Spürbarer Pulsschlag und Muskelzucken bei Multipler Sklerose: Ursachen und Zusammenhänge

Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Die Beschwerden bei MS sind individuell verschieden und oft unspezifisch, was die Diagnose erschwert. Ein spürbarer Pulsschlag und Muskelzuckungen können Symptome sein, die im Zusammenhang mit MS auftreten, aber auch andere Ursachen haben können. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für diese Symptome im Kontext von MS und gibt einen Überblick über weitere relevante Aspekte der Erkrankung.

Muskelzucken: Vielfältige Ursachen, selten ein Alarmsignal

Muskelzucken, auch Faszikulationen genannt, sind unwillkürliche Kontraktionen kleiner Muskelfasern. Sie äußern sich als pulsierendes Gefühl oder Zittern und sind manchmal auf der Haut sichtbar. Muskelzucken kann an verschiedenen Körperregionen auftreten und verschwindet meist von allein.

Häufige Ursachen für Muskelzucken

  • Stress: Stress kann dazu führen, dass das Gehirn falsche Signale an die Muskeln sendet, was zu Zuckungen führt.
  • Magnesiummangel: Ein Mangel an Magnesium kann die Muskeln reizen und Zuckungen auslösen.
  • Alkoholkonsum: Alkohol entzieht dem Körper Mineralien, was zu einem Magnesiummangel und Muskelzuckungen führen kann.
  • Bewegungsmangel: Mangelnde Bewegung kann die Durchblutung der Muskeln beeinträchtigen und Zuckungen verursachen.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten: Antidepressiva oder Benzodiazepine (gegen Angststörungen und Epilepsie) können Muskelzuckungen als Nebenwirkung haben.

Seltene, aber ernste Ursachen

In seltenen Fällen können Muskelerkrankungen (Myopathien) sowie neurologische Erkrankungen wie Parkinson, Multiple Sklerose oder Epilepsie hinter Muskelzuckungen stecken. Eine ärztliche Diagnose ist in solchen Fällen unerlässlich.

Muskelzucken im Zusammenhang mit MS

Bei Multipler Sklerose können Muskelzuckungen durch Schädigungen der Nervenbahnen im Gehirn und Rückenmark entstehen. Diese Schädigungen können die Kommunikation zwischen Gehirn und Muskeln beeinträchtigen und zu unkontrollierten Muskelkontraktionen führen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Normales Muskelzucken muss in der Regel nicht ärztlich behandelt werden. Dauern die Muskelzuckungen aber länger als zwei Wochen an oder treten zusätzliche Symptome wie Schmerzen, Krämpfe, Taubheitsgefühle oder Müdigkeit auf, sollte ein Arzt zur Abklärung aufgesucht werden.

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Was kann man selbst tun?

Bei harmlosen Ursachen für Muskelzucken können folgende Maßnahmen helfen:

  • Viel Bewegung: Bewegung regt die Durchblutung in den Muskeln an.
  • Stressreduktion: Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen.
  • Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Magnesium ist wichtig.

Multiple Sklerose: Symptome und Diagnose

Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der die Myelinscheiden der Nervenfasern geschädigt werden. Dies kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, die je nach betroffenem Bereich des Nervensystems variieren.

Häufige Symptome der Multiplen Sklerose

  • Gefühlsstörungen der Haut: Kribbeln, Jucken, drückende oder pochende Schmerzen, gestörtes Temperaturempfinden, Taubheitsgefühle.
  • Fatigue-Syndrom: Übermäßige Erschöpfung, Müdigkeit und Antriebslosigkeit.
  • Motorische Störungen: Schwierigkeiten beim Greifen von Gegenständen, Intentionstremor (Zittern bei gezielten Bewegungen), Kraftlosigkeit in den Gliedmaßen.
  • Sehstörungen: Unscharfes Sehen, Doppelbilder, Gesichtsfeldausfälle (Skotom).
  • Darmfunktionsstörungen: Verstopfung, Durchfall, Reizdarm-Syndrom, Stuhlinkontinenz.
  • Blasenschwäche: Erhöhter Harndrang, Harnverhalt, Inkontinenz, wiederkehrende Harnwegsinfekte.
  • Gedächtnisstörungen: Konzentrationsschwierigkeiten, eingeschränkte Merkfähigkeit.
  • Depression: Hoher Leidensdruck aufgrund der Einschränkungen durch die Erkrankung.
  • Sexuelle Funktionsstörungen: Beeinträchtigung der Libido durch Läsionen im Rückenmark oder Gehirn.
  • Schluck- und Sprechstörungen: Verwaschenes Sprechen, veränderte Stimmlage, Kurzatmigkeit beim Sprechen.
  • Lähmungen: Muskelkrämpfe oder Steifheit in den Extremitäten.
  • Trigeminusneuralgie: Einschießende Gesichtsschmerzen.
  • Uhthoff-Phänomen: Verschlimmerung der Symptome bei erhöhter Umgebungstemperatur oder Fieber.

Diagnose der Multiplen Sklerose

Die Diagnose der Multiplen Sklerose erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus Anamnese, neurologischer Untersuchung, Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns und Rückenmarks sowieLiquoruntersuchung (Untersuchung des Nervenwassers).

Therapie der Multiplen Sklerose

Die Therapie der Multiplen Sklerose zielt darauf ab, die Entzündungsaktivität zu reduzieren, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.

