Sprachaktivierung nach Enzephalitis-Therapie: Ein umfassender Überblick

Eine Enzephalitis, eine Entzündung des Gehirns, kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, wobei Virusinfektionen die häufigste Ursache darstellen. Die Erkrankung kann weitreichende Folgen haben, darunter Sprachstörungen, die eine gezielte Sprachaktivierung nach der Akuttherapie erforderlich machen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Enzephalitis, ihre Diagnose und Behandlung sowie die Möglichkeiten der Sprachaktivierung und Rehabilitation.

Enzephalitis: Eine Entzündung des Gehirns

Manchmal beginnt alles ganz harmlos: ein leichtes Fieber, Müdigkeit oder Kopfschmerzen, wie sie viele Menschen kennen. Doch hinter diesen Anzeichen kann sich eine Erkrankung verbergen, die rasches ärztliches Handeln erfordert - eine Entzündung im Gehirn, auch Enzephalitis genannt. Gerade weil die Beschwerden zunächst unspezifisch erscheinen, sollten die Signale des Körpers ernst genommen und rechtzeitig ärztlicher Rat eingeholt werden.

Enzephalitis bezeichnet eine Entzündung im Gehirn, die meist durch eine Infektion ausgelöst wird. Dabei reagiert das körpereigene Immunsystem auf Erreger wie Viren, Bakterien oder in seltenen Fällen Pilze, die das empfindliche Gewebe des Gehirns angreifen. Die Entzündung kann verschiedene Bereiche des Gehirns betreffen und führt zu einer Reizung oder Schädigung von Nervenzellen. Durch diese Entzündungsreaktion gerät die normale Funktion des Gehirns aus dem Gleichgewicht - mit möglicherweise weitreichenden Auswirkungen auf das Bewusstsein, die Wahrnehmung und die Steuerung körperlicher Abläufe.

Ursachen und Arten der Enzephalitis

Die häufigste Ursache einer Enzephalitis ist eine Virusinfektion. Besonders bekannt ist der Herpes-simplex-Virus, der bei bestimmten Verläufen das Gehirn befallen kann. Auch andere Viren wie Varizella-Zoster, das für Windpocken verantwortlich ist, oder das FSME-Virus, das durch Zecken übertragen wird, gehören zu den typischen Auslösern. In seltenen Fällen können auch Bakterien, Pilze oder Parasiten eine Entzündung im Gehirn hervorrufen. Neben diesen infektiösen Auslösern kann eine Enzephalitis auch durch eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems entstehen - etwa im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen oder bestimmten Impfreaktionen. In diesen Fällen richtet sich die körpereigene Abwehr nicht gegen Erreger, sondern fälschlicherweise gegen das eigene Gehirngewebe. Nicht immer lässt sich die genaue Ursache für Enzephalitis eindeutig bestimmen.

Medizinisch wird zwischen verschiedenen Enzephalitis-Typen unterschieden - je nachdem, was die Entzündung im Gehirn auslöst:

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  • Infektiöse Enzephalitis: Meist durch Viren wie Herpes-simplex, Varizella-Zoster oder FSME verursacht. Auch Bakterien oder Pilze kommen in Frage.
  • Autoimmune Enzephalitis: Hier richtet sich das Immunsystem fälschlich gegen gesundes Gehirngewebe - oft ohne nachweisbare Erreger.
  • Parainfektiöse Enzephalitis: Tritt manchmal als überschießende Immunreaktion nach Infektionen oder Impfungen auf.
  • Meningoenzephalitis: Eine Kombination aus Gehirnentzündung und Hirnhautentzündung (Meningitis), die besonders schwere Verläufe nehmen kann.

Je nach zeitlichem Zusammenhang und Ursache der Entzündung wird zwischen einer primären und einer sekundären Enzephalitis unterschieden:

  • Bei einer primären Enzephalitis greift ein Erreger - meist ein Virus - direkt das Gehirngewebe an. Klassische Beispiele sind die Herpes-simplex-Enzephalitis oder die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis). Die Infektion beginnt hier im Zentralnervensystem.
  • Die sekundäre Enzephalitis entsteht dagegen als Reaktion des Immunsystems - meist einige Tage oder Wochen nach einer Infektion oder Impfung. Dabei richtet sich die Immunantwort nicht gegen den ursprünglichen Erreger, sondern fälschlicherweise gegen gesundes Gehirngewebe. Diese Form wird auch als postinfektiöse oder autoimmune Enzephalitis bezeichnet.

