Morbus Parkinson, umgangssprachlich oft einfach "Parkinson" genannt, ist eine chronische, fortschreitende neurologische Erkrankung, die das motorische Nervensystem beeinträchtigt. Charakteristisch ist der Verlust von Nervenzellen in der Substantia nigra, einem Hirnbereich, der Dopamin produziert. Dopamin ist ein wichtiger Neurotransmitter, der für die Weiterleitung von Signalen an die Muskulatur und somit für die Steuerung von Bewegungen unerlässlich ist. Ein Mangel an Dopamin führt zu den typischen Parkinson-Symptomen.
Symptome und Diagnose von Morbus Parkinson
Die Kardinalsymptome des Parkinson-Syndroms umfassen Hypo- oder Akinese (Bewegungsarmut oder völlige Bewegungslosigkeit), Rigor (erhöhte Muskelspannung), Tremor (Zittern) und eine verminderte Körperstabilität. Diese Symptome treten jedoch oft erst in späteren Stadien der Erkrankung auf.
Zu Beginn des Krankheitsverlaufs können die Symptome unspezifisch sein und Müdigkeit, Verspannungen, Schlafstörungen und Verstopfung umfassen. Im Laufe der Zeit treten zunehmend motorische Beeinträchtigungen auf, wie Schwierigkeiten bei feinmotorischen Tätigkeiten, Veränderungen des Gangbildes und der Mimik.
Die Diagnose Morbus Parkinson wird in der Regel anhand von klinischen Tests gestellt. Der Neurologe untersucht die Motorik des Patienten und erfragt detailliert die Krankengeschichte und eventuelle Beschwerden. Bildgebende Verfahren wie CT und MRT können eingesetzt werden, um andere Erkrankungen auszuschließen, die neurologische Störungen verursachen könnten.
Spezialisierte Versorgung für Parkinson-Patienten
Für eine umfassende Betreuung von Parkinson-Patienten ist die Expertise von Spezialisten unerlässlich. Spezialambulanzen und Parkinson-Kliniken bieten eine umfassende Diagnostik, Therapie und Beratung für Betroffene und ihre Angehörigen.
Lesen Sie auch: Umfassende Parkinson-Behandlung
Parkinson-Spezialambulanzen
Die Parkinson-Spezialambulanz richtet sich an Patienten mit Verdacht auf oder bereits diagnostiziertem Morbus Parkinson oder anderen extrapyramidal-motorischen Erkrankungen wie Dystonie oder Multisystematrophie. In frühen Stadien der Erkrankung wird eine differenzierte Initialbehandlung mit Medikamenten und zusätzlichen Therapieverfahren eingeleitet.
Ein Schwerpunkt der Parkinson-Ambulanz liegt auf der Erforschung der Ursachen des Morbus Parkinson und der Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten. Interessierte Patienten werden über wissenschaftliche Studien und Teilnahmemöglichkeiten sowie den aktuellen Stand der Forschung informiert.
Schwerpunkte der Ambulanz
- Diagnostische Einordnung von Parkinson- und Tremor-Syndromen, insbesondere Frühdiagnostik und Initialtherapie der Parkinson-Krankheit.
- Einleitung ambulanter oder stationärer Untersuchungen wie Levodopa-Test, Tremoranalyse, bildgebende Untersuchungen, Liquoruntersuchung, genetische Untersuchungen.
- Diagnostik und Therapie nicht-motorischer Symptome.
- Identifikation von möglichen Frühformen wie zum Beispiel die Traum/REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD).
- Identifikation von möglichen genetisch-assoziierten Parkinson Erkrankungen.
- Beratung zu und Durchführung von interventionellen Therapien wie Tiefe Hirnstimulation, Apomorphinpumpe, Apomorphin-Pen, duodenale Levodopa-Sonden.
- Beratung und Einleitung eines stationären nicht-medikamentösen Trainingsprogramms für Parkinson-Patienten: multimodale Parkinson-Komplexbehandlung.
- Allgemeine Therapie- und Verlaufskontrolle begleitend zur ambulanten Versorgung durch niedergelassene Kollegen/innen.
- Durchführung klinischer Studien (Therapiestudien, Beobachtungsstudien, neurowissenschaftliche Studien).
Parkinson-Kliniken
In einer Fachklinik für Parkinson stehen Fachärzte verschiedener Fachrichtungen zur Verfügung, um die Parkinson-Erkrankung und etwaige Begleiterkrankungen nach einem ganzheitlichen und fächerübergreifenden Therapiekonzept zu behandeln. Der Besuch einer solchen Parkinson-Klinik kann ratsam sein, wenn im Verlauf der Erkrankung Komplikationen auftreten, deren Behandlung eine große fachärztliche Erfahrung voraussetzt. Bei einer medikamentösen Einstellung kann es unter bestimmten Bedingungen von Vorteil sein, eine solche Klinik mit einzubeziehen. In einer Parkinson-Klinik steht zudem ein erfahrenes Team von Therapeuten zur Verfügung, das ein vielfältiges Spektrum aktivierender Begleittherapien anbietet.
Therapieansätze bei Morbus Parkinson
Die Behandlung von Morbus Parkinson zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die je nach Stadium der Erkrankung und individuellen Bedürfnissen eingesetzt werden.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie ist ein wichtiger Bestandteil der Parkinson-Behandlung. Ziel ist es, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen. Dies kann durch verschiedene Wirkstoffe erreicht werden, die die Dopaminkonzentration erhöhen, den Abbau verlangsamen oder die Wirkung von Dopaminagonisten verstärken.
Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne
Levodopa ist das wirksamste Medikament zur Behandlung motorischer Symptome. Es wird im Körper in Dopamin umgewandelt und kann so den Dopaminmangel ausgleichen.
Apomorphin ist ein starker Dopaminagonist, der zur Behandlung motorischer Symptome zur Verfügung steht. Es kann als einmalige Gabe über einen Apomorphin-Pen oder als kontinuierliche Infusion über eine Pumpe verabreicht werden.
Nicht-medikamentöse Therapie
Neben der medikamentösen Therapie spielen nicht-medikamentöse Therapien eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Morbus Parkinson.
Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie können helfen, die Beweglichkeit, Koordination, Sprach- und Schluckfunktion zu verbessern und die Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten.
Eine multimodale Parkinson-Komplexbehandlung (PKB) ist eine vollstationäre, multidisziplinäre Behandlungsmaßnahme, die bei krisenhaften Symptomverschlechterungen eingesetzt werden kann.
Lesen Sie auch: Spezialist für Neurologie – Was macht er?
Interventionelle Therapien
Für Patienten mit fortgeschrittenem Morbus Parkinson, bei denen die medikamentöse Therapie nicht mehr ausreichend wirkt, können interventionelle Therapien in Betracht gezogen werden.
Tiefe Hirnstimulation (Hirnschrittmacher)
Die tiefe Hirnstimulation ist ein neurochirurgischer Eingriff, bei dem Elektroden in bestimmte Hirnregionen implantiert werden. Die elektrischen Impulse, die durch diese Elektroden produziert werden, beeinflussen bestimmte Nervenzellen und chemische Prozesse im Gehirn. Die Stimulation wird durch einen Hirnschrittmacher kontrolliert.
Die tiefe Hirnstimulation kann bei Patienten mit essentiellem Tremor, Dystonien und fortgeschrittenem Morbus Parkinson eingesetzt werden, um die motorischen Symptome zu lindern.
Apomorphin-Pumpe
Apomorphin kann auch als kontinuierliches medikamentöses Verfahren eingesetzt werden, indem man Apomorphin über eine kleine Pumpe und einen subkutan in die Haut gesetzten Katheter infundiert. Die Pumpe stellt dabei im Vergleich zu Tabletten einen gleichmäßigeren Medikamentenspiegel und damit eine gleichmäßigere Wirkung sicher.
Duodenale Levodopa-Sonde (Duodopa®)
Levodopa/Carbidopa Intestinalgel (Duodopa®) ist zugelassen zur Behandlung motorischer Fluktuationen der fortgeschrittenen Parkinson-Erkrankung. Das Gel wird über eine durch die Bauchwand gelegte doppelläufige Magensonde, deren innere Schlauchsonde im oberen Dünndarm liegt (einer sog. „J-PEG“), von einer am Körper getragenen Pumpe direkt an den Ort der Resorption des Wirkstoffes gepumpt. Damit werden Verzögerungen des Wirkungseintritts infolge einer Magenentleerungsstörung wirksam umgangen.
Intrathekale Baclofen-Behandlung (ITB)
Bei schwerer, chronischer Spastizität, die mit Physiotherapie und oralen Antispastika nicht ausreichend behandelbar ist, kann die Indikation zur intrathekalen Baclofen-Behandlung (ITB) gegeben sein. Dabei wird Baclofen direkt in den Nervenwasserraum injiziert, um die Spastik zu reduzieren.
Botulinumtoxin-Therapie
Botulinumtoxin wirkt an der neuromuskulären Endplatte, indem es durch eine reversible Blockade die Freisetzung von Acetylcholin aus der terminalen Synapse verhindert. Aus der temporären Unterbrechung der neuromuskulären Übertragung resultiert eine vorübergehende Schwächung der injizierten Muskulatur.
In der Spezialambulanz für Botulinumtoxin werden Menschen mit unterschiedlichen Dystonie- und Dyskinesieformen betreut, z.B. Torticollis spasmodicus/zervikale Dystonie (Schiefhals), Blepharospasmus/Meige-Syndrom, segmentale Dystonien, generalisierte Dystonie und aktionsinduzierte Dystonien (z.B. Schreibkrampf). Zudem werden auch Spasmus hemifacialis, fokale Spastik (z.B. nach Schlaganfall oder bei Multipler Sklerose), chronische Migräne und Hypersalivation aufgrund neurologischer Erkrankungen behandelt.
Forschung und Studien
Die Parkinson-Ambulanz ist an der Erforschung der Ursachen des Morbus Parkinson und an der Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten beteiligt. Es werden klinische Studien durchgeführt, um die Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit neuer Medikamente zu überprüfen. Zudem werden prospektive Beobachtungsstudien zur Erforschung von klinischem Verlauf und zur Entwicklung von neuen Biomarkern von Bewegungsstörungen durchgeführt.
Leben mit Parkinson
Morbus Parkinson stellt das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen vor große Herausforderungen. Es ist wichtig, sich umfassend über die Erkrankung zu informieren, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen und aktiv am sozialen Leben teilzunehmen.
Selbsthilfegruppen
Selbsthilfegruppen bieten eine wertvolle Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und gegenseitige Unterstützung zu finden.
Rehabilitation
Eine medizinische Rehabilitation kann einen wichtigen Beitrag zur Förderung des Gesundheitszustands leisten. Das Ziel ist, den Patienten zu größtmöglicher Beweglichkeit und Selbstständigkeit zu verhelfen und ihre individuelle Lebensqualität zu verbessern.
tags: #spezialist #fur #parkinson