Spastische Bronchitis und Rasselgeräusche: Ursachen und Zusammenhänge

Die spastische Bronchitis, auch obstruktive Bronchitis genannt, ist eine Form der akuten Bronchitis, die vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern auftritt. Sie zeichnet sich durch eine Entzündung der Bronchien aus, die zusätzlich verengt sind. Diese Verengung (Atemwegsobstruktion) wird hauptsächlich durch Muskelkrämpfe (Spasmen) der Atemwegsmuskulatur verursacht, kann aber auch durch vermehrte Schleimbildung verstärkt werden. Rasselgeräusche, die bei der Auskultation (Abhören) der Lunge festgestellt werden können, sind ein weiteres typisches Merkmal von Atemwegserkrankungen wie der spastischen Bronchitis und der Pneumonie (Lungenentzündung).

Die Bronchien und ihre Funktion

Die Bronchien sind ein wesentlicher Bestandteil der unteren Atemwege, die sich unterhalb der Luftröhre befinden. Die Luftröhre teilt sich in zwei Hauptbronchien, die jeweils in einen der beiden Lungenflügel führen. Diese Hauptbronchien verzweigen sich weiter in kleinere Äste, die sogenannten Bronchiolen, bis sie schließlich in die Lungenbläschen (Alveolen) münden. Die Bronchien spielen eine entscheidende Rolle beim Transport der Atemluft in die Lunge und beim Abtransport von Kohlendioxid aus der Lunge.

Ursachen und Risikofaktoren der spastischen Bronchitis

Eine Bronchitis wird in der Regel durch eine Infektion der Atemwege ausgelöst. Häufig sind Viren die Ursache, zum Beispiel:

  • Respiratorisches Synzytialvirus (RSV)
  • Rhinoviren
  • Adenoviren
  • Parainfluenzaviren

Diese Viren lösen eine Entzündung der Bronchialschleimhaut aus, die Schwellungen, vermehrte Schleimproduktion und eine erhöhte Empfindlichkeit der Bronchien verursacht. In seltenen Fällen können bakterielle Infektionen eine spastische Bronchitis hervorrufen oder bestehende Beschwerden verschlimmern. Zusätzlich spielen individuelle Risikofaktoren und Umwelteinflüsse eine entscheidende Rolle.

Besondere Anfälligkeit bei Babys und Kindern

Säuglinge und Kleinkinder sind besonders anfällig für eine spastische Bronchitis, da ihre Atemwege noch nicht vollständig entwickelt sind und daher enger sind. Selbst eine leichte Schwellung der Schleimhäute oder eine geringe Menge an Schleim kann diese kleinen Atemwege stark verengen und den Luftfluss erheblich behindern. Zudem reagieren die Bronchien in den ersten Lebensjahren besonders sensibel auf Reize wie Infektionen, kalte Luft oder Rauch, was eine Verkrampfung der Bronchialmuskulatur (Bronchospasmus) begünstigt. Auch der Selbstreinigungsmechanismus der Atemwege ist bei Babys und Kleinkindern noch nicht ausreichend entwickelt, da die Flimmerhärchen (Zilien), die normalerweise Schleim und Fremdstoffe aus den Atemwegen transportieren, noch nicht ausreichend vorhanden sind. Dadurch kann Schleim schlechter abtransportiert werden und staut sich leichter in den Bronchien. Schließlich ist auch das Immunsystem zu Beginn noch nicht ausgereift, weshalb Babys und Kleinkinder anfälliger für Infektionen der Atemwege sind.

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Spastische Bronchitis bei Erwachsenen

Mit zunehmendem Alter wachsen die Atemwege und das Immunsystem wird stabiler. Erwachsene sind daher nur selten von einer spastischen Bronchitis betroffen. Zur Risikogruppe zählen Menschen mit:

  • chronischen Atemwegserkrankungen wie COPD oder Asthma bronchiale
  • Allergien (z. B. gegen Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare)
  • Immunschwäche
  • Verengungen der Atemwege, etwa durch Tumore oder Narbengewebe nach Operationen
  • gastroösophagealer Refluxkrankheit (GERD)

Auch Erwachsene, die regelmäßig Schadstoffen ausgesetzt sind, entwickeln häufiger Atemwegsprobleme.