Beide Formen unterscheiden sich nicht nur in der Entstehung, sondern auch in der Therapie.

Symptome und Diagnose

Die ersten Anzeichen einer Enzephalitis ähneln oft denen einer Grippe oder eines banalen Infekts: Fieber, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen zählen zu den typischen frühen Beschwerden. Im weiteren Verlauf kann es jedoch zu schwereren Symptomen kommen, die auf eine Gehirnentzündung hindeuten.

Zu den häufigsten Symptomen einer Enzephalitis gehören:

  • Anhaltendes hohes Fieber
  • Starke Kopfschmerzen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen
  • Krampfanfälle
  • Sprach- oder Gedächtnisprobleme
  • Motorische Ausfälle oder Lähmungen
  • Übelkeit und Erbrechen

Gerade weil viele dieser Beschwerden unspezifisch sind, ist es wichtig, eine mögliche Gehirnentzündung frühzeitig zu erkennen und ärztlich abklären zu lassen. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Eine Enzephalitis kann lebensbedrohlich sein - besonders dann, wenn sie nicht frühzeitig erkannt und behandelt wird. Je nach Ursache, Schwere und Verlauf der Enzephalitis können bleibende Schäden im Gehirn zurückbleiben.

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Da die Symptome einer Enzephalitis anfangs oft unspezifisch sind, sollten die Anzeichen sorgfältig ärztlich abgeklärt werden. Ziel der Diagnose einer Enzephalitis ist es, möglichst schnell zwischen einer harmlosen Infektion und einer ernsten Entzündung im Gehirn zu unterscheiden - und die zugrunde liegende Ursache zu finden.

Zur sicheren Abklärung kann die Ärztin oder der Arzt in der Regel folgende Verfahren nutzen:

  • Eine Lumbalpunktion, bei der Nervenwasser aus dem Rückenmark entnommen wird, um Entzündungszeichen und Erreger nachzuweisen
  • Bildgebende Verfahren wie Kernspintomografie (MRT), um Entzündungsherde im Gehirn sichtbar zu machen
  • Blutuntersuchungen, um Infektionen oder Autoimmunprozesse zu erkennen
  • EEG (Elektroenzephalografie), um die elektrische Aktivität im Gehirn zu überprüfen

Manchmal ist die Ursache der Gehirnentzündung nicht sofort eindeutig zu erkennen.

Therapie der Enzephalitis

Die Therapie einer Enzephalitis richtet sich in erster Linie nach der Ursache der Entzündung und dem Zustand der Patientinnen und Patienten. Liegt eine durch Viren verursachte Infektion vor - etwa durch Herpes-simplex-Viren - wird in der Regel frühzeitig eine antivirale Therapie mit Medikamenten bzw. Wirkstoffen wie Aciclovir begonnen. Wird die Erkrankung durch Bakterien ausgelöst, kommen gezielt Antibiotika zum Einsatz. Bei einer Autoimmunenzephalitis, also einer Entzündung aufgrund einer überaktiven Immunreaktion, helfen Immunsuppressiva wie Cortison oder Rituximab, das Immunsystem zu regulieren.

Wie genau die medikamentöse Behandlung der Gehirnentzündung erfolgt, hängt sowohl vom Erregernachweis als auch vom Verlauf der Erkrankung ab. Zusätzlich steht die Linderung von Beschwerden im Fokus: Fieber kann gesenkt, epileptische Anfälle durch spezielle Medikamente verhindert und bei Atemproblemen eine Sauerstoffgabe notwendig werden. In schweren Fällen, etwa wenn eine Schwellung im Gehirn auftritt oder das Bewusstsein beeinträchtigt ist, erfolgt die Behandlung der Gehirnentzündung auf einer Station für Intensivmedizin.

