Polyneuropathie-Spezialisten in Niedersachsen: Ein umfassender Überblick

Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, die in Niedersachsen eine bedeutende Rolle in der neurologischen Versorgung spielt. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Erkrankung, ihre Ursachen, Symptome, Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten sowie spezialisierte Kliniken und Praxen in Niedersachsen.

Einführung in die Polyneuropathie

Die Polyneuropathie betrifft das periphere Nervensystem (PNS), welches alle Nerven außerhalb des Gehirns und Rückenmarks umfasst. Die Reizweiterleitung von Sinnesreizen an das Gehirn ist gestört. Aufgrund der Länge der Nerven in Beinen und Armen treten die Symptome häufig dort auf. Bei einer Polyneuropathie sind mehrere Nervenfasern geschädigt oder zerstört, wodurch die Reizweiterleitung gestört ist. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 65 Jahren, wobei Männer etwas häufiger als Frauen betroffen sind.

Ursachen der Polyneuropathie

Die Ursachen für eine Polyneuropathie sind vielfältig und liegen häufig in anderen Grunderkrankungen. Die konsequente Behandlung der Grunderkrankung ist das Wichtigste, um die Symptome langfristig zu bekämpfen und fortschreitende Nervenschäden zu verhindern.

Häufige Ursachen sind:

  • Diabetes mellitus: Die diabetische Polyneuropathie ist das häufigste Krankheitsbild der Polyneuropathien.
  • Chronischer Alkoholmissbrauch: Übermäßiger Alkoholkonsum kann zu Nervenschäden führen.
  • Stoffwechselerkrankungen: Erkrankungen von Leber, Niere und Schilddrüse können Polyneuropathien verursachen.
  • Vitaminmangelzustände: Ein Mangel an bestimmten Vitaminen, insbesondere B-Vitamine, kann Nervenschäden verursachen.
  • Medikamente: Nebenwirkungen bestimmter Medikamente, wie Zytostatika (Chemotherapie), können Polyneuropathien auslösen.
  • Toxine: Kontakt mit bestimmten Giften kann Nervenschäden verursachen.
  • Genetische Faktoren: In seltenen Fällen können genetische Veranlagungen eine Rolle spielen.
  • Entzündliche Erkrankungen: Entzündungen des Nervensystems, wie die chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP), können Polyneuropathien verursachen.
  • Autoimmunerkrankungen: Autoimmunreaktionen können das Nervensystem angreifen.
  • Infektiöse Ursachen: Bestimmte Infektionen können Polyneuropathien verursachen.
  • Tumorerkrankungen: In seltenen Fällen kann eine Tumorerkrankung zu einer schnell fortschreitenden Polyneuropathie führen.

Symptome der Polyneuropathie

Die Symptome einer Polyneuropathie sind vielfältig und hängen davon ab, welche Nervenfasern betroffen sind. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

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  • Kribbeln der Haut: Ein unangenehmes Kribbeln oder Prickeln, meist in den Füßen oder Händen.
  • Taubheitsgefühl: Vermindertes oder fehlendes Gefühl in den betroffenen Bereichen.
  • Nachlassende Muskelkraft: Schwäche in den Händen oder Füßen, die zu Schwierigkeiten beim Greifen oder Gehen führen kann.
  • Verdauungsprobleme: Störungen der Verdauung, wie Verstopfung oder Durchfall, können auftreten, wenn das autonome Nervensystem betroffen ist.
  • Juckreiz: Ein unangenehmer Juckreiz, der schwer zu lindern ist.
  • Schwellungsgefühl: Das Gefühl von geschwollenen Füßen oder Händen, auch wenn keine sichtbare Schwellung vorhanden ist.
  • Muskelkrämpfe: Schmerzhafte Muskelkrämpfe, insbesondere in den Beinen.
  • Schwindel: Schwindelgefühle, insbesondere beim Aufstehen.
  • Gang- und Gleichgewichtsprobleme: Unsicherheit beim Gehen und erhöhte Sturzgefahr.
  • Schlafstörungen: Quälende sensible Reizerscheinungen können zu Schlafstörungen führen.
  • Sprech- und Schluckstörungen: Bei Mitbeteiligung von Hirnnerven können Sprech- und Schluckstörungen auftreten.
  • Kreislaufprobleme: Bei Mitbeteiligung des autonomen Nervensystems können Kreislaufprobleme auftreten.
  • Sexuelle Störungen: Bei Mitbeteiligung des autonomen Nervensystems können sexuelle Störungen auftreten.

