Sprach- und Schreibschwierigkeiten bei Alzheimer: Ursachen und Therapieansätze

Sprach- und Schreibschwierigkeiten sind komplexe Symptome, die bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen auftreten können, darunter auch bei der Alzheimer-Krankheit. Diese Störungen können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und stellen sowohl für Patienten als auch für ihre Angehörigen eine große Herausforderung dar. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Sprach- und Schreibschwierigkeiten im Zusammenhang mit Alzheimer, einschließlich der Ursachen, Diagnose und Therapieansätze.

Einführung in Sprach- und Schreibschwierigkeiten

Sprachstörungen, auch Aphasien genannt, umfassen Schwierigkeiten beim Verstehen und Verarbeiten von Sprache sowie Störungen bei der Wortfindung, der Satzbildung und der Sinngebung. Betroffene können unpräzise sprechen, Wörter umschreiben, spärlich und in Kurzform kommunizieren oder wortreich und scheinbar sinnlos reden. Schreibschwierigkeiten, auch Agraphie genannt, können parallel zu Sprachstörungen auftreten und das Verfassen von Texten erschweren oder unmöglich machen.

Es ist wichtig zu beachten, dass Sprach- und Schreibschwierigkeiten nicht immer auf Demenz zurückzuführen sind. Plötzlich auftretende Sprachstörungen können ein Alarmsignal sein, beispielsweise für einen Schlaganfall, und erfordern sofortige medizinische Hilfe. Auch andere Erkrankungen des Gehirns, psychiatrische Störungen oder Intoxikationen können Sprachstörungen verursachen.

Ursachen von Sprach- und Schreibschwierigkeiten bei Alzheimer

Bei der Alzheimer-Krankheit sind Sprach- und Schreibschwierigkeiten oft ein Symptom der fortschreitenden neurodegenerativen Prozesse im Gehirn. Die Erkrankung führt zu einer fortschreitenden Ablagerung von bestimmten Proteinen im Gehirn, was die Funktion der Nervenzellen beeinträchtigt. Dies kann zu verschiedenen Sprachstörungen führen, die sich im Laufe der Zeit verstärken.

Weitere mögliche Ursachen

  • Schlaganfall und TIA (transitorische ischämische Attacke): Durchblutungsstörungen im Gehirn können sowohl Aphasie als auch Dysarthrie auslösen.
  • Hirntumor: Symptome sind abhängig von der Lokalisation und Größe des Tumors.
  • Schädel-Hirn-Trauma (SHT): Sowohl Aphasie als auch Dysarthrie bzw. Anarthrie können bei einem SHT auftreten.
  • Enzephalitis: Meist durch Viren oder Bakterien verursachte Entzündung des Gehirns.
  • Andere Ursachen: Redeflussstörungen, Vergiftungen, Tumore des Zungengrundes, psychische Erkrankungen.

Vaskuläre Veränderungen bei Alzheimer

Vaskuläre Veränderungen, also Probleme mit der Durchblutung des Gehirns, spielen auch bei der Alzheimer-Demenz eine Rolle. Bei Alzheimer-Patienten ist die Hirndurchblutung um etwa 20 Prozent geringer.

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Formen von Sprachstörungen

Es gibt verschiedene Formen von Sprachstörungen, die sich in ihren Symptomen und Ursachen unterscheiden. Einige der häufigsten Formen sind:

  • Aphasie: Eine Sprachstörung, die durch eine Schädigung des Gehirns verursacht wird. Aphasien können das Sprechen, Schreiben, Verstehen und Lesen beeinträchtigen.
    • Wernicke-Aphasie: Normaler Redefluss, der allerdings keinen Sinn ergibt.
    • Broca-Aphasie (motorische Aphasie): Patient*innen können oft trotz der Störung noch vieles verstehen, aber schwer sprechen.
    • Amnestische Aphasie: Die Kommunikationsfähigkeit ist weitgehend erhalten. Wortfindungsstörungen stehen im Vordergrund.
    • Globale Aphasie: Das ist die schwerste Form der Aphasie mit Störungen von Sprachproduktion und Sprachverständnis.
  • Dysarthrie: Eine Sprechstörung, die durch eine Störung der Bewegungsabläufe verursacht wird, die für die Stimmerzeugung notwendig sind. Dies kann die Atmung, die Stimmgebung, die Sprechmelodie, das Sprechtempo und die Lautbildung beeinträchtigen.
  • Sprechapraxie: Eine Störung der Planung von Sprechbewegungen, ohne dass ein motorisches Defizit vorliegt.

Wortfindungsstörungen

Wortfindungsstörungen sind ein häufiges Symptom von Sprachstörungen. Betroffene haben Probleme, passende Wörter zu finden und diese im Kontext richtig zu verwenden. Es fällt ihnen schwer, einen aussagekräftigen Satz zu bilden. Wörter werden oft umschrieben und es kommt zu langen Pausen im Gespräch.

Diagnose von Sprach- und Schreibschwierigkeiten

Die Diagnose von Sprach- und Schreibschwierigkeiten umfasst in der Regel eine umfassende neurologische Untersuchung sowie spezielle sprachtherapeutische Tests.