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Sprachstörungen als Folge der Enzephalitis

Eine der möglichen Folgen einer Enzephalitis sind Sprachstörungen, die als Aphasie bezeichnet werden. Die erworbene Sprachstörung (Aphasie - griech.: Sprachlosigkeit) ist die Folge einer Schädigung des Sprachzentrums im Gehirn. In den meisten Fällen ist ein Schlaganfall die Ursache. Die Sprach- und Verständnisprobleme der Betroffenen (Aphasiker) erschweren die Kommunikation mit anderen Menschen. Häufig ist auch die Lese- und Schreibfähigkeit eingeschränkt oder in schweren Fällen nicht mehr vorhanden.

Die Sprachstörung wird in den meisten Fällen durch einen Schlaganfall verursacht, meist durch eine Durchblutungsstörung, seltener durch eine Hirnblutung. Auch entzündliche Erkrankungen des Gehirns (z. B. Enzephalitis), ein Schädel-Hirn-Trauma oder Vergiftungen können die Ursache sein. Tritt die Sprachstörung als Folge einer Störung auf, die nicht zu einer fortschreitenden Schädigung führt, verändert sie sich nicht und kann sich unter Therapie wieder bessern.

Die Schädigung eines Sprachzentrums im Gehirn betrifft sowohl das Sprachverständnis (rezeptive Fähigkeiten) als auch die Sprachproduktion (expressive Fähigkeiten) in individuell unterschiedlichem Ausmaß. Das Sprechen und Verstehen von Lautsprache sowie das Lesen und Verstehen von Schriftsprache können beeinträchtigt oder sogar unmöglich sein. Grund dafür ist die erschwerte Fähigkeit, Sprache zu bilden und zu entschlüsseln. In der Regel sind die intellektuellen Fähigkeiten nicht betroffen.

Formen der Aphasie

Aphasie kann sich auf unterschiedliche Weise äußern und in verschiedenen Variationen auftreten. Bei der Einordnung spielen daher die individuellen Beeinträchtigungen eine besondere Rolle. Für viele Formen der Sprachstörung ist es typisch, dass Objekte umschrieben werden, weil sie nicht mehr direkt benannt werden können (Anomie). Die Betroffenen verstehen Wörter nicht und die Wahrnehmung und Verarbeitung von Sprachlauten (auditiv), Tastsinn (taktil) und Sehsinn (visuell) sind beeinträchtigt.

  • Wernicke-Aphasie: Ursache ist eine Störung der sprachdominanten Hirnhälfte (Wernicke-Areal). Typisch ist eine flüssige Sprache, in der häufig einzelne Buchstaben verändert werden (Phoneme), z. B. „P“ statt „B“ in „Bein“. Die Betroffenen kennen die Bedeutung und den Zusammenhang der Wörter nicht und sind sich nicht bewusst, dass ihre Sprache für andere unverständlich ist. Das Hör- und Schreibverständnis ist beeinträchtigt und es kommt zu Lesefehlern. Das Schreiben ist flüssig, aber fehlerhaft, und inhaltliche Wörter werden weggelassen (fließende Agraphie).
  • Broca-Aphasie: Die Fähigkeit, Wörter zu bilden, ist beeinträchtigt, Wortverständnis und begriffliches Denken sind jedoch weitgehend unbeeinträchtigt. Ursache ist eine Störung des linken vorderen (frontalen) oder oberen vorderen (frontoparietalen) Hirnbereichs einschließlich des Broca-Areals. Typisch ist ein gutes Verständnis von Begriffen und Begriffsbildung, wobei es Schwierigkeiten bereitet, Worte zu äußern. Die Sprachproduktion und die Schreibfähigkeit sind beeinträchtigt (nichtflüssige Agraphie, Dysgraphie), was für Betroffene oft sehr frustrierend ist. Dennoch ist der mündliche und schriftliche Austausch für sie von Bedeutung.
  • Amnestische Aphasie: Diese leichteste Aphasieform fällt oft erst spät auf. Betroffene zeigen Wortfindungsstörungen in der Spontansprache und beispielsweise beim direkten Benennen von Gegenständen. Amnestische Aphasiker können das in der Regel durch Redefloskeln oder Umschreibungen kaschieren.
  • Globale Aphasie: Diese Sprachstörung gilt bei Ärztinnen und Ärzten als die schwerste Form der Aphasie. Sprachverständnis wie auch die eigene Sprache sind massiv gestört, ganze Sätze sind selten. Häufig nutzen Global-Aphasiker einzelne Worte und wiederkehrende Halbsätze und Floskeln. Auch ein Wort für sich zu verstehen (ohne aus der Situation zu schließen) fällt Betroffenen schwer.