Diagnose der Polyneuropathie

Die Diagnose einer Polyneuropathie umfasst in der Regel folgende Schritte:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der aktuellen Beschwerden.
  • Klinisch-neurologische Untersuchung: Beurteilung der neurologischen Funktionen wie Motorik, Koordination, Sensibilität und Reflexe.
  • Neurophysiologische Diagnostik:
    • Neurographie (ENG): Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, um Schäden an den Nerven festzustellen.
    • Elektromyographie (EMG): Messung der elektrischen Aktivität der Muskeln, um Muskelerkrankungen oder Nervenschäden zu erkennen.
    • Evozierte Potentiale: Messung der Nervenleitfähigkeit bei Stimulation bestimmter Sinnesorgane (z.B. Sehnerven, Hörnerven).
  • Laboruntersuchungen: Blutuntersuchungen, um mögliche Ursachen wie Diabetes, Vitaminmangel oder Entzündungen zu identifizieren.
  • Liquoruntersuchung: Untersuchung des Nervenwassers, um Entzündungen oder andere Erkrankungen des Nervensystems auszuschließen.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie MRT oder CT eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen.

Behandlung der Polyneuropathie

Die Behandlung der Polyneuropathie zielt darauf ab, die Grunderkrankung zu behandeln, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

  • Behandlung der Grunderkrankung: Die konsequente Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung ist das Wichtigste, um die Symptome langfristig zu bekämpfen. Bei Diabetes ist eine optimale Blutzuckereinstellung entscheidend. Bei Alkoholmissbrauch ist eine Alkoholkarenz erforderlich. Vitaminmängel sollten ausgeglichen werden.
  • Medikamentöse Therapie:
    • Schmerzmittel: Zur Linderung von Schmerzen können verschiedene Schmerzmittel eingesetzt werden.
    • Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva können bei neuropathischen Schmerzen helfen.
    • Antikonvulsiva: Einige Antikonvulsiva werden ebenfalls zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen eingesetzt.
    • Cortison oder Immunglobuline: Bei entzündlichen Polyneuropathien wie CIDP können Cortison oder Immunglobuline eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft und Koordination zu verbessern.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, dieAlltagsfähigkeiten zu erhalten oder zu verbessern.
  • Logopädie: Bei Sprech- und Schluckstörungen kann Logopädie helfen.
  • Psychologische Betreuung: Bei Depressionen oder anderen psychischen Problemen kann eine psychologische Betreuung hilfreich sein.
  • Rehabilitation: Eine neurologische Rehabilitation kann helfen, dieFunktionsfähigkeit und Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Spezialisten und Kliniken in Niedersachsen

In Niedersachsen gibt es mehrere Kliniken und Praxen, die sich auf die Behandlung von Polyneuropathien spezialisiert haben. Einige Beispiele sind:

  • DIAKOVERE Henriettenstift, Hannover: Die Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie bietet ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Leistungen für Patienten mit Polyneuropathien. Die Klinik verfügt über eine Stroke Unit und eine neurologisch-neurochirurgische Frührehabilitation.
  • Marienhospital Osnabrück - Standort Natruper Holz: Die neurologische Abteilung ist auf die Versorgung von MS-Patienten eingerichtet und bietet eine umfassende Diagnostik und individualisierte Therapie.
  • Neuro-Praxis im Medicum Walsrode: Die Praxis hat einen neurologischen Schwerpunkt und bietet diagnostische Einordnung und Therapie von neurologischen Erkrankungen wie Polyneuropathie.
  • MEDIAN Kliniken: Die neurologischen MEDIAN-Rehabilitationskliniken bieten einen multimodalen Behandlungsansatz für Polyneuropathien.

Weitere Spezialisten und Kliniken:

Es ist ratsam, sich bei der Suche nach einem Spezialisten oder einer Klinik von Ihrem Hausarzt oder Neurologen beraten zu lassen. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) bietet auf ihrer Website eine Liste von zertifizierten neurologischen Kliniken und Praxen.

Leben mit Polyneuropathie

Eine Polyneuropathie kann das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, sich professionelle Hilfe zu suchen und aktiv an der Behandlung mitzuwirken.

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Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein. Die Deutsche Polyneuropathie Selbsthilfe e.V. bietet Informationen und Unterstützung für Betroffene und ihre Angehörigen.

Prävention:

  • Optimale Behandlung von Diabetes mellitus: Eine gute Blutzuckereinstellung kann das Risiko einer diabetischen Polyneuropathie reduzieren.
  • Alkoholkarenz: Vermeiden Sie übermäßigen Alkoholkonsum.
  • Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Nährstoffen.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann die Durchblutung fördern und die Nervenfunktion verbessern.
  • Vermeidung von Toxinen: Vermeiden Sie den Kontakt mit giftigen Substanzen.

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