Die SPECT (Single Photon Emission Computed Tomography) ist eine nuklearmedizinische Untersuchung, die in der Epilepsiediagnostik eine wichtige Rolle spielt. Sie dient der Abbildung der Durchblutung von Hirnregionen und kann besonders wertvolle Informationen liefern, wenn andere bildgebende Verfahren wie MRT (Magnetresonanztomographie) keine eindeutigen Ergebnisse liefern.
Einführung in die Epilepsie-Diagnostik
Die Epilepsie-Diagnostik ist ein komplexer Prozess, der darauf abzielt, die Ursache von Anfällen zu identifizieren und die bestmögliche Therapie für den Patienten zu finden. Neben der Anamnese und der klinisch-neurologischen Untersuchung spielen bildgebende Verfahren eine entscheidende Rolle. Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist aufgrund ihrer hohen Sensitivität und Spezifität die Methode der Wahl, um strukturelle Veränderungen im Gehirn darzustellen. Allerdings können nicht alle epileptogenen Läsionen im MRT erkannt werden. In solchen Fällen kommen nuklearmedizinische Verfahren wie SPECT und PET (Positronen-Emissions-Tomographie) zum Einsatz.
Indikation für eine SPECT-Untersuchung
Die SPECT-Untersuchung wird in der Epilepsiediagnostik vor allem in folgenden Situationen eingesetzt:
- Prächirurgische Diagnostik: Bei Patienten mit therapieresistenten fokalen Epilepsien, die für einen epilepsiechirurgischen Eingriff in Frage kommen, ist eine präzise Lokalisation des Anfallsursprungs entscheidend. Die SPECT kann hier wertvolle Informationen liefern, insbesondere wenn die MRT keine eindeutigen Ergebnisse zeigt.
- Nicht-läsionale Epilepsien: Bei Patienten, bei denen im MRT keine strukturellen Veränderungen im Gehirn gefunden werden, kann die SPECT helfen, den epileptogenen Fokus zu lokalisieren.
- Diskordante Befunde: Wenn die Ergebnisse verschiedener diagnostischer Verfahren (MRT, EEG, klinischer Anfallsablauf) nicht übereinstimmen, kann die SPECT zur Klärung beitragen.
Das SPECT-Verfahren im Detail
Die SPECT ist eine nuklearmedizinische Untersuchung, bei der ein schwach radioaktiver Stoff (Radiopharmakon) in den Körper injiziert wird. Dieses Radiopharmakon reichert sich in den Hirnregionen entsprechend ihrer Durchblutung an. Mit einer speziellen Kamera (SPECT-fähige Gammakamera) werden dann Aufnahmen des Gehirns angefertigt. Diese Aufnahmen zeigen Schnittbilder, die die Durchblutung der verschiedenen Hirnregionen darstellen.
Interiktale SPECT
Die interiktale SPECT wird im anfallsfreien Intervall durchgeführt. Dabei wird nach einer Ruhephase ein Radiopharmakon appliziert, das sich in kurzer Zeit im Gehirn entsprechend der Durchblutung verteilt. Anfallsherde verraten sich häufig durch eine verminderte Durchblutung.
Lesen Sie auch: Parkinson und SPECT: Detaillierte Einblicke
Iktale SPECT
Die iktale SPECT wird während eines epileptischen Anfalls durchgeführt. Dazu ist ein stationärer Aufenthalt auf einer Monitoringsstation erforderlich. Das Radiopharmakon wird dabei so früh wie möglich nach Anfallsbeginn injiziert. In dieser Untersuchung zeigen sich die Anfallsherde durch eine erhöhte Durchblutung. Die iktale SPECT hat eine besonders hohe lokalisatorische Wertigkeit, wenn die Anfälle komplex-fokal sind und länger als 15 Sekunden dauern.
Ablauf der SPECT-Untersuchung
- Vorbereitung: Der Patient wird über den Ablauf der Untersuchung informiert und eventuelle Fragen werden beantwortet.
- Injektion des Radiopharmakons: Das Radiopharmakon wird in eine Vene injiziert.
- Wartezeit: Je nach Art der SPECT-Untersuchung (interiktal oder iktal) beträgt die Wartezeit zwischen Injektion und Aufnahme etwa eine halbe Stunde bis zwei Stunden.
- Aufnahme: Der Patient liegt während der Aufnahme auf einer Liege, während die Gammakamera Aufnahmen des Gehirns anfertigt. Die Aufnahme dauert etwa eine halbe Stunde. Während der Aufnahme muss der Kopf ruhig gehalten werden.
- Auswertung: Die aufgenommenen Bilder werden von einem Nuklearmediziner ausgewertet.
Kombination mit CT (SPECT/CT)
Die SPECT kann auch mit einer Computertomographie (CT) kombiniert werden (SPECT/CT). Diese Kombination ermöglicht eine präzisere Zuordnung der funktionellen Informationen der SPECT zu den anatomischen Strukturen des Gehirns.