Diagnose von Sprachstörungen

Die Diagnose stellen erfahrene Experten der Neurologie und Logopädie nach einem ausführlichen Gespräch mit Ihnen und gegebenenfalls Ihren Angehörigen über Ihre Beschwerden und Ihre Krankengeschichte (Anamnese) sowie nach umfangreichen neurologischen Untersuchungen. Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Sprachentwicklungs- und Sprachfunktionsstörungen, die als Folge von Schwerhörigkeit, Fehlsichtigkeit oder Artikulationsstörungen in Form eingeschränkter motorischer Fähigkeiten beim Schreiben (Dysarthrie) auftreten können.

Eine bildgebende Untersuchung des Gehirns hilft uns, der Ursache für Ihre Sprachstörung auf den Grund zu gehen und das Ausmaß der Schädigung zu bestimmen. Eine Computertomografie und eine Magnetresonanztomografie mit oder ohne Darstellung der Arterien mithilfe von Kontrastmitteln (Angiografie) geben Aufschluss über die Art der Schädigung. Es kann sich um einen Infarkt, innere Blutungen (Hämorrhagie), eine sich entwickelnde Demenz oder um Tumore (Raumforderungen) handeln, deren Ausdehnung wir sichtbar machen können.

Mithilfe spezieller Tests (wie dem Aachener Aphasie-Test, AAT) können wir Ihre Sprache analysieren und die Sprachstörung beurteilen. Dabei werden verschiedene Aspekte der Sprache untersucht:

  • Spontansprache: wird u. a. gemessen an der Flüssigkeit der gesprochenen Wörter und ihrer Anzahl, an Ausdrucksmerkmalen (Prosodie), Wortfindungspausen, spontanen Fehlern, Zögern.
  • Benennung: wird gemessen an der Fähigkeit, Objekte direkt und ohne Umschreibungen zu benennen.
  • Wiederholung: wird gemessen an der Fähigkeit, komplexe Sätze nachzusprechen.
  • Verstehen: wird gemessen an der Fähigkeit, einfachen oder mehrstufigen Anweisungen zu folgen, auf einfache und komplexe Ja- oder Nein-Fragen zu antworten und auf vom Arzt genannte Objekte zu zeigen.
  • Lesen und Schreiben: wird gemessen anhand des Leseverständnisses, der Rechtschreibung, des Schreibens nach Diktat, des spontanen Schreibens und des Vorlesens.

Sprachaktivierung und Rehabilitation nach Enzephalitis

Egal ob Viren, Bakterien oder eine Immunreaktion die Ursache für die Entzündung im Gehirn sind: Im Anschluss an die Behandlung einer Gehirnentzündung geht es für viele Patientinnen und Patienten darum, körperliche und geistige Fähigkeiten schrittweise zurückzugewinnen. Ein individuell angepasstes Rehabilitationskonzept bildet hierfür die Grundlage. Ziel ist es, die betroffenen Personen zielgerichtet darin zu unterstützen, möglichst selbstständig in ihren Alltag zurückzukehren.

Bereits in der sogenannten Frührehabilitation setzen Teams aus verschiedenen therapeutischen Fachbereichen an: Mit gezielter Ergotherapie lassen sich beeinträchtigte Alltagsfunktionen wieder trainieren, etwa die Koordination von Bewegungsabläufen. Sprachliche Einschränkungen werden in der Logopädie behandelt, während bei Konzentrations- oder Gedächtnisproblemen die Neuropsychologie zum Einsatz kommt. Dieses interdisziplinäre Zusammenspiel erfolgt entweder stationär oder ambulant - abhängig vom individuellen Rehaverlauf.

Logopädie und Sprachtherapie

Wesentliche Ziele der Aphasie-Therapie sind die Reorganisation und Kompensation der Hirnareale - bei der Reorganisation erlernen die früheren Nervenzellen ihre alten Aufgaben wieder. Bei der Kompensation lernen andere Nerven die Aufgaben zu übernehmen. Außerdem sollen Betroffene ihre Fähigkeiten aufbauen und zum Sprechen und sozialem Kontakt animiert werden.

