die dazu führt, dass bestimmte Muskeln kontinuierlich angespannt bleiben. Man erhob 43 Fragebögen, die mehrheitlich mit Nachdruck darauf hinwiesen, dass die Verwendung von Marihuana eine Verringerung der Spastizität fördert.
Kann Cannabis Trost spenden?
Während die psychoaktive Nebenwirkungen von THC im Bereich der Behandlung von Rückenmarksverletzungen noch eingehend erforscht werden müssen, konnte gezeigt werden, dass CBD als Teil von Pflanzenextrakten eine Verbesserung der neurogenen Symptome bewirkt, wobei die Nebenwirkungen "gut vertragen" wurden.
Lesen Sie auch: Schlaganfallbedingte Spastik mit Botox behandeln
Therapieziele bei Querschnittlähmung
Spastik bei Querschnittlähmung ist keine Krankheit und kann im klassischen Sinne nicht geheilt werden. Wer sie hat, wird sie behalten. Aber Spastik kann durch Prophylaxe und geeignete Therapie gemildert werden. Die Therapie sollte klare Ziele haben, die Arzt, Patient und das Behandlungsteam (Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie) gemeinsam vereinbaren.
Behandlungsmethoden bei Querschnittlähmung
- Physiotherapie: Regelmäßiges Durchbewegen - auch passiv oder geräteunterstützt - hilft, störende Phänomene der spastischen Bewegungsstörung zu mildern.
- Physikalische Therapien: Antispastische Lagerungsmethoden wie Schneidersitz oder die Bauchlage. Besuche in Dampfbad, Sauna oder Schwimmbad.
- Medikamentöse Therapie: Antispastische Medikamente mit den Wirkstoffen Baclofen, Diazepam oder Clonazepam.
- Pflanzliche Alternativen: Einige Menschen mit Querschnittlähmung berichten über gute Erfahrungen mit Cannabinoiden, Cannabidiol (CBD) oder Tetrahydrocanabinol (THC).
- Botulinumtoxin: Bei lokaler Spastik, die durch einzelne Muskeln oder Muskelgruppen hervorgerufen wird.
- Chirurgische Verfahren: Dorsale Rhizotomie oder Umsetzungen von Muskelansätzen oder Sehnenplastiken.
Das Endocannabinoidsystem (ECS)
Die Rolle des ECS im Körper
Das Endocannabinoidsystem ist ein komplexes Regulationssystem, das in nahezu allen Bereichen des menschlichen Körpers aktiv ist - gewissermaßen ein unsichtbares Steuerorgan für das Gleichgewicht körperlicher und psychischer Prozesse. Es wurde erst in den 1990er Jahren entdeckt, im Zuge der Forschung an den Wirkmechanismen von THC, dem bekanntesten psychoaktiven Inhaltsstoff der Cannabispflanze.
Die Bausteine des ECS
Das Endocannabinoidsystem besteht aus drei Hauptkomponenten:
- Endocannabinoide: Körpereigene Botenstoffe, die an Cannabinoid-Rezeptoren binden.
- Cannabinoid-Rezeptoren: Andockstellen für Endocannabinoide und Cannabinoide aus der Cannabispflanze.
- Enzyme: Verantwortlich für den Auf- und Abbau von Endocannabinoiden.
Wie das ECS funktioniert
Diese drei Bausteine arbeiten eng zusammen, um eine Vielzahl biologischer Funktionen zu modulieren - je nach Bedarf. Denn das Endocannabinoidsystem greift nicht wie ein zentraler Schalter aktiv in Prozesse ein, sondern feinjustiert sie: Es bremst dort, wo zu viel geschieht, und fördert dort, wo zu wenig passiert. Da Cannabinoid-Rezeptoren im gesamten Organismus verteilt sind, kann das ECS nahezu überall wirksam werden.
CB1- und CB2-Rezeptoren
CB1-Rezeptoren finden sich vor allem im zentralen Nervensystem - im Gehirn, Rückenmark und peripheren Nervenbahnen. Dort können sie unter anderem Schmerzempfinden, Stimmung, Angst, Schlaf, Appetit und Gedächtnis beeinflussen. THC kann vor allem über den CB1-Rezeptor wirken und ist verantwortlich für psychoaktive Effekte wie Rauschzustände, aber auch für potenziell schmerzlindernde, muskelentspannende und appetitanregende Wirkungen. CBD hingegen bindet kaum direkt an diese Rezeptoren, könnte sie aber indirekt beeinflussen und kann unter anderem entzündungshemmende und angstösende Wirkungen entfalten.
Anwendung von medizinischem Cannabis in der Schmerztherapie
Wann ist medizinisches Cannabis eine Option?
