Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die vor allem die Beweglichkeit der Betroffenen einschränkt. Regelmäßige körperliche Aktivität und Sport können jedoch dazu beitragen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Bedeutung von Sport bei Parkinson, geeignete Sportarten, motivationsfördernde Tipps und weitere wichtige Aspekte.
Einführung
Menschen mit Parkinson sind in der Regel zunehmend in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. Hilfen zur Aufrechterhaltung ihrer Mobilität sind daher ausgesprochen wichtig. Sie sollten sich möglichst viel bewegen. Da viele Erkrankte ihre Beschwerden im Ruhezustand weniger spüren, neigen sie dazu, körperliche Anstrengung zu vermeiden und sich übermäßig zu schonen. Durch Sport und Bewegung können bei Menschen mit Parkinson allerdings Muskelsteifheit und Störungen des Bewegungsablaufs vermindert werden. Körperliche Aktivität ist sinnvoll und wichtig für Menschen, die an einem M. Parkinson erkrankt sind. Studien haben gezeigt, dass sich trotz der bestehenden körperlichen Einschränkungen durch Bewegung das Ausdauervermögen, die Muskelkraft, das Gleichgewicht und das Gehvermögen steigern lassen. Damit kann der ansonsten stattfindenden zunehmenden Verschlechterung der Gehfähigkeit und der Einschränkung der Alltagsaktivitäten entgegen gewirkt werden.
Die Bedeutung von Sport bei Parkinson
Regelmäßige Bewegung ist ein entscheidender Teil der Parkinson-Therapie. Sie kann den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen und hilft, länger aktiv und selbstständig zu bleiben. Sie verbessert nicht nur die Beweglichkeit, sondern wirkt sich auch positiv auf Stimmung, Konzentration und Selbstvertrauen aus. Zahlreiche neurologische Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass sich der Verlauf der Parkinson-Erkrankung durch eine Bewegungstherapie positiv beeinflussen lässt. Der positive Effekt von Sport ist besonders hoch im Frühstadium der Erkrankung, aber auch alle anderen profitieren. Sport vermindert nicht nur die körperlichen Symptome. Er kann auch dabei helfen, geistige und psychische Symptome, wie z. B. Konzentrationsstörungen, Depressionen, Ängste und Müdigkeit zu lindern. Eine Studie bei Menschen mit Parkinson hat gezeigt, dass ein Sportpensum von mindestens 2,5 h / Woche zu einer Verbesserung von Allgemeinbefinden und Lebensqualität führte - verglichen mit anderen Betroffenen, die keinen oder weniger Sport trieben.
Morbus Parkinson (Parkinson’s Disease, PD) gilt mittlerweile als die sich am schnellsten verbreitende neurodegenerative Erkrankung in den Industrienationen. Für deren alternde Bevölkerungen ist die Bedeutung dieser mobilitätshindernden Erkrankung hoch, das Wissen um potenzielle Ursachen und wirksame Therapien ist jedoch nach wie vor begrenzt. Eine zunehmende Zahl von Studien untersucht deshalb die Effekte körperlicher Aktivität auf die Progredienz von PD. So beschrieben Rafferty und Kollegen 2017 kleine positive Effekte von Sport auf die Mobilität von 3408 Patienten, eine Metaanalyse aus dem Jahr 2020 (18 Studien, 1144 Patienten) attestiert solche Effekte häufiger für Sport als für Alltagsaktivitäten. Die aktuelle Literatursichtung des Komitees der Movement Disorder Society kommt auf der Basis von 143 Studien zu dem Schluss, dass Physiotherapie bei PD symptommildernd ist, andere körperliche Interventionen hingegen nicht unbedingt.
Die Autoren beobachteten ein langsameres Fortschreiten der Krankheit bei körperlicher Aktivität. Wie in ähnlichen Studien waren die Effekte zwar durchweg signifikant, blieben jedoch klein. Im Studienverlauf erreichten nur 118 Patienten das sechste Jahr der Beobachtung, etwa die Hälfte aller Patienten schied also vorher aus. Interessant ist, dass nur langfristige körperliche Aktivität Wirkungen zeigte. Das Aktivitätsniveau zum Zeitpunkt der Datenerhebung stand nicht im Zusammenhang mit dem weiteren Krankheitsverlauf, die Kontinuität von Aktivität jedoch sehr wohl. Außerdem fiel auf, dass bestimmte Aktivitäten mit bestimmten Teilbereichen der Beeinträchtigung korrespondierten: So waren z. B. jobbezogene Aktivitäten mit einem längeren Erhalt der Kognition assoziiert. Haushaltsaktivitäten standen mit einer längeren Ausführbarkeit alltäglicher Bewegungen in Zusammenhang. Ein bis zwei Stunden Sport pro Woche waren mit einem längeren Erhalt von Haltung und Gang verbunden. Diese überraschende Spezifität der Effekte könnte als Grundlage künftiger Therapieforschung dienen.