Symptome der spastischen Bronchitis

Die verengten Atemwege führen typischerweise zu Beschwerden, die die Atmung beeinträchtigen. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Husten, oft begleitet von Auswurf
  • Pfeifende oder brummende Atemgeräusche (Giemen) beim Ausatmen
  • Atemnot, insbesondere bei Anstrengung
  • Engegefühl in der Brust
  • Beschleunigte Atmung
  • Eventuell: Fieber, Schnupfen, Halsschmerzen

In seltenen Fällen kann es zu schwerer Atemnot kommen, die notärztliche Hilfe erfordert.

Rasselgeräusche: Ein wichtiges Symptom

Rasselgeräusche sind abnormale Atemgeräusche, die bei der Auskultation der Lunge mit einem Stethoskop festgestellt werden können. Sie entstehen durch die Bewegung von Luft durch flüssigkeitsgefüllte Atemwege oder durch das Öffnen und Schließen von kleinen Atemwegen. Man unterscheidet verschiedene Arten von Rasselgeräuschen:

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  • Feuchte Rasselgeräusche: Entstehen durch die Ansammlung von Flüssigkeit in den Atemwegen (z. B. Blut, Eiter oder Ödemflüssigkeit). Je nach Weite der betroffenen Atemwegsregion unterscheidet man grobblasige Rasselgeräusche (in den großen Atemwegen) und feinblasige Rasselgeräusche (in den kleinen Atemwegen).
  • Trockene Rasselgeräusche: Treten auf, wenn Schleimfäden durch den Luftstrom beim Atmen in Schwingung versetzt werden, wobei Giemen (Schwingungen höherer Frequenz in den kleineren Atemwegen - auch pfeifender Rhonchus genannt) oder Brummen (Schwingungen niedrigerer Frequenz in den größeren Atemwegen - auch volltönender Rhonchus genannt) hörbar sein kann.
  • Knisterrasseln (Sklerophonie): Weist auf eine fibrosierende Lungenerkrankung (Lungenfibrose) hin und tritt am Ende einer tiefen Einatmung insbesondere über den unteren Lungenabschnitten auf.

Bei der spastischen Bronchitis sind vor allem trockene Rasselgeräusche (Giemen, Brummen) typisch, die durch die Verengung der Atemwege und die vermehrte Schleimbildung entstehen. Feuchte Rasselgeräusche können hinzukommen, wenn sich zusätzlich Flüssigkeit in den Atemwegen ansammelt, beispielsweise bei einer bakteriellen Superinfektion.

Pneumonie (Lungenentzündung) und Rasselgeräusche

Eine Pneumonie ist eine Entzündung des Lungengewebes, die meist durch eine Infektion ausgelöst wird. Die häufigsten Erreger sind Bakterien, insbesondere Pneumokokken, aber auch Viren, Pilze und Parasiten können eine Pneumonie verursachen. Seltener werden Lungenentzündungen durch Fremdkörper oder das Eindringen von Mageninhalt in die Bronchien ausgelöst. Auch Reizgase oder Strahlen können eine Lungenentzündung auslösen.

Symptome der Pneumonie

Die Symptome einer Pneumonie können je nach Erreger und Schweregrad der Erkrankung variieren. Typische Symptome sind:

  • Hohes Fieber
  • Schüttelfrost
  • Husten, oft mit Auswurf (gelblich, grünlich oder blutig)
  • Atemnot
  • Brustschmerzen beim Atmen
  • Allgemeines Krankheitsgefühl

Rasselgeräusche bei Pneumonie

Bei einer Pneumonie sind vor allem feuchte Rasselgeräusche typisch, die durch die Entzündung und die Ansammlung von Flüssigkeit im Lungengewebe entstehen. Die Rasselgeräusche können grob- oder feinblasig sein, je nachdem, welche Bereiche der Lunge betroffen sind.

