Spinale Meningeale Zysten: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Spinale meningeale Zysten sind flüssigkeitsgefüllte Strukturen, die sich innerhalb des Spinalkanals bilden können. Sie sind relativ selten, werden aber aufgrund der zunehmenden Verwendung hochauflösender Bildgebungstechniken wie CT und MRT häufiger entdeckt. Obwohl viele asymptomatisch sind und keiner Behandlung bedürfen, können größere Zysten Druck auf das Rückenmark oder die Nervenwurzeln ausüben und zu neurologischen Symptomen führen.

Arten von spinalen Zysten

Spinale Zysten lassen sich in drei Hauptkategorien einteilen:

  • Meningeale Zysten: Diese Zysten sind von den Meningen umgeben, den Membranen, die das Gehirn und das Rückenmark bedecken. Zu den meningealen Zysten gehören Arachnoidalzysten und Wurzeltaschenzysten (Tarlov-Zysten).
  • Nicht-meningeale Zysten: Diese Zysten entstehen nicht aus den Meningen. Synovialzysten sind ein Beispiel für nicht-meningeale Zysten.
  • Tumorassoziierte Zysten: Diese Zysten sind mit Tumoren verbunden.

Arachnoidalzysten

Arachnoidalzysten sind mit Flüssigkeit gefüllte Räume, die von Arachnoidalzellen umgeben sind. Sie bilden sich auf der Arachnoidea, einer der drei Membranen, die Gehirn und Rückenmark umgeben. Intrakranielle Arachnoidalzysten treten bei etwa fünf von 1000 Personen auf.

Entstehung

Arachnoidalzysten entstehen, wenn sich in der Arachnoidea eine Ausstülpung bildet, die sich dann mit Liquor füllt und zu einer Zyste heranwachsen kann.

  • Primäre Arachnoidalzysten: Diese sind in der Regel angeboren und entstehen während der Entwicklung des Fötus. Man nimmt an, dass sie durch eine abnormale Teilung oder Fehlentwicklung der Arachnoidea verursacht werden.
  • Sekundäre Arachnoidalzysten: Diese treten infolge einer Verletzung, Entzündung, eines Tumors oder einer Gehirnoperation auf.

Lokalisation

  • Intrakranielle Arachnoidalzysten: Die meisten befinden sich im Schädelinneren, etwa die Hälfte davon in der mittleren Schädelgrube, oft im Bereich der Sylvischen Fissur. Mehrheitlich befinden sich die Arachnoidalzysten in der linken Gehirnhälfte.
  • Spinale Arachnoidalzysten: Diese befinden sich meist dorsal im thorakalen Bereich der Wirbelsäule.

Symptome

Viele Arachnoidalzysten verursachen keine Symptome und werden zufällig bei medizinischen Untersuchungen entdeckt. Wenn Symptome auftreten, variieren diese je nach Art der Zyste.

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  • Intrakranielle Arachnoidalzysten: Kopfschmerzen, epileptische Anfälle, erhöhter Hirndruck (mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen), Sehstörungen, hormonelle Störungen, Halbseitensymptomatik, Zunahme des Kopfumfangs bei Säuglingen, Entwicklungsverzögerung bei Kindern und Jugendlichen.
  • Spinale Arachnoidalzysten: Ausstrahlende Schmerzen in Arme oder Beine, Lähmungserscheinungen, Sensibilitätsstörungen, Gangunsicherheit, Störungen von Blasen- und Mastdarmfunktion.

In seltenen Fällen können Arachnoidalzysten platzen und einbluten.

Diagnose

Arachnoidalzysten werden typischerweise durch bildgebende Verfahren wie CT oder MRT diagnostiziert. Die Galassi-Klassifikation wird verwendet, um Arachnoidalzysten in der mittleren Schädelgrube zu klassifizieren.

Behandlung

Auch wenn eine Zyste keine Symptome verursacht, ist eine periodische Überwachung empfehlenswert. Bei symptomatischen Zysten wird eine Behandlung geplant, die von der Lokalisierung, Größe und den klinischen Auswirkungen der Zyste abhängt.

Wurzeltaschenzysten (Tarlov-Zysten)

Wurzeltaschenzysten, auch Tarlov-Zysten genannt, sind relativ häufig und wurden erstmals 1938 von Tarlov beschrieben. Es handelt sich um Zysten, die meist am Übergang der dorsalen Nervenwurzel ins Ganglion lokalisiert sind und typischerweise im Kreuzbein, in Höhe S2 und S3 auftreten.

Merkmale

Sie sind meistens multipel und dadurch charakterisiert, dass sie Nervenwurzelfasern enthalten, wodurch sie sich von den extraduralen Zysten (z.B. Synovialzysten) unterscheiden.

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Ursache

Die Ursache der Zysten ist unklar. Wahrscheinlich spielen genetische Faktoren eine Rolle, wodurch die Festigkeit der Dura an diesen Übergangsstellen geschwächt ist und somit ballonartig infolge des Nervenwasserdrucks ausbuchten kann. Deshalb werden diese Zysten auch als Divertikel bezeichnet.

Lokalisation

Prinzipiell können Wurzeltaschenzysten in allen drei Wirbelsäulenabschnitten (Hals-, Brust-, Lendenwirbelsäule) und am Kreuzbein auftreten. Sie finden sich jedoch vermehrt am Kreuzbein. Dies kann mit dem hydrostatischen Druck im Nervenwasser, welcher am Kreuzbein am höchsten ist, im Zusammenhang stehen. Auch Einschränkungen in der Zirkulation des Nervenwassers in den Wurzeltaschen spielen eine Rolle. Ventilmechanismen können den Einstrom erleichtern, den Abstrom aber erschweren.