Seit 2017 können Cannabisarzneimittel in Deutschland von einem Arzt oder einer Ärztin verschrieben werden. Zum einen muss es sich um eine Erkrankung oder ein Symptom handeln, das als „schwerwiegend“ eingestuft wird. Des Weiteren ist eine Verschreibung dann möglich, wenn Standardtherapien nicht zur Verfügung stehen oder aufgrund von zu starken Nebenwirkungen, Unverträglichkeiten & Co. nicht angewendet werden können. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann ein Rezept für Cannabis ausgestellt und in der Apotheke eingelöst werden. Medizinisches Cannabis wurde 2017 nicht nur verordnungsfähig, sondern auch erstattungsfähig. Das bedeutet, die Patient:innen können bei ihrer Krankenkasse einen Antrag auf Kostenübernahme stellen.
Mögliche Nebenwirkungen
Die Wirkungsweise von cannabisbasierten Arzneimitteln kann von Person zu Person stark variieren. Allgemein gelten die Cannabinoide als vergleichsweise sicher und nebenwirkungsarm. Über lebensbedrohliche Komplikationen und Todesfälle im Zusammenhang mit dem Einsatz von medizinischem Cannabis ist bisher nichts bekannt. Nebenwirkungen treten zwar gehäuft auf, sind aber in der Regel nur vorübergehend und nicht schwerwiegend. Wie bei vielen psychotropen Mitteln treten die unerwünschten Wirkungen dosisabhängig auf. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, Übelkeit und Veränderungen der Stimmung.
Suchtpotential und Toleranzentwicklung
Grundsätzlich hat Cannabis ein gewisses Suchtpotential. Dieses ist jedoch vergleichsweise gering, wenn die Einnahme ärztlich begleitet wird. Wie bei der Anwendung von Betäubungsmitteln, besteht auch bei Cannabisarzneimitteln die Gefahr, eine Toleranz oder Abhängigkeit zu entwickeln.
THC und CBD: Die wichtigsten Wirkstoffe
Für den therapeutischen Effekt von Cannabis sind insbesondere die Inhaltsstoffe THC und CBD von Bedeutung. Diese entfalten ihre Wirkung auf das körpereigene Endocannabinoidsystem. THC könnte schmerzlindernd, muskelentspannend und appetitanregend wirken, während CBD vor allem potenziell entzündungshemmende und angstlösende Eigenschaften besitzt - ohne psychoaktive Effekte.
Berauschende Wirkung
Ob medizinisches Cannabis berauschend wirkt, hängt vor allem vom Gehalt an THC (Tetrahydrocannabinol) ab - dem psychoaktiven Bestandteil der Cannabispflanze. THC kann in höherer Dosierung zu einem Rausch führen. CBD-haltige Präparate hingegen gelten als nicht berauschend.
Cannabis-Verordnungen in der Praxis
Häufige Indikationen
Am häufigsten verschrieben wird Cannabis bei neuropathischen und chronischen Schmerzen (ca. 72 Prozent), Spastik (ca. 11 Prozent), Anorexie/Wasting (ca. 7 Prozent), Übelkeit und Erbrechen (ca. 4 Prozent), Depressionen (ca. 3 Prozent) sowie Migräne (ca. 2 Prozent).
Empfohlene Darreichungsformen
Die DGS rät von der inhalativen Form (also „Gras“) ab, deutlich besser geeignet wären orale Applikationsformen oder das Oromukosalspray Sativex mit einer Kombination aus THC und CBD (Nabiximols). Ein entscheidender Vorteil der Fertigarzneimittel ist deren längere Halbwertszeit bis zu zwölf Stunden und die damit verbundene kontinuierliche Wirkung - im Gegensatz zu abrupten Spitzenkonzentrationen bei der Inhalation.
Kombination aus THC und CBD
In der Schmerztherapie überzeugt vornehmlich die Kombination aus THC und CBD (zum Beispiel 5-10 mg THC plus 10-20 mg CBD). Real-World-Daten belegen speziell bei therapierefraktären chronischen Schmerzen eine bessere Wirksamkeit und Verträglichkeit als eine THC-Monotherapie. Zudem reduziert CBD die psychoaktivierende Wirkung von THC, was sich vor allem im klinischen Alltag bewährt.
Fazit
Medizinisches Cannabis stellt eine vielversprechende Option zur Behandlung von Spastik und chronischen Schmerzen bei Erkrankungen wie Syringomyelie und Multipler Sklerose dar. Insbesondere die Kombination von THC und CBD scheint synergistische Effekte zu haben und die Lebensqualität der Betroffenen deutlich zu verbessern. Es ist jedoch wichtig, die Anwendung von medizinischem Cannabis mit einem Arzt oder Neurologen zu besprechen, um die optimale Dosierung und Methode zu finden und mögliche Nebenwirkungen zu berücksichtigen. Trotz der positiven Ergebnisse aus Studien und Erfahrungsberichten ist die Forschungslage noch nicht ausreichend, um eindeutige Empfehlungen auszusprechen. Zukünftige Studien sind notwendig, um die Wirksamkeit und Sicherheit von medizinischem Cannabis bei der Behandlung von Spastik und chronischen Schmerzen weiter zu untersuchen.
tags: #spastik #mariuhana #ruckenmarkt