Die Bronchoskopie ist ein wichtiges Verfahren zur Untersuchung der Atemwege. In seltenen Fällen kann es jedoch im Anschluss an eine Bronchoskopie zu Komplikationen wie Spastiken kommen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und wichtige Aspekte im Zusammenhang mit Spastiken nach einer Bronchoskopie.
Ursachen für Spastiken nach Bronchoskopie
Spastiken nach einer Bronchoskopie können verschiedene Ursachen haben. Eine häufige Ursache ist die Reizung der Atemwege durch das Bronchoskop selbst. Dies kann zu einer reflektorischen Kontraktion der Kehlkopfmuskulatur führen, dem sogenannten Laryngospasmus.
Laryngospasmus:
Der Laryngospasmus ist eine reflektorische Schutzreaktion des Kehlkopfes, bei der es zu einem plötzlichen Verschluss der Glottis (Stimmritze) durch eine spastische Kontraktion der Kehlkopfmuskulatur kommt. Der Verschluss der Glottis wird durch eine starke Kontraktion der Stimmbandmuskeln, insbesondere des Musculus cricothyroideus und des Musculus arytenoideus, hervorgerufen. Diese Muskeln werden durch den Nervus laryngeus recurrens (Rückführender Kehlkopfnerv), einem Ast des Nervus vagus, innerviert.
Weitere mögliche Ursachen für Spastiken nach einer Bronchoskopie sind:
- Inhalation von Reizgasen: Reizung des Vagusnervs (z. B. durch Aerosole).
- Aspiration: Insbesondere bei Kindern im Alter von 1-4 Jahren, die Schwierigkeiten mit dem Kauen und Abschlucken haben, kann es zur Aspiration von Fremdkörpern kommen.
- Vorerkrankungen: Vorbestehende Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD können das Risiko für Spastiken erhöhen.
- Allergische Reaktionen: In seltenen Fällen können allergische Reaktionen auf während der Bronchoskopie verwendete Medikamente oder Materialien zu Spastiken führen.
Symptome von Spastiken nach Bronchoskopie
Die Symptome von Spastiken nach einer Bronchoskopie können je nach Ursache und Schweregrad variieren. Typische Symptome sind:
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- Husten: Plötzliche Hustenattacke.
- Atemnot: Atemnotanfall.
- Stridor: Pfeifende Atemgeräusche.
- Zyanose: Blaues Anlaufen des Gesichts aufgrund von Sauerstoffmangel.
- Hypoxie: Sauerstoffmangel.
- Atemstillstand: Der plötzliche Glottisverschluss bewirkt einen akuten Atemstillstand, wodurch die Sauerstoffversorgung der Lunge gestört ist.
- Schwierigkeiten beim Sprechen: Aufgrund der Kontraktion der Kehlkopfmuskulatur kann es zu Schwierigkeiten beim Sprechen kommen.
Behandlung von Spastiken nach Bronchoskopie
Die Behandlung von Spastiken nach einer Bronchoskopie richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Symptome. In vielen Fällen klingen die Spastiken von selbst wieder ab. In schwereren Fällen können jedoch folgende Maßnahmen erforderlich sein:
- Sauerstoffgabe: Bei Sauerstoffmangel sollte Sauerstoff verabreicht werden, um die Sauerstoffsättigung im Blut zu erhöhen.
- Bronchodilatatoren: Bronchodilatatoren können helfen, die Atemwege zu erweitern und die Atmung zu erleichtern.
- Kortikosteroide: Kortikosteroide können Entzündungen reduzieren und die Atemwege beruhigen.
- Muskelrelaxantien: In schweren Fällen können Muskelrelaxantien eingesetzt werden, um die Kontraktion der Kehlkopfmuskulatur zu lösen.
- Intubation und Beatmung: In seltenen Fällen kann eine Intubation und Beatmung erforderlich sein, um die Sauerstoffversorgung sicherzustellen.