Symptome

Die Behandlungsbedürftigkeit der Wurzeltaschen-Zysten wird kontrovers diskutiert. Die Zysten werden häufig als Zufallsbefund im Rahmen der Diagnostik von degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen gefunden. Sie können in Größe, Gestalt und Lokalisation variieren.

Wenn die Zysten im Wirbelkanal lokalisiert sind, können Sie auch auf benachbarte Nervenwurzeln Druck ausüben. Dadurch können radikuläre Beschwerden entstehen, wie ins Bein ausstrahlende Schmerzen entsprechend einer Nervenwurzel, Taubheitsgefühle und in seltenen Fällen auch Lähmungen. Somit können die Symptome bei Wurzeltaschenzysten auch einen Bandscheibenvorfall vortäuschen. Häufig entsteht die Symptomatik jedoch langsam progredient, während der Bandscheibenvorfall eher akut symptomatisch wird. Auch wenn dies eher selten ist, da der Druck langsam ansteigt und über die Zeit eine Anpassung erfolgen kann, so können auch Kompensationsgrenzen überschritten und dann die Zysten symptomatisch werden.

Diagnose

In der medizinischen Behandlung gilt es abzuklären, ob weitere Ursachen für bestimmte Symptome verantwortlich sein können oder ob es die Zyste ist.

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Behandlung

Die Operationsindikation besteht nur in den Fällen, in denen die radikulären Beschwerden mit den Wurzeltaschenzysten übereinstimmen. In diesen seltenen Fällen besteht die Behandlung in der chirurgischen Resektion, d.h. Abtragung der Zysten (bestehend aus Arachnoidea alleine oder aus Arachnoidea und Dura). Die Dura kann nach der Abtragung entweder direkt verschlossen oder bei grossen Zysten durch Faltung gerafft werden. Manchmal ist eine Resektion der Zystenwand nicht möglich, da Nervenfasern sich fächerförmig in der gesamten Zystenwand ausbreiten. In solchen Fällen bleibt lediglich die knöcherne Dekompression (Entlastung) der Zyste. Andererseits können auch Ventilmechanismen in der Zyste beseitigt und die Zirkulation des Nervenwassers verbessert werden.

Perineurale Zysten (Tarlov-Zysten)

Eine perineurale Zyste ist eine mit Hirnwasser gefüllte Aussackung der Nervenwurzel im unteren Ende des Liquor-Raumes, die durch gestörte Druckverhältnisse entsteht.

Ursache

Eine perineurale Zyste ist die Folge eines Druck-Ungleichgewichts im Liquor-Raum, die sich als mit Hirnwasser gefüllte Ausstülpung am Ausgang im Spinalkanal zeigt. Oft treten mehrere Zysten auf, aber auch die Bildung einer einzelnen Zyste ist möglich. Für die Entstehung der gestörten Druckverhältnisse kann eine Arachnoiditis verantwortlich sein. Die Arachnoidea umgibt den Liquor-Raum und schließt ihn dicht ab. Bei einer chronischen Entzündung dieser Membran kommt es zur Bildung von Narbengewebe und zu Verklebungen der Nerven.

Symptome

In vielen Fällen wird eine perineurale Zyste als Zufallsbefund entdeckt, wenn noch keine Beschwerden auftreten. Die Zysten können mit zunehmender Größe verschiedenste Beschwerden verursachen, die dem Symptommuster diverser degenerativer Erkrankungen der Wirbelsäule (z. B. Bandscheibenvorfall, Wirbelgleiten) recht ähnlich sind. Die Symptome der Erkrankung sind vielfältig, einschließlich Schmerzen im unteren Rücken.

Diagnose

Um perineurale Zysten zu diagnostizieren, wird in der Regel eine MRT-Untersuchung der Lendenwirbelsäule durchgeführt.

Behandlung

Die anschließende Therapie sollte auf die Beseitigung der Ursache, also der gestörten Druckverhältnisse, ausgerichtet sein.

Weitere Ursachen für spinale Zysten

Es ist wichtig zu beachten, dass spinale Zysten auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auftreten können, wie z.B.:

  • Angeborene Fehlbildungen: Angeborene neurenterische Zysten, Dilatatio Cavum septi pellucidi, Diplomyelie, Kongenitale Adhäsion spinaler Meningen, Mikromyelie, Rückenmarkverformung, Spinale Heterotopie, Tethered-cord-Syndrom.
  • Tumoren: Bösartige Neubildungen (Karzinom in Polypen, Karzinomatöse Zyste, Maligne Zyste, Maligner Polyp, Maligner Tumor, Malignes Chromaffinom, Siegelringzellkarzinom, Spinaliom, Spinozelluläres Karzinom, Superficial spreading), Gutartige Neubildungen (Zystadenom, Zystisches Adenom, Adenomatöser Polyp, Adultes zystisches Teratom, Akanthom), Neubildungen unsicheren oder unbekannten Verhaltens (Zystisches Mesotheliom).
  • Degenerative Erkrankungen: Enzephalopathie mit spastischer Ataxie und distaler spinaler Muskelatrophie, Zystische Gehirndegeneration.
  • Entzündungen und Infektionen: Intrakranielle und intraspinale Abszesse und Granulome (Zystischer Gehirnabszess, Intraspinaler Abszess und intraspinales Granulom, Spinalkanalabszess).
  • Sonstige Erkrankungen: Syndrom der vorderen Spinalarterie, Thrombose der Arteria spinalis, Rückenmarksklerose, Rückenmarkerweichung, Spinale Atrophie, Spinalsklerose, Transversale Spinalsklerose, Zyste der Cauda equina, Zyste der Dura mater spinalis, Zyste der Rückenmarkhäute.

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