Immunsuppressive Therapie (Basis-Therapie)

Die immunsuppressive Therapie besteht in der langfristigen Gabe von Immuntherapeutika, die die Aktivität des Immunsystems unterdrücken (Immunsuppressiva) oder Immunreaktionen gezielt verändern (Immunmodulatoren). Diese Therapie kann den Verlauf der MS günstig beeinflussen, insbesondere bei schubförmig verlaufender MS (schubförmig remittierender MS) sowie aktiver sekundär progredienter MS (SPMS).

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Arten von Immuntherapeutika

Derzeit stehen verschiedene Immuntherapeutika zur Behandlung der Multiplen Sklerose zur Verfügung:

  • Beta-Interferone (inkl. PEG-Interferon): Modulieren Immunreaktionen.
  • Glatirameracetat: Fördert die Entstehung von T-Zellen, die Immunreaktionen regulieren und eindämmen.
  • Teriflunomid: Hemmt die Neubildung eines Enzyms, das für das schnelle Wachstum von Zellen wichtig ist, insbesondere bei Lymphozyten.
  • Dimethylfumarat: Wirkt immunmodulierend und hemmt Entzündungen.
  • S1P-Rezeptor-Modulatoren (Fingolimod, Siponimod, Ozanimod, Ponesimod): Verringern die Anzahl der Lymphozyten im Blut.
  • Cladribin: Sorgt über verschiedene Mechanismen hauptsächlich bei Lymphozyten für den Zelltod (Apoptose).
  • Natalizumab: Ein gentechnisch hergestellter Antikörper.
  • Ocrelizumab: Ein weiterer Antikörper.
  • Ofatumumab: Ebenfalls ein Antikörper.
  • Rituximab: (Keine Zulassung für Multiple Sklerose).
  • Alemtuzumab: Ein weiteres Immunsuppressivum.

Die Auswahl des geeigneten Immuntherapeutikums richtet sich nach verschiedenen Faktoren, wie der Verlaufsform der MS, der Krankheitsaktivität, vorhergehenden Behandlungen, dem Alter des Patienten, der Verträglichkeit des Medikaments und eventuellen Begleiterkrankungen oder einer Schwangerschaft.

Therapie bei Herzrhythmusstörungen

Herzrhythmusstörungen können bei MS-Patienten auftreten, entweder als Begleiterscheinung der Erkrankung selbst oder als Folge von Medikamenten, die zur Behandlung der MS eingesetzt werden. Die Therapie von Herzrhythmusstörungen richtet sich nach der Art und Schwere der Störung.

Maßnahmen zur Stabilisierung des vegetativen Nervensystems

  • Entspannungsverfahren wie autogenes Training und Tiefenmuskelentspannung nach Jacobson (PMR).
  • Mäßiges körperliches Ausdauertraining.
  • Genügend Schlaf.
  • Reduktion von Genussmitteln.

Medikamentöse Therapie

  • Betarezeptorenblocker können bei höhergradigen Herzrhythmusstörungen oder solchen bei einer Herzkrankheit eingesetzt werden.

Invasive Maßnahmen

  • Verschiedene Herzschrittmachersysteme können bei potenziell lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen zum Einsatz kommen.
  • Ablation (Operation am Herzen) zur Behandlung von Vorhofflimmern.

Psychotherapie

  • Psychotherapie kann bei als quälend erlebten, aber ärztlich als funktionell bzw. nicht bedrohlich eingeschätzten Herzrhythmusstörungen hilfreich sein.
  • Verhaltenstherapie, z. B. als Stressbewältigungstraining.

Funktionelle Herzrhythmusstörungen

Funktionelle Herzrhythmusstörungen sind meist Teilsymptome eines breiteren, psychosomatischen (körperlich-seelischen) Leidens.

Rolle der Pflege bei MS-Patienten mit Herzrhythmusstörungen

Die Pflegekraft spielt eine wichtige Rolle bei der Betreuung von MS-Patienten mit Herzrhythmusstörungen. Zu ihren Aufgaben gehören:

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  • Informationseinholung: Einholen von Informationen über die Krankengeschichte des Patienten, einschließlich bestehender Grunderkrankungen und Medikamenteneinnahme.
  • Dokumentation: Anlegen und Aktualisieren der Pflegedokumentation und Bereitstellung für den Arzt.
  • Kommunikation: Mitteilung relevanter Informationen an den Arzt, insbesondere über das Auftreten von Herzrhythmusstörungen, Begleitsymptome und Veränderungen im Zustand des Patienten.
  • Überwachung: Überprüfung der Vitaldaten (Blutdruck, Pulsfrequenz, Pulsqualität) bei Auftreten von Herzrhythmusstörungen.
  • Beobachtung: Beobachtung des Patienten auf Symptome wie Angst, Benommenheit, Aufregung, Gleichgewichtsstörungen, Zyanose oder Atemnot.
  • Mut machen: Patienten mit Herzrhythmusstörungen Mut machen, insbesondere vor einem geplanten Eingriff wie der Implantation eines Herzschrittmachers.
  • Aufklärung: Aufklärung des Patienten über die Bedeutung von Sonnenschutz und Vermeidung großer Hitze.
  • Medikamentenmanagement: Überwachung der Medikamenteneinnahme und Information des Arztes über mögliche Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen.
  • Notfallmaßnahmen: Einleitung von Notfallmaßnahmen bei Kammerflimmern, sofern keine anderslautende Patientenverfügung vorliegt.

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