Interpretation der SPECT-Ergebnisse
Die Interpretation der SPECT-Ergebnisse erfordert Erfahrung und Expertise. Die Durchblutungsmuster im Gehirn werden analysiert und mit den Ergebnissen anderer diagnostischer Verfahren verglichen. Eine verminderte Durchblutung in einer bestimmten Hirnregion kann auf einen Anfallsherd hinweisen, während eine erhöhte Durchblutung während eines Anfalls den Anfallsursprung bestätigen kann.
Vorteile und Nachteile der SPECT
Vorteile
- Funktionelle Information: Die SPECT liefert Informationen über die Hirnfunktion (Durchblutung), die mit anderen bildgebenden Verfahren nicht gewonnen werden können.
- Lokalisation des Anfallsursprungs: Die SPECT kann helfen, den Anfallsursprung zu lokalisieren, insbesondere wenn die MRT keine eindeutigen Ergebnisse liefert.
- Nicht-invasiv: Die SPECT ist ein nicht-invasives Verfahren, das in der Regel gut vertragen wird.
Nachteile
- Strahlenbelastung: Die SPECT ist mit einer geringen Strahlenbelastung verbunden.
- Zeitaufwand: Die iktale SPECT erfordert einen stationären Aufenthalt und eine kontinuierliche Überwachung.
- Interpretation: Die Interpretation der SPECT-Ergebnisse erfordert Erfahrung und Expertise.
Alternativen zur SPECT
Neben der SPECT gibt es noch andere nuklearmedizinische Verfahren, die in der Epilepsiediagnostik eingesetzt werden können. Die wichtigste Alternative ist die Positronen-Emissions-Tomographie (PET).
PET (Positronen-Emissions-Tomographie)
Bei der PET wird meist der Zuckerstoffwechsel des Gehirns untersucht (FDG-PET). Anfallsherde lassen sich durch eine verminderte Zuckeraufnahme erkennen. Im Vergleich zur SPECT der Gehirndurchblutung ist die Auflösung etwa doppelt so gut und damit die Erkennbarkeit von Herden zwischen den Anfällen besser.
Lesen Sie auch: Gehirn-SPECT verstehen
Die Rolle der SPECT in der prächirurgischen Epilepsiediagnostik
Die prächirurgische Epilepsiediagnostik zielt darauf ab, Patienten zu identifizieren, die von einem operativen Eingriff profitieren können. Die SPECT spielt in diesem Prozess eine wichtige Rolle. Sie kann dazu beitragen, den Anfallsursprung zu lokalisieren und die individuellen Chancen und Risiken eines epilepsiechirurgischen Eingriffs zu ermitteln.
Voraussetzungen für einen möglichen OP-Erfolg
Voraussetzungen für einen möglichen OP-Erfolg sind:
- Es gelingt der Nachweis einer umschriebenen epileptogenen Region/Läsion, die für die Epilepsie verantwortlich ist (Diagnostik: MRT, EEG, klinischer Anfallsablauf im Video-EEG, MEG, PET, SPECT, MR-Spect, Neuropsychologie…).
- Die Region muss operativ angehbar sein, d.h. eine komplette Entfernung der epileptogenen Zone ist technisch möglich.
Ablauf der prächirurgischen Diagnostik
- Anamnese und klinische Untersuchung: Erhebung der Krankengeschichte und neurologische Untersuchung des Patienten.
- Nicht-invasive Diagnostik: MRT, EEG, Video-EEG-Monitoring, neuropsychologische Testung, PET oder SPECT.
- Invasive Diagnostik (falls erforderlich): Wenn die nicht-invasive Diagnostik keine eindeutigen Ergebnisse liefert, kann eine invasive Diagnostik mit implantierten Elektroden erforderlich sein.
- Fallkonferenz: Alle erhobenen Befunde werden im Rahmen einer Fallkonferenz mit den Kollegen des Universitätsklinikums diskutiert.
- Besprechung mit dem Patienten: Die Ergebnisse der Fallkonferenz werden ausführlich mit dem Patienten und ggf. Angehörigen besprochen.
Epilepsiezentrum
Die Einrichtung einer Epilepsie-Unit dient zum einen der Abklärung bei Kindern und Jugendlichen mit therapieschwierigen fokalen Epilepsien hinsichtlich der Möglichkeit eines epilepsiechirurgischen Eingriffs. Darüber hinaus geht es um die Klärung der aktuellen Anfallssituation und um die Zuordnung zu einem bestimmten Epilepsiesyndrom. Für das Langzeit-Video-EEG-Monitoring stehen Ableiteplätze zur Verfügung. Neben der Video-EEG-Diagnostik werden auch die anderen Untersuchungsmethoden der prächirurgischen Diagnostik auf Station koordiniert bzw. Die prächirurgische Epilepsiediagnostik ist eingebunden in die neuropädiatrische Station. Tagsüber ist der Bereich durch hochspezialisierte Pflegekräfte und MTAs versorgt.
Lesen Sie auch: SPECT-Anwendungen im Gehirn
tags: #spect #untersuchung #epilepsie #erfahrungen