Diagnose der spastischen Bronchitis und Pneumonie

Die Diagnose einer spastischen Bronchitis oder Pneumonie erfolgt in der Regel durch eine körperliche Untersuchung, insbesondere das Abhören der Lunge mit einem Stethoskop. Ergänzend können weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um die Diagnose zu sichern und die Ursache der Erkrankung zu ermitteln:

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  • Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten nach seinen Beschwerden, Vorerkrankungen und Risikofaktoren.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt hört die Lunge ab, klopft sie ab und beurteilt die Atembewegungen.
  • Lungenfunktionstest: Dieser Test gibt Aufschluss über die Funktion der Atemwege.
  • Röntgenaufnahme des Brustkorbs: Eine Röntgenaufnahme kann helfen, eine Lungenentzündung oder andere Lungenerkrankungen zu erkennen.
  • Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung kann Entzündungszeichen und Hinweise auf den Erreger liefern.
  • Sputumuntersuchung: Bei einer Sputumuntersuchung wird der Auswurf auf Bakterien oder andere Erreger untersucht.
  • Bronchoskopie: In seltenen Fällen kann eine Bronchoskopie (Lungenspiegelung) erforderlich sein, um die Atemwege genauer zu untersuchen und Proben zu entnehmen.

Behandlung der spastischen Bronchitis und Pneumonie

Die Behandlung der spastischen Bronchitis und Pneumonie richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung.

Behandlung der spastischen Bronchitis

  • Symptomatische Behandlung:
    • Ruhe und Schonung
    • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
    • Inhalation von Wasserdampf oder Salzlösungen
    • Schleimlösende Medikamente
    • Bronchodilatatoren (Beta-2-Mimetika, Anticholinergika) zur Erweiterung der Atemwege
    • In schweren Fällen: Kortikosteroide zur Entzündungshemmung
  • Antibiotika: Nur bei bakterieller Superinfektion

Behandlung der Pneumonie

  • Antibiotika: Bei bakterieller Pneumonie
  • Antivirale Medikamente: Bei viraler Pneumonie (in bestimmten Fällen)
  • Symptomatische Behandlung:
    • Ruhe und Schonung
    • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
    • Schmerzlindernde Medikamente
    • Fiebersenkende Medikamente
    • Sauerstofftherapie bei Atemnot
    • In schweren Fällen: Beatmung

Vorbeugung

Einer spastischen Bronchitis und einer Pneumonie lässt sich nur bedingt vorbeugen. Wichtig sind:

  • Impfungen: Gegen Pneumokokken und Grippe
  • Hygienemaßnahmen: Regelmäßiges Händewaschen
  • Vermeidung von Schadstoffen: Nichtrauchen, Vermeidung von Feinstaub und anderen Luftschadstoffen
  • Stärkung des Immunsystems: Ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung

Verlauf und Prognose

In den meisten Fällen heilen sowohl die spastische Bronchitis als auch die Pneumonie bei rechtzeitiger und adäquater Behandlung vollständig aus. Bei Säuglingen, Kleinkindern, älteren Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen kann der Verlauf jedoch schwerer oder langwieriger sein. Auch Komplikationen wie eine Lungenentzündung, ein Lungenabszess oder eine Sepsis sind möglich.

Chronische Verläufe

Wiederkehrende Episoden einer spastischen Bronchitis treten besonders bei Kindern mit allergischer Veranlagung oder bei häufiger Virusexposition auf. Bei etwa 20 Prozent der Betroffenen sind die Atemwege dauerhaft verengt und die Erkrankung entwickelt sich zu Asthma bronchiale oder einer chronischen Bronchitis (COB). Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird eine COB diagnostiziert, wenn Husten und Auswurf über zwei Jahre hinweg während mindestens drei Monaten pro Jahr auftreten. Geht eine COB zusätzlich mit einem Lungenemphysem (sogenannte Überblähung der Lungenbläschen) einher, sprechen Fachleute von COPD (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung).

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