Die Therapie einer Aphasie ist Aufgabe von Sprachtrainern, sogenannten Logopäden oder Patholinguisten. Noch in der Stroke-Unit (Spezialstation für Schlaganfall-Betroffene) beginnen sie mit dem Training - je nach Schaden durch den Schlaganfall kann dabei auch zuerst einmal ein Schlucktraining im Vordergrund stehen. In schweren Fällen von Aphasie (Globale Aphasie) kann auch das Erlernen einer Zeichensprache notwendig sein, damit sich Betroffene überhaupt verständigen können.

Technische Hilfsmittel und Apps

Technische Entwicklungen erleichtern Therapeuten die Behandlung und Betroffenen ihren Alltag. Dazu gehören beispielsweise Sprachapps wie Neolexon, Constant Therapy, Tactus oder Lingraphica und spezielle Computerprogramme wie EvoCare, aphasiaware und Lingware. Studien wie die Big-CACTUS-Studie von 2019 zeigen, dass Patienten mit Sprachapps und Sprachsoftware zur Aphasie-Behandlung größere Fortschritte erzielen als ohne die Übungen.

Auch durch Betroffene selbst gesteuertes Sprachtraining per Software konnte bei chronischer Aphasie die Wortfindung effektiv verbessern (auch das konnte die BigCACTUS-Studie zeigen).

Intensives Sprachtraining

Bei rund 56 Prozent der Aphasiker bleibt auch sechs Monate nach dem Schlaganfall eine Schädigung in Form der Sprachstörung bestehen - die Aphasie wird chronisch. Allerdings zeigen inzwischen einige Studien, dass intensives Sprachtraining als Therapie auch sechs Monate oder länger nach dem auslösenden Schlaganfall zu einer entscheidenden Verbesserung der Sprachstörung und der Lebensqualität der Aphasiker und Aphasikerinnen führen kann - beispielsweise die FCET2EC- Studie aus Deutschland, die 2017 erschien. Intensives Sprachtraining bedeutete in der Studie: mindestens zehn Stunden pro Woche bei mindestens drei Wochen Dauer des Intensivtrainings.

Neuroplastizität und Rehabilitation

Das Gehirn beginnt sich nach Erkrankung oder Schädigung neu zu organisieren - und das bietet auch Chancen für einen guten Verlauf der Aphasie. Die Deutsche Schaganfallhilfe gibt an, dass sich die Beeinträchtigungen von Schlaganfallpatienten mit Aphasie in etwa einem Drittel der Fälle binnen der ersten vier Wochen normalisieren und die Fähigkeiten der Sprache dementsprechend wieder zurückgewonnen werden können.

Die Hemiplegie wird durch eine Schädigung der Gehirnareale verursacht, die für die Steuerung der Motorik auf der betroffenen Körperseite zuständig sind. Da das Gehirn in zwei Hälften organisiert ist, steuert die rechte Gehirnhälfte die linke Körperseite und umgekehrt. Ziel der Therapie ist es, diese Kommunikation so gut wie möglich wiederherzustellen. Das Problem bei einer Hemiplegie sind daher nicht verletzte Muskeln, sondern eine fehlende Signalsteuerung. In erster Linie wird dabei auf die Neuroplastizität des Gehirns zurückgegriffen. Diese Fähigkeit des Gehirns, sich selbst zu heilen, wird genutzt, um neue Nervenzellenverbindungen herzustellen. Das bedeutet, dass Funktionen von gesunden Bereichen des Gehirns übernommen werden, die beispielsweise aufgrund eines Schlaganfalls beschädigt wurden. Die Neuroplastizität muss dafür jedoch aktiviert werden. Dies geschieht mittels wiederholten Bewegungen und Abläufen, sodass das Gehirn stimuliert wird und neue Verbindungen herstellen kann. An dieser Stelle ist Kontinuität gefragt.

Weitere neurologische Folgen und Therapieansätze

Neben Sprachstörungen kann eine Enzephalitis auch andere neurologische Folgen haben, die eine umfassende Rehabilitation erfordern.