- Fremdkörperentfernung: Wenn die Spastiken durch einen Fremdkörper in den Atemwegen verursacht werden, muss dieser entfernt werden. Die Fremdkörperentfernung wird mit dem starren Instrumentarium in Vollnarkose durchgeführt. Wenn die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich einen Fremdkörper vorzufinden, gering ist, kann mit einer flexiblen Bronchoskopie ein Aspirationsausschluss erfolgen. Bei Auffinden eines Fremdkörpers wird dennoch auf die starre Technik gewechselt. Die offizielle Empfehlung internationaler Fachgesellschaften wie der American Thoracic Society (ATS) ist die Fremdkörperentfernung mit der starren Technik.
Wichtige Aspekte und Vorsichtsmaßnahmen
Um das Risiko von Spastiken nach einer Bronchoskopie zu minimieren, sollten folgende Aspekte beachtet werden:
- Sorgfältige Anamnese: Vor der Bronchoskopie sollte eine sorgfältige Anamnese durchgeführt werden, um mögliche Risikofaktoren wie Vorerkrankungen oder Allergien zu identifizieren.
- Geeignete Sedierung: Eine angemessene Sedierung kann helfen, die Reizung der Atemwege während der Bronchoskopie zu reduzieren.
- Schonende Technik: Eine schonende Technik bei der Durchführung der Bronchoskopie kann das Risiko von Komplikationen minimieren.
- Überwachung nach der Bronchoskopie: Nach der Bronchoskopie sollten die Patienten sorgfältig überwacht werden, um frühzeitig Anzeichen von Spastiken oder anderen Komplikationen zu erkennen.
- Bei Kindern: Bei Kindern sollte besonders auf die Aspiration von Fremdkörpern geachtet werden. Eltern sollten darauf hingewiesen werden, dass Kleinkinder im Alter von 1-4 Jahren Schwierigkeiten mit dem Kauen und Abschlucken haben und viele Objekte zur Exploration in den Mund nehmen.
Fremdkörperaspiration bei Kindern
Besonders bei Kindern ist die Aspiration von Fremdkörpern eine häufige Ursache für Atemwegsprobleme. Es wird geschätzt, dass in den USA jährlich etwa 2000 Todesfälle durch Fremdkörperaspirationen auftreten, in Europa dürfte die Zahl ähnlich liegen. Für Kleinkinder unterhalb des 4. Lebensjahres wird das Risiko einer letalen Fremdkörperaspiration auf 0,7/100.000 Personen und Jahr geschätzt.
Maßnahmen bei drohender Erstickung:
Wenn ein Kind nach beobachteter oder vermuteter Fremdkörperaspiration selbst atmet und bei Bewusstsein ist, sollte nicht versucht werden, den Fremdkörper zu entfernen (etwa durch Klopfen auf den Rücken etc.), da sonst ggf. eine noch gefährlichere und evtl. total obstruierende Position des Fremdkörpers eintreten kann. Bei drohender Erstickung muss bis zur Fremdkörperextraktion jederzeit sofortige Beatmung bzw. Intubation möglich sein, z. B. durch ärztliche Begleitung bei einem evtl. erforderlichen Transport.
Wenn das Kind jedoch nur noch insuffizient oder gar nicht mehr atmet, soll nach der Anwendung von 5 Rückenschlägen mit dem Ziel den Fremdkörper zu mobilisieren bei Kindern >1 Jahr der Versuch gemacht werden, den Fremdkörper mithilfe eines Heimlich-Handgriffs durch Kompression des Abdomens mit Auspressung der Luft aus der Lunge nach oben zu entfernen. Im 1. Lebensjahr sind aber Leber- und Milzzerreißungen und andere Verletzungen der abdominalen Organe berichtet worden, sodass hier der Heimlich-Handgriff nicht durchgeführt werden sollte. Auch bei Erwachsenen wurden Organverletzungen insbesondere bei fehlerhafter Anwendung beschrieben.
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Sowohl der Heimlich-Handgriff als auch die Thoraxkompression können auch von den Anwesenden bei Anleitung über das Telefon durchgeführt werden. Ist die geschilderte Maßnahme nicht erfolgreich, wird im Pharynx nach einem Fremdkörper gesucht, dann der Patient Mund-zu-Mund- oder maskenbeatmet. Bringt dies keinen Erfolg, soll bei Vorhandensein der entsprechenden Ausrüstung und Expertise intubiert werden.
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