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Geeignete Sportarten bei Parkinson
Es gibt eine Vielzahl von Sportarten, die sich für Menschen mit Parkinson eignen. Wichtig ist, dass die gewählte Aktivität Freude bereitet und regelmäßig durchgeführt werden kann. Betroffene können zu Hause, in Sportgruppen oder unter Anleitung von Fachkräften aus Physio- bzw. Ergotherapiepraxen trainieren und gezielte Übungen machen. Im Allgemeinen wird empfohlen, zwei bis drei Bewegungseinheiten pro Woche durchzuführen, je nach Kondition 15 bis 60 Minuten lang. Ein ideales Trainingsprogramm enthält Ausdauer-, Kraft-, Gleichgewichts- und Dehnungsübungen und sollte über die Woche verteilt mindestens drei Stunden umfassen.
Besonders gut geeignet sind:
- Ausdauertraining: Nach Möglichkeit sollte ein Ausdauertraining im Vordergrund stehen (aerobes Training, z.B. Walking, Rad, Laufbandtraining). Sportarten mit fließenden Bewegungen wie Schwimmen, Radfahren und Joggen sind besonders geeignet.
- Wassersport: Schwimmen und Wassergymnastik sind ideal, weil dabei Beweglichkeit, Gleichgewichtsvermögen, Kraft, Körperhaltung und Koordination trainiert werden. Sehr hilfreich sind auch Übungen im warmen Wasser.
- Walking und Nordic Walking: Nordic Walking trainiert das flüssige Laufen.
- Tanzen: Tanzen, Tai Chi, Wassergymnastik und Yoga sind gut für Koordination und Gleichgewicht und wirken Muskelsteifheit entgegen. Tangotanzen verbessert die Bewegungsfähigkeit, das Gleichgewicht und die Gehstrecke.
- Krafttraining: Daneben ist Krafttraining sinnvoll, v.a. der Rumpfmuskulatur.
- Tischtennis: Auch Tischtennis wird bei Parkinson-Betroffenen immer beliebter. Der Verein PingPongParkinson bietet mittlerweile bundesweit lokale Gruppen an.
- Weitere Sportarten: Neben bekannten Sportarten wie Wandern oder Radfahren gibt es für Menschen mit Parkinson viele spezielle Angebote, z.B. Tischtennis, Bogenschießen oder Karate.
Eher vermieden werden sollten Sportarten, die mit einem hohen Sturzrisiko verbunden sind, z.B. durch schnelle Drehbewegungen.
Spezifische Symptome und passende Übungen
Parkinson kann verschiedene Symptome hervorrufen, die durch gezielte Übungen gelindert werden können:
- Gangunsicherheiten und Stürze: Durch zusätzliche Störungen der Halte- und Stellreflexe sowie plötzlich auftretende Blutdruckabfälle kommt es zu Gangunsicherheiten und häufig auch zu Stürzen. Bewegungstherapeut Christoph Klein führt in diesem Video durch etwas intensivere Kraftübungen im Stehen und Sitzen. Sie trainieren mit mehr Spannung und stärken gezielt Ihre Muskulatur - für mehr Kraft, Stabilität und Sicherheit im Alltag. Bewegungstherapeut Christoph Klein führt Sie in diesem Video durch etwas intensivere Kraftübungen im Stehen und Sitzen. Sie trainieren mit mehr Spannung und stärken gezielt Ihre Muskulatur - für mehr Kraft, Stabilität und Sicherheit im Alltag.
- Freezing-Phänomen: Als Freezing-Phänomen wird das plötzliche Verharren in einer Bewegung bezeichnet. Diese motorische Blockade kann bei Menschen mit Parkinson Stress und Ärger auslösen. Mithilfe einer physiotherapeutischen Behandlung lässt sich die Überwindung motorischer Blockaden trainieren und auf den Alltag übertragen. Patient gibt sich selbst Kommandos zur Schrittfolge (z.B. Im Takt nach einem vorgegebenen Rhythmus (z.B.
- Verringerung der aktiven mimischen Kommunikation: Ein weiteres Symptom von Parkinson ist die Verringerung der aktiven mimischen Kommunikation, bedingt durch die Steifheit der Gesichtszüge. Um dem entgegenzuwirken, sollte der Mensch mit Parkinson vor dem Spiegel verschiedene Gesichtsausdrücke (Freude, Angst, Erschrecken) üben.
- Versteifung der Gelenke: Wenn die Erkrankung fortschreitet, verändern sich die Bewegungsabläufe und die Gelenke versteifen. In der Physiotherapie (Krankengymnastik) werden vor allem Übungen für die Beweglichkeit vermittelt, damit Bewegungsabläufe weiterhin normal funktionieren können. Um einer Versteifung der Gelenke möglichst lange entgegenzuwirken, sollten die Übungen regelmäßig durchgeführt werden.