Hemiplegie

Die Hemiplegie kann, ähnlich wie die Hemiparese, als Symptom einer Schädigung oder Erkrankung des Gehirns angesehen werden. Sie ist demnach die Folge und nicht die Erkrankung oder Schädigung an sich. Anders als bei der Hemiparese bezeichnet eine Hemiplegie immer eine vollständige Lähmung einer Körperhälfte oder einer Gliedmaße. Die Hemiplegie kann sowohl links als auch rechts auftreten. Entscheidend ist, welche Hirnhälfte geschädigt wurde. Je nach Schwere der Schädigung können einzelne Körperteile, wie der Arm, das Gesicht oder das Bein, oder eine ganze Körperhälfte betroffen sein.

Eine Hemiplegie kann viele Symptome nach sich ziehen. Darunter ein Verlust der Bewegungsfähigkeit von Arm und Bein auf einer Körperseite, eine Muskelschwäche oder Muskelsteifheit, auch spastische Hemiplegie genannt, eine beeinträchtigte Feinmotorik sowie Koordination. Des Weiteren Sensibilitätsstörungen, Seh- und Hörstörungen. Bei einer Verletzung oder Erkrankung des Gehirns, ist die Kommunikation zu den einzelnen Gliedmaßen gestört.

Je nach Ursache und Schweregrad der Hemiplegie, können verschiedene Therapiemöglichkeiten zum Einsatz kommen. Wiederholende Bewegungsabläufe lassen sich mit der MyoPro® Orthese ebenso umsetzen. Diese für den Alltag entwickelte myoelektrische Orthese unterstützt Arm und Hand dabei, Bewegungen und Funktionen mit dem gelähmten oder spastischen Arm wieder auszuführen. Durch die Unterstützung der Myoelektrik, wird der Arm während der Nutzung gezielt vom betroffenen Anwender bewegt, sodass neue Verbindungen im Gehirn geknüpft werden können.

Ataxie

Die MS-bedingte Ataxie - auch ataktische Bewegungsstörung genannt - bezeichnet Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen: Das Zusammenspiel verschiedener Muskeln - vor allem der Arme und Beine, seltener des Rumpfes - ist beeinträchtigt. Feinmotorische, zielgerichtete Bewegungen, wie sie in vielen Alltagssituationen gebraucht werden, sind eingeschränkt. Dazu gehören zum Beispiel das sichere Greifen eines Glases, das Zähneputzen, das Ankleiden, Arbeiten im Haushalt und Tätigkeiten am Arbeitsplatz. Betrifft die Ataxie die Beine, wird der Gang unsicher und breitbeinig. Sturz- und Stolpergefahr sind erhöht.

Basis der Behandlung ist eine intensive Physiotherapie auf neurophysiologischer Grundlage (Bobath, propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation und andere), kombiniert mit Ergotherapie. Sinnvoll ist darüber hinaus, Entspannungstechniken zu erlernen und anzuwenden, zum Beispiel Autogenes Training oder die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson. Hilfsmittel - Gehstöcke, Rollatoren, spezielle Bestecke - erleichtern den Alltag.

Blasenstörungen

Neurogene, d. h. auf der fehlerhaften Funktion wichtiger Nervenbahnen beruhende, Blasenstörungen gehören zu den häufigsten Begleiterscheinungen der MS. Zur langfristigen Vermeidung von Folgeschäden ist die frühzeitige Erkennung und symptomorientierte Behandlung von zentraler Bedeutung. Dabei ist oftmals die Bestimmung der Restharnmenge mittels Sonographie oder Einmalkatheter ausreichend.

Durch das eigene richtige Verhalten können Blasenfunktionsstörungen vor allem im Frühstadium günstig beeinflusst werden. Wichtig ist: regelmässig ausreichend trinken (ca. 2 Liter über den Tag verteilt, sofern Herz und Nieren gesund sind), regelmäßige, auch vorbeugende Toilettengänge, Kontrolle von Trink- und Urinmenge durch ein Tagebuch.