Anamnese

Im Anamnesegespräch können die Ärzt*innen das spontane Sprachverhalten der Betroffenen beurteilen und evtl. Auffälligkeiten feststellen. Folgende Informationen können wichtig sein:

  • Wie äußern sich die Schwierigkeiten beim Sprechen?
  • Haben sie plötzlich begonnen oder schleichend?
  • Gab es ein auflösendes Ereignis, z. B. einen Unfall?
  • Gibt es weitere Symptome (z. B. Lähmung, Schluckstörung, Zittern) oder Zeichen einer Demenz?
  • Sind weitere Erkrankungen bekannt (z. B. Multiple Sklerose, Alzheimer-Erkrankung)?
  • Haben die Sprechstörungen Auswirkungen auf das private oder berufliche Umfeld?

Unter Umständen sollten Angehörige und/oder Freund*innen ergänzende Informationen geben.

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Körperliche Untersuchung

Nach der körperlichen Untersuchung werden Untersuchungen auf neurologische Auffälligkeiten durchgeführt (z. B. Zungenbewegung, Muskelzuckungen). Das Sprach- und Sprechvermögen kann durch einen einfachen Test geprüft werden:

  • Wörter und Sätze nachsprechen lassen.
  • Einfache Gegenstände (z. B. Stift, Uhr) benennen lassen.
  • Geschriebene Aufforderungen ausführen lassen, z. B. „Falten Sie dieses Blatt.“

Spezialuntersuchungen

Es gibt spezielle neurologische und logopädische Untersuchungen, um die Sprech- und Sprachfähigkeit zu beurteilen. Beispielsweise der Aachener Aphasie-Test und der Token-Test werden bei Aphasie zur Feststellung des Schweregrads und zur Beurteilung der Sprachleistung eingesetzt.

Therapie von Sprach- und Schreibschwierigkeiten

Die Therapie von Sprach- und Schreibschwierigkeiten hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab und richtet sich nach den individuellen Zielsetzungen und Fähigkeiten der Betroffenen.

Sprachtherapie

Eine gezielte Sprachtherapie kann helfen, die Symptome einer Wortfindungsstörung zu mildern. Diese erstreckt sich in der Regel über einen langen Zeitraum und sollte regelmäßig stattfinden. Wesentliche Ziele der Aphasie-Therapie sind die Reorganisation und Kompensation der Hirnareale. Bei der Reorganisation erlernen die früheren Nervenzellen ihre alten Aufgaben wieder. Bei der Kompensation lernen andere Nerven die Aufgaben zu übernehmen. Außerdem sollen Betroffene ihre Fähigkeiten aufbauen und zum Sprechen und sozialem Kontakt animiert werden.

Medikamentöse Therapie

Einige Medikamente zeigen bei einer Aphasie nach einem Schlaganfall Wirksamkeit, in seltenen Fällen kommt eine Operation infrage (z. B. Gaumensegelprothese bei Gaumensegellähmung).

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Alternative Therapiemethoden

Alternative Therapiemethoden wie Akupunktur, Hypnose, Entspannung haben keinen Wirksamkeitsnachweis.

NeuroNation

Begleitend zur Sprachtherapie können Sie auch zuhause aktiv werden: Mit Gehirntraining stärken Sie Ihre kognitiven Fähigkeiten. Durch eine Stärkung der kognitiven Fähigkeiten können Sie Ihre Konzentration und Aufmerksamkeitsfähigkeit stärken, um so auch bei Unterhaltungen besser am Ball bleiben zu können. NeuroNation ist eine wissenschaftliche Plattform, die sich auf das Training verschiedener kognitiver Funktionen, wie etwa des Arbeitsgedächtnisses, fokussiert hat.

Empfehlungen für Angehörige

Familienmitglieder und andere nahestehende Personen sollten:

  • den Betroffenen ausreichend Zeit zum Reden lassen.
  • natürlich und respektvoll im Gespräch mit den Patient*innen umgehen.
  • Ablenkungen, wie z. B. lautes Radio oder Fernseher, vermeiden.
  • Sprache vereinfachen und kurze, unkomplizierte Sätze verwenden.
  • Gesagtes ggf. wiederholen und Wichtiges aufschreiben, um das Verständnis zu verbessern.
  • die betroffene Person in Gruppenunterhaltungen einbinden.
  • sich aktiv nach der Meinung der Betroffenen erkundigen.
  • jede Art der Kommunikation fördern (Sprache, Gesten, Zeigen, Zeichnen etc.).
  • vermeiden, die Betroffenen zu korrigieren.
  • die Therapie begleiten, falls möglich.
  • den Betroffenen helfen, weitere Unterstützungen zu finden (z. B. Selbsthilfegruppen).

Pseudodemenz

Es ist wichtig zu beachten, dass es auch eine "Pseudodemenz" gibt, die durch Depressionen verursacht werden kann. Diese "Demenz" (die keine ist) kann manchmal ganz seltsame Symptome haben.

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