- Feinmotorik: In der Ergotherapie wird die Feinmotorik trainiert, z.B. das Öffnen von Knöpfen oder Reißverschlüssen, um damit Alltagskompetenzen und Selbstständigkeit zu erhalten.
Entspannung und Stressabbau
Entspannung wirkt der krankheitsbedingten Versteifung entgegen. Entspannung ist aber auch hilfreich, um Stress, Angst und Unsicherheit zu reduzieren, die bei vielen Patienten durch Parkinson und die Symptome hervorgerufen werden und diese gleichzeitig verstärken können. Betroffene sollten Entspannungsübungen erlernen und regelmäßig einsetzen. Geeignet sind z.B. Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Biofeedback-Verfahren, Yoga oder Atemübungen. Auch warmes Wasser wirkt sich günstig aus.
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Tipps zur Motivation und Vorbereitung
- Ärztliche Beratung: Sprechen Sie am besten mit Ihrer Neurologin oder Ihrem Neurologen darüber, was Sie trainieren möchten und welche Sportart für Sie geeignet sein könnte. Die Ärztin bzw. der Arzt kann Sie auch beraten, wie intensiv Sie Ihr Bewegungsprogramm gestalten, wie oft Sie idealerweise trainieren und worauf Sie individuell achten können.
- Feste Termine: Planen Sie feste Termine ein. Betrachten Sie eine Bewegungseinheit einfach als gesetzt, packen Sie die Sporttasche oder schlüpfen Sie in Ihre Sportschuhe - und los geht’s.
- Abwechslung: Sorgen Sie für Abwechslung. Varianten sind bei jeder Bewegungsform möglich. Sie eröffnen im wahrsten Sinne neue Perspektiven und tragen dazu bei, dass Bewegung zur Routine wird, ohne langweilig zu werden.
- Positive Empfindungen: Achten Sie darauf, was sich gut anfühlt und Ihnen Freude bereitet, wenn Sie aktiv sind. Positive Empfindungen bewusst wahrzunehmen, bestärkt Sie darin, Ihr Bewegungsprogramm beizubehalten.
- Sicheres Training: Achten Sie auch immer auf ein sicheres Training. Durch die Anwesenheit von Trainer:innen ist eine korrekte Ausführung der Übungen gewährleistet. Bei allen Übungen im Stehen oder Gehen können Sie sich an einer Wand oder Stuhllehne abstützen. Tragen Sie feste, rutschfeste Schuhe oder üben Sie barfuß auf einer rutschfesten Unterlage (z. B.
- Wirkschwankungen berücksichtigen: Leiden Sie unter Wirkschwankungen - also einer ungleichmäßigen Wirkung der Parkinson-Medikamente? Dann sollten Sie das Training in den „ON-Phasen“ planen, wenn die Wirkung der Medikamente am besten ist. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, vor einer größeren Aktivität eine Bedarfsmedikation einzunehmen.
- Motivation: Wählen Sie den Sport aus, der Ihnen Spaß macht - so bleiben Sie auch langfristig aktiv. Denken Sie daran, dass Musik in vielerlei Hinsicht hilfreich bei der Umsetzung des Trainingsprogrammes sein kann. Die Lieblingsmusik steigert die Motivation, und der vorgegebene Rhythmus erleichtert es, die Bewegungen gut zu koordinieren. Einige Aktivitäten lassen sich besser in einer Gruppe umsetzen und machen so auch mehr Spaß.
Medikamentöse Therapie und weitere Behandlungen
Neben Sport und Bewegung stehen verschiedene medikamentöse Therapien zur Verfügung, um die Symptome von Parkinson zu lindern. Ihnen gemeinsam ist, dass sie über unterschiedliche Mechanismen den Spiegel des Botenstoffs Dopamin im Gehirn wieder erhöhen und so vor allem die motorischen Symptome der Erkrankung - allen voran das Zittern - reduzieren sollen. Die medikamentöse Therapie kann die Bewegung verbessern, die Erkrankung aber nicht heilen. Zudem lässt die Wirksamkeit der Medikamente mit der Dauer der Einnahme oft nach, sodass es zu Schwankungen im Tagesverlauf kommt. Auswahl und Dosierung der Präparate erfolgen individuell.
Weitere Behandlungsoptionen sind:
- Tiefe Hirnstimulation: Bei der tiefen Hirnstimulation setzen Neurochirurgen dünne Stimulationselektroden (Hirnschrittmacher) in bestimmte Hirnareale ein. Die elektrischen Impulse sollen insbesondere das Zittern lindern.
- Magnetresonanz-gestützte fokussierte Ultraschallbehandlung (MRgFUS): Dabei werden Ultraschallwellen im Zielgewebe so stark gebündelt, dass sie es erhitzen und gezielt zerstören. Durch die Behandlung entstehen winzige Narben in den Faserbahnen des Gehirns, im sogenannten Tremornetzwerk. Das soll das Zittern verringern.
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