Paroxysmale Symptome

Paroxysmale Symptome ist der Sammelbegriff für Beschwerden, die überfallartig, kurz (maximal wenige Minuten), aber wiederkehrend auftreten. Meist handelt es sich um einschießende Schmerzen in einer bestimmten Körperregion, es kann sich aber auch um plötzliche Gefühls-, Sprech- oder Bewegungsstörungen handeln, seltener auch Juckreiz.

Es kann hilfreich sein, ein Tagebuch zu führen, um zu erkennen, in welchen Situationen paroxysmale Symptome auftreten. Unter Umständen lassen sich solche Situationen, wenn nicht vermeiden, so doch reduzieren. Die meisten paroxsymalen Symptome lassen sich gut mit Medikamenten behandeln.

Barrierefreiheit in der neurologischen Rehabilitation

Ein wichtiger Aspekt bei der Rehabilitation nach Enzephalitis ist die Barrierefreiheit der Therapieangebote für Menschen mit Sehbehinderungen. Leider musste ich kürzlich erleben, dass blinden und sehbehinderten Menschen bei schwerwiegenden, neurologischen Erkrankungen eine neurologische Behandlung und Rehabilitation in wesentlichen Kernstücken nicht möglich ist, weder stationär, noch ambulant.

Viele neuropsychologische Trainingsprogramme sind für blinde und sehbehinderte Menschen nicht zugänglich, da sie in einen rein grafischen Modus umschalten. Es gibt trotz vielen Suchens keine Möglichkeit gefunden, ein neuropsychologisches Training zu finden, das ich hätte machen können, und das, obwohl ich als psychologischer Psychotherapeut mit eigener Praxis nicht ohne Vorwissen über dieses Thema und über Strukturen im Gesundheitswesen bin.

Es gibt in Deutschland 80 blinde und sehbehinderte Psychotherapeut:innen, die sich z.T. Dort ist die Nichtzugänglichkeit dieser Software seit Jahren immer wieder Thema, sowie Versuche, Firmen zu bitten, daran etwas zu ändern, die alle vergeblich waren. Beim Hogrefe-Verlag war die Software HBS bis zur Version 3.2 vollständig nutzbar, so dass ich sie in meiner Praxis einsetzte. Ab Version 3.4 wurde es schon schwierig, ab 4.0 war die Software weder für mich als Psychologen noch für blinde oder sehbehinderte Nutzer zugänglich.

Forderungen nach Barrierefreiheit

Vor einigen Jahren wurden staatliche Behörden verpflichtet, ihre Software barrierefrei zu programmieren, private Firmen, wie Sie wissen, leider nicht. Vielleicht ist es momentan für Sie noch nicht möglich, die Gesetze so zu ändern, dass alle Software barrierefrei sein muss. Überall zog sich durch, dass die Beachtung von Barrierefreiheit nicht sehr kompliziert war. Fügt man das Kommando hinzu: könnten Blinde diesen Text problemlos lesen. Bei privaten Firmen sind wir darauf angewiesen, dass sie bereit sind, sich darüber überhaupt zu informieren und es umzusetzen.

In den USA ist die Situation deutlich besser, unter anderem sicher wegen der Möglichkeit von Schadenersatzprozessen, bei denen die Firmen wegen mangelnder Barrierefreiheit ggf. zu millionenschweren Zahlungen verurteilt werden könnten. Von Apple habe ich sehr viele Produkte. Ohne irgendwas dazukaufen oder installieren zu müssen, sind sie alle sofort nach dem Kauf mit Sprachausgabe und Blindenschriftausgabemodul für jede Braillezeile ausgestattet, aber auch für Seheingeschränkte mit verschiedensten Lupen und Beleuchtungen, für Hörbehinderte mit Zusatzfunktionen, für Bewegungseingeschränkte, die keine kleinen Klicks machen können usw. Technisch ist Barrierefreiheit kein Problem!

Am 2.9.2023 sagte Amalia Gamio, Vizepräsidentin des Ausschusses der Vereinten Nationen für die Rechte von Menschen mit Behinderungen in einer mehrtägigen Anhörung in für sie sehr ungewohnt scharfem Ton, dass die Situation dieser Personengruppe bei uns ein Skandal sei. Die Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung, die seit 2009 gilt, sei in Deutschland sehr schlecht umgesetzt.

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